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Ausgabe:

1888 Nr. 18

Spalte:

444-445

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Issel, Ernst

Titel/Untertitel:

Der Begriff der Heiligkeit im Neuen Testament 1888

Rezensent:

Schnapp, F.

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Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 18.

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über ,die Gefilde der Seligen' und ,die Möglichkeit
einer Befreiung aus der Unterwelt' find verhältnifsmäfsig
mager, der erflere entnimmt allen Stoff aus der Reife
des ,Nimrod' (??) zu dem babylonifchen Noah mit dem
Proteus von Namen (S. 81—95). Er und fein Weib find
zugleich die einzigen Bewohner jener Gefilde; dafs fie
dort Genoflen gefunden, ift bisher nur frommer Wunfeh.

Der Anhang ,Ausblick auf die altteft. Vorftellungen
vom Leben nach dem Tode' läfst mancherlei zu wün-
fchen übrig. Die Eintheilung ,Volksvorftellungen in ihrer
Urfprünglichkeit', ,V. V. in bundesmäfsiger [eine der
Wortbildungen, wie fie der Verf. liebtj Befchränkung',
„Prophetifche Ausfchau" trägt, fo voll die Namen auch

Immer bleibt der gebotene Uebcrblick in hohem Grade
dankenswerth.

Bonn. K. Budde.

Issel, Pfr. Ernft, Der Begriff der Heiligkeit im Neuen Testament
. Eine von der Haager Gefellfchaft zur Verteidigung
der chriftlichen Religion gekrönte Preis-
fchrift. Leiden, Brill, 1887. (VIII, 159 S. gr. 8.) M. 2.75.

Um den Begriff «yiog und feine Derivata im N.
T. genetifch zu erklären, giebt der Verf. zunächft eine
Ueberficht über den altteftl. Sprachgebrauch, indem er
tö^To^täd^l^, diecPie' ^Wck^cSd^den ™ enSen Anfchlufs an die Monographie von Baudiffin

Punkte damit gar nicht getroffen find, auch diefelben j (Studien zur femit. Religionsgefch II. 2) die Anwendung

Schriftfteller und Stücke in verfchiedenen Abtheilungen
verwendet werden. Viel beffere Wege hätte da Stade's
Vortrag von 1877 zeigen können. Auch im Einzelnen
fehlt es vielfach an Gründlichkeit und Beherrfchung des

von lörij: auf 1) Sachen, 2) Menfchen, 3) Gott und Göttliches
verfolgt, um darauf die gefchichtliche Entwicklung
des Begriffes aufzuzeigen. Nach einer kurzen Erörterung
über den Gebrauch von ciyiog in den altteftl.

Stoffes und verleitet das Verlangen nach Parallelen zu I AP°kfr- undTTPfeudepigr wendet er fich zu den neuteftl
falfcher Auffaffung. Dafs im Scheol ewiges Schweigen Schriften. H.er wird diefelbe Eintheilung beibehalten,

herrfche, foll Hi. 3, 17 beweifen, dafs er mit Staub an
gefüllt fei Hi. 7, 21. 17, 16; die Steine der Gruft Jef. 14,
19 follen eine befondere Abtheilung des Scheol für die

nur in umgekehrter, durch die Befchaffenheit des Stoffes
gebotener Reihenfolge. Anhangsweife werden dann noch
die Schriften der apoftol. Väter herangezogen. — Der

Verworfenften bezeichnen, ebenfo wie 14, il wo doch 2. Theil verwerthet die gewonnenen Refultate zur Cha-
das Grab gemeint ift; Jes. 49, 10 wird trotz der ganz ! 'ak'e"ftlk ,dCM G6" ?^£?ei£ m?!j l}. D«e. rehgiöfe
klaren Beziehung auf die Erlöfung aus der Gefangen- Selbftbeurtheilung der chriftl Gemeinde im Lichte des
fchaft, die eben vorher erkannt fcheint, doch von dem | ^^^^l^'1^^^!^ £^Är?i

Leben nach dem Tode verftanden; Kön. I, 13, 24 kann
fchwerlich als Beifpiel dienen, dafs es als furchtbare
Schmach galt, von den letzten Ehren ausgefchloffen zu
fein, als gröfstes Unglück aber, unbegraben zu bleiben

der heil. Vater; das himml. Heiligthum) 2) die Stellung
der chriftl. Gemeinde zum Volke Ifrael (zur Religion
Ifraels; zum zeitgenöffifchen Judenthum) 3) die Stellung
der chriftl. Gemeinde zum Heidenthum (zur volksthüml.

dVnn die*So^ I beldri' AReT^?fit^*5?d NSWVChk£j V1 ^T0*™..'

