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Ausgabe:

1897

Spalte:

146-147

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kvacsala, J.

Titel/Untertitel:

Fünfzig Jahre im preussischen Hofpredigerdienste 1897

Rezensent:

Eck, Samuel

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 5.

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handlung der Trinitätsidee betrifft, fo kann man nach
keiner Seite einen fpecififchen Einflufs nachweifen, fo
nahe fachlich fich beide Autoren ftehen. Um fo auffälliger
ift die berührte wörtliche Coincidenz. Auch der Traktat
lehrt eine processio Spiritus a patre, aber ich finde kein
a patrc et filio, wie Quic. § 22. Erfteres finde ich fonft
noch bei Bachiarius, leUteres bei Paftor. Das „filioque"
wurde vorderhand noch kein Stichwort. Man darf auf
die Verwendung der Präpofition „a" im Zufammenhang
mit procedert im Quic. wohl nicht den Nachdruck legen,
wie Burn thut. Noch bemerke ich übrigens, dafs ein
wörtliches Citat aus Quic. § 3 fich in einer Homilie
findet, die dem 6. Jahrhundert angehören dürfte (ed.
Elmenhorft, f. mein Apoft. Symb. I, 175 Anm. 3).

Ob Loofs bei der Ausarbeitung feines Artikels
Burns Arbeit fchon kannte oder fie erft nachträglich mit
hineinzog, weifs ich nicht. Jedenfalls bewegt er fich auf
einer anderen Bahn und hat mir den Anlafs geboten zu
überlegen, ob ich nicht auf dem Fehlwege fei, wenn ich
feit längerem fchon Ideen hegte, die B. entgegen kamen
und bei ihm eine Beftätigung zu finden fchienen. Allein
ich glaube, dafs ich ihm widerfprechen mufs. Auch er
lehnt die „Zwei Quellen"' ab und meint im Unterfchiede
von Swainfon und Harnack, dafs die Formel wohl ficher
fchon um 600, ja vielleicht fchon um 500 da war. Aber
er denkt doch an ein allmähliges Entftehen derfelben
und glaubt ein wichtiges Moment aus dem Proceffe, in
dem fie lieh gebildet, entdeckt zu haben. Wie ich erwähnte
, hat er eine fehr richtige Beobachtung über das
Stück des Quic, welches Cod. Trev. bot, gemacht. Aber
indem er guten Grund zu der Conjektur zu haben glaubt,
dafs diefer Codex das „Ganze" diefer fides catholica enthalten
habe und zugleich zu der weiteren, dafs diefe
„fides" hier in Geftalt eines Sermons aufgetreten fei, fo
hat er fich auf die Muthmafsung führen laffen, das Ath.
fei wohl zu deuten als eine aus jenem Sermon heraus-
gefchlifiene Formel. Noch Caesarius, wenn er denn der
Autor des S. 244 fei, habe wahrfch ein lieh blos den
Sermon gekannt. Die Gründe, weshalb ich glaube, dafs
L. nicht Recht hat, find die folgenden.

1) Ich meine, L. würdigt den theologifchen Charakter
der Formel nicht fo, wie es angezeigt ift. Es fcheint
mir nicht der gewiefene Weg, nach zufälligen nebenhergehenden
Anregungen die Hypothefe zu fuchen, mit der
man ja allein der Frage vielleicht beikommen kann. Läfst
man zunächft einmal gelten, dafs die Formel von Haufe
aus eine folche gewefen, fo haben die antihäretifchen
Pointen, die fie zeigt, nach den Gefichtspunkten, die ich
entwickelt habe, ein zweifellofes Anrecht vorab in Ueber-
legung gezogen zu werden.

2) L's Hypothefe, dafs Cod.Trev. einen sermo in tra-
ditione symboli enthalten habe, ift mir nicht in dem Maafse
überzeugend, um darauf irgend etwas zu bauen. Sie
kann zu Recht beftehen. Ebenfo möglich ift, dafs wir
den Schlufs eines Dokuments vor uns haben, wie in
Pfeudo-Auguftin S. 236. Ich halte jetzt für wahrfchein-
lich, dafs diefes Stück dem fpanifchen Bifchof Syagrius
zu vindiciren ift (Apoft. Symb. I, 407 ff. und II). Ein
Sermon ift es nicht, fondern wohl ein Schreiben diefes
Mannes, worin er feinen „fratres" die recta fides mittheilt,
weil fie fich nicht zu helfen wiffen. Er übermittelt ihnen
die fides Pelagii. Warum füllte ein anderer in ähnlicher
Lage nicht das Quicunque mit allerhand kleinen
Aenderungen bez. Zwifchenbemerkungen übermittelt
haben? Gefetzt aber, dafs der Codex einen Sermon enthielt
, fo ift es mir nach den Analogien, die ich kenne,
nur wahrfcheinlich, dafs wir darin ein Citat aus dem Quic.
anzunehmen haben. In den fpäteren sermoncs in trad,
symb. find grofse Entlehnungen ganz gewöhnlich. Dächte
ich mir einmal eine expositio symboli als die Vorform,
die Grundlage des Ath.'s, fo hätte diefe Predigt einen
fchlcchthin (insularen Charakter, So formelhaft waren
die expositiones symboli nicht, fie boten viel lockerere

