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Ausgabe:

1888 Nr. 25

Spalte:

628

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Karup, Johs.

Titel/Untertitel:

Die Mortalitätsverhältnisse des geistlichen Standes 1888

Rezensent:

Köhler, Karl

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Seite 1

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627

Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 25.

628

nes ift vom Herausgeber im Ausdruck geglättet oder
gekürzt worden, um das Verfländnifs zu erleichtern;
eigene Zuthaten finden fich nicht. ,Es wäre mir — fagt
der theologifche Vorredner — eine grofse Freude, wenn es
gelänge, dieAufmerkfamkeit insbefondere der praktifchen
Theologen, welche durch die Anfprüche ihres Amtes
zumeift an der Leetüre folcher Quellenfchriften des Reformationszeitalters
verhindert find, auf diefe Lehrunter-
weifung hinzulenken. Die urfprüngliche Frifche der re-
formatorifchen Gedanken, der fchlichte tiefe Ernft evan- j
gelifcher Gefinnung, die feelforgerliche Weisheit in der
Pflege der anvertrauten Gemeinden, dies alles tritt hier
in fo wohlthuender, zu Herzen fprechender Weife hervor
, dafs es dem evangelifchen Theologen der Gegenwart
zum Spiegel und Vorbild gereichen darf'. Man
kann diefem Urtheil nur beiflimmen. Unmittelbar verwendbar
ift: ja diefe Lehranweifung für uns Heutige
nicht mehr, aber man kann viel daran lernen. Dabei ift 1
fie ein werthvolles Denkmal der treuen und befonnenen I
Weife, womit die Begründer der Reformation fich die
Heranbildung eines tüchtigen Predigerftandes und die
chriftliche Erziehung des Volks angelegen fein liefsen.

Darmftadt. K. Köhler.

Mahnwort an die mecklenburgische Landeskirche von einem
Laien. Bonn, Schergens, 1888. (III, 64 S. 8.) M.—.50.

Ein einfichtsvoller, wohldenkender, herzensfrommer ;
Mann — man hört aus feinen Worten hier und da
den alten Soldaten heraus — redet von den Erfahrungen
, die er als langjähriger treuer Kirchenbefucher
im Mecklenburgifchen gemacht, und dem im Ganzen
recht trüben Kirchenzuftande, den er dort wahrgenom- |
men hat, und fpricht mehr andeutend als fyftematifch ■
entwickelnd feine Gedanken über dies und das aus, wodurch
es beffer werden könne. Was er zu beklagen
findet, find die alten Uebel, die feit der Zeit des aufkommenden
Pietismus und fchon länger fo vielen from- |
men Herzen Urfache zur Klage gegeben haben. Es ift,
um Alles in ein Wort zu faffen, ein Zuftand geiftichen
Todes bei äufserer kirchlicher Correctheit. Die Bemerkungen
des Verf.'s verdienen keineswegs, als Laienworte
von der Hand gewiefen zu werden: er trifft nicht feiten
in feiner Weife den Nagel auf den Kopf. Auf Einzelnes
einzugehen verbietet hier der Raum. Der S. 34 angedeutete
Gedanke einer Selbftdisciplin des geiftlichen
Standes nach Art der Ehrengerichte im Officierftand
wäre einer fehr fruchtbaren Verwerthung fähig. Von
liberaliftifchen Neigungen ift in der Kritik, die der Verf.
an den herrfchenden Zuftänden übt, keine Spur: er rechnet
zu den ,hohen Vorzügen' der Mecklenburgifchen |
Landeskirche neben der erreichten Ablöfung der Stolgebühren
die ,Fernhaltung proteftantenvereinlicher Leh- j
ren'. Die Mittel zum Befferwerden liegen nach des Verf.'s
Anficht in der Hand des Kirchenregimentes, welches in
Mecklenburg, ,Gott fei Dank noch frei von Conceffionen
an den proteftantenvereinlichen Unglauben, die Macht
befitzt, der Kirche wieder mehr geiftliches Leben einzu-
flöfsen'. Er denkt fich die Stellung eines Kirchenregi- i
ments, felbft eines formal uneingefchränkten, doch mehr, j
als der Wirklichkeit entfpricht, nach der Weife eines
militärifchen Obercommando's. Seine Vorfchläge fafst
er fchliefslich dahin zufammen: ,1. Ausmerzung alles deffen
aus dem Gottesdienft und aus anderen kirchlichen Handlungen
, was der Gedankenlofigkeit Vorfchub leiftet. 2.
Revifion des Gefangbuchs. 3. Erhöhte Beauffichtigung
über die Paftoren und höhere Anforderungen an dic-
felben. 4. Förderung des praktifchen Chriftenthums, auch
im Verein mit Laien. 5. Praktifche Vorbildung der
Paftoren zu ihrem Beruf. Der erfte Vorfchlag würde
fich in der Ausführung wohl nicht fo einfach machen,
wie der Verf. anzunehmen feheint; bei anderen kann
man fich wundern, dafs nicht fchon lange daran gedacht

worden ift. Zu einer gründlichen Befferung würde noch
mehr gehören, indeffen möge das treu gemeinte Wort
des Verf.'s eine gute Statt finden.

Darmftadt. K. Köhler.

Karup, Johs., u. Dr. med. Gollmer, Die Mortalitätsverhältnisse
des geistlichen Standes nach den Erfahrungen
der Lebensverficherungsbank f. D. in Gotha. Im Auftrage
der Bankverwaltung bearbeitet. [Aus: Jahrbb.
f. Nationalökonomie und Statiftik'.] Jena, Fifcher, 1888.
(SO S. gr. 8.)

Der Inhalt der vorliegenden Abhandlung kann auf
feine ftatiftifche Richtigkeit an diefer Stelle nicht geprüft
werden; es ift in diefer Beziehung nur zu fagen, dafs die
Darlegungen der Verff. für das Laienauge den Eindruck
voller Zuverläffigkeit machen. Aber auch von der theo-
logifchen Seite angefehen erregt die Arbeit Inlereffe und
verdient deshalb unter den Erfcheinungen der theologi-
fchen Literatur erwähnt zu werden. Ref. mufs bedauern,
dafs der verfügbare Raum eine eingehende Befprechung
der Arbeit nach diefer Seite hin nicht geftattet. Es mufs
genügen, auf das aufmerkfam zu machen, was über die
verhältnifsmäfsig günftige Mortalität der evangelifchen
Geiftlichen und deren wahrfcheinliche Urfachen, über die
bei den Geiftlichen vorzugsweife häufigen Todesurfachen
und deren Zufammenhang mit der Art der Berufsthätig-
keit, über die Urfachen der geringen Häufigkeit der Selbft-
morde bei den Geiftlichen, dann über die auffallende
Erfcheinung der viel gröfseren Sterblichkeit unter den
katholifchen als unter den evangelifchen Geiftlichen ge-
fagt wird. Vieles, was die Verff. hier ausfprechen, giebt
zu denken und um fo mehr, da fie durchweg mit vollfter
wiffenfehaftlicher Unbefangenheit und Sachlichkeit reden.
Im Allgemeinen ift das Bild, das fie fich von der Lebenslage
eines evang. Pfarrers auf dem Lande machen, ein
ziemlich rofiges, noch etwas an das Pfarrhaus in Grünau
gemahnend. Die Wirklichkeit ift leider vieler Orten
weniger fchön.

Darmftadt. K. Köhler.

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