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Ausgabe:

1888 Nr. 10

Spalte:

256-257

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ledderhose, Karl Friedrich

Titel/Untertitel:

Leben und Lieder der Gräfin Erdmuth Dorothea v. Zinzendorf 1888

Rezensent:

Eck, Samuel

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255 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 10. 256

Dominicus erff nach längerer Zeit die päpftliche Beftäti- j
gung für ihre Orden erhielten, Paul III. die Gefellfchaft
Jefu fofort vivae vocis oraculo und vor Ablauf eines
Jahres durch eine Bulle beftätigt (S. 70). Chriffus ift in
einem vollkommeneren Sinne, als er das Haupt der Kirche
ift, das Haupt, der Führer und König der Gefellfchaft,
der er feinen Namen Jefus beigelegt hat (S. 84). Gott
hat zugelaffen, dafs die Gefellfchaft im vorigen Jahrhundert
faft überall aufgehoben wurde (in Rufsland und bis zum
Tode Friedrich's II. auch in Schlehen blieb he legitime
beliehen, S. 76), dann aber ihre Wiederherftellung bewirkt
, damit he ihrem Könige und göttlichen Vorbilde
auch im Tode und in der Auferftehung ähnlich würde
'S. 101). Jedes Mitglied der Gefellfchaft ift berufen, mit
Johannes an der Bruft Jefu zu ruhen (S. 85). Es ift mit
Rückficht auf glaubwürdige Privat-Offenbarungen und
aus inneren Gründen höchft probabel, dafs jeder, welcher
als Mitglied der Gefellfchaft ftirbt, feiig wird (S. 258; I
es wird auf eine 1874 erfchienene Schrift des Jefuiten J
Terrien verwiefen, Reellere lies historiques de la tradition,
que la mort dans la Compagnie de Jesus est un gage cer-
tain de la predestinatioti). — Es mag hier erwähnt werden
, dafs der zur Zeit der Aufhebung des Ordens lebende
Jefuit Cordara in feinen fehr intereffanten Denkwürdigkeiten
(bei Döllinger, Beiträge 3,71), in fcharfen Worten
fagt, der Hochmuth der Gefellfchaft fei die eigentliche 1
Urfache ihres Falles gewefen.

2. In demfelben Jahre, in welchem Luther zu Worms
feinen Abfall erklärte und ein Buch gegen die Ordensgelübde
fchrieb, weihte hch der heil. Ignatius Gott und
der heil. Jungfrau und verfafste er feine Exercitien. Ignatius
und Calvin lebten gleichzeitig zu Paris und famrnel-
ten dort Schüler. Zu derfelben Zeit, in welcher Heinrich
VIII. von dem Papfte abfiel, bereitete Ignatius die I
Gründung feiner dem Papfte höchft ergebenen Gefellfchaft
vor (S. 64). Die Gefellfchaft wurde in Europa vorzugs-
weife der Härefie entgegengeftellt; fie wurde für die
katholifche Kirche ein Bollwerk gegen den Abfall, den
man Reformation nennt (S. Iii).

3. Schon vor der Einführung des Cultus des Herzens [
Jefu in der katholifchen Kirche haben Jefuiten darüber
gefchrieben. Die fei. Maria Margaretha Alacoque erhielt
1689 die Offenbarung, den Jefuiten fei die Aufgabe
vorbehalten, den Nutzen und die Vortrefflichkeit diefes
Cultus bekannt zu machen; das göttliche Plerz werde
die Jefuiten für das, was fie zu feiner Verherrlichung [
wirkten, befonders fegnen (S. 91. 96. 99). Dem Cultus
des heil. Herzens ift die wunderbare Erhaltung der aufgehobenen
Gefellfchaft in Rufsland und ihre Wiederherftellung
zu verdanken (S. 104. icö). Wie die Gefellfchaft
Jefu früher die befondere Aufgabe hatte, dem Abfall
von der Kirche, welchen man Reformation nennt, entgegenzuwirken
, fo hat fie jetzt die grofse Miffion, dem J
Abfall von allem Glauben, dem Rationalismus, Materialismus
und Liberalismus entgegenzuwirken, und zwar !
durch die Beförderung der Verehrung des Herzens Jefu;
denn unfere Zeit ift mehr als irgend eine frühere die [
Aera des Herzens Jefu, und der Cultus desfelben ift ein
behenderes Heilmittel für die Uebel unferer Zeit, insbe-
fondere den Peffimismus, Indifferentismus, Liberalismus,
Socialismus und Communismus; er ift auch wichtig für
die Löfung der focialen Fragen, der Handwerker-, der j
Fabrikarbeiter- und der Agrar-Frage (S. 110. 114). Die
imj. 1883 gehaltene General-Congregation hatbefchloffen,
die ganze Gefellfchaft folle fich, wie fie fich bereits dem
Flerzen Jefu geweiht, am 5. Dec. 1884 feierlich auch dem
Herzen Mariä weihen (S. 90. 123).

Ich habe nur beizufügen, dafs vorftehendes ganz
getreue Auszüge aus dem mit Gutheifsung der Ordens- j
oberen erfchienenen Buche find.

Bonn. F. H. Reufch.

