Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1892

Spalte:

153-155

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Friedrich, Thomas

Titel/Untertitel:

Die Holz-Tektonik Vorder-Asiens im Altherthum 1892

Rezensent:

Budde, Karl

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N£r 6. 19- März 1892. 17. Jahrgang.

Friedrich, Die Holz-Tektonik Vorder-Afiens

im Alterthum (Budde).
Bender, Vorträge über die Offenbarung Gottes

auf altteftamentlichem Boden (Gunkel).
Forfchungen zur Gefchichte des neuteftament-

lichen Kanons und der altkirchlichen Literatur,

IV. Tl. hrsg. von Haufsleiter und Zahn

(Jülicher).

Bonwetfch, Methodius von Olympus, I (Jülicher).
Frederichs, De Secte der Lo'isten (Reufch).
Knuth, Gefchichte der Kirchengemeinde von

St. Georgen zu Glaucha-Halle a. S. (Wächtler).
Theile, Bilder aus der Chronik Bacharachs

(Everling).

Popp, Der Glaube eine Ulufion (Reifchle).
Hückftädt, Die Gotteskindfchaft (Wächtler).

H ähnelt, Um den Abend wird es licht fein
(Wächtler).

Seeger, Ich preife Deine Gerechtigkeit allein!
(Everling).

Aus den Lebenserfahrungen eines Siebzigers
(Kühn).

Kahler, Die Univerfitäten und das öffentliche
Leben (Kühn).

Friedrich, Thomas, Die Holz-Tektonik Vorder-Asiens im I tion damals ihren Raum zu koftbar erachtete, um des

Alterthum und der Hekal Mat Hatti. Innsbruck, Wagner
, 1891. (III, 55 S. m. 3 Abbildgn. Lex.-S.) M. 3.—

Die vorliegende Abhandlung bedeutet, foviel ich
fehe, eine wefentliche Forderung der darin behandelten,

Verfaffers Einfpruch und meine, der Redaction druckfertig
eingefandte Rechtfertigung zum Abdruck zu
bringen, und es ftatt deffen bei der Berichtigung meines
einzigen Irrthums (vgl. 1888, Sp. 365) beliefs, ohne mitzu-
theilen, in welchem Mafse der Verf. felbft ihn ver-

ebenfo anziehenden wie bisher fchwierigen, Fragen. Der fchuldet hatte. Schon damals hatte mich die Kampfes
Verf. bemüht ftch darin mit Erfolg, die eine der Lücken, I weife des Verf.'s gründlich abgeflofsen. Nicht das ge

welche feine frühere Schrift .Tempel und Palaft Sa
lomo's, Denkmäler phönikifcher Kunft' aufwies
(vgl. diefe Zeitfchr. 1888, Sp. 219), auszufüllen. Aus den

ringfte Zugeftandnifs, Vertheidigung gegen nicht gemachte
Einwürfe, Uebergehung anderer, Veränderung
der eigenen Stellung im Vertheidigen ohne Andeutung

aliyrifch-babylonifchen Infchriften und aus den Bau- : des Meinungswechfels. Vielleicht hätte der Nachweis

werken am Euphrat und Tigris in Perfien, in Griechen
land, ja fogar in Philifläa und Moab erweitert und vertieft
er nach Möglichkeit die Kenntniffe von der phöni-
kifchen Bau weife, und fucht den Nachweis für feinen
Satz von der Holztektonik Vorderafiens zu verftärken.
Gerne folgt man feinen fcharffinnigen Ausführungen und
freut fich zugleich, welch fchönen Ertrag das verdienft

von damals die Wiederholung von heute verhütet. Auch
diesmal kann ich die Aufnahme einer ausführlichen Darlegung
aller diefer Schwächen den Lefern nicht zu-
muthen, da fie kein fachliches Intereffe hat. Jeder Unbefangene
, der meine Anzeige der erften Schrift lieft,
wird mir zugeben, dafs fie lebhaftes Intereffe an dem
Gegenftand, eingehende Befchäftigung mit ihm bezeugt

liehe Unternehmen Schrader's in feiner Keilinfchriftlichen ; unrj die Verdienfte des Verf.'s dankbar anerkennt. Was

