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Ausgabe:

1897 Nr. 2

Spalte:

44-48

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Robinson, J. Armitage

Titel/Untertitel:

Euthaliana. Studies of Euthalius codex H of the Pauline epistles and the Armenian version 1897

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 2.

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Auf eine Befprechung von Einzelheiten mufs Refe- j Stamm behandelten Wörter am Schlufs des Ganzen foll
rent natürlich verzichten. Lebhaft ift zu bedauern, dafs | das Suchen erleichtern. Der Umfang des gefammten
für die nachexilifche Literatur das äufserft gehaltvolle Lexikons kann ziemlich beträchtlich werden; denn auf
Buch von Ed. Meyer, die Entftehung des Judenthums den 640 S. ist der Verfaffer erft bis zu idvog gelangt,

(Halle 1896), noch nicht benutzt werden konnte. Auch
Driver redet (S. XVIII) im Einklang mit dem Chroniften
noch von Esra ,dem Schriftgelehrten'; durch Meyer's

was (wenn man nach Cremer berechnet) im Ganzen faft
1800 S. erwarten läfst.

In den Zufätzen und Berichtigungen S. VII f. erzweif
ellos allein richtige Deutung des sm ISO Esr. 7, 12 fcheint oft der Name des trefflichen Grachten van Herais
,des Schreibers des Gefetzes etc.' ift uns ein unum- werden, der jetzt des Verf.'s College ift (nämlich beim
wundenes, urkundliches Zeugnifs über die Herkunft des I Erfcheinen des 1. Stücks war Baijon noch Prediger).
Gefetzbuchs Esra's erfchloffen, mag es auch bereits vom ; Wir möchten rathen, fich diefer Unterftützung für die
Chroniften durch die Umfetzung des Schreibers (refp. j kommenden Stücke noch ausgiebiger zu bedienen. Einen
Verf.) in den Schriftgelehrten verdunkelt worden fein. Philologen befremdet nicht Weniges in diefem Buche,
Neben dem Verf. verdient aber auch der Ueber- z. ß. (um nur Einiges anzuführen), wenn er (S. 290)
fetzer, Prof. Rothftein, ein Wort warmfter Anerkennung. SQxsv»og, was er als „Wachholder" kennt, mit den Bc-
Der Verf. felbft gibt ihm S. VIII des Vorworts das j deutungen „Olivenbaum" und „Cypreffenbaum" ange-
Zeugnifs: ,Die Ueberfetzung unterfcheidet fich in keinem führt findet, unter Verweifung auf zwei Stellen der LXX
Punkte von dem engl. Original'. Nach der Probe, die ! wo die entfprechenden hebr. Wörter diefe Bedeutungen
Prof. Rothftein in der Ueberfetzung von Robertfon s haben oder haben follen. Aber die falfche Ueber-
Smith's ,Das alte Teftament. Seine Entftehung und Ueber- fetzung der LXX macht den Wachholder nicht zur Olive
lieferung' (Freib. 1894) bereits dargeboten hatte, war noch zur Cypreffe. S. 636 wird als mögliche Ableitung von
von vornherein eine treffliche Leiftung zu erwarten, eyxä'lfroedie von eyxatirjoöcti angegeben. S. 113 m^wuhum
Prof. R. hat fich aber nicht mit der Rolle des Ueber- j „ftumpf werden." Nicht doch, fondern Zahnfchmerzen
fetzers begnügt, fondern an mehr als 100 Stellen An- j haben, und unter den Belegftellen ift Ezech. 18, 4 falfch
merkungen textkntifchen, hterarkntifchen oder bibho- j (v. 2 v. 1. für syo^icpiuam^ S. 295 aquog, ov, 6 Lamm,
graphifchen Inhalts beigefügt, die faft durchweg auch | Nicht doch, fondern uqvüg ift Genitiv zu dem (faft un-
die Zuftimmung des Verf.'s gefunden haben. Ganz be- belegten) Nomin. aq-qv, und wenn der Verf. feine Beleg-
fonders dankenswerth find eine Anzahl von Excurfen, in , ftellen aus den LXX aufgefchlagen und nicht nur ooiwr,
denen der Ueberfetzer forgfältig über die neueften Bei- | fondern auch uova dafelbft gefunden hätte, fo hätte er
träge zur Quellenfcheidung referiert (fo S. 121 ff. über i"den Unfinn merken müffen. Allerdings verzeichnet auch
Steuernagel's Analyfe des Deut., S. 132 f. über die ver- pape dQV6g als fpätere Nominativform, aber von feinen
fchiedenen Schichten innerhalb Jjaad 163 ff. u. a. ( Belegen ift Pollux 7, 154 vorlängft durch Bekker aus

Handschriften berichtigt, fo dafs nur fpäte Byzantiner
als Zeugen übrig bleiben.

