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Ausgabe:

1892

Spalte:

49-51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nebinger, J. H. (Übers.)

Titel/Untertitel:

Alexander M. Mackay, Pionier-Missionar von Uganda. Von seiner Schwester 1892

Rezensent:

Zürn, ...

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49

Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 2.

bogk; Tübinger Q.-S. 1866, 322. — S. 373 Z. 12 v. u.
ft. Manfi VIII, 870 1. 857.

Bonn. F. H. Reufch.

A. M. Mackay, Pioneer Missionary of the Church Missio-
nary Society in Uganda. By bis sister. ioth thousand.
London, Hodder & Stoughton, 1891. (VIII, 488 S. m.
Bildnifs u. Karte, gr. 8.) geb. 5 s. 4 d.
Alexander M. Mackay, Pionier-Missionar von Uganda. Von
feiner Schweiler. Ueberfetzt von J. H. Nebinger.
Mit einer Skizze feiner Perfönlichkeit aus perfönlichem
Verkehr von Generalfuperint. U. Wilh. Baur. Leipzig,
Hinrichs' Verl., 1891. (XXXII, 421 S. gr. 8.) M. 5. —;
geb. M. 6. —
Bei der noch immer wachfenden Eluth von Miffions-
fchriften namentlich geringeren Umfangs — unter welchen
fich neben manchem nur für den Augenblick Gefchrie-
benem oder blofs für Einzelzwecke Geeignetem die
Hallefchen ,Bilder und Gefchichten aus der Miffion', auch
die Berliner ,Dornen und Aehren vom Mifhonsfclde'
vortheilhaft auszeichnen — bleibt leicht ein verdienft-
liches Schriftwerk etwas gröfseren Umgangs unbeachtet.
Insbefondere gilt dies von den Lebensbefchreibungen
einzelner Miflionare, welche vorzugsweife das Miffions-
intereffe auch in weiteren Kreifen wecken, beleben und
vertiefen, wenn fie nicht blos in trockenen Notizen lehrhaften
Tones, auch nicht in fubjectiven Betrachtungen
beliehen, fondern treue Schilderungen enthalten und in
anfprechender Weife gefchrieben find. Letzteres ift auch
bei obigem Werke der Fall, das fich auch in feiner
Ueberfetzung aus dem Englifchen bei der ungekünstelten
Schreibweife der Verfafferin anmuthend lieft. Diefe fetzt
ihrem am 8. Februar 1890 entfchlafenen Bruder ein
Ehrendenkmal durch die auf Thatfachen, die auch
anderweit bezeugt find, fowie auf Briefe und mündliche
.Mittheilungen gegründete, einfache Darlegung feines
Lebens und Strebens.

Und diefer Lebensgang nimmt von feinem Anfange
an die vollste Theilnahme nicht etwa nur derer in An-
fpruch, denen die Miffion am Herzen liegt, fondern aller,
die für Culturarbeit und Colonialbeftrebungen Sinn und
Intereffe haben.

Wir blicken hinein in das Leben eines in Kund und
Wiffenfchaft höchst vielfeitig gebildeten, aber ebenfo auch
in den mannichfachften praktifchen Berufsarten, namentlich
Mafchinen- und Bauwefen hervorragend gefchickten
Technikers, der nach Berlin kommt, um fich als Ingenieur
weiter auszubilden und das heidnifche wie das
chriltliche Berlin kennen lernt, indem er einerfeits bei
feinen fast durchweg atheiftifchen Berufsgenoffen dem
giftigsten Hohn begegnet, aber auch im Haufe eines
dortigen Geistlichen (Hofpredigers Baur) die Gemeinfchaft
chriltlichen Sinnes und Strebens und für feinen aus dem
Vaterhaufe mitgebrachten kindlichen Glauben Nahrung
und Stärkung findet, wie in ihm allmählich und ohne
directe Beeinfluffung der Entfchlufs reift, der Ausbreitung
des Reiches Gottes fich mit allen feinen Gaben und
Kräften hinzugeben, und fomit alle noch fo nahen und
glänzenden Ausfichten auf Ehre, Gewinn und Lebens-
genufs, ja Vaterhaus und Vaterland aufzugeben. Ein
solcher .Menfch Gottes, vollkommen (d. i. ein ganzer
Mann) zu allem guten Werk geschickt' entfpricht auch
dem Ideal, welches Stanley zeichnet (S. 75). ,Der praktische
Chrift, einer, der Gottes Wort lehrt, Krankheiten
heilt, Häufer baut, den Ackerbau versteht, kurz alles
thun kann wie ein Seemann (?Sämann? beffer: Ingenieur)
ift hier von Nöthen. Wenn ein folcher hierher käme,
würde er zum Heiland Afrika's werden'.

