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Ausgabe:

1897 Nr. 17

Spalte:

469-474

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Müller, E. F. Karl

Titel/Untertitel:

Symbolik 1897

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 17.

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fam (ich auch in der Scholaftik die Gewifsheit darüber
entwickelt hat, ob der Ablafs auch den Todten zugewandt
werden könne, und welches Auffehen der erfte, nach Lea
ficher ächte päpftliche Ablafs der Art gemacht hat. Er ift
von Sixtus IV. 1476 der Kirche vonXanthen verliehen und
hat fofort eine ftürmifche Debatte hervorgerufen, aus der
Lea werthvolle Stücke mittheilt (S. 586ff.) Im Anfchlufs
an diefe Controverfe — der Clerus fühlte fich natürlich
in feinen bedeutenden Einnahmen aus den alten Suffragien
bedroht — hat Sixtus die bekannte Bulle Romani ponti-
ficis von 1477 erlaffen, in der dasWefen und die Wirkungsweife
des Todtenablaffes feftgeftellt wurde.

Mit dem 7. Cap. beginnt die neue Zeit, die Reformation
, Gegenreformation und Gegenwart. Lea verfolgt
die verfchiedenen Modificationen und Ausdehnungen, die
der Ablafs bis heute genommen hat, wiederum zum
Theil mit eminenter Gelehrfamkeit, hier zugleich vielfach
unterftützt durch Werke wie Beringer. Er fchliefst mit
einem Abfchnitt über den Einflufs der Abiäffe auf den
Katholicismus.

Für abfchliefsend kann ich das Werk nicht erklären.
Es fehlen dazu fchon zu zahlreiche Vorarbeiten. Aber ein
Werk von ungewöhnlichem Werth ift diefer dritte Band,
ein Werk, das gewifs auf die weitere Forschung nachhaltig
wirken wird.

Breslau. Karl Müller.

Müller,Prof.E.F.Karl,(Erlangen),Symbolik. Vergleichende
Darftellung der chriftlichen Hauptkirchen nach ihrem
Grundzuge und ihren wefentlichen Lebensäufserungen.
Leipzig,DeichertNachf., 1896. (VII,548S.gr.S.) M.8.50

Das Buch ift in erfter Linie für Studenten beftimmt
und unter diefem Gefichtspunkt darf es bei dem grofsen
Mangel, der herrfcht, willkommen heifsen. Trotz des
Titels, den der Verfaffer verwendet, bez. fefthält, beab-
fichtigt er eine Gefammtdarftellung der geiftigen Art der
Confeffionen. Er will keineswegs allein den Inhalt der
Symbole vorführen, denn er weifs, dafs das Dogma nicht
das Ganze ift, worin eine Kirche lebt, dafs Verfaffung
und Cultus nicht minder charakteriftifch find und dafs
auch die practifche Frömmigkeit und Sittlichkeit berück-
fichtigt werden müffen. An dem von mir für die Dis-
ciplin vorgefchlagenen Titel .vergleichende Confeffions-
kunde' ftöfst ihn der mögliche Nebengedanke, dafs es
fich um eine neutrale blofse Schilderung der Art der
Kirchen handeln folle. Er weifs zwar, dafs ich felbft
die Herkunft der Symbolik aus der Polemik nicht verkenne
, vielmehr die Tendenz der Polemik auch in der
.vergleichenden Confeffionskunde' gewahrt wiffen will
und nur meine, eine richtigere, des Proteftantismus
mehr bez. allein würdige Form dafür aufgewiefen zu
haben. Allein er will das mögliche Mifsverftändnifs von
vorneherein meiden. Er bemerkt des Weiteren, dafs es
ihm auch ,nicht letzthin um Kunde, fondern um Erkennt-
nifs gehe'. Das foll heifsen, dafs es ihm auf die prin-
cipiellen Momente an den Kirchen ankomme. Sofern
er fie befonders nach ihrem .Grundzug und ihren wefentlichen
Lebensäufserungen' darftellen und vergleichen
wolle, .benöthige' er keine fo umfaffende Behandlung,
wie ich fie geboten. Zur Rechtfertigung des Titels
.Symbolik' für die Disciplin in feinem Sinn bemerkt er
zuletzt, nachdem er die Unzulänglichkeit desfelben im
Grunde zugegeben: .Will man Name und Sache einiger-
mafsen in Uebereinftimmung bringen (!), fo leite man
Symbolik nicht von OVfißoXov, fondern unmittelbar von
aufifidUetv ab, wobei man allerdings ein Prädikat ohne
Subjekt erhält. Weitere Li]Tnaeig negi nvofiau,>v erübrigen
fich'. Diefe etwas chevalereske Behandlung der
Titelfrage ift charakteriftifch für das ganze Buch. Das-
felbe ift leicht, zum Theil fehr leicht gefchneben. Aber
es ift ein lesbares Buch. Von Gelehrfamkeit fteckt nicht

