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Ausgabe:

1888

Spalte:

633-636

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Driver, S. R.

Titel/Untertitel:

Isaiah: His life and times, and the writings which bear his name 1888

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint ■ ur lTe[% Xt .

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 26. 29. December 1888. 13. Jahrgang.

Driver, Isaiah, Iiis life and times (Hudde).
Meinhold, Beiträge zur Erklärung des Buches

Daniel (Budde).
Stein, Das Verbum der Mifchnahfprache

(Siegfried).

Rofenberg, Das aramäifche Verbum im baby-

lonifchen Talmud (Derf.).
Link, Die Einheit des Paftor llermä (Krüger).
Tixeront, Les origines de l'cglise d'Edesse et

la lügende d'Abgar (Harnack).

Gwynn, Hippolytus and his ,Heads against

Caius' (Harnack).
Smirnow, Ueberficht über die Quellen zur

Gefchichte des erden ökumenifchen nicäni-

fchen Concils (Harnack).
Index librorum prohibitorum Leonis XIII Pont.

Max. jussu editus (Reufch).
Sepp, Verboden Lectuur (Derf.).
Friedberg, Das geltende Verfadungsrecht der

evangelifchen Landeskirchen in Deutfchland

und Oederreich (Köhler).

Friedberg, Die geltenden Verfaffungsgefetze
der evangelifchen deutfchen Landeskirchen,
t, Ergänzungsband (Köhler).

Clafen, Das ungleiche Mals und die wahren
Ziele evangelifcher Kirchenpolitik (Köhler).

Gallwitz, Die Lebensbedingungen der evangelifchen
Volkskirche (Kühler).

Denkfchrift über die evangelifch-lutherifche Gemeinde
in Mülhaufen (Geigel).

Naumann, Die kirchliche Verforgung der evangelifchen
Studenten (Grünberg).

Driver, Prof. Canon S. R., D. D., Isaiah: His life and times, I nes Zeitalter, 1. Capitel: Jefaia's perfönliches Leben,
and the writings which bear his name. London, Nisbet 2. C: Affyrien und Juda im 8 Jahrhundert v. Chr., 3. C.:

e r t oooi /um c oi u'„ xa ' Die Anfänge von Jefaia's Wirkfamkeit (darin behandelt

& Co, (1888). (VIII, 213 S. 8.) geb. 2 s. 6 d. c& 6. 1 (?).g2_4; £ 4. C, Der Syro-Ephraimitifche Krieg

Das Buch gehört zu einer ganzen Claffe, um deren
Dafein und Blüthe wir allen Grund haben, die Engländer
— und kaum minder die Holländer — zu beneiden
. So fehr fonft die Popularifirung der Wiffenfchaft
zu den Zeichen der Zeit gehört: gemeinverftändliche
Werke über theologifche, vor allem aber über biblifche
Gegenftände, denen zugleich alle Ergebnifse gründlicher
wiffenfchaftlicher Forfchung zu gute gekommen, haben
bei uns auf Erfolg nicht zu rechnen. Die Einen halten
die Befchäftigung damit nicht für lohnend, die Anderen
für geradezu gefährlich, und nur diejenigen Bücher vermögen
fich den Beifall wenigftens der einen Hälfte zu
erwerben, die möglichft handgreiflich einer vermeintlichen
.Apologetik' dienen wollen. Man fage nicht, das
liege an den deutfchen Theologen, weil Gefchick oder
Luft zu folcher Schriftftcllerei ihnen fehle: geht es doch
Ueberfetzungen der vorzüglichftcn Leitungen des Auslandes
nicht anders. So ift uns der befte Weg, einer
wahrhaft chriftlich-evangelifchen Anfchauung von der
heiligen Schrift in weiteren Kreifen Bahn zu brechen,
nahezu verfchloffen; und doch thut allen Anläufen der
P'einde des Chriftenthums gegenüber kaum etwas anderes
fo dringend noth.

