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Ausgabe:

1888

Spalte:

321-323

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erman, Adf.

Titel/Untertitel:

Aegypten und ägyptisches Leben im Altertum. 2. Bd 1888

Rezensent:

Wiedemann, Alfred

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 13. 30. Juni 1888. 13. Jahrgang.

Erman, Aegypten und ägyptifches Leben im Keller, Die Gegenreformation in Weftfalen und , Spitta, Die l'affionen nach den vier Evangelien

Altertum, 2 Bd (Wiedemann). am Niederrhein, 2. Thl. (Stähelin). von Heinrich Schütz (Köfüin).

Stein, Die 'pfyc'hologie der Stoa, 2 Bde. ; Pachtler, Ratio studiorum et institutiones Riggenbach, Die chriftliche Liebesthätigkeit
(Dümmler). 1 scholasticae Soc.etahs Jesu, t II (Reufch für die Gefallgenen (Komin).

Roth, Lateimfche Hymnen des Mittelalters
(Brandes).

Wetz Hein, Das deutfche Kirchenlied im 16.,
17. und 18. Jahrhundert ;Köftlin).

Bethge, Die paulinifchen Reden der Apoftel-
gefchichte ^VVendt).

Zosimi Historia Nova ed. Mendelssohn (Harnack
).

Sartorius, Die Leichenverbrennung innerhalb

der chriftlichen Kirche (Köfllin).
Kurzgefafste Mittheilungen.

Erman, Adf., Aegypten und ägyptisches Leben im Altertum
. 2. Bd. Mit 164 Abbildungen im Text und
5 Vollbildern. Tübingen, Laupp, 1887. (VIII u.
S. 351—742. Lex.-8.) M. 9.— ; geb. M. 10.—

Nach längerer Paufe ift der Schlufsband diefes
Werkes, deffen erfter Theil in diefer Zeitfchrift XI S.
337 f. von E. Meyer angezeigt wurde, erfchienen. Der-
felbe enthält das 12. bis 20. Capitel, welche nach
einander die Religion, die Todten, die Wiffenfchaft, die
fchöne Literatur, die bildende Kund, die Landwirth-
fchaft, das Handwerk, den Verkehr, den Krieg behandeln
. Daran fchliefst fich ein ausführliches und zuver-
läffiges Sachregider, ein Verzeichnifs der aus Lepfius'
Denkmälern und aus den Sclect Papyri benutzten Stellen,
eine Reihe von Berichtigungen von Citaten, befonders des
erften Bandes, endlich ein Verzeichnifs der Abkürzungen.
Die Art der Dardellung entfpricht der des erden Bandes,
der Druck id ebenfo überfichtlich und correct. Druckfehler
find mir nur wenige, wie S. 516 A. 2 Herodot 2. 9
für 2. 78 oder S. 606 Z. 6 Sint für Siut aufgefallen. Die
meid Lepfius und Wilkinfon entnommenen Abbildungen
find klar und dilgerecht und dienen thatfächlich zur Erläuterung
des Textes; eine Reihe derfelben, fo S. 577
(240), 583 (6b), 584 (150 und z. Th. 267), 692 (153), 702
' 116) u. f. f. find aus dem erden Bande wiederholt worden.

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vereinzelter älterer Texte das alte Ceremoniell wohl
eruiren laden, vor allem find die merkwürdigen Cere-
monien an der Grabesthür (S. 433) auch für die ältere
Zeit genau bekannt.

Die ältere Literatur hat der Verf. feinem in der
Vorrede ausgefprochenen Grundfatze zu Folge nur in
wenigen Fällen zu Rathe gezogen, bez. citirt. Es werden
daher felbd fo grundlegende Werke wie Mafpero's
Contcs popidaires, Blümner's Technologie, die auch für
den Orient von gröfster Bedeutung id, u. a. nicht genannt
; Mafpero's Archi'ologie egyptienne, die fich inhaltlich
mit mehreren Capiteln diefes Bandes berührt, idwohl
erd während des Druckes erfchienen.

