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Ausgabe:

1891 Nr. 6

Spalte:

149-151

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaff, Philip

Titel/Untertitel:

A Select Library of the Nicene and Post-Nicene Fathers of the Christian Church, edited in connection with a Number of Patristic Scholars of Europe and America. Second Series. Vol. I 1891

Rezensent:

Krüger, Gustav

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149 Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 6. 150

ein glänzendes Zeugnifs ab. Aber die Stärke des Buchs,
die liebevolle Erfaffung und virtuofe Behandlung des
Einzelnen, ift auch feine Schwäche. In dem Beftreben,
den weit- und culturgefchichtlichen Anforderungen überall
gerecht zu werden, hat der Verfaffer die Kirchenge-
fchichte und Theologie etwas ftiefmütterlich behandelt.
Die grofsen kirchengefchichtlichen Probleme, in deren
Mitte Tertullian geftanden hat, kommen nicht voll zu
ihrem Recht, und indem uns der Verfaffer auf den bunten
Markt des Lebens in Karthago führt, läfst er uns eigentlich
nur flüchtige Blicke in die innere Bewegung der
Kirche thun. Indefs wir rechten defshalb nicht mit ihm.
Nicht Jeder ift verpflichtet, über die Kirchengefchichte

diefem Gebiet befitzen. Mc Giffert ift mit der gröfsten
Sorgfalt und Genauigkeit allen einfchlagenden Fragen
nachgegangen, er kennt und nutzt die gefammte Literatur
: nur feiten ift ihm hier etwas entgangen (wie z. B.
in der Note zum 2. Petrusbrief S. 133 4 das Spittafche
Werk), und ebenfo feiten find Verftöfse. Es verfteht
fich, dafs bei folchem Thema es dem Nachftöbernden
leicht ift, Stellen ausfindig zu machen, wo er anderer
Anficht ift. Ich habe mir in diefer Beziehung Manches
notirt, aber ich fühle mich nicht verfucht, hier darauf
einzugehen. Der Text der Anmerkungen ift durchaus
verftändlich gehalten, ohne Triviales zu wiederholen. An
fehr vielen Punkten machen fich die eigenen Studien des

als Theologe zu fchreiben. Wohl aber hätten wir mit Verfaffers, der in der Vorrede dankend erwähnt, dafs er

ihm über manche Einzelheiten, chronologifche Anfätze,
gewagte Combinationen, kühne Erklärungen und künft-
liche Beleuchtungen zu disputiren; doch bietet fich dazu
vielleicht ein anderes Mal Gelegenheit. Hier mag es genügen
, mit dem Dank für die fchöne Gabe, der dem
Verfaffer gebührt, die Aufforderung an die Lefer diefer
Zeitung zu verbinden, an einemWerke nicht vorüberzugehen,
das in befonderer Weife geeignet ift, die Verkettung von
Welt und Chriftenthum in dem Spiegel eines Mannes,
der fie nur als Contrafte gefchaut hat, zu ftudiren.
Berlin. A. Harnack.

Schaff, Prof. Dr. Phil., A Select Library of the Nicene and
Post-Nicene Fathers of the Christian Church, edited in
connection with a Number of Patristic Scholars of
Europe and America. Second Series. Vol. I. Eusebius:
Church History, Life of Constantine the Great and
Oration in Praise of Conftantine. New York: The
Christian Literature Company. Oxford and London,
Parker and Co., 1890. (X, 632 S Lex.-8.)

Schon zweimal ift (1887, Sp. 266 und 1889, Sp. 654)
in diefer Zeitung auf das grofse Unternehmen von Pro-
feffor Schaff in New York hingewiefen und betont worden
, dafs wir Urfache haben, mit einigem Neide auf diefe
ftattlichen, prachtvollen englifchen Ausgaben der Kirchenväter
zu blicken. Der vorliegende Band, der eine neue
Serie eröffnet, bedarf daher in diefer Beziehung einer
Empfehlung nicht mehr; es foll nur beiläufig erwähnt
werden, dafs feine Ausftattung fich ganz auf der Höhe
der bisherigen Bände hält. Wenn es fich aber in den
Ausgaben etwa der Werke Auguftins und Chryfoftomus'

um Ueberfetzung mit Einleitung und gelegentlichen Noten | Profeffor am theologifchen Seminar zu Hartford, den

vor mehreren Jahren in Harnack's Seminar das vierte und
fünfte Buch des Eufebius hat ftudiren dürfen, deutlich bemerkbar
. Ueberallevon Eufebius erwähntenKirchenfchrift-
fteller finden fich ausführliche Artikel. In den Suppleinen-
tary notices find, aufser während des Druckes nothwendig
gewordenen Ergänzungen, mehrere umfangreiche Anmerkungen
hinzugefügt, unter denen ich die über des Ori-
genes Aufenthalt in Achaia (Mc Giffert vertritt die Anficht
, dafs O. nach feiner grofsen Reife nicht wieder
nach Alexandrien zurückgekehrt fei) und über die muth-
mafslichen Urfachen der diocletianifchen Chriftenverfol-
gung (die auch nach Mc Giffert wefentlich auf Galerius
zurückzuführen ift) nennen will.