Löwen Sache. Der Satz S. 52 .bekanntlich durften ja Gegenftand der Miffion). Den Schlufs bildet ein Blick
auch bei den Hebräern nur Propheten in der Stadt bc- auf den modernen Sprachgebrauch.

graben werden, vgl. I Sam. 25, 1. 28, 3' (lammt, wenn ich Das fat?ia} »« J™* grofsem Flcifs zufammenge-

nicht fchr irre, aus Winer BRWB. Art. .Gräber' (3. Aufl. tragen und uberfichtheh verarbeitet. Mit Recht wird be-
I. S. 444 Z- 1 f), ift aber durch die Weglaffung der [frei- I tont, dafs im A . T. urfprunghch im Begriff der Heiligkeit
ich eben vorher erwähnten] Könige und Hinzufügung kein^jrgendwiefittlichesMoment enthalten fei, dafs vielmehr

des ominöfen bekanntlich ja auch' nicht beffer gewor
den, als er ohnehin fchon war. Vieles von den Citaten
fcheint aus derfelben Quelle gefloffen zu fein. Sehr un-

,heilig' lediglich das Gott Zugehörige genannt werde, ,dem
phyfifche Reinheit eignen mufs und bei Gott furchtbare
Erhabenheit'. Diefe Anfchauung bleibt die herrfchende.

vollftändig find die Parallelen zu der Leichenklage S.44f-, fl .Ii bei dc" Pr0Phete" erine Vertiefung des

zu S. 92 vermifst man den a^rt flp», S. 93 den p | Heiligkeftsbegriffs an (Am. 2 7. Hof. 11, 9. Jer. 5, 15 f.

a^nn. Auffallend ift das Jefaias berichtet' S. 125 mit Be
zug auf 14, 13 f., auch die fichere Zuweifung von Gen.
11, 28 an den Elohiften S. 107. Der Zufatz endlich über
die Vorftellung vom .Berge der Verfammlung' S. 121 ff.
fpringt gar zu kühn mit den altteftamentl. Texten um, auch
ift nicht abzufehen, wie man über 3tO~lit bxiit (natürlich
= Arälu) Erkleckliches beibringen will, ohne den Stein
des Mefa Z. 12. 17 f. zu vergleichen. Im Hinblick auf
fo fchneilfertige Arbeit kann man dem zweifellos bean-
lagten und eifrigen Verf. nur wünfehen, dafs er fich in

6, iff.), die auch in manchen Pfalmen wahrzunehmen ift
und fpäterhin nie ganz verloren geht; allein feit Ezechiel
und vollends in der nachexilifchen Zeit wird durch die
Betonung der phyfifchen Reinheit die fittliche Auffaffung
ftark beeinträchtigt.

Die neuteftl. Autoren knüpfen allenthalben an die
altteftl. Vorftellungen an und bilden diefelben weiter aus
in der von den Propheten eingefchlagenen Richtung.
Die Gottesvorftellung erfcheint gereinigt von den ihr
anhaftenden Mängeln; nur feiten wird Gott das Prädicat

der begreiflichen Werdeluft einer fo jungen Wiffenfchaft hrhg bdge)egt und damit ftets feine über die Sünde

fchaffender Freude nicht allzunah dünken möge.

Der Druck zeigt viele Fehler, befonders in den Anführungen
, denen ich natürlich nur z. Th. nachgegangen
bin. S. 53 Anm. I.)T. II. Chr. und Jer. 34, 5; S. 54
Anm. 2.) 1. Deut. 28, 26 und ergänze im Text Z. 6 v. u.
die Anmerkungsziffer 2); S. 62 Anm. 3) 1. 265; S. 72
Anm. 3; ft. Lev. 4, 3 1. 16, io(?); S. 91 Anm. 1) 1. II.
Reg. -

Fragt man nach dem eigentlich neuen Ertrag des
Buches, fo befteht der wefentlich in einer gröfseren Anzahl
vereinzelter Belegftcllen; die gewonnene Gefammt-
anfehauung greift über das, was Stade fchon 1877 in
feiner Rede (Ueber die altteft. Vorft. vom Zuft. nach d.
Tode) von S. 9 f. an faft nur aus der Höllenfahrt der
Iftar ficher und klar entwickelt hatte, nicht hinaus, ins-
befondere ift von religiös werthvollen Vorftellungen von
einer Ueberwindung des Todes nichts hinzugekommen.

erhabene ethifche Vollkommenheit bezeichnet. Befondere
Beachtung verdient die neuteftl. Lehre vom heil.
Geift, der im A. T. nur Pf. 51, 13. Jef. 63, 10. II erwähnt
wird. Während bei den Synoptikern der Begriff
des heil. Geiftes nur feiten auftritt, findet derfelbe in
der paulinifchen Literatur eine reiche Verwendung. Nach
Paulus ift der heil. Geift eine objectiv göttliche Macht,
welche allen an Chriftus Gläubigen als gemeinfamer Belitz
verliehen wird, fie in die richtige Stellung zu Gott
bringt, ihres Heils vergewiffert und zum Princip des
neuen Lebens wird. Das Evangelium fowie die Briefe des
Johannes repräfentiren ein weiteres Stadium der Entwicklung
, die in Matth. 28, 19 ihren Abfchlufs findet.
Doch erfcheint nirgends im N. T. der heil. Geift als
fclbftändige Perfon neben Gott und Chriftus. — Die Bezeichnung
Chrifti als des Heiligen Gottes fleht noch ganz
auf altteftl. Grundlage. Der Verf. ftimmt dem Satze
Dieftel's zu, ,dafs Jefus durch die Heiligkeit an fich noch