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Ausgabe:

1892

Spalte:

30-31

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bruder, Carl Herm.

Titel/Untertitel:

Tamielon ton tes chaines 1892

Rezensent:

Gregory, Caspar René

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Und doch bieten fie nicht nur alles, was zur Einführung
in den betreffenden Brief nöthig ift, fondern orientiren
auch recht vollftändig über die neueren Hypothefen,
namentlich in Betreff der Echtheit der drei Briefe.
Eipfius verfchmäht es nicht, fich in ernfthafter Weife
auf eine Discuffion der modernen Beftreitungen der Echtheit
einzulaffen. Diefelbe wird auch in Betreff des Philipperbriefes
gegenüber Holften feftgehalten.

Den ganzen dritten Band, umfaffend Koloffer-,
Philemon-, Ephefer-, Paftoralbriefe, Hebräerbrief,
I Petri, Jakobi, Judä, II Petri, hat von Soden bearbeitet
. Die Ausführlichkeit ift hier in den beiden Abtheilungen
eine verfchiedene. In der früher erfchienenen
zweiten Abtheilung (Hebräerbrief und katholifche Briefe)
hat die Forderung möglichfter Kürze wohl zu einer zu
Parken Befchränkung geführt. Selbft für den Zweck
eines Hand-Commentares fcheint mir die Erklärung zuweilen
doch zu dürftig zu fein. Erheblich ausführlicher
ift fie in der fpäter erfchienenen erften Abtheilung (Koloffer,
Ephefer, Paftoralbriefe). Der Verfaffer hat alfo wohl
felbft die Schranken, welche er fich auferlegt hatte, als
zu enge empfunden, und nun feiner Erklärung denjenigen
Umfang gegeben, welcher im Intereffe der Gründlichkeit
wünfehenswerth ift. Nicht zweckmäfsig fcheint mir die
formelle Anlage des von Soden'fchen Commentares. Er
giebt die ganze Erklärung in Form von Einfchaltungenin die
fortlaufende Ueberfetzung, wodurch eine zufammen-
hängende Leetüre geradezu unmöglich wird. Etwas
anderes ift es ja, wenn man kurze erläuternde Gloffen
in die Ueberfetzung einfügt (wie dies Schmiedel vielfach
gethan hat). Aber umfangreiche Erläuterungen
follten m. E. im Zufammenhang gegeben werden, nachdem
die zufammenhängende Ueberfetzung eines oder
mehrerer Verfe vorangefchickt ift. Mit von Soden's
Gefammtauffaffung der behandelten Briefe freue ich
mich in vieler Hinficht zufammenzutreffen. Diefelbe ift
für die Mehrzahl derfelben aus feinen vortrefflichen Abhandlungen
in den Jahrbüchern für prot. Theologie bekannt
(1883: erftePetrusbrief, 1884: Jakobus und Hebräer,
1885: Koloffer, 1887: Ephefer). In Betreff des Koloffer-
briefes nimmt er die Hypothefe der Interpolation jetzt
zurück (S. 31 f.) und fucht in fehr umfichtiger Erörterung
wenigstens die Möglichkeit zu erweifen, dafs auch
die chriftologifchen Sätze von Paulus herrühren. Der
Verf. des Epheferbriefes war nach von Soden ,ohne
Zweifel ein persönlicher Schüler des Paulus' (S. 100). Die
Paftoralbriefe fpricht er, mit Ausnahme ganz kleiner echter
Stücke, dem Apoftel ab, will aber in denfelben keine
,Bezugnahme auf die eigentliche Gnofis' anerkennen,
weshalb fie zwar ,früheftens in die erften Jahrzehnte
des 2. Jahrhunderts', aber nicht etwa erft ,in die Zeit
Hadrian's' zu fetzen feien (S. 176) — eine Zeitbeftimm-
ung, bei welcher das ,früheftens' zugleich auch ein
,fpäteftens' bedeutet, da bekanntlich Hadrian 117 — 138
nach Chr. regiert hat. Treffende Gefichtspunkte hat v.
S. namentlich für die Auffaffung des Hebräer- und
Jakobusbriefes geltend gemacht, indem er das Vorurtheil
bekämpft hat, als ob der Hebräerbrief Judenchriften als
Lefer vorausfetze und der Jakobusbrief felbft den juden-
chriftlichen Standpunkt vertrete. Den erften Petrusbrief
rückt v. S., wie den Epheferbrief, nahe an die apoftolifche
Zeit heran, indem er nach I Petri 5,12 Silvanus als Verfaffer
vermuthet, eine Hypothefe, die mehr als gewagt
fein dürfte.

Unfere Gharakteriftik hat zwar nicht verfchweigen
können, dafs auch diefer Hand-Commentar wie jedes
menfehliche Werk feine Schwächen und Mängel hat.
Im Ganzen ift er aber doch eine Ffrfcheinung, zu welcher
wir im Intereffe des heranwachfenden theologifchen
Gefchlechtes uns Glück wünfehen dürfen.

