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Ausgabe:

1897 Nr. 22

Spalte:

588-589

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ernst, Jos.

Titel/Untertitel:

Die Lehre des hl. Paschasius Radbertus von der Eucharistie. Mit besonderer Berücksichtigung der Stellung des hl. Rhabanus Maurus und des Ratramnus zu derselben 1897

Rezensent:

Hauck, Albert

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 22.

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erwachten waren, fernzuhalten und zu verkündigen, ohne I of the Elder's function zu fehen (97 fr. 190 ff. 211 ff.). Aller-

dafs das Chriftenthum, zu dem er fich bekannte, diefelbe
nennenswerth oder gar principiell umgeflaltete, wie vielmehr
das Chriftenthum nur hinzutrat, für fein Bewufstfein
den bisherigen Befitz mit Garantien umgebend, den ganzen
Anfchauungskreis abfchliefsend und im Einzelnen zu tieferer
Auffaffung führend — eine jüdifche Analogie zu den
griechifchen Apologeten. Mindeftens davon hat Sp.'s
Unterfuchung derfelben auf ihren fpeciflfch chriftlichen
Gehalt aufs Neue uns einen klaren Eindruck verfchafft.
Niemand wird das Buch ftudiren, er mag zuletzt feine Hy-
pothefen ablehnen oder abändern, ohne fich ihm für eine
Fülle von Anregung und Belehrung zu Dank verpflichtet
zu fühlen.

Berlin. v. Soden.

Hort, Fenton John Anthony, D.D., The Christian ecclesia.

A course of lectures on the early history and early
conceptions of the ecclesia, and four sermons. London
, Macmillan & Co., 1897. (XII, 306 S. 8.) 6 sh.

Die Vorlefungen, die den Grundftock diefer weitern
Veröffentlichung aus Hort's Nachlafs bilden (über die
frühern vgl. Jahrg. 1895, gif. 1896, 158 f. 47 5 f.), find im
Winter 1888,89 m Cambridge gehalten worden. Sie nehmen
fortwährend, auch wo das nicht ausdrücklich gefagt

dings geht es, nachdem die Hatch-Harnack'fche Theorie
immer allgemeiner aufgegeben worden ift, nicht an, zu
der Behauptung einer urfprünglichen Identität von
JTQEOßvvsQoi und sxiöxojcoi zurückzukehren; Löning hat
ja aber auch bereits im wefentlichen die richtige Löfung
des Problems angegeben, die nur für die Paftoralbriefe
durch Anerkennung des fchon hier vorausgefetzten mo-
narchifchen Epifkopats zu corrigiren ift (vgl. meine Einheitlichkeit
der paulinifchen Briefe 157 f.).

Den Schlufs des vorliegenden Bandes bilden vier
Predigten Hort's aus den Jahren 1873 bis 1890, die fich
nur z. Th. auf das Thema der Vorlefungen beziehen. Die
dritte ift eine Erklärung der Wand- und Glasmalerei in
der Capelle des Emmanuel College, die 1884 nach Hort's
Angaben ausgeführt wurden und auch hier überfichtlich
katalogifirt find; die zweite verbreitet fich über die Aufgabe
einer englifchen Univerfität.

Halle a. S. Carl Clemen.

Ernst, Dr. Jos., Die Lehre des hl. Paschasius Radbertus von
der Eucharistie. Mit befonderer Berückfichtigung der
Stellung des hl. Rhabanus Maurus und des Ratramnus
zu derfelben. Freiburg i/B., Herder, 1896. (IV, 136 S.
gr. 8.) M. 2.20

wird, auf die Verfaffungsfragen Rückficht, wie fie in der J Die hier zu befprechende Schrift beginnt mit einer
englifchen Staatskirche feit längerer Zeit controvers find. I Ueberficht über das Leben Radberts, welche in keiner
Dem deutfchen Lehrer mag daher manches als felbftver- j Hinficht etwas Neues bietet. Ich möchte das nicht tadeln,
ftändlich erfcheinen; von andern Unterfuchungen Hort's J da der Verfaffer nicht über das Leben, fondern über

dagegen wird auch er noch lernen können.

Dahin gehört vor allem diejenige über den urfprünglichen
Sinn des Apoftelnamens, der nach Hort was not

intended to describe the habitual Delation of the Jwelve to
our Lord during the days of His ministry, but strictly spec-
king only that misston among the villages, of which the
beginning and the end are recorded for us; Just as in the
Acts, Paul and Barnabas are called Apostles (i. e. of the
Church of Antioch) zvith reference to that special mission
which zve call St. Paulis First Missionary Journey, and
to that only (28). Ebenfo ift der Abfchnitt über die Charismen
fort und fort beachtenswerth; Hort trifft hier mehr-