Diefer Mann, der, wie Stanley von ihm fagt, keine
Zeit hat, unglücklich zu fein, zu jammern und zu feuf-

I zen (S. 356), bahnt fich meist allein feinen Weg und
führt ununterbrochen vierzehn Jahre lang ein Leben voll
Entbehrungen, Mühe, Gefahr und Kämpfen unter einem
von Geister- und Menfchenfurcht geplagten Volke, das
unter einem fchrecklichen doppelten Joche feufzt, dem
die arabifchen Sklavenjäger und -Händler, die dem ankommenden
Miffionar von vornherein feindfelig entgegen
treten, fo wie dem eines launenhaften, graufamen, von
kindifchem Gröfsenwahn trunkenen Despoten, der feine
eignen Unterthanen willkürlich hinschlachtet oder als
Sklaven verkauft — natürlich alfo dem Mifionar mifs-
trauifch begegnet, ihn blofs für fich ausnutzen will und
nur zu feige ift, ihm mit Gewalt und offen entgegen zu
treten. Mackey's Erfahrungen können hier nicht im
Einzelnen nacherzählt werden — fie find im Ganzen ein
Beleg zu 2 Petri 2, 8. Seine originelle Miffionsme-
thode beweift, wie thöricht es wäre, das ora et labora
einer abftracten Theorie zu Liebe zu trennen und darüber
zu streiten, was der Zeit nach vorangehen folle;
beides mufs eben Hand in Hand gehen, wenn rechte
Frucht erwachfen loll. Seine Erfolge find nach den
Umftänden bemeffen, wenn auch vorbereitend wie die
eines Sämanns im Urwald, thatfächlich bewundernswerth,
das beweist fchon das standhafte Märtyrerthum der
Erstlinge.

Betrübend aber nicht überraschend ift auch hier das
Verhalten der auf demfelben Gebiete fich eindrängenden
römifchen Sendlinge, welche dem erkrankten Mackay
zwar einige Theilnahme widmen, fonft aber demfelben
heimlich und offen entgegenwirken, jede Gemeinfchaft
aber rundweg ablehnen, und felbft einen gemeinschaftlichen
Protest gegen Mtefa's Maffenabfchlachtungen des
Volkes fchnöde verfagen. Dafs diefes Wefen der französischen
Miffionare ebenfo wie auch das Treiben der
Araber, die ja auch in ihrer Art miffioniren, verwirrend
und Hörend auf die Eingeborenen wirken mufs, liegt auf
der Hand, und eine Disputation vor Mtefa (S. 104 fr. wie
115 f.) fchildert dies draftifch, ja fast erheiternd, wenn
es nicht fo jammervoll zu fehen wäre, wie Christen die
Sache ihres Heilandes schädigen.

In mehreren Punkten unterfcheidet fich Mackay vortheilhaft
von der Mehrzahl feiner englifchen Landsleute.
Einmal läfst er — ebenfo wie er auch Stanley und Emin
gerecht beurtheilt — den deutfehen Colonial- und Miffions-
beftrebungen in Oftafrika fern von thörichter Eiferfucht
Gerechtigkeit widerfahren, befürwortet warm ein stetes
Handinhandgehen Englands und Deutfchlands in Oftafrika
, ja möchte fogar lieber letztere Macht über die
, Eingeborenen herrfchen fehen. ,weil fie daheim zu regieren
j wiffe und fich alfo auch in Oftafrika auf ein festes Re-
! giment verstehen werde'. Ferner hat er fich, durch Er-
I fahrung uberzeugt, von jener nur in den Schein der
1 Humanität gekleideten aber grundfalfchen Anschauung
! und Handlungsweife befreit, welche der kindifchen Eitel-
j keit halbverrückter Despoten fchmeichelt, ihren Schand-
thaten damit Vorfchub leistet, und folche Wütheriche,
wenn fie die Culturmächte zum Kriege zwingen, noch
in der Gefangenschaft als .Majestäten' gleich europäifchen
Fürsten behandelt — fo auch jenen entmenfehten Pierricher
Sekukuni und jenen Ketfchwayo, der feinem leiblichen
Bruder die Haut abziehen und ihn in einen Ameifen-
haufen werfen liefs. Oder dürfte das Wort Rom. 13, 1
auch hier Anwendung finden? Sind folche Scheufale etwa
auch Obrigkeit von Gott verordnet? Das ift keine Obrigkeit
, die von Gefetz und Recht nichts weifs! Man
empfindet es als ein gerechtes Gottesgericht, wenn man
lieft, wie Mwanga von feinen heidnifchen und muha-
medanifchen Kriegern, die er auf einer wüften Infel dem
Hungertode preisgeben wollte, gestürzt wird. Und wer
verhilft dem Gedemüthigten fpäter wieder zur Regierung ?
Diefelben christlichen Unterthanen, von denen er viele
vor kurzem noch zu Tode hetzen liefs. — Darum fchreibt
Mackay mit Recht (S. 245): ,Bleibt diefes Land noch