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Ausgabe:

1888

Spalte:

397-398

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dalman, G. H.

Titel/Untertitel:

Der leidende und der sterbende Messias der Synagoge im ersten nachchristlichen Jahrtausend 1888

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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haften Nifalformen wird meines Erachtens ein ficheres j ftrengen Methode, nach welcher alle falfchen Beweisftücke

Urtheil darüber, ob das Sprachbewufstfein fie paffiv oder fpäterer Literatur, die bei früheren Unterfuchungen das

reflexiv auffafste, häufig deshalb nicht möglich fein, weil j Refultat getrübt haben, ausgefchieden und nur die Quellen

uns das unmittelbare Verfländnifs abgeht. Vor der Un- i des erften Jahrtaufends befragt worden find. Die letzteren

terfuchung wird aber, wenn die Arbeit nach allen Seiten | hat der Verf. mit grofser Vollftändigkeit aus einer reichen

vollftändig fein foll, noch eine textkritifche Sichtung jeder
einzelnen Stelle ftattfinden müffen. Und dazu wird ja
der Herr Verfaffer, der fleh als ein Schüler Eagarde's
verräth, befonders gefchickt fein. Alle diejenigen, welche
fleh wiffenfehaftlich mit dem Alten Teftament befchäf-

Belefenheit gefammelt und chronologifch geordnet. Das
Hauptergebnifs der Unterfuchung ift, dafs innerhalb der
altjüdifchen Theologie der leidende Meffias ben David
und der fterbende Meffias ben Jofeph durchaus zu
fondern find. Der letztere ift nicht ein Meffias der 10

tigen, find ihm für feine forgfältige und mühevolle Arbeit I Stämme, wie man aus dem Namen fchliefsen zu follen

zu gröfstem Danke verpflichtet. Möge er feine ,Ergeb-
nifse' bald folgen laffen.

Strafsburg i. E. Dr. Friedr. Schwally.

Heiligstedt, Dr. Aug., Präparation zum Propheten Jesaja

mit den nötigen, die Ueberfetzung und das Verftänd-
nis des Textes erleichternden Anmerkungen. In 4.
verb. Aufl. hrsg. von Dr. Max Budie. Halle, Anton,
1888. (IV, 156 S. gr. 8.) M. 2.20.

geglaubt hat, fondern wie in einer intereffanten Unterfuchung
(S. i8ff.) gezeigt wird, aus Sach. 12—14 in Com-
bination mit Dt. 33,17 geflohen. Sein Tod wird dabei
durchaus nicht als fühnender gefafst. — Der leidende
Davidsfohn beruht auf der erft fpäter (noch nicht in der
Mifchna) hervortretenden Deutung von Jef. 53, deren Ge-
ftaltung von der Gemara an bis zum Ende des Jahrtaufends
der Verf. verfolgt, das bisherige Material noch durch
mancherlei neue Funde unter Benutzung auch von Hand-
fchriften (vgl. S. 54) vermehrend. Die klare Darfteilung
und die durchweg in deutfeher Ueberfetzung erfolgende
Zur Empfehlung der Folge von ,Präparationen', zu j Wiedergabe der Belegftellen machen diefe Schrift ge-
welcher die vorliegende gehört, druckt der Verleger auf i eignet, auch in weiteren theologifchen Kreifen gelefen
dem Umfchlag eine Anzeige aus dem Theolog. Litte- zu werden und diefelben über den Unterfchied des jü-
raturbericht 1887 ab, aus der ich folgenden Satz wieder- j difchen und des chriftlichen Meffianismus zu belehren,
hole: ,Wenn die Vocabeln nicht blofs nothdürftig durch- Jena C Siegfried

gefehen, fondern feft dem Gedächtnifs eingeprägt werden, I

die in den Anmerkungen angezogenen Paragraphen der
Grammatik wirklich aufgefchlagen werden, die hier und Mausbach, Dr. Jof., Divi Thomae Aquinatis de voluntate et
da zu einer Vocabel gegebenen Anleitungen und fprach- titu sensitivo doctrina. Commentatio ethica. Pader-

vergleichenden Bemerkungen mit Vcritandnifs gelefen , e ... . , 000 r/- c 0,

werden, dann wird die Präparation ficherlich nicht eine , born> F" Bchoningh, 1888. (63 S. gr. 8.) M. 1. 20.
Brücke zur Bequemlichkeit und Oberflächlichkeit, fon- Wieder eine PTucht der päpftlichen Encyclica v. J.