Ledderhose, Karl Friedr., Leben und Lieder der Gräfin
Erdmuth Dorothea v. Zinzendorf, geb. Gräfin v. Reufs.
Mit dem Portr. u. Fkfm. der Gräfin. Gütersloh, Bertelsmann
, 1887. (VII, 152 S. 8.) M. 2.—

Diefem Buche liegt durchweg und faft ausfchliefslich
eine Arbeit des Archivars A. Glitfch in Herrnhut (Brüderbote
1882—84. 86) zu Grunde. Wo L. mehr bietet als
feine Vorlage, mufs er fich mehrfach darauf befinnen,.
dafs er ein Leben der Gräfin und nicht des Grafen Z.
zu fchreiben beabfichtigt. Auch fonft aber tritt das Bild
der erfteren ftark in den Plintergrund. Daran wird nicht
blofs die Feder des Biographen fchuld fein. Das Leben
diefer Frau ift fchon von Jugend auf durch die Art ihrer
Erziehung (Bonin, Hochmann) in eigenthümlicher Weife
darauf vorbereitet, in den Plänen ihres Gemahls aufzugehen
. Dafs dabei ihre befondere Art hinter der feinigen
verfchwindet, ift ja verftändlich. Ueber ihre Lieder, die
ohne Angabe des Fundorts auf S. 105—152 abgedruckt
find, hat jedenfalls Glitfch (Br.-Bote 1882, S. 228) richtig
geurtheilt: ,Gedanke und Ausdruck ift der feinige'. L.
mufs fich diefelben freilich ,zurechtlegen', empfindet
aber kein Bedürfnifs, ein beftimmtes Urtheil über die in
ihnen zu Tage tretende Frömmigkeit abzugeben. Leider
findet er fich auch in fehr allgemeinen Angaben mit der
feelforgerifchen Thätigkeit der Gräfin ab. Nähere Mittheilungen
hätten vielleicht auch davor bewahrt, Z.'s
Unternehmungen in der Wetterau und in Livland unter
der verwirrenden Bezeichnung innerer Miffion vorzuführen
. Deutlicheren Pänblick erhält man in die Art
ihrer Kindererziehung. Aber das altklug-gezwungene,
religiös-unwahre Wefen ihrer Kinder (S. 37 ff.) ift nicht
eben geeignet, Vertrauen zu der, fo zu fagen, liturgifchen
Erziehungsmethode, welche von ihr geübt wird, zu erwecken
. Die Refultate einer folchen liegen in dem
,fanften, weichen, weiblichen' Charakter des Chriftian
Renatus vor. Neben diefen Zügen, welche die Gräfin
in vollfter Abhängigkeit von ihrem Gemahl erkennen
laffen, treten andere hervor, in welchen fie fich in charaktervoller
Selbftändigkeit zeigt. Man wird mit Theil-
nahme verfolgen, wie fie ihren Pflichten als Gattin und
Mutter, Hausfrau und Gutsherrin, regelmäfsig unter er-
fchwerenden Umftänden, mit mufterhafter Treue nachzukommen
beftrebt ift trotz der Geringfehätzung weltlicher
Berufsarbeit, welche Z. fchon der Braut gegenüber
in Worten zu äufsern und dann fein Leben lang durch
die That zu beweifen fich für verpflichtet hält. Es gehört
ein nicht geringer Grad chriftlicher Freiheit dazu,
fein Leben in Dienften zu verzehren, die von der nächften
Umgebung als minderwerthig behandelt werden. Denn
der Titel ,Säugamme der Gemeinde' enthält jedenfalls
ein fehr zweideutiges Lob (f. S. 13. 35. 87).

An Kleinigkeiten bemerke ich: S. 5: Hochmann ift
in Lauenburg geboren und als Student bekehrt worden.
S. 42 fehlt die Angabe über die thatfächliche Landes-
verweifung. S. 44 ift der Name des Superintendenten
Löfcher, an den Z. fchreibt, irreführend ausgelaffen.
S. 47 Zeile 8 v. ob. fchreibt L.: ,mei(tens', Glitfch:
,theilweife', L.: ,die meiften', GL: ,ab und zu etwas'.
S. 54: fo fehr .merkwürdig' war es nicht, dafs Friedrich
Wilhelm Z. zu fprechen wünfehte, da diefer felbft darum
nachgefucht hatte. S. 61 f. ift die Chronologie in Verwirrung
gerathen. S. 66 f. hätte der Anlafs zu den Be-
fuchen in Ebersdorf und Dänemark näher bezeichnet
werden können. S. 71: die irrthümliche Gleichfetzung
Ritfchl'fcher Theologie mit dem von Z. beklagten Unglauben
dürfte L. Angefichts der neueren Arbeiten von
Becker und Tietzen jedenfalls ftark zu modificiren ver-
anlafst werden. — Druckfehler: S. 13 unten 1. 7. Sept.
lt. 7. Dec, S. 43 1. Langemack ff. Langemark, S. 78, Z.
13 v. unten 1. 1741 ff. 1743, S. 85, Z. 5 v. u. Mileend ff.
Nilend, S. 88, Z. 6 v. o. 1. Garril'on ff. Harrifon. — Die
Ausdrücke ,in die Welt hereingeboren' S. 4 und ,Bigot-