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Ausgabe:

1896

Spalte:

537-540

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bestmann, H. J.

Titel/Untertitel:

Entwicklungsgeschichte des Reiches Gottes unter dem Alten und Neuen Bunde an der Hand einer Analyse der Quellen 1896

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Pre's
alle 14 Ta"-e. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°j 21. IO- October 1896. 21. Jahrgang.

Beftmann, Entwicklungsgcfchichte des Reiches
Gottes unter dem Alten und Neuen Bunde.
I. Das Alte Teftament (Siegfried).

Gould, A critical and exegetical commentary
on the gospel according to St. Mark (Weiss).

Schwartzkopff, Die Weifiagungen Jefu Chrifti
von feinem Tode, feiner Auferftehung und
Wiederkunft und ihre Erfüllung (Baldenfperger).

Schwartzkopff, KonnteJefus irren? (Bälden- 1 Joachim, Die Politik des letzten Hochmeifters
fperger). >n Preufsen Albrecht von Brandenburg. 3. Thl.

Hauler, Eine lateinifche Palimpfeftüberfetzung
der Didascalia apostolorum (H. Achelis).

Texts and Studies ed. by A. Robinson, IV, 2:
Coptic apocryphal gospels, translations to-
gether with the texts of some of them, by
F. Robinson (von Dobfchütz).

(Tfchackert).
Oettli, Der gegenwärtige Kampf um das Alte

Teftament (Lobftein).
Valeton, Chriftus und das Alte Teftament
(Derf.).

Dal man, 1 bis Alte Teftarnent ein Wort Gottes
(Derf.).

Bestmann, Paft. H. J., Entwicklungsgeschichte des Reiches
Gottes unter dem Alten und Neuen Bunde an der Hand

[der Reinheit und Heiligkeit] gehörige geometrifche
Gröfse jft die Gemeinde Ifraels, ihre Axe der Bund, in

einer Analyfe der Quellen l Das Alte Teftament. welchem diefe Gemeinde mit Jefus fleht« u. a. m. Wenn
einer ranaiyie uer v^uenen. der Lefer fich vom Staunen über den unergründlichen

Berlin, Wiegandt & Grieben, 1896. (Iii, 421 b. gr. 8.) Tjeffinn diefer Sentenzen einigermafsen erholt hat und

M. 8. 50 , darüber nachzudenken beginnt, inwiefern z. B. ein Räder-
Des Verfaffers Gefchichte der chriftlichen Sitte j werk dazu geeignet fei, eine Idee von unwefentlichen Be-'
(1881—85) ift von der Kritik, wie uns fcheint, öfters ' ftimmungen zu befreien, dürfte er vielleicht den salto
hart beurtheilt worden. Dafs fein Selbftgefühl darunter I mortale wagen, dergleichen für Unftnn zu halten. —
nicht gelitten hat, zeigt das vorliegende Buch. Zwar j Auch in vereinzelten Ausdrücken und Wendungen ftöfst
dem in jenem Werke oft angefchlagenen — an-
fcheinend fremdem Mufter nachgebildeten — burfchikos
genialen Tone begegnen wir hier nicht mehr. Aber die
gefalbte Erhabenheit, mit der der Verfaffer, der fich offenbar
als theologifcher Uebermenfch fühlt, auf alle Lei-
ftungen auf den Gebieten der altteftamentlichen Kritik
und Exegefe herabblickt, erfetzt jenen reichlich.

So muffen wir S. 96 die im Munde des Verfaffers
wirklich komifch klingende Verficherung entgegennehmen,
dafs Lagarde's Ueberficht über die Nominalbildung noch
fehr der Sichtung bedürfe. Ebenda hören wir, dafs
Wellhaufen's ,bodenlofes' Urtheil über den Pfalter ,die

