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Ausgabe:

1888 Nr. 11

Spalte:

280-283

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bartels, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Glaubenslehre der evang.-lutherischen Bekenntnisse, in ihren Grundzügen zusammenhängend 1888

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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279 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. II. 280

zielenden Arbeiten und Aeufserungen von Meinhold und
Strack wie manches Neuere. Auffallen mufs vor allem,
dafs auch Baer's Ausgabe mit den Beigaben von Frdr.
Delitzfch nicht benutzt ift.

Das Buch gehört zu den neuerdings nicht feltenen
Erfcheinungen, bei denen man nicht weifs, wieviel von
den Fehlern auf Rechnung des Druckers, wieviel auf die
mangelhaften Sprachkenntnifse des Verf.'s zu fchieben
ift. Doch fei als Probe feftgeftellt, dafs der Verf. c. 9,24
dem Kethib Bnfibl die Vocale des Qere Ötltlbl ganz
arglos läfst (p. 292 f.).

Natürlich ift der langen Rede kurzer Sinn, dafs Daniel
felbft das ganze Buch in der babylonifchen Gefangen-
fchaft gefchrieben hat und deffen gefchichtliche Glaubwürdigkeit
ebenfo feft fleht, wie die Prophetengabe feines
Verfaffers durch das wunderbare Eintreffen feiner Weis-
fagungen.

Bonn. K. Budde.

Römische Quartalschrift für christliche Alterthumskunde und
für Kirchengeschichte. Unter Mitwirkung von Fachge-
noffen hrsg. von Dr. A. de Waal, Rector des Collegiums
von Campo Santo. 1. Jahrg. 4 Hfte. Rom, 1887.
Freiburg i/Br., Herder in Comm. (396 S. gr. 8. Mit
12 Taf.) M. 16 —

Wer neues Material zugänglich macht, ift ftets willkommen
. Die neue Vierteljahrsfchrift, deren erfter Jahrgang
jetzt in ftattlichen Heften und recht guten Tafeln
vorliegt, darf daher des Intereffes und des Dankes aller
wiffenfchaftlich Betheiligten verfichert fein. In Nr. 16 der
Theol. Lit.-Zeitung vom vorigen Jahre ift fchon eine feparat
erfchienene Abhandlung befprochen und damit auf die
Römifche Quartalfchrift aufmerkfam gemacht worden.
Wie fich aus jenem Theilganzen vermuthen liefs, ift
es die Abficht des neuen Unternehmens, unbekanntes
Material zu veröffentlichen, auf dem Gebiete derKirchen-
gefchichte, hauptfächlich aber, wie man nach dem Namen
des Herausgebers erwarten kann, auf dem befonderen
der chriftlichen Archäologie. Dank De Roffi und Dank
den reichen, zum guten Theile noch ungehobenen
Schätzen über und unter der Erde, literarifchen und
monumentalen, ift Rom dafür der Mittelpunkt. Es läfst
fich alfo Intereffantes und Nutzbringendes vorausfehen.
In der That darf das günftige Urtheil über die Wil-
pert'fche Befprechung der neuen Domitillafresken in feinem
vollen Umfange auf eine Reihe von Auffätzen der
neuen Zeitfchrift ausgedehnt werden. Ichwünfchte, dafs wir
viel folche intereffante Mittheilungen bekämen, und dafs
die neuen Funde fo forgfältig unterfucht und weitergegeben
würden, wie das von den Pierren Wilpert und
Kirfch gefchehen ift, von jenem aufser der befprochenen
Arbeit in der Behandlung zweier unbekannten Monumente
mit dem Opfer Abraham's, von diefem in den
Berichten über Bilder der Coemeterien des Pontianus und
des Praetextatus. Neben den Katakombenfresken kommen
verfchiedene andere altchriftliche Monumente zur Sprache,
Phylakterium, Bleifiegel, Medaille, Lampen, wobei unter
den Mitarbeitern Marucchi und der Unterbibliothekar
der Vatikan. Bibliothek, Cozza-Luzi, genannt feien. De
Waal druckt u. a. Berichte über Ausgrabungen in S.
Peter 1626 ab, giebt ein ziemlich ausfuhrliches Referat
über das Kirchenjahr in Jerufalem nach der Peregrinatio
S. Silviae (ed. Gamurrini) und verfucht, die Einwirkung
der apokryphen Evangelien auf die altchriftliche Kunft
darzuttellen, eine Abhandlung, die freilich dem aufser-
ordentlich intereffanten Gegenftande nicht völlig gerecht
wird, der Ergänzung und Berichtigung im einzelnen bedarf,
aber doch eine brauchbare Zufammenftellung der ein-
fchlägigenEvangelienftellen undMonumente bietet. Hyver-
nat veröffentlicht Fragmente der altcoptifchen Literatur.
Pflugk-Harttung hat über die Schreiber der päpftlichen

