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Ausgabe:

1892

Spalte:

51-53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Liebscher, O.

Titel/Untertitel:

Familien-Andachten aus dem Nachlass 1892

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Tueologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 2. 52

länger fich felbft überlaffen und gefchehen nicht fofort
Schritte, um weiteres Blutvergiefsen zu verhüten, fo wird
die Schmach, untere Mitchriften hier (in Uganda) nicht
vor Folter und Scheiterhaufen gefchützt zu haben, ein
unaustilgbarer Flecken auf jedem chriftlichen und freien
Lande bleiben'. Und S. 303: ,Der Sohn Gottes ift er-
fchienen, um die Werke des Teufels zu zerftören und
nicht ihnen freien Lauf zu laffen. Wenn wir Ihm nachfolgen
, fo muffen wir untere natürliche Neigung, alles
feinen Gang gehen zu laffen, bekämpfen und uns dem

einen Liedervers. Aus diefen Betrachtungen gewinnt
man in der That, wie es die Vorrede hofft, einen fehr wohl-
thuenden Eindruck von der Perfönlichkeit des heimge-
gangenen Verfaffers. Aus ihren finnigen Gedanken,
die eine feine ethifche Betrachtungsweife mit warmem
religiöfen Empfinden verbinden, redet zu uns eine anima
Candida, die gewohnt ift, mit heiligem Ernft das Leben
im Lichte der Ewigkeit anzufchauen. Die Sprache hat
bei aller Klarheit und Durchfichtigkeit doch einen rhetorischen
Schwung. Ref. wüfste darum für untere Haus-

Wohle unterer Mitmenfchen opfern, felbft wenn fie un- andachten, zumal im Blick auf unfere heranwachfende
dankbar und abftofsend find'. Befonders S. 250: ,Wir | Jugend, kaum eine gefündere Kofi zu nennen, wenn
wollen keine Wiedervergeltung herbeiführen, wir verlangen j nicht diefes günftige Urtheil durch zwei Ausfiellungen
nur für uns und unfere fchwarzen Brüder das Recht, | eingefchränkt würde. Einmal — und das ift ja freilich

Gott dienen zu dürfen, ohne um unferes Glaubens willen
mit dem Feuertode bedroht zu werden. — Es liegt keine
Entfchuldigung darin, wenn man fagt: DieBaganda haben
nicht mehr zu erdulden, als unfere Vorväter auch! Damals,
zu Nero's Zeiten, gab es einfach noch keine chriftliche
Macht, welche von dem wüthenden Tyrannen Duldung
für die Chriften hätte erzwingen können. Aus diefem
Grunde konnte er nach Belieben feine Unterthanen hinunerheblicher
— macht fich die urfprüngliche Beftimmung
diefer Andachten in manchen allzu individuellen Zügen
geltend, wie z. B. in denen vom 25. Aug. und 6. Sept.,
und zum andern ift der Ton der Betrachtung und der
des Gebetes nicht genügend auseinander gehalten. Reflexionen
und lehrhafte Betrachtungen werden mit Recht
im Gebet ftörend empfunden. So haben diefe Andachten
mehr den Charakter von Monologen, und fie

morden, aber daraus folgt doch nicht, dafs die armfeligen fich daher vielleicht beffer zur einfamen Erbauung, als
Könige in Afrika das Gleiche thun dürften'. Summa: 1 grade zu ,Familienandachten'.

Die Miffion als folche darf nicht mit dem Schwerte ihr 2. Das Andachtsbuch des bei Vielen in gutem AnWerk
treiben. Aber chriftliche Herrfcher, denen das denken flehenden früheren Basler Miffionsinfpectors Schott
Schwert gegeben ift und die es nicht umfonft führen, i enthält ebenfalls für jeden Tag eine kurze Schriftstelle
haben die Pflicht, die mit Feuer und Schwert bedrohten J und einige Liederverfe. In feiner Anordnung folgt es

Pflanzungen der Miffion und zugleich der Cultur in ihren
Colonieen und an deren Grenzen kräftig zu fchützen.

Hierbei fei fchliefslich noch darauf hingewiefen, dafs
M. es für eine kaum entfchuldbare Verkehrtheit erklärt,
den Sklaventransport an der Küfte ohne durchgreifenden
Erfolg zu verhindern, ohne an die Bekämpfung der
Sklavenjagd und des Sklavenhandels im Innern Hand
anzulegen. Aber auch nutzlos fei es, mit den gröfsten
Kotten und unfäglicher Mühe Kanonenboote nach den
Binnenfeen zu fchaffen, fo lange die Eingeborenen und
befonders die Araber mit den beften Waffen verfehen
werden. Die Lieferung von Feuerwaffen — und Feuerwaffer
! fetzen wir hinzu — an die Eingeborenen müffe
durchaus verhindert werden, wenn Afrika befreit werden
folle. (Die faft vernichtete Expedition Zelewski bietet
ein neues Warnungsbeifpiel!)