Von Einzelheiten möge hier nur noch weniges hervorgehoben
werden. Die religionsgefchichtlich intereffante
Erzählung Plutarch's von der Entdehung des Weintlocks
erhält durch die Legende von der Vernichtung des
Menfchengefchlechts fS. 364) keine Parallele, da in diefer
nicht die Erfindung des Bieres, fondern nur deffen Ver-
mifchung mit Blut berichtet wird. S. 373 vermifst man
eine Erörterung der Frage, in wie weit in den ägyptifchen
Tempeln Bildfäulen der Gottheiten angebetet wurden, bez.
datt ihrer die Incorporationen der Götter felbd, d. h.
die heiligen Thierc den Mittelpunkt des Cultus bildeten,
wie dies Lucian, /mag. 11; Clemens Alex. Paed. III. 2
hervorheben, und manche Dardellungen der ägyptifchen

Bei dem Umfange des Werkes und den zahlreichen Reliefs zu bedätigen fcheinen. S. 380 Z. 24 id datt .rings'

in demfclben behandelten Einzelfragen kann von einer
erfchöpfenden Befprechung naturgemäfs hier keine Rede
fein. Manche Frage hat der Verf. glücklich gelöd, bei
andern wird die Richtigkeit ihrer Löfung zweifelhaft er-
fcheinen, im Ganzen aber bezeichnet das Werk, befonders
wenn man es mit Wilkinfon's dem gleichen Thema
gewidmeter Arbeit vergleicht, einen bedeutenden Fortschritt
. In manchen Punkten würde derfelbe noch gröfser
fein, wenn der Verf. nicht fo dreng an feinem Princip,
nur Texte bis zur 20. Dyn. zu Rathe zu ziehen —
S. 365 ff. benutzt er freilich auch ganz junge Quellen —
fedgehalten hätte; die jüngeren Infchriften undclaffifchen
Autoren hätten öfters feine Ausführungen ergänzt, ohne
dadurch das Bild der rein ägyptifchen Cultur, welches
er entwerfen wollte, mit fremdartigem Beiwerk zu verbrämen
. So hätten diefe z. B. gezeigt, warum in Me

zu lefen ,an drei Seiten'. Der Prieder heifst im Aegyp-
tifchen doch kaum der Reine, weil er das getödtete
Opferthier auf feine Reinheit hin unterfuchte (S. 391;
vgl. 436), fondern weil er fich felbd rein von Sunde zu
erhalten hatte. Die Titel aller Oberprieder und Priede-
rinnen der äg. Tempel (S. 393) find durch eine Infchrift
vonEdfu bekannt geworden. Die Behauptung RamfesTII.
er habe dem Amonstempel zu Theben 86486 Sklaven
gefchenkt (S. 409), id fo übertrieben, dafs fie auch
die übrigen derartigen Angaben des grofsen Pap. Harris
trotz ihrer fcheinbaren Genauigkeit als höchd zweifelhaft
erfcheinen läfst. Wenn auch die Infchriften der
Pyramiden verhältnifsmäfsig viele Lautzeichen enthalten,
fo id das Aegyptifche doch gewifs urfprünglich keine
Lautfchrift, wie das Phönizifche gewefen (S. 449), fondern
eine Bilderfchrift; die Lautzeichen diefer alten Texte

dinet-Abu das Fed des Sokaris am 26. Choiak fo hoch I zeigen nur eine wie lange Entwicklungsperiode die Schrift
gefeiert ward (S. 376), es war dies der Auferdehungstag ' zur Zeit der 5. Dyn. bereits durchlaufen hatte. Ebenfo
des Sokaris-Ofiris, und da fich Ramfes III. hier in feinem ; id jedenfalls die hieratifche Kund in Aegypten (S. 532 ff.)
Grabtempel diefem identificirte, der Hauptfedtag des! das Product einer langen Entwicklung; die naturalidifch

e

Tempels. Der Sinn der S. 378 gefchilderten Fedprügelei j Auffaffung id die urfprungliche, die fich trotz aller Ge-
ergiebt fich aus Herodot II. 63—4, deffen Mythe ihrer- fetze überall dort erhalten haben wird, wo man fich von
feits die Stellung der ägyptifchen Götter als .Gatten ihrer | religiöfen Vorurtheilen frei zu erhalten vermochte. Die
Mutter' deuten foll. Für die Einbalfamirung (S. 427 f.) Indrumente, die S. 603 befprochen werden, dämmen
hätte fich aus den fpäteren Ritualen mit Zuhülfenahme jedenfalls, wie analoge Funde in Unteraegypten zeigen,

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