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Ausgabe:

1888 Nr. 11

Spalte:

278-279

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hebbelynck, Ad.

Titel/Untertitel:

De auctoritate historica libri Danielis 1888

Rezensent:

Budde, Karl

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277 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. It. 278

Im Grofsen und Ganzen hat der Verfaffer feine Aufgabe
mit anerkennenswerthem Fleifs und gefundem Urtheil
gelöft; die Genauigkeit läfst zu wünfchen übrig. Ich habe
die Ueberfetzung von Obadja, Jona, Haggai, Zacharja,
Maleachi noch einmal mit dem Grundtext collatiomrt und
mir dabei folgende Nachträge angemerkt. Ob. 6 hält
P. IM: fälfchlich für eine Ableitung von Ml — v. 8 lies
xrr'rro (Druckfehler). — v. 17 lafen auch LXX DrYWPjf»
[fo bei Sebök zu fchreibenj, und der Chaldäer drückt
diefe Lesart neben der des MT. aus. — v. 21 BWWJtB
überfetzt P. wie LXX, Aquila, Theodotion {araawLÖuevni,
0£«cjauiVo<)paffivifch Xp'nB; Symmachus a^Corteg, Hieron.
salva'tores. — Jona 1,4 überfetzt P. TO«'n wegen des nicht
verftandenen Tropus KSfinTO. — v. 5 werden die beiden
Svnonyma DTP1 2212^ durch das eine ytXTi wiedergegeben
; umgekehrt 4. 6 by-n durch pbol X1P1 ,er ging auf
und flieg in die Höhe'. — 4.7 hat p- ftatt B"*™*! und
v. 9 flau Wrb* gelefen: DVfc* rTffP, was Herrn Böhme
interefliren wird. — Haggai 1,9 fehlt mX3S. — 2,2 iß
vor r^Xü ein bo hinzugefügt. — v. 9 überfetzt P. ölb»
.meinen Frieden'. — v. 11 ibXÜ für bXEJ. — v. 16 hat
P. nicht verflanden. — Zach. 1,16 wird «31 uberfetzt
- 3,5 O'HJO] P- + - 4-9 ändert p- «Tl

nach =r*bx in — 6,10 für 1X3 hat 1. den bingu- Hebbelynck, Lic. Ad., De auctoritate historica libri Danie-

lar. — 6, 12 bleiben die Worte rfW W« nx «031 wegen | )js necnon de interpretatione vaticinii LXX hebdoma-
des damit identifchen Anfanges von v. 13 unuberfetzt. .5

_ 7 icTwird ipcj?r durch zwei VVorte wiedergegeben.- dum d'ssertat.o. Lovann, excudebant Vanhnthout
8, 3 'für -»ratj hat P. x:X SPiarffl, was nach 1, 16 in XJBnti | fratres, 1887. (XXI, 384 S. gr. 8.)

Seines Fleifses darf fich der Verf. der vorliegenden
theologifchen Doctordiffertation der ,katholifchen Uni-
verfität' Löwen gewifs rühmen ; aber irgend etwas, was

Rückfichten zur Lad fallen. Aus den genauen Nachweifen,
die ich in Jahrbb. f. prot. Theol. 1882 gegeben habe,
hätte der Verf. immerhin etwas lernen können.

Der gedruckte Text der Pefchita wird, obgleich fehr
alte Handfchriften zur Verfügung flehen, durch eine
kritifche Bearbeitung nicht wefentlich verändert werden.
Trotzdem wäre eine zufammenhängende Auseinander-
fetzung über diefen Punkt auf Grund des zur Verfügung
flehenden Materials wünfchenswerth gewefen; der Verf.
zieht nur gelegentlich Ceriani und Aphraates heran.

Die allgemeine Einleitung, welche fich mit dem Ur-
fprung der Pefchita befchäftigt, ift recht dürftig und z. Th.
unklar. — Woher weifs der Verf., dafs die P. in allen
ihren Theilen in Edeffa abgefafst ift} — Druckfehler find
nicht ganz feiten; befonders oft ift für fyrifches 3 ein D
gefetzt. — 'JinBTB, wie zu Zeph. 1,9 zu lefen vorge-
fchlagen wird, ift nichts.

Den Namen Rofenmüller in Rofenäcker zu verändern
, kann Herrn Sebök (Schönberger; nicht zugeftanden
werden.

Halle a/S. Friedrich Baethgen.

S:X zu verbeffern id. — 8, 10. Hinter Efin OFttW fügt
P. hinzu -n x:3T =~p Wl — v. 14 fehlt X21 in meiner
Ausgabe der P. (der Londoner) nicht. — v. 17. 20. 23

lafst P. das fliliflifch unbequeme 1CX unüberfetzt. — 9, 5. j rechte Gottgelehrfamkeit zu fördern im Stande "wäre"

b*n~" halt P. für eine Ableitung von nbn ,krank fein'
— 9, 7 für 1013*' hat P. jniy d. i. Hebron. — 9,11 7-1-PDX
P. ohne Suffix. — Die erde Anmerkung zu 9, 12 id in
allen Punkten falfch. — 10, I Öflb überfetzt P. ,euch'. —
ibid. IS"! E^xb überfetzt P.: ,damit das Kraut auf dem
Felde wachte'. — 10,9 "pm fprach P. wie LXX (ixirgi-
i/'orai) als Piel aus; er hatte den griechifchen Text vor

