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Ausgabe:

1888

Spalte:

249-251

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dombart, Bernhard (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Commodiani carmina 1888

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsea

Erfcheint . . ,, Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 10. 19- Mai 1888. 13. Jahrgang.

Commodiani carmina, recensuit Dombart | Ledderhofe, Leben und Lieder der Gräfin Fifcher und Lindenbere. Rorrate Kurze
(Kruger).

Feiten, Robert Groffetefte, Bifchof von Lincoln

(Karl Müller).

De Hoop-Scheffer, Gefchichte der Reformation
in den Niederlanden von ihrem Beginn
bis zum Jahre 1531 (Kolde).

Costa Rossetti, De spiritu societatis Jesu
(Reufch).

Erdmuth Dorothea von Zinzendorf (Eck). Andachten in Sprüchen und Gebeten der heil.

Frank, Gotthard Ludwig Kofegarten (Meier). 1 Schrift (Meier).

Sanctissimi Domini Nostri Leonis Papae XIII ; f-?hfK'eines pafh°nale (Grünberg).

Allocutiones, Epistolae, Constitutiones, aliaque

acta praecipua, 2 Bde. (Reufch).
Rde, Die Enlftehung des Gewiffens (Reifchle).
Ree, Die Illufion der Willensfreiheit (Derf.).

Ei n fcher, Reform der evangelifchen Kirche
(Köhler).

Hayen, Oldenburgifches Kirchenrecht (Krantz).
Schramm, Die Gefahren der Erneuerung des
Klofterwefens für Deutfchland (Kay).

Commodiani carmina. Recensuit et commentario critico
instruxitBernh.Dombart. (Corpusscriptorum ecclesias-
ticorum latinorum, vol. XV.) Wien, Gerolds Sohn,
1887. (XXIV, 250 S. gr. 8.) M. 5.—
Die Ausgabe der Gedichte Commodian's, die Domlich
gut erhaltene Gedichte aus den Inftructionen, z. B.
I 24. 28. 33. II 19, das Schlufsgedicht), und faft überall,
wo dem Verfländnifs fich gröfsere oder gar unüberwindliche
Schwierigkeiten bieten, ilt die Verwirrung des Textes
daran Schuld.

Die Inftructionen fchrieb Jacob Sirmond aus einem

bart im Auftrage der Wiener Akademie geliefert hat, j nun verlorenen cod. Andecave?isis ab. Sein apograplion
bezeichnet einen grofsen Fortfehritt über die bisherigen, benutzte Rigalt für feine editio prineeps; er giebt die
Dafs diefes Lob keinen Tadel befonders gegen den ■ ausdrückliche Verficherung, dafs er eine weitere Textletzten
Herausgeber, Ludwig, einfchliefst, hat Dom- quelle nicht gehabt habe. Ludwig wollte diefes apo-
K„t Mhft hprvnruphnhpn Woran T.nHwicr Hnrrh Hio grap/iott Sirmondi im cod. Paris. B wiederfinden; nach

Dombart ift das nicht richtig. Er beweift vielmehr mit.
wie mir fcheint, durchfchlagenden Gründen, dafs uns in
cod. B eine weitere Abfchrift des apograplion vorliegt, im
Auftrag des Rigalt angefertigt, von diefem durchgefehen
und ergänzt, demnach im kritifchen Werth dem verlorenen
apograplion faft gleichftehend. Hinter C mufs aber B zu-

bart felbft hervorgehoben. Woran Ludwig durch die
für ihn unerfchwinglichen Koften, welche eine neue Col-
lation der in der Bibliothek von Phillips in Chelten-
ham befindlichen Codices der Inftructionen und des

Apologcticum machte (---ut avaritia liominis istius

insoLentis, qui /itcras grandi pecimia venditat, librum iuspi-
cere prohiberer, Ludw. ins/r. gg. XI), gefcheitert war, das

ermöglichten die Mittel der Akademie. Im Jahre 1879 rückftehen. Allerdings find beide nahe miteinander ver
hat Sedlmayer fowohl cod. 1825 (C) der Inftructionen I wandt: denn in beiden finden fich viele gleiche Lesarten,
als cod. 12261 (M) des Carmen apologcticum von Neuem die doch ficher verdorben find und demnach wohl einer

durchgefehen, und im folgenden Jahre hat P. Knoell
das von S. begonnene Werk tanta ei diligentia et verum
peritia peregit, ut, si quid in nostra editione lande dignum
videbitur, magna ex parte Uli aeeeptnm referamus (Dombart
/. XX).