dem zu tüchtigem Wiffen'. Alle diefe ,Wenn' werden 1879 zu Gunften der thomiftifchen Philofophie — und
aus dem Häckerling des augenfeheinlich fehr grofsen eine recht geniefsbare! Dergleichen forgfältige Special-
Publicums diefer Bücher nicht das folide Kernholz unterfuchungen, wie fie auf den erwähnten Anlafs hin
grammatifch gefchulter Hebräer machen; denn wer den auch deutfehe katholifche Theologen anzuftellen nicht
redlichen Gewinn fucht, wird ihn mit verfchwindenden ■ müde werden, find zwar geeignet, immer wieder ein ge-
Ausnahmen auf anderem Wege zu finden wiffen. Was wiffes Bedauern zu erregen, wenn fie zeigen, dafs gute
das Buch in Wirklichkeit ift, fteht alfo oben in der Ne- Kräfte an die Vertheidigung verlorener Porten ver-
gation. Das Uebel, von dem es Zeugnifs ablegt, wurzelt fchwendet werden. Aber, foweit es fich um D ar fte llu ng,
tief; eine wefentliche Befferung ift erft dann zu hoffen, um Feftftellung gefchichtlicher Thatbeftände handelt,
wenn durch eine geeignete Abänderung der wiffenfehaft- find fie willkommen zu heifsen, zumal wenn fie wie die
liehen Staatsprüfung die Ertheilung eines gründlichen i vorliegende gut gefchrieben find. In fechs Capiteln wird
Unterrichts in der hebräifchen Sprache auf allen Gym- hier des Aquinaten Lehre vom Verhältnifs des Willens
nafien nach Möglichkeit gefiebert wird. Wer wirklich zum finnlichen Begehrungsvermögen zufammengefafst
reif im Hebräifchen entlaffen ift, wird fich nicht von ! und empfohlen. Zuvörderft (c. 1) handelt es fich um die
einer folchen ,Präparation' zum gröfsten Theil Dinge Seelenkräfte überhaupt, als welche nach Ariftoteles
fagen laffen, die er längft weifs, noch die Mühe machen, ; die vegetative, die fenfitive und die intellcctive hingeftellt
das ihm Nothwendige aus dem Wuft auszulefen. | werden. Die beiden letzteren, wird gelehrt, erftrecken

Der Arbeit der beiden Herausgeber foll damit nicht fich in ihren Beziehungen auf das, was aufserhalb des
zu nahe getreten werden: fie ermöglicht fachkundig und Menfchen ift, und führen, je nachdem fie im Aufneh-
forgfältig ein Verfländnifs des vorliegenden Textes. Nach men der Dinge oder im Hinftreben zu den Dingen fich
den Angaben der Vorrede — die früheren Auflagen bethätigen, zum E-rkennen oder zum Begehren [appe-
kenne ich nicht — fcheint der neue Herausgeber viel 1 titio), neben welchen es ein Drittes (das Fühlen) als eine
Fleifs auf Verbeffcrung und Erweiterung des Buches befondere Grundfunction nicht geben kann. Als befon-
verwendet zu haben: fchade, dafs damit eine Verfchlim- dere menfehliche Seelenkraft ift nun (c. 2) nicht nur das
merung des Uebels unvermeidlich verbunden ift! höhere Begehrunsvermögen oder der Wille, fondern auch

Ausftattung und Druck find gut. ; das niedere, finnliche zu unterfcheiden von dem ap-

u,onn K Budde pctitns naturalis, d. h. von dem auch den unbefeelten

Creaturen vom Schöpfer eingepflanzten und der Verir-
j rung nicht fähigen Selbfterhaltungs- und Selbftvervoll-
Dalman, Tic. Dr. G. II., Der leidende und der sterbende kommnungstriebe. Vermittelt wird das als Seelenkraft
Messias der Synagoge im ersten nachchristlichen Jahr- nch darfteilende finnl. Begehren durch das Wahr n eh-
tausend. [Schriften des Institutum Judaicum in Berlin, men oder Erkennen der Objecte, namentlich aber
!. , 1/ r o fu ,vvq /tw c ivr „ durch dle Beurthcilungskraft {vis aestimativd), mit deren

Nr. 4-] Berlin, Reuther, 1888. (IV, 100 S. gr.8.) M. 2.- Hülfe der Wcrth d|s Wahrgenommenen für das be-

Die vorliegende Schrift enthält zwei in der Zeitfchr. treffende Wefen beurtheilt wird. Das als zuträglich Er-
Nathanael 1886.1887 bereits erfchienene Abhandlungen kannte wird fodann vermöge der vis concupiscibili's
des fchon durch mehrfache Veröffentlichungen als ge- ! (aus welcher die Affecte der Liebe und des Haffes, der
naucn Kenner der altjüdifchen Literatur bewährten Ver- 1 Freude und der Traurigkeit entliehen, begehrt, ver-
faffers. Das Ilauptverdicnft derfclben befteht in der j möge der vis irascibilis aber (aus welcher Hoffnung

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