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Ausgabe:

1892

Spalte:

649-651

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Patmiakē bibliothēkē ētoi anagraphē tōn en tē bibliothēkē tēs kata tē nēson Patmon geraras kai basilikēs monēs tu Hagiu Apostolu kai Euangelistu Iōannu tu Thelogu tethēsaurismenōn cheirographōn

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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enthält zwar nicht gerade pofitive Fehler, zeigt aber an
keinem Punkte, dafs der Verf. tiefer in die Dinge einzudringen
Willens ift. Schon dafs er aufser Swete [on the early
history of the doctrine of the holy spirit 1873] nur Gwat-
kin's kleinere Arbeit über den Arianismus von 1889
nennt, von deutfchen Arbeiten ganz zu fchweigen, erweckt
kein günftiges Vorurtheil. Der Verf. arbeitet ganz
nach der landläufigen Schablone: unter dem Druck welcher
Schwierigkeiten auch die Kappodocier die Lehre vom
Geift behandelt haben, davon zeigt er keine Ahnung.
Er hält fogar für nöthig, einen Auffatz vom Chr. G.
Wuilcknis (Leipzig 1724) über die olxovou'ta BaöiXeiov
xov uäyvov [Prudenüa Bastiii Magni in rejutandis haere-
ticis) im Auszug mitzutheilen, um ein tcstimonium veteris
dafür zu gewinnen, dafs Bafilius mit Recht die ihm von
einigen orthodox fein wollenden Heifsfpornen vorgeworfene
Praxis des befonnenen Vortrags feiner theo-
logifchen Meinungen {Greg. Naz. epist. 26 al. 20) befolgt
habe. Epiphanius fcheint fein Ideal, wenigftens ift er
ihm als ,Zeuge' mehrfach willkommen; und er glaubt
fogar, dafs er in der expositio fidei catholicae am
"Schlu'fs feiner Revue aller Ketzereien [Patiar. Lib. III.
Tont, II Anhang, befonders Cap. 17, nicht 18 wie Johnfton
drucken läfst] einen short and true account of the Faith
of the Catholic and Apostolic Chnrch gegeben habe. Dafs
Johnfton nur von den confused Iieresics of the gnostics
weifs ift darnach begreiflich; felbftverftändlich aber, dafs
ihm die Stellung, die Apollinaris von Laodicea in der Ge-
fchichte der Entwicklung der Trinitätslehre eingenommen,
ganz dunkel geblieben ift.

Sieht man von diefer Einleitung ab, fo mufs man
für das Dargebotene fehr dankbar fein. Auch die über-
lichtliche Inhaltsangabe und die Hinzufügung der Epp.
Basti. 233—236 im Anhang ift angenehm. Die chronolo-
gifche Tabelle datirt die Synode von Sardica auf 344, verlegt
fie alfo hinter das Conc. Antioch. 344. Warum, ift
nicht gefagt. Das Verzeichnifs der Schriftftellen bringt
nur die im Text der Schrift ausführlicher behandelten
Stellen, doch find am Rande alle Stellen forgfältig angegeben
. Der jedenfalls koftfpielige Druck ift fehr correct.
Man empfindet etwas wie Neid, wenn man fich vergegenwärtigt
, was folche Einrichtungen wie die Univerfitäts-
druckereien von Oxford und Cambridge bedeuten.

Giefsen.___G. Krüger.

Jlar/uaxij ßißlio&yxy //rot dvaygacpy xmv hv tq ßißXio-
(lyxy xyq xaxd xyv vyoov Uäxuov ysgagäq xal ßaoi-
Xixyq povyq xov dy'iov ustooxöXov xal tvayytXioxov
fmdvvov xov OtoXöyov xeV-yöavgtoptvmv ytigoygä(pmv
xtvymv, sxdXai uiv txjiovyd-eloa vsco 'Imävvov Nax-
xtXimvoq, vvv de wiXoxipm stgovoia xal dvaXmpaOi
xov epiXoXoyixov ovXXöyov Ilagvaooov exöiöofitvy, yq
in xtXtt jcgoOixt&yOav xal tjtxä süvaxtq jcavofiowxvsia
siegityovxeq xyq xmv öiacpögmv ixaxovxaexygtömv
ygawijq. AtXyvyOiv, Ix xov xvnoygacptiov AXt^dvbgov
Ilasiayimgyiov, 1890. (tri, 340 S., 2 Bll., 7 Taf. 4.)
Die theologifchen Hff. des Johannesklofters aufPatmos
find in einer Auswahl fchon vom Jefuiten Ant. Poffe-
vinus [Apparatus sac. T. II. Vcn. 1606, Append p. 54 s.)
verzeichnet worden. In neuerer Zeit haben Guerin, Coxe,
Tifchendorf u. A. die Infel befucht und mehr oder weniger
ausführliche Nachrichten über die Bibliothek des
Klofters veröffentlicht. Von Guerin [Dcscription de File
de Patmos et de File de Samos. Paris 1856) werden
239, von Coxe [Report to Her Majesty's Government on
the Greck Mss. yet remaining in libraries of the Levant.
London 1858) 125 Hff. verzeichnet, aber beide Verzeich-
niffe laffen an Zuverläffigkeit zu wünfehen übrig. So
wird, um nur ein Beifpiel anzuführen, der die <f>iXoxaXia
des Origenes enthaltende Codex von beiden in eine Hf.
der Hexapla verwandelt. Es ift daher fehr dankens-

werth, dafs die Philologifche Gefcllfchaft in Athen den
fchon vor 30 Jahren verfafsten Katalog Sakkelion's
durch den Druck allgemein zugänglich gemacht hat.

