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Ausgabe:

1896

Spalte:

465-468

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hilprecht, H. V.

Titel/Untertitel:

The Babylonian Expedition of the University of Pennsylvania. Series A: Cuneiform Texts. Vol I. Part II 1896

Rezensent:

Meyer, Eduard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

NE) 18. 29. Auguft 1896. 21. Jahrgang.

The Babylonian Expedition of the University
of Pennsylvania, Series A: Cuneiform Texts
ed. by Hilprecht I, 2 (Ed. Meyer).

Sepp, Neue hochwichtige Entdeckungen auf
der zweiten Paläftinafahrt (Furrer).

Geikie, Bildergrüfse aus dem Heiligen Lande,
mit IUuftr. von Harper (Furrer).

Geyer, Adamnanus Abt von Jona, I. Thl.
(Furrer).

Kennedy, Sources of New Testament Greek

or the influence of the Septuagint on the

vocabulary of the N. T. (Blafs).
Huddilston, Essentials of New Testament

Greek (Blafs).
Hort, Prolegomena to St. Paul's epistles to

the Romans and the Ephesians (Clemen).
Talmud, der babylonifche, hrsg. nach der ed.

princeps nebft Varianten u. f. w. von G o 1 d-
fchmidt, 1. Lfg. (Kahan).

Valois, La France et le grand schisme d'Occi-
dent, t. I et II (Cartellieri).

Secretan, Religion und Theologie (H. Schultz).

B u f f e, Philofophie und Erkenntnistheorie. 1. Abtig
. (Elfenhans).

Volt er, Aus England, Bilder und Skizzen u.
f. w. (Mofapp).

Hilprecht H. V., The Babylonian Expedition of the University
of Pennsylvania. Series A: Cuneiform Texts.
Vol. I. part II. Philadelphia, 1896. (Erlangen, Merkel.)
(68 S. m. 50 Taf. gr. 4.) M. 20. —

Von dem grofsen von Hilprecht bearbeiteten Publi-
cationswerk, das die Ergebnifse der von der University
of Pennsylvania nach Nippur in Babylonien entfandten
Expedition mittheilen und wiffenfehaftlich verarbeiten
foll (vgl. Theol. Lit.-Ztg. 1894 Nr. 18), ift jetzt, nach
dreijähriger Paufe, der zweite Theil des erften Bandes
erfchienen, der wie fein Vorgänger aus 35 autographirten
und 15 photographifchen Tafeln fowie 68 Seiten Text be-
fteht. Theils die gehäuften Arbeiten des Herausgebers,

nur zahlreiche Ergänzungen, fondern, was noch weit
werthvoller ift, eine Fülle von Material aus noch älteren,
jenfeits Sargon's liegenden Epochen, und gewährt uns
zum erften Male einen urkundlichen Einblick in Zeiten,
in die fich bisher felbft die Phantafie des über die Anfänge
der babylonifchen Cultur grübelnden Forfchers
kaum zu verlieren wagte. Ueber diefe gewaltige und
ungeahnte Erweiterung unferes Horizonts im Anfchlufs
an Hilprecht's Text und die von ihm mitgetheilten Auszüge
aus den Berichten J. H. Haynes', des Leiters der
Ausgrabungen, kurz zu berichten ift die Aufgabe diefer
Anzeige.

Die Stadt Nippur liegt oder lag etwa 10 Meilen füd-
öftlich von Babylon am Canal Schatt en-Nil. Ihren

der in feiner Ferienzeit, die er in Europa verbringen j Mittelpunkt bildete der grofse, in der keilfehriftlichen
kann, die Keilinfchriften des Mufeum von Konftantinopel ! Literatur oft erwähnte Tempel des Bei mit feinem

katalogifirt, theils und vor allem die aufserordentliche
Schwierigkeit der Herftellung und Lefung der hier publi-
cirten Texte, liefsen den Band nicht eher zum Abfchlufs
kommen. Den wichtigften diefer Texte, eine Infchrift
des uralten Königs Lugalzaggifi (Taf. 38—42), hat
Hilprecht aus unzähligen winzigen und aufs ärgfte ver-
wifchten Bruchftücken von nicht weniger als 64 Vafen,
die alle denfelben Text enthalten, hergeftellt, und zahlreiche
andere Infchriften erforderten eine ähnliche Arbeit.
Wer die forgfältige Publication diefer Texte auch nur
flüchtig betrachtet, wird den unermüdlichen Fleifs des
Verfaffers bewundern und begreifen, dafs er fich dadurch
eine fchwere, jetzt glücklich überwundene Augenkrankheit
zugezogen hat.