j Umfchreibungen, Begründungen etc. deffen, was das Sym-
j bol fage. Dafs ein Auguftin gelegentlich auf ganz kurze
Strecken in feiner Neigung zu epigrammatifcher Ausdrucksweife
einmal felbft formelhaft wird, indem er die
I Symbolformel exponirt, kann nicht glaubhaft machen, dafs
irgend ein Prediger einmal in trad. symb. einen Sermon
von folcher Art, dafs daraus eine Formel wie das Ath.
fich heraus entwickeln konnte, gehalten habe. Zu einer
folchen Hypothefe dürfte man fich m. E. nur im Noth-
falle wenden.

3) L. geht, wie mich dünkt, zu leicht hin über die
Parallelen, die feit Auguftin für die Ausdrücke des Quic.
nachzuweifen find. Diefelben wollen letztlich in jedem
einzelnen Falle exakt erwogen fein und welchen Spielraum
vielfach das fubjektive Urtheil hat, weifs auch ich
natürlich. Aber fie find mir zu mannigfaltig und zu fehr
zerftreut, als dass mir die Hypothefe wahrfcheinlich wäre,
der Autor des Quic. habe hier diefen, dort jenen Satz
zur Hälfte oder ganz „aufgepickt", wie Burn lieh ausdrückt
.

4) L. wundert fich, dafs das Quic. nicht früher, als
der Fall ift, mit irgend einem Namen genannt werde.
Aber das lag, wie ich fchon oben erwähnte, in der Natur
der Sache. L. conftruirt fich auch die Idee einer Autorität
, die die Formel fchon durch ihren Introitus für fich
in Anfpruch nehme, der ich widerfprechen mufs. Die
Formel ift nicht fo zu deuten, dafs fie als folche von
jedem, der salvus fein will, feilgehalten, „gelernf werden
wollte, wie das „symbolum". Sie ift ein Ausdruck der
fides cath., die auch anders ausgedrückt werden kann,
dem Sinne nach aber fchlechthin gewahrt werden mufs,
wenn man feiig werden will. Neben dem Quic. haben
Jahrhunderte lang andere Formeln, die fides Damasi etc.
eine analoge Rolle gefpielt. Aber das Quic. hatte die
Kunftform vorab, vielleicht auch von vornherein eine cul-
tifche Verwendung. Das hat ihr zuletzt den Sieg verfchafft.

5) Viel Gewicht legt L. darauf, dafs er zeigen könne,
Vinccntius habe die Formel unmöglich gekannt. Aber
dabei ift wieder die Vorausfetzung, dafs "diefelbe, wenn
vorhanden, eine Autorität gewefen fei. Ich fehe mich
nicht gezwungen, das zuzugeben.

Giefsen, Dec. 1896. F. Kattenbufch.

Kvacsala, Prof. Dr. J., Fünfzig Jahre im preussischen Hofpredigerdienste
. D. E. Jablonsky Vortrag, geh. in der
Aula der Univerfität. [Aus: ,Acta et commentationes
imp. univerfitatis Jurievenfis'.) Jurjew, 1896. [Giefsen,
Ricker.] (23 S. gr. 8.) M. —.6b

Der Erneuerung des Gedächtniffes eines unverdienter
j Maafsen zu wenig beachteten Mannes will den einleiten-
i den Worten zufolge diefer Vortrag dienen. Er gründet
j fich auf umfaffende archivalifche Forfchungen, ohne dafs
diefe Quellen im Einzelnen vorgeführt werden. Im Vergleich
mit Kleinert's Artikel in der R. E. 2 VI, 428—431,
, der bisher „ausführlichften" Arbeit über D. E. Jablonsky,
kann ich doch nicht finden, dafs an den wichtigften
Punkten wefentlich Neues geboten würde. Die Be-
ftrebungen Jablonskys um Union der evangelichen Kirchen
einerfeits, feine fowohl auf den Traditionen der Unität
wie auf anglikanifchen Sympathien beruhenden Bemühungen
um Erneuerung des Episkopats andrerfeits
j find hier kaum umfallender und tiefgreifender gefchildert,
als das bei Kleinen der Fall war. Hingegen find allerdings
die diplomatifchen Anftrengungen zu Gunften der
Proteftanten in Ungarn und Polen — Anderes nur kurz
— ausführlicher dargeftellt. Kleinen bietet hierfür fall
nur allgemeine Redewendungen. Tritt nun der Eifer des
Univerfitätsbifchofs, der zugleich preufsifcher Hofprediger
war, Schutz und Hilfe für die bedrängten Glaubensge-
noffen zu erwirken, dabei in helles Licht, fo zeigt doch
Jablonskys Eingehen auf die phantaftifchen politifchen