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Ausgabe:

1888

Spalte:

489-491

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Drummond, James

Titel/Untertitel:

Philo Judaeus 1888

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis

14 Tage. Leipzig. J, c. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 20.

6. October 1888.

13. Jahrgang.

Drummond, Philo Judaeus, 2 Bde. (Schürer).
Arnim, Quellenftudien zu Philo von Alexandria
(Schürer).

Massebieau, Ee traite de la Vie Contempla-

tive et la question des Therapeutes (Ohle).
Josephi opera ed. Niese, Bd. I (Schürer).

Seil, Aus der Gefchichte des Chriltenthums,
fechs Vorlefungen (Harnack).

Braig, Gottesbeweis oder Gottesbeweife?
(Sachfse).

Hölfcher, Die naturwiffenfchaftliche Weltan-

ficht in Beziehung auf Religion und Staat,
Erwerb und Ehe (Sachfse).
Schmeling, Evangelifche Chriftenlehre
(Költlin).

Hering, Hülfsbuch zur Einführung in das
liturgifche Studium (Köftlin).

Drummond, James, LL. D., Philo Judaeus; or, the Jewish-
Alexandrian philofophy in its development and com-
pletion. 2 vols. London, Williams & Norgate, 1888.
(VIII, 359 u- ni- 355 S. gr. 8.) Geb. M. 21. —

Der Verfaffer diefer umfangreichen Monographie über
Philo ift auch in Dcutfchland bereits bekannt durch fein
gediegenes Werk über die jüdifch-mefftanifche Hoffnung
(The Jezvish Messiah, London, 1877; vgl. Theol. Litztg.
1878, Nr. 6). Er hat fich fchon in diefem als einen forg-
fältieren, mit der deutfchen Literatur vertrauten Forfcher

Im erftenBuche werden behandelt: Heraklit, Anaxa-
goras, Sokrates, Plato, Ariftoteles und die Stoiker; letztere
weitaus am eingehendften (Bd. 1, S. 75—125). In
der befonderen Sorgfalt, welche der Darfteilung der
ftoifchen Weltanfchauung gewidmet ift, giebt der Verf.
bereits zu erkennen, dafs er, ähnlich wie Zeller, den Ein-
flufs des Stoicismus auf Philo für ftärker und durchgreifender
hält als den des Piatonismus. Gewifs mit Recht;
denn fchon in der Theologie und Kosmologie ift Philo
mindeftens cbenfo ftark von den Stoikern beeinflufst,
wie von Plato; in der Ethik aber folgt er ganz vorwie-

erwiefen. Als einen folchen bewährt er fich auch in fei- j gend ftoifchen Anfchauungen. So fehr ich aber hierin
nem neuen, gröfseren Werke. Es ift ein englifches Seiten- dem Verf. beiftimmen kann, fo hätte meines Erachtens

ftück zu den bekannten Werken von Gfrörer (Philo und
die alexandrinifche Theofophie, 2 Bde. 1831) undDähne
(Gefchichtl. Darftellung der jüdifch-alexandrinifchen Reli-
gionsphilofophie 2 Bde. 1834). Doch ift der Verf. keines-

doch neben Plato auch der fpätere Piatonismus und
der Neupythagoreismus unter den Vorftufen des phi-
lonifchen Syftemes hervorgehoben werden müffen. Diefe
Richtungen find allerdings erft nach Philo zu gröfserer

wegs in unfelbltändiger Weife von feinen deutfchen Vor- , Bedeutung gelangt. Aber fie waren ficher fchon vor
gängern abhängig. Seine Darftellung ruht auf der gründ- j ihm vorhanden und haben ihm auch Baufteine für fein
lichften eigenen Durchforfchung der Werke Philo's und ! Syftem geliefert. Hat doch Clemens Alexandrinus den

behauptet darum neben jenen ihren eigenen Werth

Wie'feine deutfchen Vorgänger fo will auch Drummond
lediglich die phi lofophifchen Anfchauungen
Philo's darftellen. Auch er verzichtet darum vollftändig
auf eine Befprechung der einzelnen Werke Philo's, ihres
Urfprunges und ihres literarifchen Charakters. Er verzichtet
ferner darauf, Philo's Judenthum zu fchildern,

Philo fchlechtweg als ,Pythagorecr' bezeichnet (o iTcffo-
yÖQ&ing <l>ihuv, Strom. L 15, 72; II, 19, 100).