Da Dombart felbft die beiden anderen Codices der

gemeinfamen Quelle von B. und C. verdankt werden.

Von den lechs Verslücken, welche das zweite Buch
der Inftructionen bisher aufwies, hat cod. C jetzt drei,
nämlich II 1, 4; 19, 21; 23, IO ausgefüllt; dagegen fehlen
noch die Verfe II 10, 12; 16, 11; 29, 14. An einer grofsen
Reihe von Stellen bringt G nun die fiebere Lesart An

Inftructionen {cod. Parisinns B und Lcidensis A) genau j anderen hat Dombart conjicirt. Bei der Subjectivität
durchgefehen hat, wobei er in manchen Einzelheiten ! diefer Gonjecturen, die bei folcher Textverwirrun" unLudwig
zu verbeffern vermochte, fo bietet feine Aus- vermeidlich ift, wird er fich felbft gefagt haben* dafs
rabe uns einen Text, der unter genauefter Berückfich- | nicht alle feine Verhiebe unbedingt angenommen werden

o-------

tigung des gefammten vorhandenen Materials hergerichtet
ift.

Diefe fcheinbar beruhigende Erkenntnifs ift aber
leider fehr niederfchlagend. Dombart felbft fagt vom
cod. C der Inftructionen: p/nrimis et foedissimis scatet
mendis. Und all die geradezu unzähligen Veränderungen
und zum grofsen Theil gewifs Verbefferungen, die fein
Text gegenüber de"m von Ludwig (bez. aucli von
Rönfch) aufweift, fetzen die traurige Wahrheit nur noch
in ein helleres Licht, dafs wir, wenn fich die text-
kritifchen Hülfsmittel nicht vermehren, niemals zu einem
durchgehenden Verfländnifs der Commodian'fchen ,Dichtungen
' kommen werden. In den Inftructionen mag die
,Dichtung' felber einen Theil der Schuld tragen. Wer feminin 1.

je verfocht hat, hexametrifche Akroftichen *U ^cht«^ von f£ 7*

der wird zugeben, dafs bei folch abfurdem Unternehmen I augenfchcinlich durch £r?" .V,de Ste»en find
die Klarheit der Gedanken unter der gefchraubten Un- , man wSd^tÄ^fiAfeSJeC^-.W heilen' und
natur der Eorm wefentlich leiden mufs. Und das wird bart's zu C A aJg anzufclüüT« «ekenntnifs Dörnach
bei Commodians Inftructionen der Fall fein. Dafs ( loco goetae senteJia fS^^!^!^ * *«
aber der ,Dichter' verftandheh fchreiben konnte, zeigt Eine neue Ver^leichun? 1 /

uns das Carmen Apologeticnm (man vgl. auch einige text- agologcticnm war dringend notlnvenö; r u dCS 9lr"n ,t
249 5 "inwendig, Ichon weil Pitra,

250

-------o----&—'»......•-" "

können. Sehr gute Verbefferungen find ihm gelungen zu

I 39, 5 p/enae für glcna; I 39, 6 simnlatis alianc Christo
credatis (vgl. pg. XXII): I 41, 4 legem legendo; II 8, 13
snbvenirc tibi; II 13, 9; II 16, 5 (Hanifen ; II 17, 14
liccntiae vestrae; IL 18, 18; II 22, 10 sinceri per oreclum;

II 26, 4. 5, um nur einige zu nennen. In manchen
Fällen fcheint mir die Lesart der Codices, zumal wo diefe
übereinftimmen, bezw. frühere Gonjecturen, ohne Noth ver-
laffen; fo ift 16, 17 Ganymedis; I 28, 12 gost facta (vgl.
C. ApoL, 88 M.); II 1, 45 ante///; II 6, 1 de odio tollant;
II 18, 16 pndica; II 24, 10 ingratis; II 28, 5 quae; II 35,
17 Altissimum (vgl. II 8, 3. 24, 4) gewifs zu halten.
Sollte nicht I 24, 18 quid lür qui und II 18, 22 imgudicis

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