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Ausgabe:

1892

Spalte:

442-444

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lagarde, Paul de

Titel/Untertitel:

Septuaginta-Studien 1892

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N2- 18.

3. September 1892.

17. Jahrgang.

Bruston, La Sulammite (Siegfried).
Lagarde, Septuaginta-Studien (Neftle).
Bouffet, Jefu Predigt in ihrem Gegenfatz zum
Judentum (Schürer).

Du ff, The early church (Harnack).

Treppner, Das Patriarchat von Antiochien
(Geizer).

Pijper, Geschiedenis der boete en biecht in
de christelijke Kerk, 1. deel (Hans).

Baum garten, Gefchichte Karls V, 1.—3. Bd.
(Virck).

Sembrzycki, Die Reife des Vergerius nach
Polen 1556—IS57, fein Freundeskreis und
feine Königsberger Flugfchriften aus diefer
Zeit (Schott).

Michael, Ignaz von Döllinger (Harnack).

Schneller, Evangelienfahrten (Hans).

Bruston, C, La Sulammite, Melodrame en 5 actes et en
vers, traduit de l'H6breu, avec des notes explicatives
et une introduction sur le sens et la date du Cantique
des Cantiques. Paris, Fifchbacher, 1891. (79 S. gr. 8.)
fr. 2.—

Der Verf. hat bereits in der Encyclopedie des sciences
religicuscs (1877) und in der revuc chretienne 1880 (de la
moralitl du cantique des cantiques) die Anficht vorgetragen
dafs das Hohelied die Hochzeit des Salomo nicht mit der
Sulamitin fondern mit einer fremden Fürftin befinge. In
Deutfchland ift diefe Hypothefe offenbar vollftändig unbekannt
geblieben. Der Verf. trägt fie deshalb von Neuem vor.
Nachdem er einen kurzen Ueberblick über die haupt-
fachlichften Auslegungsweifen des Hohelieds (S. I—9)
gegeben, befpricht er die Hypothefe von Reufs, nach
der das Hohelied eine Sammlung von 16 Liedern ift,
und zeigt derfelben gegenüber die Einheit, den dramatischen
Charakter und die Moralität des Gedichtes
(S. 9—17). Daraufgeht der Verf. auf die dramatifchen
1 lypothefen ein, widerlegt zunächft (S. 17—22) die fogen.
Königshypothefe, nach der Salomo der glückliche Freier
der Sulamit fein foll, um dann zu der Hirtenhypothefe
überzugehen, welche in verfchiedenen Formen die durch
Salomo zeitweilig geftörte zuletzt aber fiegreiche Liebe
der Sulamit zu einem Hirten ihres Heimatsortes als
Thema des Hohenliedes erkennt (S. 22—30). Hierbei
bleiben immer als befondere Schwierigkeit die Liebes-
gefpräche, die Sulamit anfcheinend in Salomo's Harem
mit ihrem Geliebten halten würde. Die verfchiedenen
Verbuche, diefe Schwierigkeit zu befeitigen, leiden an
mehr oder weniger Unwahrfcheinlichkeiten. Ebenfo
fcheint ja in c. 3, 6 ff. eine wirkliche Hochzeit Salomo's
gefchildert zu werden, die aber nicht die mit der Sulamit
gefchloffene fein kann, dadiefe doch zuletzt ihren heimath-
lichen Geliebten heiratet. Der Verf. fucht nun diefen
Schwierigkeiten dadurch zu entrinnen, dafs er in c. 3, 6 ff.
eine Hochzeit Salomo's mit einer phönikifchen Prinzeffin
ftattfinden läfst. Salomo fagt dann diefer c. 4, 1 ff. die-
felben Schmeicheleien, die er in c. 6, 3 ff. an die Sulamit
verfchwendet (S. 33.). Es ift aber nach unferem Dafürhalten
eine etwas ftarke Zumuthung an den Lefer, es fich
vorzuftellen, dafs Salomo in derfelben Zeit, wo er fo
heftig in Sulamit verliebt ift, dafs er diefe faft unausge-
fetzt beftürmt, fich noch zum Abfchliefsen einer politifchen
Heirath abgemüffigt habe. Dafs die dramatifche In-
fcentrung fich auch diefem neuen Plane mit überrafchen-
der Exactheit fügt (S. 34—46), wird diejenigen nicht
Wunder nehmen, die die Natur diefes Stoffes kennen,
der fich bereits einer grofsen Anzahl anderer Conftruc-
tionen ehenfogut gefügt hat. Dafs des Verf.'s Kunft ihn,
fehranmuthig geftaltet, in franzöfifcher Sprache (S. 55—78)
wieder gegeben habe, foll deshalb nicht beftritten werden.