die Lehre des Abts von Coibie zu handeln gedachte.
Nur würde ich es fachgemäfser gefunden haben, wenn
er feinen Lefern diefe fünf Seiten ganz erfpart hätte.
Angaben über die Entftehungszeit der Schriften, die er
hauptfächlich behandelt, mufste er dagegen bringen. Das
gefchieht auch; aber fie find nicht genau. Für die Entftehungszeit
des Buchs De corpore et sanguine Domini
wird man nicht im allgemeinen auf den Anfang der
dreifsiger Jahre des 9. Jahrhunderts geführt (S. 3), fondern
beftimmt auf Ende 831 oder Anfang 832. Die Rechnung
ift einfach: Das Buch ift gefchrieben, während Wala in
der Verbannung lebte. Er wurde verbannt auf der

fach mit Haupt und deffen Vorgängern zufammen. Und ! Reichsverfammlung zu Aachen 2. Febr. 831 (vgl. vita
endlich dürfte auch die Entwickelung des Begriffs ixxlrfi'ia Ludov. 45; ann. Bertin z. 831 u. vita Wal. II, 10). Als die
im wefentlichen richtig gezeichnet fein, obwohl es fchon Verhältniffe zwifchen Ludwig d. Fr. und Pippin fich

hier an Künfteleien nicht fehlt.

Hort mufs eben bei feiner confervativen Stellung
zur Tradition Widerfprüche u. drgl.wegzuexegefiren fuchen
und zu diefem Zwecke vielfach zu Mitteln greifen, die
er fonft gewifs verfchmäht hätte. Oder wirft es nicht
ein ziemlich eigenthümliches Licht auf die Zwölf, wenn

fpannten, d. h. im Herbft 831 {ann. Bert. u. vita Ludov. 46),
wurde er von Hermoutier nach Deutfchland gebracht
{vita Wal. II, /?). Man wird geradezu annehmen dürfen,
dafs die Gefandtfchaft, die Ludwig an Pippin fchickte,
ihn mitgenommen hat. In Deutfchland liefs ihn aber
der Kaifer aus Beforgnifs vor Ludwig d. D. non diu {vita

Hort gelegentlich des Apoftelconcils von ihnen fagt: j Wal. II, 14). Er fchickte ihn vielmehr alsbald nach
by recognising St. Paul as specially called to do apostolic j Corbie zurück. Dort mufs er alfo Anfang 832 wieder
work among the Gentiles, they were enabled to fcel that j angekommen fein. Vorher fchrieb Radbert, der an
by agreement and fellozvship zvith htm they zvere in ejfect j den politifchen Händeln auch nicht ganz unbetheiligt
carrying out through kirn that extension of their sphere < war, feine dogmatifche Schrift. Fehlte Ernft hier, in-
zvkich it is incredible that they should ever have dismis- [ dem er zu ungenau fprach, fo fehlt er bezüglich des
sed from their minds — d. h. nämlich Mt. 28,19? (88). Und j Briefs an PTudegard, indem er zu beftimmt fpricht. Er
wie unwahrfcheinlich ift die Erklärung der fpätern Ein- ; läfst ihn S. 130 um das Jahr 860 verfafst fein. Aber
flufslofigkeit der ethnographifch verstandenen Gebiets- j davon wiffen wir nichts. Das Einzige, was wir wiffen,
trennung(89) und des für gefchichtlich gehaltenen Apoftel- 1 ift, dafs der Brief nach der Abdankung Radberts ge-
decrets! (93 f.) Unmöglich ift auch die Deutung der ! fchrieben ift. Das Jahr 851 ift alfo ebenfo möglich wie

drccxrcog JtEQiJiarovvTsqll.Tb. 3,6 ff. auf folche, die wegen
irgend eines Vorzugs von den andern unterftützt fein
wollten (124 f.), fowie der jtQocprjTai Eph. 2,20 auf die vorher
erwähnten Apoftel (165 f.); desgleichen die Erklärung
der Handauflegung I. Tim. 5,22 von the act of blessing
by which penitents were received back into the communion
of the faithful (215) und des xaraXeyea&ai der Wittwen
V. 9 von der Unterftützung durch che Gemeinde (217).
Doch bedenklicher als all dies ift der Verfuch, in dem
Ausdruck ejilöxojroq überall not a title but a description

das Jahr 870; denn auch von dem Todesjahr Radberts
wiffen wir nichts. Das heifst aber doch nicht um 860.

Die Darftellung der Lehre Radberts gliedert Ernft
in folgende Abfchnitte: Der facramentale Charakter der
Euchariftie. Die Materie des Altarssacraments. Die
Gegenwart Jefu Chrifti im AS. Die Beweife des Pafcha-
fius für die reale Präfenz. Die Art und Weife, wie Chriftus
im AS. gegenwärtig wird. Der Minifter der Euchariftie.
Der Empfänger der Euchariftie. Die Wirkungen der
h. Communion. Die Euchariftie als Opfer. Schon diefe