Die Ueberfetzung felbft ift vortrefflich und beweift,
dafs M. Alles erwogen hat, was für das Verltändnifs
feines Autors heranzuziehen war. Aus der mufterhaften
Einleitung hebe ich die Charakteriftik von Eufebius als
Kirchenhiftoriker hervor, die mir gerechter erfcheint, als
Manches, was man fonft darüber lieft. Mc Giffert betont
mit Recht, dafs ,cvery Häng he wrote was an apology for
the faith1 und dafs auch die Kirchengefchichte unter
diefem Gefichtspunkt beurtheilt werden mufs. Und wo er
von den Grenzen inE.'s fchriftftellerifcher Capacität fpricht,
fügt er doch hinzu: the wonder certainly is not tliat he
erred as often as he did, bat that he did not err offener.
Das Lob, welches er Eufebius ertheilt, wenn er meint:
hoiv frequently the phrases Xöyog i'yei, qxxoi, hiytxon
etc. oeenr in connection with accoitnts which a tess scrupu-
lous historian would not hesitate to record as undoubted
facti, bedarf freilich bedeutender Einfchränkung mit Rückficht
auf alle die Stellen, wo diefelben Hinweife bei
gänzlich unbegründeten Gerüchten ltehen.

Nicht geringeres Lob verdient die Arbeit von Herrn
E C. Richardfon, Bibliothekar und aufserordentlichem

handelte, fo haben fich die Herausgeber des Eufebius, im
Einverftändnifs mit Prof. Schaff, ihr Ziel weiter gefleckt,
und es lohnt fich, dabei einige Augenblicke zu verweilen.

Herr Dr. Arthur Mc Giffert, Profeffor der Kirchengefchichte
am theologifchen Seminar zu Cincinnati, von
deffen früheren Arbeiten eine in diefer Zeitung (1890,
Sp. 310) befprochen worden ift, hat feine Ueberfetzung
der Kirchengefchichte in der eingehendften Weife com-
mentirt — der Umfang der Noten mag das Doppelte
und Dreifache des Textes betragen — fo zwar, dafs
Prof. Schaff in feinem kurzen Vorwort mit Recht hervorhebt
, der Lefer werde in diefen Noten in Verbindung

Lefern bekannt als Verfaffer einer vortrefflichen Bibliographie
zu der ,Ante-Nicene Library' (vgl. diefe Zeitung
1888, Sp. 347), der ich die weitefte Verbreitung wünfehen
möchte. Auch diefe Veröffentlichung ift ausgezeichnet
durch die äufserfte Sorgfalt, mit der die bibliographifchen
Angaben zufammengetragen find. Das Regilter der Literatur
über Conffantin, in das die allgemeinen Kirchen-
und Weltgefchichten nicht aufgenommen find, weift 283
Nummern auf, und der Verfaffer hat mitteilt Umfrage
bei allen grofsen Bibliotheken der Welt wenigftens den
Verfuch gemacht, diefe ganze Literatur zu Geficht zu
bekommen, freilich in vielen Fällen vergeblich. Wenn

mit dem Text eine zuverläffige und leidlich vollfländige j er die entfchuldigende Bemerkung macht: ,The only war
Kirchengefchichte der drei erften Jahrhunderte erhalten, to avoid laying oneself open to criticism in making a biblio-
Einen ausreichenden und vor allem einen lesbaren Com- j graphy is not to make it', fo mufs man ihm doch fehr
mentar zu Eufebius befafsen wir bisher nicht. Von j dankbar fein, dafs er diefen Weg nicht gegangen ift. Ich
Heinichens Arbeit fagt Mc Giffert 'S. 52) richtig, dafs glaube, dafs auch Jemand, der in der Conffantin-Lite-
fie zwar werthvoll fei als Refume früherer Commentare, ] ratur beffer bewandert ift, als ich, an R.'s Arbeit wenD
befonders des von Valesius, aber kaum etwas von wich- I auszufetzen finden würde. Das erfte Capitel der Prole^o"-
tigen eigenen Zuthaten enthalte. Man wird bei H. fehr oft mena enthält eine eingehende Darfteilung von Conftandns
vergeblich fuchen und dagegen vieles finden, wonach man Leben und Character.

nie gefucht haben würde. Dem gegenüber flehe ich nicht Der künftige ,kritifche' Herausgeber des griechifchen

an, den Mc Giffertfchen Commentar als eine der her- Eusebius, der hoffentlich nicht mehr allzulange auf fich
vorragendften Leiftungen zu bezeichnen, die wir auf1 warten läfst, findet für feine ,Prolegomcna' an diefem,