Erft der vorliegende Theil läfst den aufserordent-
lichen Reichthum und die Epoche machende Bedeutung
der in den Jahren 1888—1896 ausgeführten Ausgrabungen
einigermafsen überfchauen. Als die älteften Könige in
Babylonien, von denen wir etwas wufsten, galten bisher
Sargon von Agade und fein Sohn Naramfin, den
König Nabonid bekanntlich 3200 Jahre vor feiner Zeit,
alfo um 3750 v. Chr. anfetzt, und der, auch wenn wir die
Zuverläffigkeit diefer Angabe bezweifeln wollen, doch
wenigftens ins vierte Jahrtaufend hinaufragt. Ob einzelne
der älteflen von de Sarsec in Tello gefundenen Sculp-
turen und Infchriften noch älteren Zeiten angehörten,
war fraglich und umftritten, felbfl die Realität Sargon's ift
bezweifelt worden. Von der Regierung feines Sohnes
Naramfin bis auf den grofsen Nebukadnezar II und
Nabonid ift uns die babylonifche Gefchichte, wir dürfen
noch nicht fagen bekannt, aber doch wenigftens mit einigen
grofsen Strichen umriffen. Der erfte Theil des vorliegenden
Werks enthielt zahlreiche wichtige Texte aus allen
Epochen diefes etwa drei Jahrtaufende umfaffenden Zeit

Terraffenthurm. Der Bau, denen Ruinen von der ameri-
kanifchen Expedition aufgedeckt find, flammt vom König
Urgur, dem bekannten König von TJr aus der Zeit um
2800 v. Chr.; nach ihm haben zahlreiche fpätere Könige,
bis auf Affurbanipal und einen perfifchen König hinab, die
urfprüngliche Anlage wiederhergeftellt und erweitert.
Aber die grofse Terraffe, die Urgur als Fundament für
feine Bauten fchuf, ruht auf einem Pflafter aus gewaltigen
Ziegeln, die theils den Namen Sargon's, hier als ,Sargani-
sar-äli König von Agade . . . Erbauer des Beltempels
von Nippur' bezeichnet — feine Identität mit dem bekannten
Sargon hatte Hilprecht fchon früher erwiefen —
theils den feines Sohnes Naramfin tragen. Der Tempel,
den diefe Subftruction trug, ift von Urgur befeitigt und
durch feine Bauten erfetzt worden. Ebenfo hat diefer
die von Naramfin gebaute gewaltige Stadtmauer überbaut.
Man fieht, dafs Sargon undNaramfin jedenfalls Jahrhunderte
vor Urgur gelebt haben.

Aber die Tempelfubftruction Sargon's und Naram-
fin's liegt nicht weniger als 9,25 m über dem gewachfenen
Erdboden; und diefer gewaltige Zwifchenraum ift, wie
mehrere von Haynes ausgeführte Grabungen bis auf den
Urboden ergeben haben, voll von Gebäudereften, Metall-
gefäfsen, Thonfeherben, darunter auch Stelen von gebranntem
Thon mit Reliefs menfehlicher Figuren, die
leider noch nicht publicirt werden konnten (p. 26. 45).
Ferner fand fich hier ein noch jetzt mit Afche bedeckter
Altar von Luftziegeln, der von einer Ziegelmauer um-
fchloffen war — die ältefle Cultusftätte des Bei aus einer
Zeit, die die fpätere Tempelform noch nicht kannte —,
davor zwei grofse, vollkommen erhaltene Thongefäfse,
von denen das eine mit einer Nachbildung darum gewundener
Taue decorirt ift; an einer anderen Stelle
ein grofses thurmartiges Bauwerk und darunter die Refte

raums. Der jetzt vorliegende zweite bringt dazu nicht | eines Wafferabzugs mit dem älteflen ächten Bogen (nicht
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