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Ausgabe:

1897 Nr. 5

Spalte:

133-135

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burkitt, F. C.

Titel/Untertitel:

The old Latin and the Itala 1897

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 5.

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y.ai fiägri gec, Paulus berief fich auf die Chriftuserfcheinung die einzelnen biblifchen Bücher einer gesonderten Betrach-
vor Damaskus. Worauf fich die in der nachapoftolifchen tung zu unterziehen. Er greift Daniel, lob und die
Generation auftretenden danamlai berufen haben, wiffen i Evangelien heraus, und es ift ihm fo möglich geworden.

wir nicht; vielleicht dafs fie den Paulus als Eidhelfer
mifsbrauchten. So angefehen liegt das Wefen des
Apoftolats nicht fowohl in feinem charismatifchen Charakter
, als vielmehr in dem Auftrag Chrifii, der die
charismatifch begabte Perfönlichkeit zum Apoftel macht

Ueberlieferungsverhältniffe feftzuftellen, die, fcheinbar auf
der Hand liegend, doch bisher ftets überfehen worden
waren.

I. Die alte africanifche Kirche hat eine aus der
LXX-Verfion gefloffene Danielüberfetzung gebraucht, die

Und weiter. H. beflimmt die fpecififche Differenz des ; fich dem Cod. Chifianus, dem hexaplarifchen Syrer als
Apoffelbegriffs in der kirchengründenden Arbeit und j dritter Textzeuge anreiht. Faft wichtiger aber ift die
in der Schaffung des Neuen Teftaments. Aber gab es { nunmehr aufgedeckte Gefchichte der allmählichen, bald
eine judenchrifthche Kirche in der apoftolifchen Zeit? völligen Verdrängung. Nur Tertullian und Victorin von
Die Zwölf, infoweit fie in Jerufalem wirkten, hatten fich | Pettau benutzen fie [von hier fällt zugleich ein interef-
von den ifraelitifchen Heiligthümern nicht losgelöft j fantes Licht auf die Kompofition der unter Tertullians
(S. 126). Ueberhaupt darf man nach neuteftamentlichem ! Namen flehenden Schrift crdversus Ltdacos]; Cyprian hat
Sprachgebrauche Kirche und Gemeinde nicht in dem einen Mifchtext; fchon der Autor des Computus vom
Sinne entgegenfetzen, dafs die kirchengründende und j Jahre 243 und dann alle folgenden benutzen einen latei-
die gemeindegründende Thätigkeit als grundfätzlich ver- j nifchen Theodotion-Daniel. Hieronymus weifs es nicht
fchieden betrachtet werden. Dafs ferner die Schaffung | anders, als dafs dies die kirchliche Ueberfetzung fei.

Burkitt hebt mit Recht hervor, wie wichtig es fei, an
einem Punkte einmal mit Sicherheit die völlige Verdrängung
einer biblifchen Textgeftalt durch eine andere,
ohne „Zeugniffe" nur auf Grund des vorliegenden Mate-
riales conftatieren zu können; damit fällt das Haupt-

des Neuen Teftaments nicht als fpecififches Werk des
Apoftolats bezeichnet werden darf, erhellt ans Luk. 1, 2.
Hebr. 2, 3; die uy.ovaavveg hier, die avionrai y.ai vrtijQitCU
■rnv Xöyov dort find nicht blos Apoftel. Und endlich
der Name Apoftel felbft. Wie will man diefe original-

chriftliche Prägung erklären, wenn das Moment der I argument, welches man ftets gegen die Annahme von

Sendung, alfo der perfönlichen Beauftragung, für den
Begriff bedeutungslos wäre?

Ich mufs mich auf die Prüfung des Hauptpunktes
befchränken. Mit meinen Einwendungen möchte ich zugleich
meine Dankbarkeit für die reiche Anregung, die

Textrecenfionen geltend gemacht hat (z. B. neuerdings
Blass, Acta apostolorum 1896 p. XII).

2. lob hat in den drei nachweisbaren griechifchen
Formen, wie fie die thebaifche Verfion, die Codices S5BAC,
endlich öieBcxapla repraesentieren, auch lateinifchexiftiert,

H's geiftvolle Unterfuchungen gewähren, bezeugen. Denn 1 indem der bei Cyprian, Lucifer, im Speculum und bei
für die Werthung der evangelifchen und apoftolifchen 1 Priscillian nachweisbare africanifche Text jene kürzefte
Gefchichte bieten diefelben mannigfache Förderung. Ich Form darftellt, der griechifche Vulgärtext von Ambro-
hebe darunter befonders hervor die feinfinnigen Bemer- fius, der hexaplarifche von Hieronymus und Auguftin
kungen über Jefu Jüngererziehung und feine Lehrart | benutzt ift.