Jefaia, fein Leben und feine Zeit und die Schriften,
die feinen Namen tragen', ift die 5. Abtheilung einer
Sammlung , The Men ofthe Bible': die über Abraham,
Mofe, Salomo, Elia find bereits erfchienen, weitere über
Jcremia (von T. K. Cheyne), Daniel, Samuel und Saul,
Gideon, Jesus the divinc Man in Vorbereitung. Ob die
vorhergehenden Bände ebenfo gediegen find und diefelbe,
in allem wefentlichen richtige Stellung der heiligen Schrift
gegenüber beobachten, ob The British Weekly (vgl. die
letzte Sgte, Critical Nottees) auch diefem Bande wie dem
über Abraham den Ehrennamen eines orthodoxen Buches
beilegen würde, wie er ihn im wahren Sinne verdient, weifs
der Berichtcrltattcr nicht zu lagen; aber daran darf man
wohl nicht zweifeln, dafs er ebenfo wie die erften in kurzer
Zeit das zweite und dritte Taufend und fpäter vielleicht
weit mehr erreichen wird. So darf man hoffen,
dafs es diefem Bande befchieden fein wird, grofsen Segen
zu ftiften.

Die befte Vorftellung von Anlage und Geift des
Buches, auch von den literargefchichtlichen Urtheilen
des Verfafsers, wird ein Auszug aus den Capitelüber-
fchriften vermitteln. I. Theil: Jefaia und fein eigene
. 7—9, 7; 9, 8—10, 4; 17, 1—11), 5. C: Die Regierungen
Salamanaffar's IV. und Sargon's (cc. 28; 20), 6. C.:
Die früheren Jahre der Regierung Sanherib's (cc. 29—32),
7. C: Die grofse Erlöfung (cc. 10, 5—12, 6; 14, 24—27;
17, 12—14; 18; 33; Kön. II, 18, 13b—16; 18, 17—19. 36
[=Jef. 36, ib—37, 37]), 8. C: Die Gelegenheitsweifsagun-
gen Jefaia's (cc. 13—23), 9. C: Jefaia's Charakter und
Genius. II. Theil: Weisfagungen ohne Beziehung
auf Jefaia's Zeitalter, 1. C: Israel's Heimfuchung
und endliche Erlöfung (cc. 24—27), 2. C: Babylon und
Edom (cc. 13—14, 23; 34 f.), 3. C: Die grofse Weifsagung
von Israels Herftellung (cc. 40—66), 4. C: Theologie und
fchriftftellerifche Thätigkeit der cc. 40—66; 5. C.: Ver-
fafferfchaft der cc. 40—66.

Mit der Scheidung in zwei Theile wird voller Ernft
gemacht; alle in dem zweiten Theile behandelten Weifsag-
ungen rühren nach des Verf.'s Urtheil nicht von Jefaia
her; der allein richtige Grundfatz für die Entfcheidung
der Urheberfrage wird klar aufgeteilt, richtig angewandt
und gegen Milsverftändnifse und Verdrehung mehr als
einmal mit Gefchick vertheidigt. So heifst es S. 86: ,Es
gehört zum eigentlichen Wefen der Prophetie, fich an
die Bedürfnifse des eigenen Zeitalters des Propheten zu
wenden; es war des Propheten Beruf, feinen eigenen Zeit-
genoffen zu predigen, ihnen die Gerichte anzukündigen,
oder die Tröftungen, welche aus den Verhältnifsen ihrer
eigenen Zeit entfprangen, für fie ihre eigene Gefchichte
auszulegen'. Und daraus folgt ihm der nichtjefaianifche
Urfprung von c. 13—14, 23, wie S. 126 f. weiter ausgeführt
wird, wo es heifst, ,es fei ein grundlegender Satz
für die Prophetie, dafs die gefchichtliche Stelle des
Propheten die Unterlage feiner Vorherfage bilden müffe'.
Vgl. auch S. 186 ff. So kommt er am Ende der fehr
umfichtigen und ruhigen Behandlung von Jef. 40—66 zu
dem Ergebnifs (S. 209): ,Das Buch Jefaia führt uns in
Wirklichkeit zwei ,Biblifche Männer' [Men of the Bible,
der Name der Sammlung] vor, nicht einen; zwei ,auserwählte
Rüftzeuge', nicht eines, ein jedes ausgeftattet
mit feiner eigenen befonderen Vortrefflichkeit, und ein
jedes von dem Geilte Gottes benutzt, um in den mancherlei
Weifen (Hebr. 1, 1) feines Wirkens „feine Stimme
auszuftrömen über die Welt".' Es ift von unberechenbarem
Werthe, dafs hier einmal vor der Gemeinde Ernft
gemacht wird und keine Aengftlichkeit dazu verleitet die
eigentliche Meinung in eine abgefchwächte oder verhüllte

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