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Ausgabe:

1892

Spalte:

537-539

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Abbott, T. K.

Titel/Untertitel:

Essays chiefly on the original texts of the Old and New Testament 1892

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 22. 29. October 1892. 17. Jahrgang.

Abbott, Essays chiefly 011 the original texts of
the Old and New Testament (Schürer).

Weifs, Die katholifchen Briefe (Schürer).

Müller, Karl, Die göttliche Zuvorerfehung und
Erwählung nach dem Evangelium des Paulus
(Gräfe).

Athenagorae libellus pro Christianis, oratio de resur-
rectione cadaverum rec.Schwartz(Preufchen).

Duncker,Anhalt's Bekenntnisftand i 570—1606,
Nachwort (Koehler).

Schwarz, Das Wahrnehmungsproblem (Glogau).

Herrmann, Der Verkehr des Chriften mit Gott,
2. Aufl. (Häring).

Runze, Ethik I (Nitzfeh).
Köftlin, Leitfaden zum Unterricht im Alten
Teftament (Fay).

Jäger, Die fociale Frage. 1. Bd. (Stamm).

Jäger, Die fociale Frage im Licht der Offenbarung
. 2. Bd. (Derf.)

Abbott, T. K., B. D., Litt. D., Prof., Essays chiefly on the
original texts of the Old and New Testaments. London,
Longmans Green&Co., 1891. (V, 227 S. gr. 8.) 10s. 6d.

Der durch feine textkritifchen Arbeiten rühmlich
bekannte Verfaffer (Prof. in Dublin) legt uns hier Heben
einzelne Abhandlungen vor, die fich auf fehr verfchie-
dene Probleme, nicht nur der Textkritik, fondern auch
der Lexikographie, Gefchichte und höheren Kritik des
A. und N. Teftaments beziehen. Sie zeichnen fich alle
durch Gründlichkeit und Sachkenntnifs aus, wenn auch
das Urtheil über den Werth der einzelnen ein verfchie-
denes fein wird.

Die beiden erften Effays: Der mafforeti f che
Text des Alten Teftamentes (S. 1—38) und: Der
hebräifche Text vor den Mafforeten (S. 39—64),
zeigen in erfreulicher Weife, wie gewiffe kritifche Einrichten
, die bei uns in Deatfchland noch um die Exiftenz
zu ringen haben, in dem confervativen England fchon
mehr und mehr durchdringen. An treffend ausgewählten
Beifpielen wird dargethan, wie der mafforetifche Text
vielfach verderbt ift und der Emendation bedarf, wie für
diefe kritifche Arbeit die LXX zu benützen find, deren
Charakter und Werth freilich für die einzelnen Bücher
des A. T. ein fehr verfchiedener ift, endlich (in der
zweiten Abhandlung) wie der hebräifche Text vor feiner
Fixirung durch die Mafforeten eine lange Gefchichte
durchgemacht hat, innerhalb deren er unter verfchie-
denen Gefichtspunkten, namentlich auch aus dogmati-
fchen Gründen, bearbeitet worden ift. Die Leetüre und
forgfältige Erwägung der Ausführungen des Verfaffers
würde auch manchem deutfehen Lefer von Nutzen fein.

Die dritte Abhandlung über ,Neuteftamentliche
Lexikographie' (S. 65—109) knüpft an die Arbeiten
von Grimm, Cremer, Thayer (englifche Bearbeitung von
Grimm's Lexikon), befonders aber an Hatch {Essays
in Biblical Grcek 1889) und Field {Otium Norvicense,
pars tertia) an. Der gröfste Theil der Abhandlung ift
der Auseinanderfetzung mit Hatch gewidmet, welcher an
einer Anzahl neuteftamentlicher Worte den mafsgebenden
Einflufs der LXX auf die Sprachbildung des N. T.'s dar-
zuthun verfucht hat. Abbott findet, dafs Platch diefen
Einflufs überfchätzt hat, indem er ohne Weiteres Bedeutungen
, welche bei den LXX nachweisbar find, auch
für das N. T. angenommen hat. Er fafst fein Urtheil
über Hatch folgendermafsen zufammen (S.98): ,Wo Hatch
eine den LXX eigenthümliche oder von ihm nach feinen
Grundfätzen angenommene Bedeutung auf das N.T. anzuwenden
verfucht, ift er in keinem Punkte erfolgreich.
Wo er das N.T. aus anderen Schriftftellern erläutert, ift
er oft nützlich und intereffant. Seine reichen Citate und