Jena. C. Siegfried.

Lagarde, Paul de, Septuaginta-Studien. 2 Thle. in 1 Bd.
[Aus: .Abhandlgn. d. k. Gefellfch. d. Wiff. zu Göttingen
'.] Göttingen, Dieterich's Verl., 1891/92. (92 u.
102 S. gr. 4.) M. 12. —

Etwas verfpätet kommt Ref. dazu, die erfte der von
de Lagarde nicht mehr vollendeten Arbeiten hier anzuzeigen
. Es fei geftattet, gleich hier mitzutheilen, dafs
zwei weitere demnächft ausgegeben werden follen: Bi-
bliothecae syriacae quae ad philologiam sacram pertinent,
die Refte der Hexapla und das Evangeliarium llierosoly-
mitanum enthaltend, und Psaltcrii graeci Quinquagcna
prima, die feit 87 bis tp 48 im Druck vollendete grofse Ausgabe
des griechifchen Pfalters. Diefelben können von der
Wittwe bis I. üct. gegen fefte Beftellung um 35 M. und
3,50 M. bezogen werden; vom genannten Tage an gehen fie
in den Buchhandel über und werden dann 50 und 5 M.
koften. — Die vorliegenden Studien enthalten 4 Stücke.
Wie A. Rahlfs, der nach Lagarde's Beftimmungen die
Arbeit vollends durch die Preffe geführt hat, mittheilt,
werden die von Lagarde als 5. Stück angekündigten ,Ez-
drana1 nicht erfcheinen. Was fie enthalten follten, weifs
Ref. nicht zu fagen, ob den Nachweis der von Lagarde
Mitth. 4, 358 ausgefprochenen Ueberzeugung, dafs das
Stück des griechifchen Efra vom Pagenwettftreit urfprüng-
lich hinter Daniel 6, 1 geftanden, oder die weitere Ausführung
des fchon im Psaltcrium Hieronymi 162 r Angedeuteten
, dafs der griechifche Efra älter fei, als die
LXX-Ueberfetzung unferer kanonifchen Texte — die
gegentheilige Thefe noch bei Schürer GVL2 2, 713 —;
fchon das Gefagte zeigt, wie viel wir durch feinen Tod
entbehren müffen. (Nach GGN. 91, 5 fprach L. in der
Sitzung vom 6. Juni über den Inhalt des von ihm am
2. Mai angekündigten 5. Stückes; ftatt deffen heifst es
in Nr. 10 S. 359. 36b im Bericht des beftändigen Secre-
tärs zweimal offenbar mit Abficht ,des 4. Stückes1. Es
wäre wünfchenswerth, zu erfahren, über was Lagarde in
jener Sitzung wirklich gefprochen: über die Ezdrana,
die nicht mehr erfcheinen follen, oder über die jetzt
als 4. Stück vorliegende Synopsist) Auch was wir hier
noch bekommen haben, bringt uns unfern Verluft immer
auf's Neue zum Bewufstfein. Zwar das erfte Stück ift
vollftändig, ftellt aber da und dort weitere Mittheilungen
in Ausficht. Es bringt nach einer Einleitung, die ins-
befondere über die LXX-Ausgaben von Holmes, Field
(1859) und Moskau (1821) neues Licht verbreitet, den
Text von Jud. 1 — 5 in doppelter Recenfion, auf der
linken Seite nach dem Codex Alexandrinus, mit den
Varianten der Aldina, Complutenfis, von 5 Minuskeln,
darunter den Lucianeifchen, des Altlateiners, Armeniers,
und der fyrifchen Hexapla, auf der rechten, nach dem
Codex Vaticanus, mit den Varianten der Sixtina, 2er Minuskeln
, und der fahidifchen Ueberfetzung; von der
boheirifchen, die auch in diefe Claffe gehört, ift für

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