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Ausgabe:

1896

Spalte:

337-340

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kuyper, A.

Titel/Untertitel:

Encyclopaedie der heilige Godgeleerdheid. Deel 2 en 3 1896

Rezensent:

Reischle, Max

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

NE^ 13. 20. Juni 1896. 21. Jahrgang.

Kuyper, Eocyclopaedie der heilige Godgeleerd- Studia biblica et ecclesiastica, by members of j Steiger, Theologie und Naturwiffenfchaft
heid. Deel 2 en 3 (Reischle).

A Concordance to the Septuagint by Hatch
and Redpath, Part V (Schürer).

Anecdota Oxoniensia, Semitic Series vol. I
part IX: Biblical and patristic relics of the
Palestinian Syriac Literature by Gwilliam,
Burkitt and Stenning (Rahlfs).

the University of Oxford, vol. IV (Schürer). ■ (Reifchle).
Bonwetfch,DasflavifcheHenochbuch(Schürer). [ Kögel, Deine Rechte find mein Lied, Gefchichten
Nilles, Kalendarium Manuale utriusque eccle- und Ausfprüche zu den Pfalmen (Wächtler),

siae orientalis et occidentalis I (Harnack).
Steude, Chriftentum und Naturwiffenfchaft
(Reifchle).

R i e h m, Chriftentum und Naturwiffenfchaft(Derf.).

Kögel, Geläut und Geleit durchs Kirchenjahr,

ein Jahrgang von Predigten, (Wächtler).
Sonntagsfreude, I: Predigten von D. H. Hoffmann
(Wächtler).

Kuyper, Hoogleeraar Dr. A., Encyclopaedie der heilige
Godgeleerdheid. Deel 2 en 3. Algemeen en bijzonder
deel. Amfierdam, J. A. Wormser, 1894. (VI, 634
u. VI, 585 S. m. 1 Tab. gr. 8.) Komplet f. 16.75;

geb. f. 21.25

Die Encyklopädie von Kuyper, deren Band I, wefent-
lich die Gefchichte der Encyklopädie der Theologie
enthaltend, in der Theol. Litztg. 1894 Nr. 16 befprochen
wurde, ift durch die Bände II und III zu einem Umfang
von 1700 Seiten angefchwollen. Band II benimmt im
Allgemeinen die Aufgabe der Theologie innerhalb des
Organismus der Wiffenfchaft. Ausführlich entwickelt
derVerfaffer den Begriff der Wiffenfchaft überhaupt; es
fehlt dabei nicht an originellen Anfchauungen und feinen
Bemerkungen, befonders über die Geifteswiffenfchaften
in ihrem Unterfchied von den Naturwiffenfchaften; auf
die letzten erkenntnifstheoretifchen Fragen geht er allerdings
nicht ein. Eine eigenthümliche Bahn betritt er,
wenn er weiterhin fofort die Störung der Wiffenfchafts-
arbeit durch die Sünde ins Auge fafst: weil in der
Erkenntnifsthätigkeit ein fubjectiver Factor mitwirkt, ift
es natürlich, dafs eine falfche Befchaffenheit des Subjects
auch auf die Erkenntnifs trübend einwirkt; befonders in
den Geifteswiffenfchaften ftellen fich Selbftbetrug, Illufionen,
Einfeitigkeiten des Urtheils, Mangel an liebevoller Vertiefung
in die Sache etc. ein. Die Wahrheit liegt defs-
wegen in einem Kampf mit dem ^ecdoc. Seine Zu-
fpitzung findet er auf dem Boden der wiffenfchaftlichen
Arbeit darin, dafs diefe in zwei Entwicklungsreihen auseinandergeht
; denn wenn der Gegenfatz von Wiedergeborenen
und Nichtwiedergeborenen wirklich das geiftige
Wefen des Menfchen im Innerften angeht, fo ergiebt fich
mit Nothwendigkeit auch ein Gegenfatz des wiffenfchaftlichen
Bewufstfeins auf beiden Seiten. — Bei diefer
fchroffen Behauptung Kuyper's ift doch nicht zu über-
fehen, dafs er felbft ein weites gemeinfames Gebiet
wiffenfchaftlicher Arbeit mit Freuden anerkennt, nämlich
infoweit, als es fich um ein Conftatiren und Erklären von
rein objectiven Thatfachen handelt, während dagegen bei
der Frage nach den letzten Urfachen und Zwecken fofort
die Divergenz eintritt. Verftändlicher wird uns daher
jene fchroffe Thefe, wenn wir, wie K. felbft gelegentlich
thut, ftatt von zweierlei Wiffenfchaft von zweierlei Welt-
anfchaung reden, von chriftlicher und nichtchriftlicher.
Auch dann freilich bleibt die Kritik übrig, dafs K. (vielleicht
im Zufammenhang mit dem prädeftinatianifchen
Standpunkt) die mancherlei Mittelglieder zwifchen chriftlicher
und nichtchriftlicher Weltanfchauung nicht ftark

