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Ausgabe:

1897 Nr. 1

Spalte:

9-14

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holl, Karl

Titel/Untertitel:

Die Sacra Parallela des Johannes Damascenus 1897

Rezensent:

Wendland, Paul

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. I.

IO

jauchzen. Diehl weift nicht nur alle andern Auffaffungen
als unhaltbar zurück, fondern erhebt die von ihm vertretene
durch eine genaue Erörterung aller im Ffalme
vorkommender Begriffe über jeden Zweifel. Ich ver-
weife nur auf die wichtigen Unterfuchungen über den
Gebrauch und die Bedeutung der Attribute Jahwes:
Ifb*, 8T13, bVß fbü, ferner über den Sinn von 9V)ft,
nbn: und iBIt?. Auch im Einzelnen ift dem Ver-
faffer meift beizuftimmen; nur bleibt mir fraglich, ob
wirklich auch die Bileamfprüche in Num. 23 u. 24, 3—9
(abgefehen von 4b«) für nachexilifch, wie Diehl will, zu
halten feien, und bei der Befprechung von KH3 füllte
Ex. 15,11 nicht fehlen. Diehl's Erklärung von Pfalm 47
ift eine werthvolle llluftration zu der wichtigen Abhandlung
Stades ,Die meffianifche Hoffnung im Pfalter' (Z. f.
Th. u. K. 1892, S. 369—413) und ein gründlicher Beweis
für die Richtigkeit der dort empfohlenen Deutung vieler
Pfalmen.

Bern. K. Marti.

Holl, Priv.-Doc Lic. Dr. Karl, Die Sacra Parallela des
Johannes Damascenus. [Texte und Unterfuchungen
zur Gefchichte der altchristl. Literatur, hrsg. von
O. v. Gebhardt u. A. Harnack] XVI. Bd. I. Heft,
Leipzig, Hinrichs, 1896. (XV, 392 S. gr. 8.) M. 12.—

Die bisherige Forfchung auf diefem Gebiete, namentlich
die Unterfuchungen von Cohn und Loofs (s. Theol.
L.-Zt. 1893. S. 305 ff.) hatten zu folgenden ficheren, auch
von Holl anerkannten und beftätigten Ergebniffen geführt:
Nach der in mehreren Hfchr. erhaltenen längeren
Vorrede ift für das urfprüngliche Werk eine Theilung
in drei Bücher vorauszufetzen. Das erfte handelte von
Gott und den göttlichen Dingen, das zweite vom
Menfchen und den menfchhchen Verhältnifsen, das dritte,
llaoidhjhx, von den Tugenden und Laftern. Die kürzere
Vorrede ift die Vorrede zum dritten Buche. Das erfte
Buch des urfprünglichen Werkes ift uns im Coisl. 276
(= C), das zweite im Vat. 1553 (= K) erhalten, während
das dritte Buch in feiner urfprünglichen Gcftalt uns nicht
erhalten ift. Die Anordnung der Capitel innerhalb der
beiden erften Bücher ift eine alphabetifche. Diefe alpha-
betifche Anordnung ift nun in mehreren fpäteren Re-
cenfionen des urfprünglichen Werkes zur Haupteintheilung
erhoben worden, indem die Buchtheilung ganz aufgegeben
ift und Titel aus allen drei Büchern unter den
einzelnen Buchftaben durcheinander gemifcht find. — Mit
diefen abgeleiteten alphabetifchen Recenfionen beginnt
die Unterfuchuhg des Verfs., die auf gründlicher Er-
forfchung der meiften Hfchr. beruht. Es find zu unter-
fcheiden:

1) V, d. h. die vaticanifche Recenfion, die einzige,
welche, in Lequien's Ausgabe, vollftändig gedruckt vorliegt
. Sie wird vertreten durch Vat. gr. 1236, Ottob.
gr. 79, der überzeugend als Archetypus des Vat. er-
wiefen wird und alfo künftig deffen Benutzung uber-
flüffig macht, Ambros. H 26. inf., der mit dem Ottob.
nächft verwandt ift. Unzugänglich war dem Verf.
Escur. LI III 9 (11. Jahrh.), der nach Bethe dem Vat. eng
verwandt ift; nicht identificirt und, wie es fcheint, verloren
ift ein Montfaucon und Lequien bekannter Vene-
tus (11.Jahrh. nach Montfaucon). Die Hfchr., auf die fich
bisher unfere Kenntnifs diefer Recenfion gründet, gehören
dem 15. Jahrh. an, und auch der gemeinfame
Archetypus von Ottob. und Ambros. war im günftigften
Falle im 13., wahrfcheinlich erft im 14. Jahrh. gefchrieben
(S. 22) Um fo werthvoller find die Daten, die im
weiteren Gange der Unterfuchung für die Gefchichte diefer
Recenfion gewonnen werden.