Für die Gefchichte der Klofterbibliothek hat der
Verf. nur wenig Material gefunden. Als älteftes Zeug-
nifs für das Vorhandenfein derfelben wird das Teftament
des im J. 1093 verftorbenen Mönches Chriftodulos angeführt
, durch welches derfelbe alle in feinem Befitz befindlichen
Hff. dem Johannesklofter vermachte (zuerft im
6. Bande der von Müller und Miklofich herausgegebenen
Acta et Diplomata Graeca medü aevi veröffentlicht).
Dann folgen Kataloge aus dem 12. und 14. Jahrh., über
welche man gern mehr erführe als dem Verf. darüber
mitzutheilen beliebt hat. Nicht einmal über den älteften
macht S. nähere Mittheilung; er wird einfach regiftrirt:
a) '0 tv sxei gipfr' (t.1201) teil xyq yyovusvlaq Agosviov
jiovayov ytyovmq, tv ca dvacptgovxai cxsvxaxöoia jceqisxov
xsvyy. Den zweiten, aus dem Jahre 1335, hat Ang. Mai
im 6. Bande der Nova Patrum Bibliotheca veröffentlicht;
er enthält aber nur eine Auswahl von 68 Hff. Der dritte
Katalog bleibt uns wiederum unbekannt; es wird darüber
nur bemerkt: y')"PxeQoq o teil xyq yyovueviqq roy-
yogiov /uovayov xm zmy (7 1382) ytyovmq, tv cp xaxa-
Xtyovxai zoiaxööia jisqisiov xevyy. Wenn etwas verdient
hätte, in dem weiter unten zu erwähnenden IJaQuQxypa
veröffentlicht zu werden, fo waren es gewifs diefe alten
Handfchriftenverzeichniffe.

Der gegenwärtige Beftand der Bibliothek beläuft
fich auf 305 Pergament- und 530 Papierhff. Von letzteren
, die bis ins 18. Jahrh. herabreichen, find nur 195
von S. felbft befchrieben, 335 von dem Bibliothekar des
Klofters, Hierotheos. An Hff. von hohem Alterthum ift
verhältnifsmäfsig wenig vorhanden. Man wird fich darüber
nicht wundern, wenn man erfährt, dafs noch bis
in den Anfang diefes Jahrhunderts haufenweife abgenutzte
und unvollftändige Hff. dem Feuer überantwortet
wurden (f. S id). Immerhin find noch 33 Bll. aus
dem 6. Jahrh. erhalten: Bruchftücke des bekannten
Purpurcodex der Evangelien (N), von welchem 6 Bll.
nach Rom, 4 nach London und 2 nach Wien verfchlagen
worden find (Cod. von Duchesne in den Archiv es des
missions scientifiques et litteraires, Serie III. vol. III.
Paris 1876, p. 386 ss. herausgegeben). Aus dem 7. oder

8. Jahrhundert flammt eine Hf. des Hiob mit Catene
(Cod. poa'), in das 9. bezw. 9.—10. verlegt der Verf.
etwa ein Dutzend, darunter zwei kanoniftifche (goß' und
goy) und vier Evangelienhff. (gz/—oa'), in das 10. einige
dreifsig. Unter den übrigen Pergamenthff. find die des
11. Jahrh. befonders zahlreich. Im Vordergrunde fleht,
wie hier nicht anders zu erwarten, die biblifche, patri-
ftifche, hagiographifche und liturgifche Literatur.
Die neuteftamentlichen Hff. find durch Gregory's Katalog
bekannt; von altteftamentlichen find, abgefehen von der
fchon erwähnten Hf. des Hiob, u. a. zu nennen ein Pfalter
mit ausführlichem Commentar in zwei Bänden aus dem
11. Jahrh. (ge' und gc'), eine Hf. der Hagiographen und
Propheten aus dem 13. Jahrh. ((ffK) und Catenen zu Je-
faias [016', saec. XI.), zu den Pfalmen (die, saec. XIII.),
zum Pentateuch (diq, saec. XI.), zum Octateuch (ötg', saec.
XI.). Von den Kirchenvätern find Bafilius (in Hff. vom

9. Jahrh. an), Gregor von Nazianz (vom 10. Jahrh. an)
und Johannes Chryfoftomus (desgl.) am ftärkften vertreten
, fodann auch Athanafius, Cyrillus Alexandr.,
Gregor von Nyffa, Ephrem Syrus, Theodoret, Anaftafius
Sinaita, Andreas Cretenfis, Theodorus Studita, Ifidorus
Pelufiota, Johannes Damascenus, Johannes Klimakus,
Euthymius Zigabenus u. A. Die von Guerin und Coxe
wie erwähnt fignalifirte Hf. des Origenes flammt aus dem
Ende des 10. Jahrh. Sie wurde von J. Armitage Ro-
binfon im J. 1887 verglichen, vgl. Paul Koetfchau, die
Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celfus
in den Hff. diefes Werkes und der Philokalia (Texte und
Unterfuchungen Bd. VI, 1891) S. 121 ff. Zu den be-