Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1896 Nr. 20

Spalte:

521

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kautzsch, Emil (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Die Heilige Schrift des Alten Testaments in Verbindung mit andern übersetzt. 2. Ausg 1896

Rezensent:

Budde, Karl

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

521

Theologifche Literaturzeitung. 1896. Nr. 20.

522

weffen wir uns beim Siege des Confefiionalismus zu
verfehen hätten, dafür können manche zarte Andeutungen
des Herrn Verf. (z.B. p. 332 h 337. 356) klares Zeugnifs ablegen
. 4) DieCorrectur der v.Nathufius'fchen Anfchauung
dürfte fomit darin gegeben fein, dafs die .Toleranz', bezw.
Intoleranz' wie vom Staat fo von der Kirche und vom
Einzelnen prädicirt werden kann und mufs, dafs wir
unter Toleranz die Duldung aller, der ftaatlich-geforder-
ten Sittlichkeit nicht widerfprechenden, fremden religiös-
fittlichen Ueberzeugungen und Culte, unter Intoleranz
die fanatifche Ausfchliefsung derfelben, fei's durch rohe
Gewalt, fei's durch zelotifch ausgefprochene oder bekundete
Gefinnung zu verftehen haben, und dafs alfo
.Intoleranz' leider auch auf dem Gebiete der Kirche eine
behagliche Wohnftätte haben kann.
Friedberg i. H. Wilh. Weiffenbach.

Schrift, die Heilige, des Alten Testaments, in Verbindung
mit Proff. Baethgen, Guthe, Kamphaufen etc. überfetzt
und hrsg. von Prof. E. Kautzfeh. 2. Ausg.
(Text und Beilagen in 1 Bd.) Freiburg i./B., J. C.
B. Mohr, 1896. (IV, 1012 u. XV, 219 S. m. 1 färb.
Karte. Lex.-8.) M. 12. 60; geb. M. 15.— ; Text allein
M. 9.— ; geb. M. 11.— ; Beilagen allein M. 5.— ; geb.

M. 6.50.

,1m Mai 1894', fo ift der erfte Druck, ,im April
1896' der zweite diefes fchönen Werkes unterzeichnet.
In knapp zwei Jahren alfo war die ,fehr ftarke Auflage
' (der gefperrte Druck, der aus dem Vorwort flammt,
giebt zu denken) vergriffen, und ehe an Neubearbeitung
für eine zweite Auflage hätte gedacht werden können,
haben fich Verleger und Herausgeber zu diefem neuen
Abdruck genöthigt gefehen. Das ift bei einem Werke,
das trotz des wohlfeilen Preifes doch eine grofse Ausgabe
erfordert, ein höchfl erfreuliches Zeichen dafür, dafs
wir nicht vergeblich arbeiten. Der Ertrag redlicher
wiffenfehaftlicher Arbeit an der Heiligen Schrift findet
noch in weiten Kreifen des evangelifchen Volkes freudige
und dankbare Aufnahme, trotz aller Verhetzung und
Verdächtigung. Das mufs nicht nur den Urhebern diefes
Bibelwerks ein Troft und ein Sporn zu verdoppeltem
Eifer fein, fondern allen, die folche Arbeit treiben.

Der Berichterftatter hat leichte Mühe; denn der
Neudruck unterfcheidet fleh von dem erften nur dadurch
, dafs die Zufätze und Berichtigungen von S. XVIIf.
der Beilagen nunmehr in den Stereotypplatten forg-
fältig durchgeführt, dazu auch alle fonfligen Fehler und
Verfehen befeitigt find, die dem Herausgeber bis in den
Herbfl .1895 bekannt geworden waren. So dürfte ich
lediglich auf meine Anzeigen in diefer Zeitfchrift (1892
Nr. 13. 1894 Nr. 20) verweifen, wenn mir nicht die Pflicht
obläge, von der Berichtigung eines Mifsverfländnifses
Kunde zu geben, das mir in der zweiten Anzeige Spalte
505 f. leider begegnet ift. Der Herausgeber Hellt ausdrücklich
feft, dafs die endgiltige Redaction des Textes j
nicht von vornherein dem Herausgeber überlaffen worden
fei. ,In Wahrheit waren alle Mitarbeiter bereit, für den
mit aller Sorgfalt von ihnen fertiggeftellten Text die
Verantwortung zu übernehmen. Die Selbftverleugnung,
für die der Herausgeber ihnen auf das wärmfte zu
danken hatte, zeigte fich darin, dafs fie ihm nachträglich
alle im Intereffe der Einheitlichkeit der Ueberfetzung
gcootenen Aenderungen geftatteten'.

Möge der neue Druck neuen Segen ftiften!
Strafsburg i./E. K. Budde.