Kanzlei bis auf Innocenz II. gefchrieben. Sonft wären noch
zu nennen dieBerichteFinke's über die Verhandlungen Gre-
gor's XII. undKaiferSiegismunds über dasConcil(i4i4) und
über die zwei Tagebücher vom Konftanzer Concil, die Mittheilung
über ein Kölner Provinzialconcil von 1440, das
j fich zu dem in Bafel ausgefprochenen Principe der Su-
i periorität des Conciles über den Papft erklärt, und eine
Peter Luder zugefchriebene Lobrede auf Friedrich I.
von der Pfalz. Auch A. Pieper's Nachrichten über das
römifche Propagandaarchiv, feine Gefchichte, Einrichtung,
Publicationen, find von Intereffe. Bücherberichte und
eine nützliche Zeitfchriftenfchau für chriftl. Archäologie,
die bis jetzt fehr zu vermiffen war, find beigegeben.

Verfchiedene der ausgefprochenen Grundfätze laffen
uns nicht im Unklaren, dafs wir es meift mit Gelehrten
römifcher Schule zu thun haben. Nur ein Beifpiel fei
angeführt. Es ift wirklich fchade, dafs Wilpert, wo es
fich um zufammenfaffende und erläuternde Darftellung
feiner vortrefflichen Einzelunterfuchungen handelt, von
der traditionellen Exegefe der Monumente nicht loskommen
kann und deshalb den Denkmälern — wie dem
gallifchen Sarkophage mit Ifaak's Opferung — Zwang anlegt
. Ich glaubte wirklich, dafs Leblant und Springer uns
nicht vergeblich gelehrt hätten, wie man die Sepulcral-
, monumente auslegen folle. Was uns jetzt wieder ,über
rationelle Auslegung der Ausfprüche der Väter' vorgetragen
und wie diele gehandhabt wird, mag gefchickt zu
nennen fein, methodifch ift es nicht.

Aber andererfeits ift es der Anerkennung werth, dafs
man faft durchgängig das Poftulat ,des ruhigen, möglichft
objectiven Tones der ganzen Darftellung, die von con-
feffioneller Gehäffigkeit weit entfernt ift' (S. 279), welches
man an erfter Stelle dem proteftantifchen Buche gegenüber
(teilt, fich felber aufgegeben hat. Es ift im Intereffe
der Wiffenfchaft, im Intereffe der gemeinfehaftlichen
Arbeit, wenn ich den Wunfeh ausfpreche, dafs es fo
bleiben möge, aber auch im Intereffe der neuen Zeitfchrift
felber.

Rom. Johannes Ficker.

1. Plitt, Prof. Dr. Guft., Grundriss der Symbolik für Vor-
lefungen. In 2. Aufl. bearbeitet von Dr. Friedr.
Wiegand. Erlangen, Deichert, 1888. (VIII, 184 S.
gr. 8.) M. 3.-

2. Bartels, Paft. Friedr., Die Glaubenslehre derevang.-luther.
Bekenntnisse, in ihren Grundzügen zufammenhängend
dargeftellt. Gotha, F. A. Perthes, 1887. (VII, 154 S.
gr. 8.) M. 3.-

Es ift ein mifsliches Ding, ein Buch, welches, wie das
oben zuerft verzeichnete (erfchienen in erfter Auflage
18753 vom Autor felbft als Grundrifs für Vorlefungen
herausgegeben war, nach dem Tode des Verfaffers noch
einmal hinauszufenden, vollends wenn derjenige, dem
die neue Adjuftirung übertragen worden, felbft nicht
Docent ift, fchwerlich alfo ganz in der Lage ift, fich
klar zu machen, was einem folchen Buche frommt. Ich
bedauere lebhaft, dafs Plitt's Grundrifs der Symbolik, in
feinen eigenen Händen gewifs ein brauchbares Inftrument,
wiederaufgelegt worden, da ich darin keinen Liebesdienft
für das Andenken des Verdorbenen erkennen kann.
Dafs ein Anderer das Buch bei feinen Vorlefungen
brauchen kann, will ich nicht bezweifeln, vorausgefetzt,
dafs er entweder ganz wefentlich mit Plitt ftimmt — was
bedeuten würde, dafs er die Symbolik in einer Form,
die nicht mehr vorkommen follte, vorträgt — oder aber,
dafs er es fich zur Hauptaufgabe macht, Plitt's Ver-
ftändnifs der ,Symbolik', beziehentlich der Symbole,
überall mit der eigenen Auffaffung auseinanderzufetzen,
was mir in Plitt's Stellung in der Gefchichte der Disci-
plin nicht wohl begründet Icheint. Studirende können