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Ausgabe:

1897 Nr. 16

Spalte:

433-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fritschel, Georg

Titel/Untertitel:

Geschichte der lutherischen Kirche in Amerika, auf Grund v. H. E. Jacobs ‘History of the Evang. Luth. Church in the United States’ bearb. 1. Teil 1897

Rezensent:

Eck, Samuel

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 16.

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Handfchrift derfelben ift fchon 1550, die Dresdner erft
1554 gefchrieben, die Wernigeröder ift undatirt. Es wird
alfo nöthig fein, fowohl für das Tagebuch von 1538 wie
für diefe zweite Sammlung erft aus den verfchiedenen
Handfchriften den Text kritifch herzuftellen. Eine dritte
Hauptquelle für Lauterbach's Colloquia hat Meyer dabei
noch aufser Betracht gelaffen; es find die in der Gothaer
Handfchrift Cod. B chart. nr. 169 enthaltenen Colloquia
Serotina D. M. L. descripta ex avxoyg. L. (?) Antonii
Lauterbacliii primi Superint. Pirn. in Misn. Anno igjj
manu Pauli Judicis, al. Richteri, primi Pastoris Neapol.
s. Neostad. propc Pirnam [vgl. Wittenb. Ordinirten-Buch I
nr. 688). Diefe Aufzeichnungen beginnen im October 1536
und reichen bis in den Juli 1539, d. h. bis zu Lauterbach's
Weggang von Wittenberg. Ich theile daraus das Stück
mit, das Meyer S. 18/19 aus den vier Recenfionen der
Lauterbach'fchen Colloquia uns vorgelegt hat. Hier ift
der Originaltext dazu:

23. Julii Ego [a. R. ,Ant. Lauterbach, Super. Pirn.
primus'] per aurigas et senatorem Pirnensem vocabar
ad iter, cum patres meos dilectissimos valedicerem et [utf]
me dimitterent, sed pracservarent Diaconatui promissum
est. Reverendus vero pater D. M. L. mihi lachrimanti
[Cod. lachrimauit] haue dedit consolationem: visum est
Deo, te uocare in pastorem Pirnensem, et benefacis quod
obtemperas etsi nos libenter te hic retinuissemus, attamen
nos agimus pro voluntate dei, non contra illius voluntatem.
Vade igitur in pace, dominus tecum erit cum virtute multa
orabimusque pro te, et tua ecclesia. Noli tristari, fortior
est qui tecum est quam qui est in mundo. Deinde pro-
misit mihi, si iter contingeret in Misniam sc Pirnam
visitaturum, et donabat filiac meae grossum magnum.

Die Mittheilung diefes Textes ') wird um defswillen
intereffiren, weil fie durch einzelne Stellen beweift, dafs
Lauterbach bei den fpäteren Redactionen feiner Colloquia
doch theilweife wieder auf feine urfprünglichen
Aufzeichnungen zurückgriff. Das ,per aurigas1 z. B.
ift in der Hallifchen Handfchrift (erfle Recenfion) fort-
gelaffen, erfcheint aber wieder in der zweiten Recenfion
von 1562, die fich überhaupt enger an die urfprüngliche
Niederfchrift anfchliefst, als die erfle Bearbeitung. Das
ift wichtig, denn man wäre ja geneigt, ohne Kenntnifs
der Vorlage, den fpäteren Text für willkürlich überarbeitet
zu halten. Hierdurch wird Meyers Urtheil über
den Werth der vier Recenfionen eine Einfchränkung
erleiden müffen. — Ich darf ferner erwähnen, dafs die
von Meyer S. 39 aus Cod. Wernig. Zd 77 befchriebenen
Stücke, der Brief Herzog Georgs von 1534 und der Bericht
über den Tod Joh. Hofmeifler's, von mir aus eben
diefer Handfchrift veröffentlicht worden find, erfterer in
Zeitfchr. f. kirchl. Wiffenfch. 1883 S. 47 f., letzterer in
Zeitfchr. f. Kirchengefch. V S. 346 f.

Breslau. G. Kawerau.

Fritschel, Pafl. Geo. J., Geschichte der lutherischen Kirche
in Amerika auf Grund von Prof. Dr. H. E. Jacobs ,Hi-
story of the Evang. Luth. Church in the United States'
bearbeitet. I. Teil: Gefchichte der Entwicklung der
lutherifchen Kirche in Amerika bis zu Mühlenbergs
Tode. Mit 25 Abbildungen u. Karten. Gütersloh, C.
Bertelsmann, 1896. (XV, 212 S. gr. 8.) M. 3.50; geb.

M. 4.20

Diese Geschichte ist dem inneren Titelblatt zufolge
,auf Grund von Prof. Dr. H. E. Jacobs' ,History of the
Evang. Luth. Church in the United Sttrtes' bearbeitet'
Einfacher könnte es heifsen: Jacobs, LListory . . überfetzt
von Fritfchel. Doch wird fich zeigen, warum der Verf.
jenes vorzieht. Zunächft mögen eine Reihe von Kleinigkeiten
zur Sprache kommen.

1) Nach Seidemanns Kopie.