2) R, einzig repräfentirt durch Philipp. 1450, den
fogenannten Rupefucaldinus (12. Jahrh.). Für die
frühere Gefchichte der Recenfion ergeben fich wichtige
Thatfachen in dem Nachweife, dafs der un-
organifche Beftandtheil am Schlufs der erften 14 Capitel
von A und der beiden erften von Ii (vergl. Loofs,
S. 32 ff.) eine urfprünglich auf andere Capitel berechnete,
irrthümlich diefen angefügte Ergänzung aus C oder einer
nah verwandten Hfchr. ift, und dafs in Air und A/.a voll-
ftändige Capitel aus einer andern Quelle an R heran-
gefchoben find. Die Ueberfchrift der Hfchr. 'Ludwov . . . .
tüv s/.Xoyiov ßißliov ü v.ui ß wird durch die Ver-
muthung, dafs die Hfchr. aus einem zweibändigen codex
abgefchrieben fei, erklärt, und Spuren diefer Buchtheilung
werden noch vor dem Beginn von Z nachgewiefen.

3) Von den im Laur. VIII 22 (= L) vereinigten
Bruchftücken verfchiedener Parallelenrecenfionen wird
das zweite (Lb) als identifch mit der im Marcianus 138
(= M, 11. Jahrh., daraus abgefchrieben Matrit. O, 5) und
Par. Reg. 923 (= P, 9 —10 Jahrh.) vorliegenden Recenfion
erwiefen (vergl. meine neu entdeckten Fragmente Philos
S. 19). Alle drei Hfchr. gehen in letzter Linie auf einen
nicht fehlerfreien und lückenhaften Archetypus zurück.
Diefe Recenfion PMLb ift aus V und R zufammenge-
arbeitet, fowohl was die Titel als auch was den Citaten-
beftand anlangt. Sie befitzt nicht den Werth einer
felbftftändigen Quelle, ift aber für die Controle unferer
handfehriftlichen Ueberlieferung von V und R von Bedeutung
. Sie lehrt einerfeits die grofse Treue und Zu-
verläffigkeit der Hfchr. von V fchätzen, überliefert uns
andererfeits den urfprünglichen Beftand von R nicht
feiten vollftändiger als der Rupef., wenn auch ihre Bedeutung
für die Reconftruction von R durch die Ein-
mifchung neuen Stoffes beeinträchtigt ift. Da diefe
Mifchrecenfion im 9. Jahrh. fchon vorhanden gewefen ift,
legt fie zugleich Zeugnifs für das hohe Alter von V und

I R ab. Einen ähnlichen Werth befitzt auch das erfte
Bruchftück in L (= Laj. Als Grundftock liegt hier eine
mit dem Rupef. fehr genau übereinftimmende Verfion
von R zu Grunde, die durch Material aus V erweitert
ift, das aber in diefem Pralle durch eine Recenfion von
PMLb vermittelt erfcheint; als dritte Quelle ift vielleicht
noch eine Hieros. 15 ßiß/.t'or y verwandte Recenfion

1 von R benutzt.

4) Diefen Hiersol. (11. Jahrh.) hat bereits Cohn (Jahrb.
f. prot. Th. 1892, S. 488 ff.) im Wefentlichen richtig
analyfirt. Der Sammler diefer Handfchrift hat ver-
fchiedene Recenfionen in der Weife vereinigt, dafs er
unter jedem einzelnen Buchftaben den Stoff von vier
Büchern, d. h. vier Recenfionen, nacheinander mittheilt.
Sein 1. ßißliov ift nach Cohn V, fein 2. C, fein 3. K,
fein 4. das Fjorilegium des Coisl. 294. Nur in Bezug
auf das 3. Buch wird Cohns übrigens nur mit Vorficht
geäufsertc Vermuthung als irrthümlich erwiefen. In
diefem Buch liegt vielmehr eine verkürzte Recenfion
von R zu Grunde, diefelbe, die auch dem Bearbeiter von
PMLb vorlag. An diefe Quelle find Ergänzungen aus
der Recenfion PMLb angefügt. Ferner zeigt der Verf.
dafs bereits im ßißliov «' des Buchftabens A 3 Kapitel
aus C angehängt find, die zufammen mit den 11 Titeln
des ßißliov ß den Beftand von 14 Titeln in C ausmachen.
Coisl. 294 wird mit Athen. 464 als identifch erwiefen, und
als eine der Quellen für dies Fjorileg V angenommen.
— Für das (akroprofane Florileg, das in den beiden
letzen Bruchftücken von L überliefert ift, wird das kirchliche
Element als Grundlage vorausgefetzt, ,da in der
Anordnung des Ganzen und in den Titeln die Parallelen
dominiren', und für den kirchlichen Theil die Benutzung
von V und R (in der Form des Hieros.) angenommen.

Nachdem von den alphabetifchen Recenfionen V
und R als in der Wurzel verfchieden und allein vom
urfprünglichen Werk abhängig erwiefen, die anderen
Recenfionen, in denen V und R überarbeitet oder zu-
fammengearbeitet find, befprochen und ihr Werth für
die Reconftruction von V und R nachgewiefen ift, wird
dieFTage nach dem Verhältnifs der beiden felbftftändigen

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