Kiel. E. Schürer.

Bruder, Dr Carl Herrn., Tufiieiov v&v tä/c. xaivtjf
öia&Ttxris ke§e<av sive concordantiae omnium vocum
novi testamenti graeci. Ed. ster. IV. auetior et emen-
datior, lectionibus Tregellesii atque Westcotti et Hor-
tii locupletata. 5 Abthlgn. Leipzig, E. Bredt, 1887/88.
(LH, 885 S. gr. 4.) ä M. 5. -

Es ift kaum nöthig zu fagen, dafs die Verzögerung
diefer Anzeige nicht aus Geringfehätzung diefer Concor-
danz entftanden ift, denn die Bezeichnung derfelben
als ,opus aere perauuns1, wird ficherlich Manchem ausser
Winer in den Sinn gekommen fein. Jeder Referent hat
eher das Gefühl, dafs eine Befprechung eines fo gut bekannten
und fo unentbehrlichen Werkes überflüffig ift,
und dafs er nur häufig Gefagtes wiederholen kann.
Doch hat die Verzögerung in diefem Falle einen Vortheil
, indem fie es möglich macht, die vielen Theologen,
welche das Buch befitzen, daran zu erinnern, dafs es in
diefem Jahre fein Jubelfeft feiern wird. Möchte der
Verfaffer das Feft feines Kindes bei Gefundheit und in
Freuden erleben.

Diefe neue Ausgabe ift, wie der Titel zeigt, keineswegs
blofs ein neuer Abdruck der alten Platten. Der
Verfaffer, eifrig bemüht fein Werk zu vervollkommnen
und deffen Bedeutung als Nachfchlagebuch für die Zukunft
zu fichern, hat nicht nur nach Kräften das Vorhandene
corrigirt, fondern auch die Lesarten der grofsen
textkritifchen Ausgaben von Tregelles und von Weftcott
und Hort fowohl wie die der ^editio octava' von Tifchen-
dorf hinzugefügt. Die Art des Druckes, die vielen offenen
Zeilen, hat die Aenderungen und Ergänzungen der
Stereotypplatten in einem folchen Grade ermöglicht und
begünftigt, dafs diefe Ausgabe einem Neudrucke nur
wenig nachfteht. In den P'ällen, wo der Umfang des
Zufatzes die Einfügung der Lesart nicht zuliefs, fleht
diefelbe in dem Anhang S. 879—885, aber das find,
wie man fieht, nur fieben Seiten, und die fehr breit gedruckt
; es ift dann der Text, wenn wir ihn fo nennen
dürfen, verhältnifsmäfsig vollftändig, und ein Zeichen
§) warnt den Lefer, noch etwas im Anhang zu fuchen
man möge die Lifte S. 886 forgfältig eintragen). Die
Mühe, welche diefe Berichtigungen und Zufätze gekoftet
haben, wird nur fchwach angedeutet durch die Bemerkung
, dafs der Verfaffer, allein für diefe vierte Ausgabe,
achtzehn Taufend Aenderungen gemacht hat.

Der Verfaffer hat fo viel Zeit auf fein Werk verwendet
, dafs die Befchäftigung damit ihm zu einem noth-
wendigen Beftandtheil feines Lebens geworden fein mufs.
üb er fich dann nicht noch eine geringe weitere Aufgabe
zur Vervollkommnung desfelben fetzen möchte?
Fls ift zu wenig bekannt, dafs in der Versabtheilung im
Neuen Teftament die verfchiedenen Ausgaben nicht
genau mit einander übereinftimmen. Dies ift vom Uebel
und führt immer wieder zu Mifsverftändnifsen und Un-
ficherheit. Man mufs verfuchen, der Verwirrung zu
fteuern. Je mehr wir mit Recht die Verfe für den gewöhnlichen
Gebrauch des Bibellefers zurückftellen, um
fo genauer müffen wir fie für die rafche und fichere
wiffenfehaftliche Zurechtfindung beftimmen und anwenden.

Manche werden fagen, die Sache fei zu geringfügig,
als dafs man darauf achte, doch meint Ref., dafs der
Verfaffer als aus der guten alten Schule auch in den
kleinften Dingen peinlich fein möchte und dafs er dem
Grundfatze zuftimmt, welcher den Eintheilungen im
Texte einer ^editio prineeps1 mafsgebendes Gewicht verleiht
. Die Stelle einer folchen erften Ausgabe nimmt
hier die Stephan'fche vom Jahre 1551 ein, in welcher
unfere Verfe zuerft vorkommen. In Leipzig ift, foweit
Referent bekannt, die Ausgabe von 1551 nicht zu finden,
doch würde der Verfaffer in Tifchendorf's ,editio octava1;
Bd. 3, S. 167—182, Ezra Abbot's Abhandlung über die
I Versabtheilung finden, welcher das Nöthige leicht zu