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Ausgabe:

1897 Nr. 3

Spalte:

68-73

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Resch, Alfr.

Titel/Untertitel:

Aussercanonische Paralleltexte zu den Evangelien. 2. u. 3. Hft 1897

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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67

Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 3.

6,3

Meffias zu vermuthen .... Anderfeits geht es fchwer-
lich an, in diefer räthfelhaften Verbindung eine Bezeichnung
für den Meffias zu finden, worauf uns der Gedankengang
führte. Jedenfalls aber wäre es eine verkehrte
Methode, wenn man diefe zweifellos unklaren Worte
dazu benutzen wollte, um eine gefchichtliche Situation
zu fubftituiren, die in den zweifellos klaren Worten des
Pfalmes keinerlei Anhalt hat'

Die Belehrung über die richtige Methode nimmt
fich hier fehr fonderbar aus. Der Verf. hätte einfehen
follen, dafs er bei feinen Vorausfetzungen durch unfere
Stelle ad absurdum geführt wird und fich dann aufs
Neue gründlich überlegen follen, ob man nicht bei einer
anderen (nämlich der gewöhnlichen) Erklärung auf viel
einfachere Weife ans Ziel kommt. Das wäre meines
Erachtens die richtige Methode gewefen.

Noch zwei andere Stellen find für die Beziehung
auf Pompeius fchlechthin entfcheidend. Nach Pf. XVII,
14 werden durch den Eroberer die Gefangenen weggeführt
ins Abendland (ßcug sni dvauiöv). Wie pafst
dies auf die feleucidifchen Machthaber? Frankenberg
hilft fich fehr einfach durch die freie Ueberfetzung ,in
das fernfte Exil' (S. 38; in der hebräifchen Ueberfetzung
S. 82 gibt er die Worte richtig durch 2"13?52"JJ? wieder,
ohne aber in der Unterfuchung davon Gebrauch zu
machen). In Pf. II, 30—31 werden die näheren Um-
ftände beim Tode des Pompeius mit aller nur wünfchens-
werthen Genauigkeit angegeben. Der Drache wird ermordet
bei den Bergen Aegyptens {sy.v.s/.svzriusvov sni
tiZv bgiiov Aiyvnxov), fein Leichnam auf den Wellen
hin- und hergetrieben und nicht beerdigt (zb owuct auzov
diacpEQOLisyov [fo Gebhardt] sni v.vudzwv sv vßgsi nolljj,
y.ai obx rpv u Dd.7iziov). Bekanntlich wurde Pompeius,
als er in Aegypten landen wollte, im Boote ermordet;
fein Leichnam blieb unbeerdigt am Ufer liegen. Frankenberg
gefleht, dafs die Worte auf den Tod des Pompeius
,fchön zu paffen fcheinen' (S. 11), fieht fich aber
doch genöthigt, diefe Deutung zu verwerfen und fie als
eine (nicht erfüllte) Weiffagung auf Antiochus Epiphanes
zu beziehen (S. 11 f.)

Man darf vermuthen, dafs der Verf. die Schwächen
feiner Pofition deutlicher bemerkt hätte, wenn er die vorhandene
Literatur beachtet hätte. Er fcheint fich um
diefelbe, abgefehen von Wellhaufen's Pharifäern und
Sadducäern, wenig gekümmert zu haben.

Der Unterfuchung über die Entftehungszeit der
Pfalmen ift eine hebräifche Ueberfetzung beigegeben,
welche ich nicht geprüft habe. Hoffentlich enthält diefelbe
mehr Haltbares als die vorhergehende Unterfuchung
.

Göttingen. E. Schürer.

Votiert, Gymn.-Oberlehr. Lic. Wilh., Tabellen zur neu-
testamentlichen Zeitgeschichte. Mit einer Überficht
über die Codices, in denen die neuteftamentlichen
Schriften, bezeugt find. Leipzig, A. Deichert Nachf.,
1897- (55 S. gr. 8.) M. 1.40

Was man feit Schneckenburger unter ,Neuteftament-
licher Zeitgefchichte' verfteht, fcheint dem Verfaffer unbekannt
zu fein. Er gebraucht diefen Ausdruck fowohl
im Titel als im Vorwort für diejenige Disciplin, welche
Andere die ,Einleitung ins Neue Teftament' nennen.
Denn lediglich Tabellen zu diefer bietet feine Schrift.
Nach dem Vorwort find die Tabellen ,im Ganzen nach
Weifs' Einleitung ins Neue Teftament' gemacht. Ich
vermuthe aber, dafs Weifs die Verantwortung für den
Inhalt der Schrift doch ftark ablehnen wird. Zur Cha-
racterifirung mögen folgende zwei Stellen genügen.

