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Ausgabe:

1897

Spalte:

176-179

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hilty, C.

Titel/Untertitel:

Glück. 1. u. 2. Tl 1897

Rezensent:

Weizsäcker, Carl

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Theologifche Literaturzeitimg. 1897. Nr. 6.

176

(Bd. X. S. 89—91) zufammengefchrieben, desgleichen faß: I die wieder auf die Infpirationslehre zurückgreift. Sollte
der ganze Bericht über Wolff (S. 136; vgl. Pfleiderer S. i ihm wohl diefe Stellung von feinen Gefinnungsgenoffen
IOI f.). Was über den älteren Rationalismus gefagt [ zur Gerechtigkeit gerechnet werden? Ich denke doch,
wird (S. 137 f.) iß ein dürftiges Excerpt aus Kölling (S. j dafs viele von diefen fo unbefangen fein werden, dem
323—345). Endlich iß ein Satz über Kant (S. 141 f.) wieder verwerfenden Urtheil zuzußimmen, das über eine Leißung
aus Ueberweg (1. Aufl., III, S. 143) abgefchrieben. j auszufprechen iß, welche fleh theils als Plagiat, theils

Um gegen den Verf. nicht ungerecht zu fein, mufs , als Zeugnifs eines hervorragenden Mangels an theolo-
ich hervorheben, dafs feine hinter den meifien Abfchnitten gifcher und philofophifcher Bildung erweiß,
aufgezeichneten Literaturangaben mir die Nachprüfung Wenn ein Candidat fleh herausnehmen würde, feinem

feiner Arbeit erß ermöglicht haben, und dafs er dort Confißorium eine Arbeit wie die vorliegende zum Examen
auch manche Werke genannt hat, aus denen er nichts einzureichen, und in der Prüfungscommiffion auch nur
entnommen; ja die er augenfeheinlich gar nicht gelefen ein Mitglied fäfse, das dahinter zu kommen verßände,
hat. Uebrigens iß die Auswahl der Literatur, die er an- j wie die relativ beflen Theile der Arbeit einfach nur aus
giebt, fo willkürlich und zufällig wie nur möglich; und anderen Büchern zufammengefchrieben find, fo würde er
die grofse Maffe der einfehlägigen neueren Literatur, ohne Zweifel vom mündlichen Examen kurzerhand zu-
fogar ein Werk wie Harnacks Dogmengefchichte, fcheint i rückgewiefen werden. Was aber einem Candidaten nicht
ihm überhaupt unbekannt geblieben zu fein. anfleht und ihn feiner vorgefetzten Behörde gegenüber

Fragen wir nun nach dem, was in dem vorliegenden in ernße Ungelegenheiten bringen würde, iß erß recht
Buche nicht Plagiat oder Excerpt iß, fo verrathen fich eines ordinirten Geißlichen unwürdig. Es iß geradezu
die eigenen Leißungen des Verf. allerdings weder durch j eine Schmach für die proteßantifche Wiffenfchaft, dafs
Gelehrfamkeit noch durch Stoffbeherrfchung oder Reife ! ein folcher dem theologifchen Publikum eine Leißung
des Urtheils, wohl aber durch eine recht naive Kühn- wie die vorliegende anzubieten gewagt hat.
heit und Sicherheit im Conßruiren. Denn die Reflexionen Bonn O Ritfehl

und Refumes, die bald hier bald dort eingeßreut werden,
find ebenfo wie manches andere, z. B. der ganz unzu----

reichende Abfchnitt über das apoßolifche Zeitalter (S. T, r _ .... . „, ... : ,TTT

3 f. unzweifelhaft als geißiges Eigenthum des Verf. an- ! Hllty> 1 rof- Dr- C- Gluck- h TL 2^9- lauf. (III,
zufprechen, fchon wegen ihrer Oberflächlichkeit und' 244 S.) u. 2 Tl. 16.—20. Tauf. (III, 326 S.) 8. Prauen-
Durftigkeit. Es lohnt fleh daher auch nicht, auf diefe feld, J. Huber's Verl. — Leipzig, J. C. Hinrichs' Verl.

Leißungen näher einzugehen. Dagegen find noch einige
Proben von der Unwiffenheit des Verf. zu geben. Auf
S. 27 werden drei Perioden der Scholaßik unterfchieden.
Der erßen, die von 600—1000 reichen foll, wird auch

1896 ä M. 3—; geb. ä M. 4—; in Liebhaberbd.

ä Mi 5.50.

