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Ausgabe:

1892 Nr. 5

Spalte:

130-132

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Engelbrecht, Aug.

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Vol. XXI et XXV, sect. VI, pars I 1892

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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129 Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 5. 130

corrigirt. Manchmal zeigt fich eine weitere Benutzung
der Engländer Biffell und Lupton, feltener von Hilgenfeld
. Durch die Engländer ift feine Kenntnifs von
Bensly vermittelt, deffen Lesarten, das ,Fragment' natürlich
ausgenommen, er felbftändig nicht benutzt zu
haben fcheint. Trotz Bensly's epochemachender Mittheilung
über den Urfprung von T und D hat Z. diefe
Handfchriften nach wie vor als Autoritäten citirt. Auch
Wood ift, foweit ich fehe, nicht benutzt. — So ift Z.'s
Ueberfetzung zwar im Allgemeinen eine wefentliche
Verbefferung V.'s, aber es ift unleugbar, dafs fchon nach
dem gegenwärtig über den Text des IV Efra Bekannten
erheblich Befferes hätte geleiftet werden können; wie
denn die Engländer Biffell und Lupton bei weitem beffere
Ueberfetzungen vorgelegt haben.

Da es fehr wünfehenswerth wäre, den Studenten
eine gute deutfehe Ueberfetzung des IV Efra, foweit
fich diefelbe gegenwärtig überhaupt herftellen läfst, in
die Hand geben zu können, fo wäre eine Neubearbeitung
des Stoffes bei einer 2. Auflage des Commentars fehr
zu empfehlen. Dabei könnte auch auf ein fliefsenderes
Deutfch Rückficht genommen werden. Jedenfalls wäre
als durchaus nothwendig zu bezeichnen,jede erheblichere
Abweichung von Fritzfche in den Anmerkungen zu be-
fprechen; es fcheint pädagogifch höchft bedenklich, dem
Anfänger eine deutfehe Ueberfetzung zu geben, die er
aus feiner Handausgabe nicht Wort für Wort contro-
liren kann. — Für eine theologifche Erklärung des IV
Efra ift bisher fehr wenig gethan. Von .Ergebnifsen',
die ein ,kurzgefafster Commentar' zufammenftellen könnte
(V), kann hierin nicht viel die Rede fein. Es würde den
Werth der Efra-Ueberfetzung bedeutend erhöhen, wenn
hiermit bei der 2. Aufl. wenigltens ein Anfang gemacht
würde. —

Ebenfo wird man eine Ueberfetzung der Pfalmen
Salomo's freudig begrüfsen. Man wird dem Verf.
dankbar fein müffen, dafs er die Pfalmen feinem Commentar
einverleibt und dadurch einem weiteren Kreife
zugänglich gemacht hat. Auch bei der Beurtheilung
der vorliegenden Ueberfetzung wird man wie beim IV
Efra nicht vergeffen dürfen, dafs die Pfalm. Sah bisher
fehr wenig behandelt find — Ryle und James konnten
von Z. noch nicht benutzt werden —, und dafs fie dem
Ueberfetzer fehr grofse Schwierigkeiten bieten. Der —
wie wohl faft allgemein angenommen wird — urfprüng-
lich hebräifche Text mufs nämlich erft aus der fehr
wörtlichen griechifchen Ueberfetzung reconftruirt werden,
ehe von einem Verftändnifs und von einer Ueberfetzung
ins Deutfehe geredet werden kann. Wir befitzen die
über jedes Lob erhabene Ueberfetzung Wellhaufen's.

deren Halme anzündet. Seine Behaufung möge anfüllen
Häufer mit lügnerifcher Zunge, möge ausrotten Bäume
der Freude durch die Flamme ungefetzlichen Eifers'.
Oder 14, 4: .Aber nicht fo die Sünder und die Ungefetzlichen
, die da liebten den Tag in Teilhaben ihrer
Sünde, in Bitterkeit von Fäulnis, in ihrer Begierde'. —
Welchen Zweck aber hat eine Ueberfetzung, die nicht
zugleich eine Erklärung des Textes ift, fondern welche
die Textfchwierigkeiten einfach deutfch wiedergiebt?
Das heifst nicht, ,treu' überfetzen, denn diefe Unver-
ftändlichkeiten kann der Schriftfteller unmöglich gewollt
haben. — Und übrigens ift Z.'s Ueberfetzung durchaus
nicht immer wörtlich, oft ift fie im Gegentheil fehr frei
2,30. 4,11 etc. Der Opt. 1,4 wird durch deutfehen Indi-
cativ; der Aor. 3,5 ff., das Fut. 3,9 durch deutfehes
Praefens, der Sing. 2, 13 durch den Plur. wiedergegeben
, etc. etc.

