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Ausgabe:

1888

Spalte:

418-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

treitel, L.

Titel/Untertitel:

Die alexandrinische Uebersetzung des Buches Hosea 1888

Rezensent:

Hollenberg, Joh.

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 17. 25. Auguft 1888. 13. Jahrgang.

Schuurmans-Stekhoven, De Alexandrijn-

sche Vertaling van het Dodekapropheton

(Hollenberg).
Treitel, Die alexandrinifche Ueberfetzung des

Buches Ilofea (Hollenberg).
Kl öfter man 11, Die Bücher Samuelis und der

Könige, ausgelegt (Ilorfl).
Reufs, Hiob (Budde).

Goebel, Neuteflamentliche Schriften, griechifch
mit kurzer Erklärung (Gräfe).

Uebinger, Die Gotteslehre des Nikolaus Cu-
fanus (Nitzfeh).

Matthis, Die Leiden der Evangelifchen in der
Graffchaft Saarwerden. Reformation und Gegenreformation
(Erichfon).

Möller, Leben und Briefe Johannes Theodor
Laurent's (Reufch).

Schanz, Apologie des Chriftenthums, 2 Thle.
(Härtung).

Braafch, Die Wahrheit des Chriftenthums
(Härtung.)

Engelhardt, Kinderandachten für alle Sonn-

und Fefttage des Jahres (Härtung).
Kieker, Die evangelifche Kirche Württembergs

in ihrem Verhältnifs zum Staat (Karl Müller).
Berchtold, Die Bulle Unam Sanctam (Köhler).
Woltersdorf, DieRechtsverhältnifse derGreifs-

walder Pfarrkirchen im Mittelalter (Köhler).
Zhishman, Das Slifterrecht in der morgen-

ländifchen Kirche (Köhler).

Schuurmans Stekhoven, J. Z., De Alexandrijnsche Vertaling
van het Dodekapropheton. Proefschrift ter ver-
krijging van den graad van doctor in de godgeleerd-
heid aan de rijksuniversiteit te Groningen. Leiden,
Brill, 1887. (VIII, 137 S. gr. 8.)

Diefe fehr forgfältig gearbeitete und nützliche Gro-
ninger theologifche Doctordiffertation über die alexandrinifche
Ueberfetzung der kleinen Propheten behandelt
zuerft auf S. 1—56 die Lntftehung der LXX überhaupt,
den Plan de Lagarde's, die Recenfion des Lucian und
Hefychius, die Aldina, überall mit Gründlichkeit und
Sachkenntnifs. S. 57 geht der Verf. zu feiner eigentlichen
Aufgabe über. Da die Vergleichung des hebräi-
fchen (M; und des griechifchen Textes (S) fchon von
Völlers in feinem .Dodekapropheton der Alexandriner'

find (wie Hof. 2, 12 xai rec jiszuvä aus 2, 18, ebenfo
Joel 1, 5. Hagg. 1, 6. Arnos 4, 3). Zieht man folche
Fälle ab. fo mufs auch das Schlufsurtheil vielfach anders
| lauten. Gerade weil der Ueberfetzer nicht fehr gewandt,
fein Scharffinn nicht grofs, feine Kenntnifse nicht umfallend
find, deshalb können wir ihn gerade gut gebrauchen
. Gewifs können wir oft nicht mit voller
Sicherheit beftimmen, was S in feinem Texte las, aber
wer kann eine folche Sicherheit erwarten und vorausfetzen
? Wir find fchon dankbar, dafs wir überhaupt in
ihm an manchen Stellen einen andern Text befitzen und
fo zur Erkenntnifs von Schäden in unferer Ueberlieferung
geleitet werden. Mit Recht kämpft der Verf. wiederholt
gegen die früher allgemein übliche unmethodifche Benutzung
von S als eines dais cx ttuickitta bei verzweifelten
Stellen, bei äjtag Xtyofieva und dergl. und zeigt, dafs S

und in Stade's ZAW 1883 4 in fehr gründlicher Weife j hier auch vielfach wenig Hülfe bietet. Aber diefe Methode
gemacht ift, fo befchränkt fich der Verf. auf Anmer- »ft ja glücklicherweife im Abfterben. S macht uns oft auch

kungen hierzu. Sein allgemeines Urtheil über die Prin
zipien der Textkritik fcheint mir forgfältig und feine
Einwendungen gegen Ryffel's neuere Aufftellungen recht

auf PThler aufmerkfam und bietet uns Verbefferungen,
auf die wir von felbft nie kommen würden, da man M
oft ganz gut oder wenigflens zur Noth verliehen könnte.