Der erße Theil des Buches ,Glück' von Hilty iß in

Anfelm als Vertreter zugezählt, obwohl er erß 1033 ge- l in der Theol. Lit.-Zeitung 1892 No. 23 durch Lindenberg

boren iß. Die zweite foll bis 1250 zu rechnen fein. Als
ihre Vertreter werden neben Abaelard nur Thomas
von Aquino, der 1227 geboren iß, und Duns Scotus genannt
, als deffen Geburtsjahr früheflens 1260 in Betracht
kommt. Auf S. 88 läfst der Verf. die altproteßantifchen

mit warmer Anerkennung besprochen; die Ausgabe diefes
Theils mit der Jahreszahl 1896 trägt auf dem Titelblatt
die Bezeichnung: Zwanzigfies Taufend.1; Im letztgenannten
Jahr trägt der zweite, in jener Befprechung noch
nicht begriffene Theil die Bezeichnung: Vierzehntes

Dogmatiker eine dreifache Gotteserkenntnifs unter- Taufend. 2) Für ein Buch, das kein Roman iß, und kein
fcheiden, ,eine cognitio dei naturalis — ihre Quelle die Schulbuch iß, mufs das als ein fehr anfehnlicher Erfolg
äuisere Schöpfung; eine insita (die Vernunß), und eine gelten, dazu kommt aber noch, dafs es auch nicht als
acquisita (durch die Schrift)'. In Wirklichkeit aber find Erbauungsbuch betrachtet werden kann, namentlich nicht
nach der Anficht jener Theologen die cognitio insita und als folches für breitere Schichten; dazu iß fchon die Sprache
acquisita nur Unterabtheilungen der cognitio naturalis, zu hoch, die zwar fo treffend als klar iß, aber doch
dagegen die Erkenntnifs durch die Schrift fällt unter den 1 wieder zu viel Literatur vorausfetzt, jedenfalls nicht
Begriff der cognitio supranaturalis. Ferner wird zweimal , Volksfprache iß. Nicht weniger die Gedanken und der
Calixt als orthodoxe Autorität citirt. Gemeint iß aber ; Gedankengang. Sind es daher die Lcfcr aus einem be-
vielmehr Calixts erbittertßer Gegner Calov. Doch : grenzten Kreife, auf die das Buch angewiefen iß, und iß
Schmid kürzt öfters Calov ab in Cal. Daraus ließ nun dabei das Dargebotene wefentlich Lebensweisheit und
der Verf. Calixt. Auch fpricht der Verf. gelegentlich I Religion, fo mufs es doch in ungewöhnlicher Weife
auf S. 94 von scriptura saneta, weil nämlich an diefer packend und feffelnd fein. Und dies trifft in der That
Stelle leine Vorlage sacra als s. abkürzt (Schmid, S. 21, zu. Die Eigenfchaften, welche dazu beitragen, find mehr-
Anm. 7). Ein andermal fagt er S. 98: ,Iß in anderen fach; vielleicht liegt das wichtigße in folgendem. Die
Ausfagen der Sinn dunkel, fo müffen diefe mit anderen : Eigenart tritt uns zunächß entgegen in der krciheit von
Schriftßellen und mit der ävaloyia rfe n/anojg ver- ; lehrhafter Form, von Methode. Wir haben vor uns eine
^liehen werden'. Der Verf. fcheint alfo den Begriff der Reihe von einzelnen Betrachtungen, Abfchmtte, von
onaloecia fidei. nur fehr äufserlich aufzufaffen. Von Klar- welchen jeder ein ganzes für fich iß, und fich als folcher
heit irrt Denken ferner zeugt nicht gerade der Satz: ,In- in üch abgerundet leicht überfehen läfst. Nirgends die
fofern die efficacia die heilige Schrift als Gnadenmittel, Form der Beweisführung im Sinn der Schule. Lauter
nicht als Erkcnntnisprincip betrachtet, bleibt fie bei j Berufung auf Thatfachen, auf die Erfahrung des Lebens,
unferer Darßellung aufser Betracht' (S. 94). Als Meinung ' die überrafchend wirkt, weil fie alles unter ein unerbitt-
Kants endlich wird folgender Unfinn ausgegeben: ,Wie liches, fehr oft neues Licht flellt. Hiermit zufammen
iß Erkenntnis möglich? Blrkennen iß nichts'anderes als ; wirkt aber noch die Fülle von Anfuhrungen aus Literatur
ein fynthetifches Urtheil a priori, etwas vom Subject aus- 1 aller Art, die von einer ungewöhnlichen Belefenheit in
fagen, was nicht fchon im Subject liegt, das aber Dichtern, religiöfen Schnftßellern, Staatsgelehrten, Philo-
alMemein gültig iß' (S. 141). j fophen in alter und neuer Zeit Zeugnifs ablegt. Dabei

° Es iß wenfgflens löblich, dafs fich der Verf. in der Rhaltet fich das alles fo zwanglos und natürlich ein, dafs
B -handluno- feines hißorifchen Themas, fo ungenügend | es nie erdrückend wird, und beläßigt nicht in der Art
fie fonß auch iß, der eigentlichen Polemik gegen anders einer Beweisführung. Selbß die vielen Anführungen
denkende Theologen enthalten hat. Denn er felbß fleht

auf dem auch von feinen Gewährsmann Kölling ver- 1 1897 find gedruckt 24. bis 29. Taufend,

iretenen Standpunkt der modernen orthodoxen Richtung, 1) 1S97 find gedruckt 16. bis 20. Taufend.