Augen. — 10,12 -pbrirp TBtjm] P. pnnc: nsiöbi = ititjbi

LXX y.ai ir ttü drofiazi avzov y.azay.ai yi'jaori ai =

hat der Berichterdatter in der umfangreichen Arbeit nicht
finden können. Aufser der befonderen Wichtigkeit gerade
diefes Buches und der Nothwendigkeit, den frechen
Angriffen der Rationaliden entgegenzutreten, die in Maffe
es wagen, ^Porpliyrii adversus Dameltm querelas et sophis-
mata a quindeeim sacculis derelicta rursus excitare', id es
das neue Licht, das aus den Keilfchriftmonumenten das
Buch überdrahlt, wodurch der Verf. zu diefer Arbeit
veranlafst wurde. So wird denn von überall her der

bbnr" "Ct31. — 13,3 läfst P. das erde ynb^ aus. — Stoff mit Bienenfleifs zufammengefucht und Schritt für

ibid. 't l"tU ffj P. rC~CX:".; das id die Ueberfetzung von
LXX e.cu ovunodioioiv alzöv. — 14,4 Xliin DT3 fehlt
bei P. — 14,5 "Hfl] P. läfst das unbequeme Suffix aus. —
ibid. Bei dem fchwierigen 5SX bx hilft P. fich fo, dafs
er dafür das ähnlich ausfehende, aber hier völlig finn-
lofe Appellativ x:sb"X5 einfetzt. — 14, 12 n»3] das
Sino-ularfuffix ändert P. hier und im folgenden in das
Pluralfuffix um. — 14,14 ~EX1] P. OSDSI = zat 0vvtij-et der
LXX. — Mal. 1,9 füge hinzu: ,und lieft wie LXX xi»X
ftatt xr^'. — 1,14 läfst P. bat als unverftanden aus. —
2.3 r-m P. 1^,1? 1^'V= wohl in FolSe einer Dittographie.
— ibid. =r-X XB31] P. ]iablp»X1 = zat Ir'nlioitat vfißg
der LXX. — 2, 13'naTB] P. tVlS. — 3,3 fprach P. fälfchlich
ntjy aus. — 3,7. Statt nniatö las P. BWWStf. —

Das Endergebnifs, zu welchem der Verf. kömmt,
lautet dahin, ,dafs keine wefentliche Verfchiedenheit
zwifchen der hebräifchen Vorlage der P. und dem MT.
obwaltet; dafs der Ueberfetzer mit der Abficht arbeitete,
feine Vorlage treu und genau, wenn auch nicht fklavifch
wörtlich wiederzugeben; dafs die Ueberfetzung, wenn
auch für uns von keinem befonders grofsen Werthe, fo
doch als ein Denkmal alter Exegefe hoch zu fchätzen
ift'. Dies Ergebnifs ftimmt mit den von mir in anderen
Büchern gefundenen Refultaten überein; nur hätte der
Verf. in der Statuirung von angeblich abweichenden Lesarten
noch zurückhaltender fein follen. Wenigftens beteiligt
fich mir immer mehr die Ueberzeugung, dafs die
Abweichungen der P. bei weitem zum gröfsten Theil
nicht fowohl auf einen abweichenden hebräifchen Text
zurückgehen, als vielmehr den mangelhaften hebräifchen
Kenntnifsen des Ueberfetzers, z. Th. auch dogmatifchen

Schritt das Nöthige bewiefen. Jedes ,äufsere Zeugnifs',
jede Tradition, jede apologetifche Auskunft, die fich auffinden
läfst, kommt gelegen; ob fie fich untereinander
vertragen, ift gleichgültig; faft auf jede objectio fleht ftatt
eines responsum die Auswahl zwifchen mehreren zu Gebote
, von denen jedes die etwaigen Schwächen der anderen
deckt — wenn nicht etwa eine gewichtige Stimme
wie die des heiligen Thomas (vgl. z. B p. 248 f.) den
Ausfchlag giebt. Etwas mehr als fogenannte ,Möglich-
keit' wird nicht erftrebt, eine pofitive, zufammenhängende
Anfchauung nicht geboten. Ein endlos weitfehichtiger
fcholaftifcher Formalismus, wie man ihn aus jefuitifchen
Werken kennt, forgt für bedächtiges Fortfehreiten und
läfst die Arbeit gebührend anfchwellen. Eigenes bietet
cler Verf. kaum; die fehr reichlich ausgeftreute Buch- und
Autoritätengelehrfamkeit, auch von Deutfchen und Pro-
teftanten, fchmeckt vielfach etwas altbacken. So thut
der Verf. Delitzfch grofses Unrecht und fich unbewufst
Schaden, wenn er fich mit Vorliebe auf deffen Ausführungen
über Daniel bei Herzog beruft; denn in der
2. Auflage ift fein Gewährsmann von der Verteidigung
des Alters des Buches zu einer fehr vielfagenden Un-
entfehiedenheit übergegangen. Aber auch aus der 1. Auflage
lieft der Verf. zu viel heraus, oder ift ,die im Grund-
Charakter vorhandene Uebereinftimmung mit dem Ara-
mäifchenin Jer. 10,11 undEsra' = ,quod lingua aramaica
in eodem adiiibita valde vicina sit sermoni quo Jeremias
(X,n) et Esdras usi sunt1} (p. 27). Zöckler wird p. 35
fälfchlich ohne weiteres zu den Verteidigern der, Authentie'
gerechnet, überhaupt fein Theilungsverfuch, foweit ich
fehe, gar nicht erwähnt. Es fehlen gänzlich die dahin