treffend. Im einzelnen mufs Ref. aber vielfach Völlers j Im allgemeinen hat der Verf. von unferem Verftändnifs

des maf. Textes noch eine zu hohe Meinung. Aber
allerdings kann man vor einem unvorfichtigen Gebrauch
von S nicht genug warnen, und des Verf.'s forgfältige

gegen ihn Recht geben, z. B. Micha 1, 5 fflM = rVQ,
nicht nSttn, auch fonft wird man nicht feiten anders
urtheilen können. So ift Mi. 1, 15 nicht für dyäyojGi
ityäyco öoi zu lefen, das "p ift fchon in Xa/iq enthalten
©CfTOb. Ueber Am. 9, 6, wo Völlers annimmt, HTTJSC fei
aramaifirend durch IjtayytUav wiedergegeben, fchweigt
der Verf. Aber Jef. 58, 6 legt die Verbefferung oxgay-
yaXidv fehr nahe. So fchon Lamb. Bos Pro/egg. Cp. III
und Geret, commentatio, qua causas discrepantiarum ver-
sionis LXXviralis etc. Vitebergae 1726. Obadja 21
vermiffe ich ig ogovq = iHE ftatt "im. Doch ich darf
hier auf Einzelheiten nicht weiter eingehen. Es folgt
eine ausführliche forgfame Darftcllung des Verfahrens
von S in diefem Buche, welches in vielen Punkten mit
dem Verfahren in anderen Büchern übereinflimmt. Mit
dem Urlheil des Verf.'s bin ich hier an manchen Stellen
nicht einverftanden. Befonders viele Fragezeichen mufste
ich da machen, wo er von abfichtlicher Veränderung des
Textes, von Verwechfelung der Buchflaben, oder gar von
Gehörfehlern fpricht. Fall alle folche Fälle laffen fich
anders erklären, wie denn der Verf. felbft häufig eine
andere Frklärung offen hält. Er rechnet felbft; mit der

Arbeit wird hoffentlich dazu beitragen, die wilde, prineip-
lofe Benutzung von S einzufchränken, indem fie die
Kenntnifse, welche ihr richtiger Gebrauch zur Voraus-
fetzung hat, verbreiten hilft. Die richtige Benutzung
diefes wichtigften textkritifchen Hülfsmittels ift freilich
nicht blofs Sache der kritifchen Kunft, fondern der
Genialität. Das Studium von S mufs darauf gerichtet
fein, feinen Text möglich!! rein herzuftellen, feine Methode
zu beftimmen, die Abweichungen von M zu conftatiren,
damit der Kritiker und Ausleger damit arbeiten könne.
Das ift auch das Streben des Verf.'s. Und fo hoffen wir,
dafs fein Buch mit dazu beitrage, die in den letzten Jahrzehnten
frifch aufdrehenden textkritifchen Studien und
die fo dringend nothwendige Arbeit zur Herftellung eines
gereinigten Textes von S an feinem Theile zu fördern.

Bielefeld. Joh. Hollenberg.

Treitel, Dr. L., Die alexandrinische Uebersetzung des Buches
Hosea, ein Beitrag zu den Septuaginta-Studien und
Möglichkeit von Gloffemcrjfai griechifchen Text, fchre.bt der Auslegung des Propheten Hofea. Heft I. Karlsruhe,
aber im Widerfpruch mit feiner eignen Behauptung, dafs s * V. QQ„ . „

S wörtlich genau überfetzte und, wo er den Text nicht | A- Bielefeldes Hofbuchh., 1887. (22 S. 8.) M. 1.-
verftand, einfach Unfinn fetzte, demfelben Zufätze zu, Der Verfaffer liefert in diefem Hefte nur wenige Be-

die ganz offenbar für fpätere Einfchiebungen zu halten merkungen zu Hofea I—III; es läfst fich alfo noch nicht

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