ihn fo in Harnifch gegen mich gebracht hat (vgl. auch
hier S. 47 feinen Hinweis mit einem ,wie fich der geehrte
R. [meine Wenigkeit] in feiner Weife auszudrücken
beliebt'), ift mein Satz auf Sp. 219: ,Aber überall find die
Texte lehr cavaliermäfsig behandelt; wenn der Verf.
einen Gedanken aufgegriffen hat, fo kommt es ihm auf
eine Handvoll mehr oder weniger nicht an'. Dafs ich
mit der fcherzhaft-kräftigen Ausdrucksweife das Zartgefühl
des Verfaffers verletzt habe, thut mir leid; fie war
durchaus nicht fchlimm gemeint. Bei der Sache, rückfichts-
lofer und flüchtiger Behandlung der Texte mufs es fein Bewenden
haben, und ich brauche dafür, ohne Abgethanes
wieder aufzurühren, nur den Verf. felbft in feiner vorliegenden
Abhandlung zum Zeugen. Ich hatte u. a. gefragt
, wie er es erklären wolle, dafs von feinen freiftehen-
den Pfeilern | im Innern des Tempels] nirgends eine Spur
fich finde. Er antwortet S. 48: ,Freiftehende Säulen
im [dies Wort allein von Friedrich gefperrt] Tempel
find erwähnt Jerem. 52 v. 17, 2 Chr. 3, 16'. Jerem.
52, 17 lautet: ,Und die ehernen Säulen des Haufes

Bibliothek hier fchon abwirft. Denn das eigentliche
Rückgrat der ganzen Beweisführung ift der ikal (mätu)
Hatti, ,der Palaft des Hatti-Landes', in welchem Gebiete
der Verf. allerdings Phönikien einen Platz, in fpäterer
Zeit geradezu den erften, anweifen darf, Wenn diefer
Palafttypus an mehreren Stellen der Denkmäler (vgl. Sehr.
K. I. B. II, S. 23. 77. 113. III, 2 S. 31) als ein feftftehen-
der bezeichnet, am Tigris und Euphrat nachgeahmt und
von dem affyrifchen und babylonifchen fcharf unter-
fchieden wird, fo ift aller Grund vorhanden, dem, wie
Friedrich thut, nachzugehen, und für uns Andere, feinen
Unterfuchungen Beachtung zu fchenken. Möchte nun
auch das Augenmerk berufener Affyriologen fich in erhöhtem
Mafse darauf richten; kann doch die richtige
Deutung der räthfelhaften Worte tallu, giul, iakanetku in
Nabonid's Infchrift bei Schräder III, 2 S. 113 mit einem
Schlage helles Licht auf das ganze Gebiet werfen.

Dafs der Verf. alle feine mühfame Arbeit zuletzt in
den Dienft des Verftändniffes der biblifchen, insbe-
fondere der falomonifchen, Bauten Hellt, können wir

Theologen nur mit Dank begrüfsen; umfo unerfreulicher Jahwe's (Vi '35 TÖX, Vulgata in domo Domini) und die
aber ift die Art und Weife, mit der er durch überfluffi- Geftelle und das eherne Meer beim Haufe Jahwe's (TBS
ges Hadern die Mitarbeit Anderer abwehrt. Faft ein i"i 'M) zerfchlugen die Chaldäer und fchleppten all ihr
Viertel der kleinen Schrift (S. 42—53) ift der Auseinan- Erz nach Babel'. In Chr. II, 3, 16 heifst es: ,Und er

derfetzung mit den Kritikern der erften vom Jahre 1887
gewidmet, ein ftarker Bruchtheil davon meiner oben erwähnten
Befprechung in diefer Zeitfchrift. Wenn er
S. 46 mit einem Ausrufungszeichen hervorhebt, dafs ihm
die Redaction der Theol. Liter.-Ztg. zur Beantwortung
meiner Fragen keine Gelegenheit geben wollte, fo mufs

ich nothgedrungen darauf erwidern. Nicht fein Schade ! feit lange durch Vermuthung (etwa "PITS) zu helfen ge-
war es, fondern lediglich der meine, wenn die Redac- fucht. Nun frage ich, ob der Vorwurf rückfichtslofer

153' H4

machte Ketten im Allerheiligften und that fie oben an
die Säulen.' V. 15 und 17 beweifen fonnenklar, dafs
wieder wie bei Jeremia nur die beiden ehernen Säulen
vor dem Tempel gemeint find; das "P3~D könnte nur
das Allerheiligfte als Werkftatt für die Anfertigung der
Ketten bezeichnen, und da das Unfinn ift, hat man fchon