ihren Mangel an Neuheit keine Bemerkung gemacht
haben würde, wenn er nicht auf feiner erften Seite behauptet
hätte, dafs es noch kein gutes Lexikon der
Sprache des Neuen Teftamentes gebe. Er bemerkt: The
language of the New Testament has not yet attracted
the special attention of any considerable scholar. There
U no good lexicon. There is no philological commentary.
There is no adequate grammar1. Diefes Urtheil Platch's
ift allerdings ungerechtfertigt, und der Proteft Abbott's
dagegen berechtigt. Auch darin wird er recht haben,
dafs Hatch nicht immer mit der nöthigen Vorficht und
Einfchränkung verfahren ift, indem er die von ihm angenommenen
Hebraismen der LXX auch auf die Erklärung
des N. T.'s angewendet hat. Aber Abbott fällt nun
wieder in den entgegengefetzten Fehler, indem er in
allen von Hatch behandelten Fällen diefe Hebraismen
in Abrede (teilt. Es handelt fich in den meiften Fällen
nicht um ein Entweder-oder, fondern um ein Mehr-oderweniger
. Als lehrreich möchten wir in diefen Verhandlungen
zwifchen Hatch und Abbott z. B. die Erörterungen
über uvaxriQLov (Hatch S. 57—62, Abbott S.
88—92), jtagaßoXr/, jiaooiuia (H. S. 64—71, A. S. 82—85),
jtlvnq, sioavq, sixmyfq, zasteivoc, hebr. anav und am
(H. 73—77, A. 78—82) hervorheben. Ucber Hatch's Behandlung
des Begriffes stioriq (H. 83—88) hat A. S. 97
nur Worte der Anerkennung. Er findet fie füll and
instruetive.

In das Gebiet der Neuteftamentlichen Lexikographie
gehört auch der vierte Effay über die Frage, ob jtoielv
im N. T. den Sinn von ,opfern' habe (S. 110—128:
Has tcoielv in the N. T. a sacrificial meaning?). Veran-
lafst ift er durch die Behauptung des katholifchen Theologen
Patterfon (in deffen Essays on Religion and Lite-
rature, Second Series 1867), dafs jtoielv ftets dann diefen
Sinn habe, wenn es mit einem Nomen verbunden wird,
welches eine opferbare Sache bezeichnet. In der Zurück-
weifung diefer Behauptung wird Abbott wohl auf viel-
feitige Zuftimmung rechnen können.

Der umfangreiche fünfte Auffatz behandelt die Verbreitung
des Griechifchen in Galiläa zur Zeit
Chrifti (S. 129—182: To what exte?it was Greek the
Language of Galilee in the time of Christ?). Leider fleht
er ganz im Dienft einer falfchen Apologetik, welche ein
Intereffe daran hat, fowohl Jefu als den Apofteln eine
möglichft gründliche Kenntnifs des Griechifchen zuzu-
fchreiben. Das Schlufs-Refultat lautet S. 181: ,Es ift ficher,
dafs die Apoftel im Stande waren, fliefsend Griechifch
zu fprechen, und mindeftens Einige von ihnen waren im
Stande, griechifch zu fchreiben. Dies ift mehr, als wir
in Betreff ihrer Kenntnifs irgend einer anderen Sprache
behaupten können; und es ift an fich nicht wahrfchein-

Erörterungen diefer Art find fo intereffant, dafs ich über I lieh, dafs fie gleichmäfsig zwei Sprachen beherrfcht
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