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Ausgabe:

1893

Spalte:

274-277

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dillmann, August

Titel/Untertitel:

Die Genesis. Von der 3. Aufl. an erklärt von A. D. 6. Aufl 1893

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint , . , Prei%

alle 14 Tage. Leipzig. J. C Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°. ii. 27. Mai 1893. 18. Jahrgang.

Milloue, Apergu sommaire de l'histoire des
religions des anciens peuples civilises (01-
denberg).

Annales du Musee Guimet t. XVIII (Oldenberg).

Dillmann, Die Genefis, 6. Aufl. (Budde).

Faye, Les apocalypses juives (Schürer).

James, The testament of Abraham [Texts and
Studies ed. by Robinson II, 2] (Schürer).

Winckelmann, Der Schmalkaldifche Bund
1530—1532 und der Nürnberger Religionsfriede
(Virck).

Luthers Werke, Kritifche Gefammtausgabe,

5. Bd. (Kawerau).
Beek, Lijst van eenige boeken en brochuren

uitgegeven in de Oud-Katholieke Kerk van

Nederland (Reufch).
Bois, Le dogme grec (Lobftein).
Lubenow, Das Rätfei des Dafeins und feine

Löfung im Chriftentum (Kühn).
Dresbach, Vornehm und Gering (Kühn).
Treutler, Lebensweisheit aus Gottes Wort

(Kühn).

Dryander. Das Evangelium Marci, in Predigten
und Homilien ausgelegt, 2. Hälfte
(Achelis).

Eibach, Vademecum catecheticum für den evan-
gelifchen Katechismus-Unterricht (Achelis).

Wölk an, Das deutfche Kirchenlied der böhmi-
fchen Brüder im XVI. Jahrhunderte (Achelis).

Uhlhorn, Die kirchliche Armenpflege in ihrer
Bedeutung für die Gegenwart (Stromberger).

The Jewish Quarterly Review Nr. 19 (Schürer .

Zur Notiz (Kawerau).

Milloue, L. de, Apergu sommaire de l'histoire des religions Beifpiele belohnter Frömmigkeit und Opferwilligkeit
des anciens peuples civilis«. Introduction au catalogue I oder beftraften Uebermuths zu beherzigen
du Musee Guimet. Paris, E. Leroux. 1891. (101 b. 8.)
Fr. 1.50.

Diefe kleine Schrift fchliefst die Religionen der Naturvölker
aus, da diefe für eine fummarifche Darfteilung
noch zu wenig bekannt feien. So verzichtet fie von
vornherein auf die weiten Perfpectiven, welche in den
letzten Jahrzehnten die Erforfchung jener Religionen
auch für die Auffaffung der höheren religiöfen Geftal-
tungen erfchloffen hat und immer mehr erfchliefst. Im
Wefentlichen giebt das Werkchen eine Aufzählung von
Facten oder vermeintlichen Facten, infonderheit Liften
von Göttern mit kurzen, oft fehr unbeftimmten Erklärungen
(,deesse de la beaicte, de la fortune et de la
tetre; protecteur des troupeaux et ginerateur" u. dgl.).
Die Arbeiten der vergleichenden Mythologie haben fo
wenig wie die Forfchungen von Männern wie Mannhardt,
Tylor u. A. der Darfteilung de Milloue's irgend welche
Spuren aufgeprägt. Die der Beurtheilung des Ref. näher
liegenden Abfchnitte — die auf Indien bezüglichen —
kann er fo wenig in Bezug auf Correctheit und ver-
ftändige Darlegung der Facten wie auf lebendige Durchdringung
des Gedankeninhalts als auch nur den be-
fcheidenften Anforderungen genügend anerkennen.

Kiel. H. Oldenberg.

Annales du Musee Guimet. Tome XVIII. Paris, E. Leroux,
1891. (4.) Fr. 16 —

Inhalt: Avadana-Cataka. Cent legendes (bouddhiques), traduites
du Sanskrit par M. Leon Feer. (XXXVIII, 496 S.)