eben viel darin. Aber es verräth einen lebhaften Ver-
ftand, und warmen Sinn und Studenten können von dem
Buche doch reichlichen Nutzen haben. Wer in die Lacre
kommt, feinen Schülern ein Lehrbuch zu nennen, aus
dem fie fich in überfichtlicher Weife über die Hauptfachen
mit Bezug auf das Wefen und das Verhältnifs
der chriftlichen Kirchen orientiren könnten, darf das
Buch vergleichsweife empfehlen. Es ift erheblich
anregender, als Oehler's pofthumes Werk und es ift
Hermann Schmidt's Werk gegenüber, mit dem es
im Typus verwandt ift, durch höhere Lehrhaftigkeit ausgezeichnet
.

Nach dem Vorwort ift das Buch freilich doch nicht
nur darauf berechnet ,dem Studierenden denjenigen
Stoff darzubieten, welcher zu feiner theologifchen Bilduno-
gehört'. Ift diefem Gefichtspunkt zwar .Darftellungsweife
und Auswahl der Literaturangaben angepafst,' fo hat
der Verf. doch auch andere Kreife im Sinn, er .wünfcht'
feinem Buche auch ,folche Lefer, welche um rein ftoff-
licher Belehrung willen nicht danach greifen würden'.
Lefer mit was für Intereffe er noch einlade, fagt er nicht
pofitiv. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, er
denke an folche, die vorwiegend auf die Ideen achten
werden, mit denen er den Stoff durchdrungen hat. Zu
diefen Lefern habe ich mich geftellt. Von vorneherein
macht M. darauf aufmerkfam, dafs er fich eine gewifse
Befchränkung auferlegt habe: ,Mir fällt das Hauptgewicht
auf die Darftellung des lutherifchen und reformirten
Proteftantismus in ihrer Einheit und ihren Unterfchieden';
die darauf bezüglichen Partieen ,mufsten etwas ausführlicher
gehalten werden, weil gerade das, was ich zum
Eindruck bringen wollte, fich nicht durch wenige Notizen
erreichen liefs'. Dafs fich das Verhältnifs von lutherifchem
j und reformirtem Proteftantismus nicht durch wenige
j Notizen deutlich machen läfst, wird jeder Sachkenner
j zugeben und es entlieht bei diefer Bemerkung höchftens
| die Hille, etwas beforgte Frage, was wohl der Verf. im
, Uebrigen durch wenige Notizen erledigen zu können
meine. Ich möchte bis zu einem gewifsen Grade be-
' ruhigen und bemerken, dafs er fich hier felbft als ein-
i feitiger charakterifirt, als er fich in dem Buche that-
j fächlich erweift. Neben feiner Darftellung der prote-
ftantifchen Kirchen ift wenigftens die des römifchen
Katholicismus auch nicht zu knapp gehalten. Kurz ift
nur die Darftellung der griechifchen Kirche und von
den proteftantifchen Sekten ift überhaupt abgefehen.

In feinem erften Haupttheil handelt der Verf. von
dem ,gemeinfamen Befitz der Chriftenheit' und demnächft
von der Grundfcheidung innerhalb ihrer, derjenigen von
Proteftantismus und Katholicismus. Natürlich kommen
ihm für das, was die Confeffionen einigt, die ökumenifchen
Symbole in Betracht. Was er über Herkunft etc. diefer
Symbole fagt, ruht auf keinen eindringlicheren Studien.
Es will mir nicht anflehen, über die Gedanken, die er
vertritt, mit ihm zu hadern. Einige Male citirt er den
erften Band meiner Gefchichte des Apoftolikums, der die
.Grundgeftalt' des altkirchlichen Tauffymbols behandelt
Nach einer Erörterung von etwa einer Seite, die ein
paar nicht gerade neue oder mir unbekannte Stellen
aus Irenaeus und Tertullian berührt, erfahre ich, dafs
,unter diefen Umftänden eine ihrer Grenzen bewufste
Forfchung dem Phantom einer Grundgeftalt [vom
Verf. felbft gefperrt] des Tauffymbols nicht nachjagen
follte'. Bald nachher Hellt der Verf. feft, dafs es ,auf
der Hand liege,' dafs ,früh das Bedürfnifs nach einem
über eine knappe Formel [nämlich über den Taufbefehl]
hinausgehenden Taufbekenntnifs fich regte' und dafs
,kaum ein verftändiger Forfcher' dem zu Folge .zweifeln
dürfte,' das trinitarifch gegliederte Symbol fei .nicht
plötzlich irgendwo im zweiten Jahrhundert entftanden',
fondern reiche ,in feinen Wurzeln' in's erfte zurück. Bei
foviel Selbftverftändlichkeit find die Quellen für die
Sache ja ziemlich gleichgültig. Ich betrachte es als