Capitel 15 (Sklavenjagd und Sklavenhandel) und das
auf langjährige Erfahrung fich gründende Capitel 16 (Wie
kann Afrika evangelifirt werden?) fei befonderer Beachtung
empfohlen. Möge das Werk auch von denen
gewürdigt werden, die fonft Miffionsfchriften nicht lefen,
befonders aber von denen, welchen das Gotteswerk der
Befreiung Afrika's ernftlich am Herzen liegt.

Linden b. Brieg. Zürn.

dem bürgerlichen Jahre. Doch bleibt das Kirchenjahr
nicht völlig unberückfichtigt. Nicht nur findet fich im
März und April eine zufammenhängende Reihe von Paffionstexten
, und ebenfo find für die Weihnachtszeit ent-
fprechende Texte gewählt, fondern es find auch in einem
befonderen Anhang diejenigen Andachten bezeichnet,
die an den beweglichen Fetten der Kirche gebraucht
werden können. Im übrigen hat Ref. ein beftimmtes
Princip der Anordnung nicht entdecken können. Wie
es von einem fchwäbifchen Theologen zu erwarten
fleht, zeichnen fich diefe Andachten durch ihre biblifche
Haltung aus. Nicht nur die Sprache ift reich mit biblifchen
Anfchauungen gefättigt, auch die ganze Auslegung ift
aus der Fülle der biblifchen Gedankenwelt gefchöpft,
und Verf. hat eine treffliche Gabe, das Leben, vor allem
die Entwicklung des inneren Lebens, aus den Gedanken
feines Textes zu beleuchten. Dabei fetzen diefe Andachten
fchon mehr geförderte Lefer voraus, aber diefe
werden fie auch mit reichem Gewinn gebrauchen. Auf
folche und ihr bereites Zugeftändnifs fcheint der Verf.
freilich auch zu rechnen, wenn er, wie z. B. S. 46, gegen
gar zu fchablonenhaft zurecht gemachte Gegner polemifirt.
Ja, es find wohl befondere engere Kreife, an die der Verf.
denkt, wenn er fich hie und da gewiffe fprachliche Nach-
läffigkeiten oder geradezu einen gewiffen Jargon ge-
ftattet, wie z. B. S. 96. ,wie viel Zweifel' (ft. viele);
1. Lieb scher, Fr. Paft. Dr. O., Familien-Andachten ,ob wir ein Sache auch haben hinauszuführen' (d. h.
aus dem Nachlafs. Magdeburg, Schaefer, 1890. (III, ! ob wir auch das Vermögen haben, fie hinauszuführen);

376 S. 12.) geb. M. 1.50; auf befferem Pap., geb. >deinf H«land ^ fu' dichf f ™acht< & ,f);

I ,wie fie (die Vater- und Mutterhebe) fich vom Kindlein

herumreifsen läfst'(S. 328). Auch manche wunderliche
Gedanken werden anderwärts Widerfpruch wecken, wie
z. B. der, dafs Jefus nicht geftorben fei, fondern nur
aus eigener That eine Zeitlang den Leib verlaffen habe,
um zum Vater zu gehen (S. 194), oder der: ,Wie fein
Blut bewegt war nur von heiligen Wallungen des Ge-
M. 2.70; in Halbfrzbd. M. 3.50. j horfams unrj der Liebe Gottes, fo ift es die Quelle

1. Diefe Andachten find von dem heimgegangenen derfelben Bewegungen in denen, die darin die Verföhn-
Verfaffer zunächft für feine Kinder niedergefchrieben, ung und Vergebung ihrer Sünden glauben und empfangen,
und erft nach feinem Tode herausgegeben worden. Sie (S. 129). Diefe kleinen Ausheilungen, welche zur Kennfind
nach dem Kirchenjahr geordnet und bieten für : Zeichnung der Eigenart des Buches unerläfslich waren,
jeden Tag eine kurze Betrachtung über ein, foweit mög- ; hindern Ref. nicht, es zum Gebrauch bei der Hauslich
, den altchriftlichen Evangelien und Epifteln ent- ! andacht warm zu empfehlen. Als eine befondere Eigen-
nommenes Schriftwort, wobei jedem Tag immer nur ein ' thümlichkeit iftnoch hervorzuheben,dafs fammtlicheLieder
kurzer Abfchnitt des Wortes zugewiefen ift, öfter auch von Schott felbft herrühren. Seine fchöne Gabe finniger

M. 2.50; m. Goldfehn. M. 3
2. Schott, Dekan Otto, Wachet und betet! Täglicher
Mahnruf aus Gottes Wort in Betrachtung und Lied.
Ein chriftliches Spruch- undLiederkäftlein. Reutlingen,
Fleifchhauer & Spohn, 1891. (IV, 749 S. 12.)