Halle. F. Blafs.

über Bäntfch's Analyfe des Heiligkeitsgefetzes, S. 179
über Frankenberg's und Kalkoff's Arbeiten zum Richterbuch
, S. 362 f. über Habakkuk) oder feine eigene Auf-
faffung ausführlicher darlegt (fo S. 261 in Betreff des
,Knechtes Gottes', S. 333 in Betreff des Joel, S. 399 ff. über

die Entftehung des Pfalters). Wenn fomit der Ueberfetzer Robinson, Prof. J. Armitage, B. D, Euthaliana. Studies

zugleich als kompetenter Fachmann feines Amts ge
waltet hat, haben wir um fo mehr Anlafs, auch diefem
Werke Driver's in Deutfchland freundliche Aufnahme und
fleifsigen Gebrauch zu wünfchen.

Halle a. S. E. Kautzfeh.

Baljon, Prof. Dr. J. M. S., Grieksch-theologisch woordenboek

hoofdzakelijk van de oud-chriftelijke letterkunde.
1—3 ftuk. Utrecht, Kemink en Zoon (1896). (VIII,
640 S. gr. 8.)

of Euthalius codex H of the Pauline epiftles and the
Armenian verfion. With an appendix containing a
collation of the Eton MS of the Pfeudo-Athanafian
fynopfis. [Texts and Studies etc., ed. by I. A. Ro-
binfon. Vol. III. Nr. 3.] Cambridge, at the Uni-
verfity Press, 1895. (X, 120 S. gr. 8.) 4S.

Es ift erfreulich, zu beobachten, wie in der letzten
Zeit die lange vernachläfligte textkritifche Arbeit am
neuen Teftament wieder in ihrer ganzen Breite aufgenommen
wird. Einen befonderen Beleg hierfür bietet
die vorliegende Euthaliusftudie. Mufste man fich noch

Das neue „griechifch-theologifche Wörterbuch" ift
leider holländifch verfafst, und kann fomit aufserhalb j vor kurzem, wenn man fich über Euthalius unterrichten
Hollands kaum auf eine nennenswerthe Verbreitung ! wollte, an die alten Werke von Zacagni und Montfaucon
rechnen. Der Verf. hat es auch jedenfalls für fein In- wend^ f°_llegt nun ^bereits fchon eine ganze Reihe
land beftimmt; denn es ift in der Hauptfache eine hol-
ländifche Ueberfetzung unferes Cremer, allerdings um

von Arbeiten vor, die fich mit diefer Frage fpeciell be-
fchäftigen oder fie doch ftreifen, und die vorliegende
dne'Vehr gröfse Anzahl kürzerer Artikel vermehrt, (damit Schrift darf hier als eine vorläufig abfchliefsende Arbeit

es nicht nur den gefammten Sprachfehatz des NTeft.,
fondern auch das Wichtigfte aus den LXX und ferner
auch der altchriftlichen Literatur umfalle. Wir finden
alfo z. B. citirt (als einzige Belegftellen): Sibyllinen, Philo,

gelten (f. den Literaturüberblick p. 5—8).

Unter dem Namen Euthalius befitzen wir eine Ausgabe
der paulinifchen Briefe und eine zweite der Acta
und katholifchen Briefe. Der Stand, die Zeit und das

Acta Thomae, Tatianus, Epiphanius, Athanafius u. f. w. j Heimathsland diefes Mannes find faft vollftändig un-
Die Grenze für das Herangezogene ist allerdings etwas , bekannt und können nur aus den Andeutungen feiner
unbeftimmt, und der Verf. erklärt felber, dafs er weniger ; Werke erfchloffen werden. Diefes Werk felbft aber liegt

den Anforderungen der ftrengen Wiffenfchaft als denen

practifcher Brauchbarkeit, namentlich für Studirende der fehr verwickelten textlichen Ueberlieferung vor; auch

in zahlreichen neuteftamentlichen Minuskeln in einer

Theologie, Rechnung getragen habe. Weiter hatte das
Zufammenarbeiten des Cremer'fchen Werkes mit einem
gewöhnlichen Lexicon noch die Schwierigkeit, dafs die
Anordnung in jenem nach Stämmen gemacht ift, nicht
nach Worten. Diefem Vorbilde durchweg zu folgen erwies
fich als unmöglich; alfo haben wir eine Mifchung
beider Principien, und ein Verzeichnis der nach dem

reicht der von Zacagni hergeftellte Textapparat zu einer
genaueren Unterfuchung keineswegs aus. Daher die
grofsen Differenzen, die zwifchen den Forfchern auf
diefem Gebiet herrfchen. Ift doch fogar der Verfuch
gemacht, dem Euthalius völlig die Exiftenz abzulprechen,
und fchwanken die Forfcher bei der Beftimmung der
Zeit feiner Werke zwifchen 350 und 450.