Ein dankenswerther Beitrag zur Kenntnifs der nord-
buddhiftifchen Erzählungsliteratur. Die Avadänas find
Gefchichten, welche die an gute oder böfe Thaten geknüpften
Belohnungen oder Strafen veranfehaulichen,
in der Regel fo, dafs Ereignifse aus vergangenen Zeitaltern
als die Urfache der glücklichen oder elenden Ge-
fchicke von Wefen aus Buddhas eigener Zeit — menfeh-
lichen, göttlichen, thierifchen, gefpenftifchen Wefen —
dargeftellt werden. Das religiöfe Intereffe diefer Gefchichten
ift recht gering; in ermüdender Eintönigkeit
kehrt das Motiv von Lohn und Strafe immer wieder,
gewöhnlich fich knüpfend an gute oder böfe Handlungen
gegenüber Buddhas oder fonftigen geiftlichen Perfönhch-
keiten, mit deutlich durchfeheinender Nutzanwendung
für die Hörer, in ihrem Verkehr mit den Mönchen diefe

273 274

Auf die literaturgefchichtlichen Fragen, welche das
vielfach alte Materialien enthaltende, im Ganzen aber verglichen
mitdengrofsen füdbuddhiftifchen Erzählungsfamm-
lungen entfehieden jüngere Werk anregt, kann hier nicht
eingegangen werden. Es fei nur noch bemerkt, dafs
Feer den ungedruckten Text auf Grund eines MS. der
Bibliothequc nationale, leider ohne Hinzuziehung der
englifchen MSS. überfetzt hat; die tibetifche Ueberfetzung
kam ihm dabei wefentlich zu Hilfe. Die peinliche Genauigkeit
feiner Arbeitsweife ift bekannt.

Kiel. H. Oldenberg.

Dillmann, Prof. Dr. Aug., Die Genesis. Von der 3. Aufl.
an erklärt von A. D. 6. Aufl. [Kurzgefafstes exeget.
Handbuch zum A. T., 11. Lfg.] Leipzig, Hirzel, 1892.
(XXIII, 479 S. gr. 8.) M. 7.50.

Der neuen Auflage des Dillmann'fchen Hiob-Coni-
mentars folgt die der Genefis auf dem Fufse; aber diesmal
nicht die zweite von feiner Hand, fondern die vierte,
und da diefe (von 1886) in doppelter Stärke gedruckt
war (S. V), im Grunde die 5. Auflage feit 1875. Diefer
unerhörte, fleh immer noch fteigernde Erfolg wird
wefentlich auf zwei Urfachen zurückzuführen fein. Wie
die Kritik des Alten Teftamentes in ihrer Kindheit vom
Pentateuch ausgegangen ift, fo liegt in dieses Buches Hand
noch heute vornehmlich die Werbung neuer Jünger für
ihre gute Sache, und man wird nicht fehlgehen mit der
Annahme, dafs ein erheblicher Theil der letzten Auflagen
über den Canal und das grofse Waffer gewandert ift, wo
heute die Pentateuchkritik mit jugendlicher Begeifterung
betrieben wird. Solcher Betrieb aber ift, und da liegt
die zweite Urfache, ohne Dillmann's Pentateuch-Com-
mentar undenkbar geworden; er ift die Fibel, an der
fich jeder Anfänger einarbeiten mufs und kann, er ift
auch die grofse, nie verfagende Rüftkammer, zu der
felbft der Fortgefchrittenfte immer wieder zurückkehren
mufs. Es giebt dafür auch nicht einmal einen annähernden
Erfatz. Und das gilt für Angehörige aller Parteien
und Richtungen. Mögen wir Fachgcnoflen die Beharrlichkeit
beklagen, mit der ein Mann von Dillmann's
wiffenfehaftlichem Rang die Anerkennung uns unumgänglich
fcheinender Folgerungen ablehnt und nach
unferer Ueberzeugung hinter dem heutigen Stande der
Erkenntnifs zurückbleibt: für die Erfolge der Pentateuchkritik
als folcher und damit der altteftamentlichen Kritik