Die zum Theil unverftändliche Ueberfetzung Z.'s
lehrt, wie mir fcheint, deutlich, dafs fo kein Original
gefchrieben fein kann, und dafs unfer griechifcher Text
nur eine fchlechte, weil wortgetreue Ueberfetzung aus
dem Hebräifchen ift. Man vergleiche vor allem die Verwirrung
der Tempora, von welcher Z. einen grofsen Theil
nicht befeitigt hat.

Das Deutfch diefer Ueberfetzung möge man nach
den mitgetheilten Proben beurtheilen.

So dankbar alfo auch die ,weiteren Theologenkreife'
Z. dafür fein müffen, dafs er IV Efra und Pfalm. Sah
in fein Werk überhaupt aufgenommen hat, fo werden
fie doch beffere und felbftändigere Ueberfetzungen be-
anfpruchen können.

Halle. Hermann Gunkel.

Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, editum consüio
et auetoritate academiae litterarum caesareae Vindo-
bonensis. Vol. XXI et XXV, pars I. Wien, Tempsky,
1891. (gr. 8.) M. 36. 40.

Inhalt: XXI. Fausti Reiensis et Ruricii opera ex recensione
Aug. Engelbrecht. (LXXX, 505 S.) M. 16. — — XXV. S. Aureli
Augustini operum sectionis VI pars I. De utilitate credendi, de
II animabus, contra Fortunatum, contra Adimantum, contra epistu-
lam fundamenti, contra Faustum ex recensione Jos. Zycha. (797 S.)
M. 20. 40.

In Vol. XXI. liefert der fchon an Claudianus Mamertus
bewährte A. Engelbrecht eine neue Recenfion
von Schriften zweier mit einander befreundeter füdgal-
lifcher Kirchenfürften aus der 2. Hälfte des 5. Jhdts,des
Fauftus, Bifchofs von Reji (jetzt Riez), und des Ruricius,
Wellhaufen würde alle, die auf diefem Gebiet arbeiten, 1 Bifchofs von Lemovicum (jetzt Limoux). Von letzterem

gewifs zu lebhafteftem Danke verpflichten, wenn er feine
gegenwärtig vergriffene Ueberfetzung aufs neue edirte
und Anmerkungen zur Erklärung hinzufügte.

Zöckler hat in feiner Ueberfetzung der Pfalm. Sah
von feinen beiden Vorgängern, E. Geiger und Hilgenfeld
, beinah Satz für Satz und Wort für Wort übernommen
; darunter auch vieles Sonderbare und Unverftändliche
. Ich wüfste nicht einen Vers, der nicht
deutliche Spuren der Entlehnung zeigt, und weitaus die
meiften Verfe find wörtlich übernommen. — Die Aen-
derungen betreffen meift nur Kleinigkeiten; hie und da
find fie durch den Text von Fritzfche motivirt. Wellh.
ift faft gar nicht benutzt.

Da, wie fehr zu wünfehen ift, auch diefe Ueberfetzung
in der 2. Auflage einer neuen weichen wird, fo
erwähne ich noch andere Bedenken, obgleich ich wohl
fehe, dafs diefelben eigentlich die Vorlagen Z.'s mehr
als Z. felbft betreffen.

befitzen wir nur 2 Bücher Briefe, aufserdem 8 an ihn
gerichtete: in einer Handfchrift des 9. Jhdts erhalten,
aber fchon von Krufch in den Monum. Germ. 1887 gut
edirt und von anderen hervorragenden Philologen der
Aufmerkfamkeit gewürdigt. Sie find kaum mehr als eine
werthlofe Sammlung fchwülftiger Phrafen. Um fo bedeutender
ift die literarifche Hinterlaffenfchaft des Fauftus,
die aber in diefem Bande noch nicht vollftändig vorliegt;
wir empfangen da den in der Gefchichte des Semipela-
gianismus epochemachenden Tractat de gratia S. 3—96,
leider nur aus einem Manufcript und nicht lückenlos (2
Fragmente aus dem Verlorenen flehen noch S.97f.); dann
(bis S. 157) die beiden Bücher de spiritn saneto, S. 160—
219 Briefe von und an F., endlich (S. 223—347) 31 ser-
mones. Auf S. 348 verfpricht Eng., dafs er aufser einem
von C. P. Caspari 1879 entdeckten Tractat de symbolo
noch einen von Sichardus 1528 und P. Pithoeus 1586
publicirten Tractat des F. de ratione fidei und weitere 74

Die Ueberfetzung follte, wie die Hilgenfeld's es ! Predigten — meift 1547 von Gangneius unter dem Namen
ift, .moghehft wortgetreu' fein (406). So heifst es 12,2 k: ! des Eufeb von Emifa edirt, ein kleiner Theil fpäter von
,Beim Bereiten von Verfchmitztheit (verweilen) die Re- I Andr. Schottus hinzugefügt — in einem fpäteren Bande
den eines böfen Mannes, wie auf der Tenne Feuer, das J veröffentlichen werde. Die Ratio fid. ift indeffen doch