theilen ein, die nach der Art ihrer Geltung den Charakter
von Werthurtheilen haben. Recht hat K. mit der Anficht
, dafs jener Gegenfatz auf allen Wiffenfchaftsgebieten
in ihren letzten Fragen zu Tage tritt, am meiften in den
Geifteswiffenfchaften. — Fünf Wiffenfchaftsgebiete
unterfcheidet K. in freiem Anfchlufs an die Facultäts-
eintheilung: die naturwiffenfchaftliche Facultät hat die
Natur, die medicinifche, philologifche und juriftifche den
Menfchen in feinem fomatifchen und bewufst-pfychifchen
Beftand und in dem Verhältnifs von Menfch und Menfch,
die theologifche endlich hat Gott zum Gegenftand.
Gegenftand menfchlichen Erkennens wird Gott freilich
nur in feiner Offenbarung innerhalb des zbtmoc; der
Theologie ift alfo nur eine cognitio Dci ectypa zugänglich.
Damit tritt fie in den Kreis der übrigen Wiffenfchaften
ein, die ihrerfeits in ihren letzten Fragen von Rechtswegen
auch mit der geiftigen Realität, in deren Erkenntnifs
die Theologie eindringt, rechnen müffen.

Innerhalb diefes umfaffenden Rahmens wird nun
genauer der Begriff der Theologie, ihr Princip, ihre
Methode und ihre Gliederung benimmt. Die rechte Theologie
will nichts anderes fein, als was fie urfprünglich
war, Kenntnifs Gottes felbft, nicht etwa Unterfuchung
der religiöfen Phänomene oder der chriftlichen Religion
als einer empirifch-gefchichtlichen Erfcheinung; fie will
weiter nicht Speculation, fondern nur Frucht der Offenbarung
fein. Sie ift dabei ausfchliefslich an die fpecielle
Offenbarung Gottes für den Sünder, nicht an die natürliche
Offenbarung gewiefen. Aber jene felbft darf nicht
ausfchliefslich in ihrer foteriologifchen Bedeutung auf-
gefafst werden, fondern ift zugleich auch eine Wieder-
herftellung der urfprünglich im Menfchen angelegten,
aber durch die Sünde zerrütteten wahren (natürlichen)
Gotteserkenntnifs. DieAneignung diefer Gotteserkennt-
nifs im wiffenfchaftlichen Bewufstfein ift eine Sache nicht
nur der Einzelnen, fondern der gefammten, in fich einheitlichen
neuen Menfchheit, in der die normale Entwicklung
des Menfchengefchlechts, fo wie fie dem
Schöpfungsplan entfpricht, wiederhergeftellt wird: diefe
geiftige Gemeinde Chrifti hat fortfchreitend die Denkarbeit
auszuführen, dafs fie die Erkenntnifs Gottes, feines
Rathfchluffes, feiner Zwecke mit der Welt und den
Menfchen, feiner Werke in Natur und Gefchichte in die
menfchliche Gedankenwelt einfügt. — Damit ift fchon
das Principium der Theologie beftimmt: ihr princ.
materielle ift Gottes Selbftmittheilung; fie ift für den Sünder
befchloffen in Chrillo, welcher Mittler und auch Vermittler
der Gotteserkenntnifs ift, einft freilich für die verherrlichte
neue Menfchheit mit ihrer wiederhergeftellten

genug in Anfchlag bringt und dafs er den Punkt, wo 1 urfprünglichen Gotteserkenntnifs nicht mehr Mittler,
der Gegenfatz der Weltanfchauungen einfetzt, nicht deut- j fondern nur noch Haupt der Gemeinde fein wird. Zum
lieh genug bezeichnet hat: diefer fetzt bei folchen Ur- | Fortwirken in der Menfchheit gelangt Gottes Selbftmit-

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