Jacobs bietet im Eingang feines Buches eine ausführliche
Bibliographie. Es ift unerfindlich, nach welchem
Princip Fritfchel an dieferStclle die Auswahl aus feiner Vorlage
getroffen hat. Er giebtdie Titel derauf die Schweden
bezüglichen Schriften faft vollftändig wieder, alles Uebrige
möglichft dürftig. Wo bei jenen eine Ueberfetzung erwähnt
ift, müfste gefagt werden, dafs es fich um eine
folche in's Englifche handelt. Trotz der deeimirten Bibliographie
hält fich der Verf. an die Citirungsweife feines
Originals. In vielen Fällen — S. 10: Brandt; 18: Augufti;
98: Burkhardt (licsBurckhardt); IOO: Bernheim; 108: Stro-
bel — ift ohne Jacobs nicht feftzuftellen. was für Werke
gemeint find. S. 128 wird die englifche Ueberfetzung der
j Hallefchen Nachrichten citirt, wiewol Jacobs daneben die
I deutfehe Ausgabe nennt. S.129fr. wird Zinzendorfs Leben
von Spangenberg in englifcher Ueberfetzung angeführt
und die wörtlichen Citate daraus find Rücküberfetzung
in's Deutfehe. In keinem Falle natürlich deckt fich die
Ausdrucksweife mit derjenigen Spangenbergs. S. 133 fagt
Fritfchel ,gottlofe Buben' Spangenberg (S. 1396): Schlechte
Leute'.

Ungenauigkeit bei Namen und Zahlenangaben begegnen
durchgängig. S. 7 lies Löwen st. Louvain; S. 14
Glaferus st. Glafius; S. 21 Jogues st. Joques; S. 24 Mega-
polensis st. Megalopolenfis; S.48 Schweden st. Holländer;
S. 60 Edzardi st. Edziardi; S. 118 Boltzius st. Gronau;
S. 124 Joh. Caspar st. Joh. Jakob Stöver; S. 125 1730 st
1743; S. 146 Helfrich st. Helfereich; S. 172 VI, 2 st.
V, 1. 2.; S. 192 Perkiomen st. Perikomen; S. 194 Erede-
rus st. Federus.

Nicht anders steht es um die Ueberfetzung felbft.
S. II nennt eine holländifche Ueberfetzung der Branden-
burg-Nürnberger Agende. Jacobs weifs nur von trans-
lation of at least the second part of the Br.-N.-Ag. S. 15
wird Grotius die ,gröfste Stütze' des Arminianismus genannt
, während Jac. ,his exile' fagt. S. 17 hat ,die luthe-
rifche Kirche Strafsburgs ihre K. O. ebenfalls von den
Reformirtcn herübergenommen'. Jac. drückt fich vorfich-
tiger aus: at Str., where a similar resemblance to the Re-
formed had prevailcd. S. 20 durchfetzt der Rationalismus
fowohl die lutherifche als auch die reformirte Kirche
Hollands'. Im Original fleht: ,the Reformed Church of
Holland and Lutheran Germany'. S. 53 erwähnt eine
Uebertragung von Luthers Katechismus in die Indianer-
fprache. Es heifst von ihr: ,die Ueberfetzung, welche oft
mehr Paraphrafe ift.., ift Paragraph für Paragraph in's Schwe-
difche überfetzt'. Das ift natürlich Unfinn. Jac. bietet: the
translation . . . isfollowed by a Swedish version'. S. 105 lieft
man von den Salzburgern: ,zwanzigtaufend liefsen fich
in Litauen nieder'Jac: ,in Germany, mostly in Lithuanid.
S. 136 flöfst das mögliche Aufgeben der deutfehen
Sprache im Gottesdienft die Sorge ein, dafs das ,das Ende
der lutherifchen Kirche deutfeher Zunge' (in Amerika)
fein würde, was allerdings wohl felbftverftändlich wäre.
Jac. fpricht von der viel umfaffenderen Befürchtung:
A change, wich they dreaded would be fatal to the Lutheran
faith. S. 155 wird die Arbeitszeit für Sklaven ,im
Sommer auf % Stunden feftgefetzt'. Jac.: dimiting the
days of work to five and a half, natürlich in der Woche.
Ebenda wird von derUnfitte, europäifchc Auswanderer als
Sklaven zu verkaufen, gefagt: ,in Pennfylvanien fing diefe
Sache 1740 an und dauerte faft 20 Jahre lang' Jac: this
Institution . . continued through ncarly two decades of the
present Century' alfo bis ca. 1820. S. 170 wird unter den
Berathungsgegenlländen der Synode von 1760 als 8. genannt
: ,ob ein Präfident jährlich erwählt werden tollte,
um alle Gemeinden jährlich und als Delegat die fchwedi-
fchen Gemeinden zu befuchen'. Das würde ein Vifitations-
recht der deutfehen Paftoren bei den Schweden bedeuten.
Es handelt fich aber um Anderes. Bei Jac lautet der
letzte Satz: should attend the meeting of de Swedish
Synod as a delcgate.' Jacobs (S. 276) contraftirt das Lu-
therthum Mühlenbergs und feiner Genoffen gegen das-

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