S. 6 (über Matthäus): ,Wie weit das griechifche
Matthäusevangelium den Apoftel zum Verf. habe, ift
nicht auszumachen; dafs es im Wefentlichen dem (hebräifchen
) Original entfpricht, geht a) aus den Rede-
ftücken, b) daraus hervor, dafs niemals der leifefte
Zweifel an feiner Apoftolicität laut geworden ift.'

S. 40 (über die Apokalypfe): ,Die Verfchiedenheit
nach Sprache und Darftellungsweife zwifchen ihr und
den übrigen joh. Schriften werden mindeftens aufgewogen
durch bedeutende Gleichheit der Lehranfchauung und
auch wieder in der Sprache, und die geringe Schwierigkeit
, die entgegenftehenden Erfcheinungen auch anders
zu erklären.'

Nach S. 6 ift ßaaiXeLa zcjv ovgavüv = O^rib Pßbaa,
usxavoelv = tfitö {sie).

Wer feine Befähigung zu theologifcher Arbeit durch
folche Leiftungen documentirt, follte die Abfaffung von
Büchern, die (wie das vorliegende nach dem Vorwort)
,zunächft für Theologen beftimmt' find, doch lieber Anderen
überlaffen.

Göttingen. E. Schürer.

Resch. Alfr., Aussercanonische Paralleltexte zu den Evangelien
. 2. u. 3. Hft. [Texte u. Unterfuchungen zur Ge-
fchichte der altchriftl. Literatur, hrsg. von O. v. Gebhardt
u. A. Harnack, 10. Bd., 2. u. 3. Hft] Leipzig,
Hinrichs. (gr. 8.) M. 41 —

2. Paralleltexte zu Matthaeus und Marcus. (VIII, 456 S.) 1894.
M. 14.—. — 3. Paralleltexte zu Lucas. (XII, 847 S.) 1895. M- 27-—

Das umfangreich angelegte Werk von Refch liegt
nunmehr für die Synoptiker in abgefchloffener Geftalt
vor uns. Auf die Agrapha find die ,aufserkanonifchen
Paralleltexte' in drei Heften (I. Allgemeines, II.Heft: Matthaeus
und Markus, III. Heft: Lukas) gefolgt. Das abge-
fchloffene Werk erfordert noch einmal eine zufammen-
faffende Beurtheilung, obgleich diefe im Grunde fchon
einmal vom Referenten gegeben ift.

Jedenfalls haben wir in dem vorliegenden Werk ein
für den Textkritiker des neuen Teftaments unentbehrliches
und an Vollftändigkeit bisher auch nicht im ent-
fernteften erreichtes Sammelwerk mit Freuden zu be-
grüfsen. Freilich erheben fich auch hier fchon allerlei
Bedenken. Erhebliche Einwände find gegen die Genauigkeit
der Sammlung bereits von anderer Seite erhoben.
(G. G. A. 1896.) Schlimmer als folche Ungenauigkeiten
im Einzelnen, bei denen es fich fehr oft doch nur um
Minutien handelt, erfcheinen mir folgende Mifsftände.
Schon die Eintheilung des ganzen Werkes in Agrapha
und aufsercanonifche Paralleltexte fcheint mir eine unglückliche
. Die Grenzbeftimmung zwifchen Agrapha und
Paralleltexten ift oft eine fehr fchwierige. So kommt es,
dafs oft Wiederholungen nicht vermieden find, oder dafs
zufammengehörige Dinge auseinandergeriffen find, fo dafs
man fich diefe erft mühfam wieder zufammenfuchen mufs
(Beifpiel: Die Varianten zum Taufbericht). Leider konnte
der Syrus Sinaiticus am Anfang nicht benutzt werden.
Aber auch wo er herangezogen ift, ift feine Benutzung
eine ungenügende und unvollftändige. Am meiften Bedenken
erheben fich gegen R.'s Benutzung der Itala. Ausführlich
citirt ift von den Italahandfchriften nur eine, der
Codex Colbertinus; der Grund dafür ift nicht recht ein-
zufehen. Ja oft vermifst man bei einer Variante den Nachweis
ihrer Verbreitung in Italahandfchriften vollftändig,
und ein folcher Nachweis wäre doch wichtiger, als die
Aufzählung einer Reihe von Citaten lateinifcher Kirchenväter
, die gegenüber der Itala erft als Zeugen zweiten
Ranges in Betracht kommen. Endlich ift dadurch, dafs
Refch alle Kirchenvätercitate in voller Ausführlichkeit
notirt, trotz aller Unterftreichungen im Druck das Material
recht unüberfichtlich geworden. Dafs R. wichtige
Citate in voller Ausführlichkeit bringt, ift nicht genug zu
loben. Aber es hätte hier vielleicht ein Mittelweg zum
Zweck gröfserer Ueberfichtlichkeit gefunden werden können
. Ich betone jedoch noch einmal, dafs R. fich durch