(S. 10 f.), die Charakteriftik des Paulus als ,Virtuofen der 3. Am verwickelften liegt das Problem bei den Evan-

Seelforge', die Erwägungen über feine Bekehrung und gehen, zugleich giebt es hier das reichlichfte Material,
feine Beziehungen zu den Zwölf und den Judailten i und ift hier fchon am meinen gearbeitet worden. Als
(S. 83 f.), über das .Apofteldecret' (S. 88), über die anerkannt darf gelten, dafs zwei Texttypen zu unter-
Charismata (S. 116), die treffende Widerlegung von Hol- ! fcheiden find, deren einer deutlich africanifche Färbung
ftens Conftruction des Bekehrungsvorganges (S. 72 f.) : an fich trägt, deren anderen man zum Unterfchied den
und von Seuferts phantafievoller Tendenzkritik des I europäifchen nennt. Umftritten aber ift noch das Problem,
Johannesevangeliums (S. 53 f.). — Der Stil H.'s ift durch- | ob der letztere eine felbftändige Ueberfetzung oder eine
fichtig und lebendig. Diefer Eindruck wird durch Aus- Bearbeitung des erfteren ift. Durch vortrefflich geordnete
drücke wie individuelle Eigenart, methodifcher Schlüffel, j Ueberfichten über die Ueberlieferung einzelner Stellen,
Diminuirung, mitkaufiren, grundleglich kaum beeinträch- vor allen jener hochintereffanten Interpolationen, die
tigt. S. 108 Z. 11 v. u. L Chriftus ftatt Paulus. der occidentale Text aufweift, führt Burkitt den Beweis,

Leipzig. G. Heinrich

Burkitt, F. C, M. A., The old Latin and the Itala. With
an appendix containing the text of the St. Gallen
palimpsest of Jeremiah. (Texts and Studies, edited
by J. A. Robinson, vol. IV, no 3.) Cambridge, at the
University Prefs, 1896. (VIII, 96 S. gr. 8.) 3 s.

Vorliegendes Heft der Texts and Studies, W. Sanday
gewidmet, enthält eine kleine, aber ausgezeichnet feine

Untersuchung, der man mit gefpannteftem Intereffe folgt, lateinifchen Textes nicht auf Kunde, fondern auf eigner

dafs thatfächlich der africanifche Text die Grundlage
bildet, darum der cod. Verccllencis (a), der diefem von
den „europäifchen" Texten am nächften fleht, als deren
urfprünglicher, cod. Veronensis (b) aber als Vertreter einer
weitergehenden Bearbeitung anzufehen fei. Thatfächlich
hat es nie an dem Beftreben gefehlt, den lateinifchen
Text auf grund des griechifchen hie und da zu bessern.
Das kann man aus den diesbezüglichen Aeufserungen
Augustins über feine eigene Thätigkeit mit Evidenz be-
weifen, während die Ausfagen deffelben wie feines Zeit-
genoffen Hieronymus über die ältere Gefchichte des

deren Refultate, fo überrafchend fie kommen, doch kaum Reflexion beruhen (fo fehr richtig Th. Zahn, Gefchichte
anfechtbar fein werden. Vorbildlich kann man die Art des NTlichen Kanons I 33.)

der Darlegung nennen: mit knappen Worten wird das 4. Am meiden Intereffe dürfte aber die hiermit enge

Problem skizzirt, und der Weg zur Löfung gewiefen. zufammenhängende zweite Unterfuchung beanfpruchen.
Dann aber wird dem Lefer das gefamte Material in äufserst Burkitts Schrift heifst: the Old Latin and the Itala;
überfichtlicher Form vorgelegt und es ihm ermöglicht, J früher fprach man von Itala und Vulgata. Erftere Befall
mühelos nachprüfend felbft das Refultat zu gewinnen, j Zeichnung, von Sabatier für eine einheitliche vorhierony-
Burkitt hat bei den zu gründe liegenden Vorlegungen mianifche lateinifche Bibel gebraucht, hat als folche längft
nicht das ganze fchwierige Gebiet der lateinifchen Bibel weichen müffen. Neuerdings fahen die Meiden nach dem
behandeln wollen, fondern nur einzelne, abgelegene, ver- Vorgange von Hort, Academy 1880, 14. Aug., auch
nachläffigte Punkte. Sein Büchlein gewährt trotzdem eine ' Introd. § 110 (anerkannt von Gregory Proleg. 948 A. 2;
treffliche Einführung in die verwickelten Probleme über- | Scrivener4 II 43. 55; Schaff, a companion 145; Warneid,
haupt. Und zwar dies eben dadurch, dafs er einmal j introduetion7 66 ff. u. a. m.) darin nur einen befonderen
Ernft macht mit dem Grundfatz, die Ueberlieferung für I in Norditalien (Mailand) gebrauchten Zweig des euro-