Grenfell, Bern. P., m. a., An Alexandrian Erotic Fragment

and other Greek Papyri chiefly Ptolemaic. With one
plate. Oxford, Clarendon Press 1896. (XII, 129 S. 4.)
Die 70 Papyrustexte, welche hier mitgctheilt werden,
erftrecken fich über einen Zeitraum von beinahe taufend

Jahren (3. Jahrh. vor Chr. bis 7. Jahrh. nach Chr.). Der
Inhalt ift fehr mannigfaltig: Kauf- und Miethverträge,
Briefe, Teftamente und dgl. Wir erwähnen die Publi-
cation an diefer Stelle hauptfächlich wegen des folgenden
Briefes, der für die Gefchichte des Judenthums in
Ober-Aegypten von Intereffe ift. Der vollftändige Text
(Nr. XLIlI,cS. 74—75) lautet:

[Mliviov Eguo/.gditi zuidelcpüi yuiguv.
£t] eggioGai eggibiitUa ös y.ai avzoi y.ai v.al
'A]<pgodioia y.ai >/ licydzrjg y.ai 1; zzaidioxi] y.ai 1)

lP]vydzrjg ortirr] c. tygaxpa jj[.......

'y.]evai tjfiiv zi)v innov, y.a nag Iovöalov

. . ]o~!)ai avTVjV ov zb ovofta Bavoovlo[g),
a]vzov de /(rjd° anodtöio/.örog r)uiv u[rj]-
rJJg 'innov uyde tnv zrogtlav avzrjg 6rr[t]-
de]dioxözog, iygäxpaiiiv 001 oruog ovv eidr,[ig.

egg[ioao],

yalöjg ovv noirpseig dyogäoag euoi ze nogq?[vgag]
{a]r,azrjgag düo y.ai 'Acpgoöioiai Mo.
Auf der Rückfeite:

'Eouov.qdzei.

Schreibfehler find Zeile 2 das doppelte y.ai und
Zeile 5 y.a für y.ai. Der Papyrus ift in der Thebais (Ober-
Aegypten) gefunden worden und flammt nach dem Ur-
theil des Herausgebers aus dem zweiten Jahrhundert
vor Chr. Obwohl die Einzelheiten wegen der Lücken
des Textes nicht ganz klar find, ift doch fo viel ficher,
dafs Menon in diefem Briefe an feinen Bruder Hermo-
krates darüber klagt, dafs ein Jude Namens Danoul
(= Daniel) ein Pferd nicht abgeliefert hat, welches er
hätte abliefern follen. Wir haben damit ein neues Zeugnifs
dafür, dafs das Judenthum fchon im zweiten Jahrhundert
vor Chr. auch in Ober-Aegypten verbreitet war.

Die Verbreitung der Juden im heutigen Fajjum
(Mittel-Aegypten) zur Zeit der Ptolemaeer bezeugt aufser
den von mir in diefem Jahrgang Nr. 2 col. 35 erwähnten
Papyrus-Texten auch ein von Grenfell gefundener, aus
dem 2. Jahrhundert flammender, über weichen Mahaffy
im Athenäum (1895, 1. Juni, p. 713a) und hiernach Willrich
(Juden und Griechen 1895, S. 152) eine vorläufige
Notiz gegeben haben. Herr Grenfell hatte die Güte,
mir den vollftändigen Text mitzutheilen. Ich bezweifle
hiernach, dafs das dort vorkommende ZSaßßaD-tov eine
Synagoge (Sabbath-Haus) bezeichnet; denn das Wort
fleht mitten unter lauter Perfonen-Namen. Auf der
Vorderfeite des Papyrus find nur die Worte zwv 71 toi
Sauäquav lesbar (das Dorf Samareia kommt auch fonft
vor). Die Rückfeite fcheint eine Grundfteuerrechnung
zu enthalten. Der Wortlaut ift unter Weglaflung der
Ziffern und Zeichen (letztere zum Theil räthfelhaft), folgender
:

7'a koyia yng a[ . . ] dta nzo).euaio[v]

(itnbozog ÄXtiguvdgov 0eoöoi[ov].....

Qeodtoga yleovziq Magiov......

QSOUWßtOq [J](t)Oll)-£OV &E0Ö10Q0V ....

Meoogtj a

I ^aßßa&iov Agiozinnov Iay.ovßioq.......

-aßßa%iov Saßßatov ö y.ai lYJagiov.....

JiooiDta Oeodozov Qtodwqov.....

An fich wäre es ja möglich, dafs in einer Grund-
fteuer-Rechnung neben den zahlenden Perfonen auch ein
.Sabbathhaus' vorkäme. Aber wahrfcheinlicher fcheint
mir doch, dafs -aßßattiov hier ein Perfonen-Name, und
zwar Frauenname ift. Frauennamen auf inv kommen
auch fonft vor, z. B. Tuziov auf einer jüdifchen Infchrift
in Phokaea (mitgetheilt von Reinach, Revue des Hudes
juives t. XII, 1886, p. 236 sqq. = Bulletin de correspon-
dance hellenique t. Aj 1886, p. 327 sqq.); in den Erläuterungen
dazu hat Reinach auch noch andere Beifpiele
gefammelt. Der Männername Xaßßazig z. B. Corp. lnscr.
Graec. n. 9910 (meine Gefch. des jüd. Volkes II, 518).
Demnach kann BaßßaOtnv fehr wohl ein Frauenname fein.
Göttingen. E. Schür er.