Das zweite Buch Drummond's behandelt die jüdi-
fchen Vorläufer Philo's: die Vorbereitungen der Logoslehre
im alten Teftamente, Jefus Sirach, Septuaginta,
Sibyllinen und Weisheit Salomonis. Nur in einem Anhang
werden Pfeudo-Arifteas und Ariftobulos befprochen,

das doch gerade in feiner Abfchwächung und Auflöfung j weil Drummond beide nicht für vorphilonifch hält. Ich
durch Philo's kosmopolitifche Weltanficht ein ganz be- erlaube mir, nur hierauf etwas näher einzugehen. Ueber
fonderes Intereffe darbieten würde. Ref. gefteht, dafs die Abfaffungszeit des Pfeudo-Arifteas fpricht fich
ihm diefe beiden Aufgaben dringender erfchienen wären, I Drummond (I, 230—242) nicht beftimmt aus. Er fcheint
als eine abermalige Darftellung von Philo's Philofophie. aber geneigt, Grätz beizuftimmen, der ihn in die Zeit
Letztere ift durch die Werke von Gfrörer, Dähne und ' des Tiberius verlegt, und bekämpft jedenfalls die von
vor allem durch die treffliche Darfteilung bei Zeller j mir angenommene Entftehung um 200 vor Chr. als er

(Philofophie der Griechen III, 2) fo weit aufgehellt, dafs
wir uns damit zunächft begnügen könnten. Dagegen
für die literarhiftorifche Unterfuchung der Werke Philo's
wäre noch recht viel zu thun; und fein Judenthum ift
überhaupt noch niemals dargeftellt worden. Und wie
ungemein lehrreich müfste eine folche Darftellung gerade
für die Aufhellung der älteften Gefchichte des Chriften-
thums fein! Indeffen darf man über die Wahl des
Themas mit dem Verfaffer nicht rechten. Auch das, was

heblich zu früh. Ich bedauere jedoch, fagen zu müffen,
dafs ich vergeblich nach greifbaren Argumenten gefucht
habe. Denn das Einzige, worauf Drummond fich fchliefs-
lich ftützt, ift dies, dafs ,der ganze Charakter des Werkes
auf eine Zeit hindeutet, wo die Juden, unter Bedrückung
und Verfpottung leidend, eifrig bemüht waren zu zeigen,
welches Glück fie einft genoffen und in welchem hohen
Anfehen fie einft geftanden hatten' (I, 239). Sonft macht
Drummond als Beweis für die fpäte Abfaffungszeit auch

er geboten hat, ift eine verdienftliche Leiftung. I noch geltend, dafs der Verf. irrthümlich dem Ptolemäus

Von Gfrörer und Dähne unterfcheidet fich fein Werk I Philadelphus die Gründung des phönieifchen Ptolemais
dadurch, dafs er nicht nur den jüdifchen, fondern auch I zufchreibe (I, 238 f.). Mit diefer Angabe hat es aber
den griechifchen Vorgängern Philo's eine fehr eingehende feine volle Richtigkeit, denn es giebt noch Münzen des

Darftellung widmet. Er behandelt in einem erften Buche
die griechifche Philofophie (Bd. I, S. 27—129), in
einem zweiten die Mifchung von Hellenismus und
Judenthum bis zur Zeit Philo's (Bd. I, S. 131—255);
das dritte ift dann fpecicll Philo gewidmet (Bd. I,
S. 257—359 und ttd. II ganz).

Ptolemäus Philadelphus mit dem Münzzeichen des phönieifchen
Ptolemais {Head, Historia Numorum 1887, p.
677; vgl. auch meine Gefch. des jüd. Volkes II, 81 Anm.
152). — Das Werk des Ariftobulus, das uns namentlich
durch die grofsen Fragmente bei Eufebius bekannt
ift, hält Drummond nicht für ein Werk aus der Zeit des

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