man beftändig auf derartige gefucht unklare hochtrabende
Auslaffungen z. B. Stratum des Gedankenfortfehritts (S.
135); eine gleichartige Klammer (S. 16); Quietiv im
Leiden (S. 132); [Ex 34] ,ift das Pomörium zu dem Bau
des Volkes Gottes, deffen Mauern Ex 21 — 23 bezeichnet
werden' (S. 311); die Pfalmen haben jedenfalls ein Recht
auf den Namen: Das Lagerbuch des A. T.'s (S. 373);
bei den exilifchen Pfalmen ,ftehen wir vor einer innerlichen
Syftole der Volksfeele (S. 376); ,die Idee der
Malkut Jahve ift antithetifch orientirt' (S. 406) u. dgl. m. —
Was nun die geftellte Aufgabe felbft anlangt, fo
fucht fie der Verfaffer zu löfen durch fortlaufende ParaNachwirkung
der unerlaubt dürftigen Commentare fei'. 1 phrafen der Schriften des A. T.'s, die aber niemals ein
Es fcheint demnach der Verfaffer zu glauben, dafs W. j klares Bild des Inhalts geben, weil er beftändig feine
niemals die Pfalmen felbft angefehen habe. In diefem I eigenen Reflexionen einmifcht und die Ausfagen der
Tone geht es weiter, wo auch immer von Anflehten der biblifchen Schriftflücke mit einem phantaflifch erfonnenen
kritifchen Richtung oder der neueren Exegefe die Rede 1 Syftem der altteftamentlichen Religionsentwickelung com
fein mag, vgl. S. 90, 160 f. 172 f. 177, 192, 200, 203, 233,
261 f. 270 ff. 286, 293, 311 f. 342, 359 u. ö. Doch
gönnen wir dem Verfaffer feine Einbildungen. Sic
Rheinen ja das Einzige zu fein, was ihm Vergnügen
macht.

In Uebereinftimmung mit dem erwähnten dünkelhaften
Abfprechen fteht der hochtrabende Ton, in dem

binlrt. Er fchreibt gewiffermafsen einen chriftlichen
Midrafch über das A. T., der, wie das innerhalb der
jüdifchen Exegefe gilt, eben als Midrafch zugelaffen
werden mag, dem aber mit gleichem Recht andere
Midrafchim gegenüber geftellt werden können. Es liefse
fleh das an dem ganzen Buche Schritt für Schritt nachweifen
, aber einmal ift dafür hier kein Raum, und fodann

der Verfaffer fich als den berufenen Hermeneuten des geht es dem Unterz.mit dem Buche des Verfaffers wie ihm
A. T. präconifirt, dem es allein gegeben ift, die grofs- mit der Kritik S. 131, wo er fagt: ,es widerftrebt mir, im
artigen Perfpectiven der Geheimweisheit der Schrift zu 1 Einzelnen mich mit der kritifchen Auffaffung der Sprüche
erfchliefsen, vgl. S. 19, 147 u. ö. Er liebt es dabei, fleh Salomonis auseinanderzufetzen'. — Es genügen einige
einer gewiffen künftlich gezüchteten Unklarheit zu | Beifpiele. In der erträumten Welt der theologifchen
bedienen. So vernehmen wir S. 207:,in dem Zufammen- Phantaflen unteres Verfaffers fpielt David eine grofse
fpielen des Mofaismus und Davidismus ... ift das innere Rolle. Er ift der Erfte in Ifrael, bei dem ,die religiöfe
Räderwerk gegeben, welches die über beide erhabene Individualität zum Durchbruch kommt'. Woraus erIdee
des meffianifchen Reichs von ihren unwefentlichen fahren wir das? Aus den hiftorifchen Nachrichten der
Beftimmungen allmählich befreit hat'. S. 275: [Die cul- | Samuelisbücher nicht, denn diefe ,laffen in feine Seelen-
tifchen Ordnungen des Gefetzes] find einmal der Voll- ■ kämpfe nicht hineinblicken' (S. 95). Das Pfalmenbuch
ausdruck eigenen Lebens gewefen und die Aufgabe | bietet jedoch dazu eine Ergänzung. Woher wiffen wir
der gefchichtlichen Betrachtung ift es, die Integrale | denn nun aber, dafs diefe Lieder von David find? Aus
des Lebens zu fuchen'. S. 280: ,Die Ideen der Gerechtig- j den Pfalmenüberfchriften nicht, fie find ftreitig (S. 19).
keit und Reinheit haben ihre Curve in der Gefchichte 1 Man mufs fich an die feften Daten halten, welche die
befchrieben und find nun in den Zug der Heiligkeits- Lieder felbft an die Hand geben (S. 6). Welche find
hyperbel eingegangen'. S. 294: ,Die zu diefen Functionen | denn nun diefe feften Daten? In den ganzen Ausführungen,

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