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Ausgabe:

1888

Spalte:

192

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seyfahrt, Heinr.

Titel/Untertitel:

Louis de la Forge und seine Stellung im Occasionalismus 1888

Rezensent:

Müller, Ferd. Aug.

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192

geber gefunden haben. Der Bedeutendfte der modernen
Ajioriten aber ift Nikodimos von Naxos, der allein eine
umfangreiche Literatur hinterlaffen, die bei den Griechen
faft kanonifches Anfehen erhalten und für die Kenntnifs
des religiöfen Lebens in der griech. Kirche unentbehrlich
ift. Hoffentlich hat der Verf. den durch fprachun-
kundige Reifende immer wieder genährten Wahn von
der Ignoranz der Athosmönche durch diefes Verzeich-
nifs der berühmten Bergheiligen gründlich zerftört.

S. 241 beginnt der Verf. mit der Herausgabe von
theilweife fehr wichtigen Urkunden. Er fchickt diefen
voran eine naglodog in Verfen, die er dem Proskynitarion
des h. Berges von Komninos entnommen. Bei Ver-
gleichung des Textes mit dem des Proskyn. von 1745
fand ich folgende fehlerhafte Abweichungen: S. 242, 29
llavzov.qäxioq, mufs heifsen: Ilavzoy.gcizog'. Zeile 56, tyei
m. h. tyeig. Zeile 57, 'LAwu m. h. "Jkvvav. Auch dürfte
die Verbefferung des älteren KovzXovfiovoi in KovzXov-
iinZai S. 241, Z. 22 nicht berechtigt fein. Der Periodos
folgt das Typikon des hl. Athanafios nach Cod. Iber.
Nr. 754. Ich habe den Codex nachverglichen und bemerke
folgende Lefefehler: S. 246, 23 m. h. yaiievviaig
für: yaviiariaig; 251, 17 m. h. rcollot für nolXovg. 252,
24 nach toi' fügt Cod. hinzu y]iLäzagov; 253, 8 u. 9 m. h.
saziv für ijv. 258, 32 Savoy.ovgog für sSioy.ovgog. 259, 33
iirza dt für fMjde. 260, 27 m. h. zovzo für zovzw. 261,
26 m. h. sSij für a£taziv. 265, 4 fchreibt Verf. ,naqniavoi]
{sie)', während Cod. richtig 7iegi7zta>j lieft. 266, 21 mufs av
fehlen, 269, 24 m. h. Üeiaig Xaizovgyiaig für dscag Xaiznvg-
yieeg. Um einen ficheren Text zu erhalten, habe ieh den
Cod. Iber, mit der officiellen Abfchrift des Typikon in
der Lawra nachverglichen. Diefes Typikon hat nämlich
fundamentale Bedeutung nicht allein für die Lawra, fondern
für die Verfaffung aller Klöfter. Es folgen beim
Verf. zwei Schriften, die dem Patr. Nikolaos Grammati-
kos beigelegt werden. Die erfte, bereits von Angelo
Mai herausgegeben, enthält ein askitifches Typikon, die
andere Patriarchalentfcheidungen auf meift kirchenrechtliche
Fragen. Namentlich bei der letzteren fcheint mir
nichts gegen eine frühe Abfaflung zu fprechen, denn die
den Patr. Fragenden waren noch unficher über den Gebrauch
der Kanones des Ioannis Niftevtis und die Gültigkeit
der Apoft. Conftitutionen, über die doch fchon
das Trullanum von 692 entfehieden (S. 294 und 295).
Diefen Urkunden folgen echte Ajionorosmythen, von
der Ankunft der Panajia auf dem h. Berge und dgl., die
in unzähligen Handfchriften auf dem h. Berge verbreitet
find. Auch die Erzählungen des Theodoritos (um 1800)
find wohl nicht ganz ernft zu nehmen (308 f., vergl.
S. 75). Ich fah in Esfigmenu eine umfangreiche Schrift
deffelben Mannes über diefes Klofter, die den Druck beffer
verdient hätte. Den Schlufs machen hier ein Verzeich-
nifs der Proti des hl. Berges von 911—1582, das leider
noch viele Lücken hat, und eines der Epiti opi der Klöfter
in Conftant., das 1806 beginnt. Die abfchliefsenden Bemerkungen
über die äyygacpa, Xeiipava und ßißlioir-ryKCti
werden namentlich Kunfthiftoriker intereffiren.

Ich bemerke noch, dafs das Werk einen feparat er-
fchienenen Anhang haben foll, der aber fofort in der
Türkei verboten und dem Ref. trotz aller Mühe noch
nicht in die Hände gekommen ift. Vermuthlich hat der
Verf. hier über die ,Agarener' deutlicher gefprochen, als
diefen gefiel. Möge das Buch dazu beitragen, das Inter-
effe für die griechische Kirche im Orient bei uns zu vermehren
, denn in ihr lernen wir einen Katholicismus
kennen, der uns nicht feind ift wie der von Rom und
St. Petersburg.

Smyrna. Philipp Meyer.

j Seyfarth, Dr. Heinr., Louis de la Forge und seine Stellung
im Occasionalismus. Ein Beitrag zur Gefchichte der
Philofophie. Gotha, Behrend, 1887. (59 S. gr. 8.) M. l-6°-

Der Verf. vorliegender Monographie ift der Anficht,
dafs den Hauptvertretern des Occafionalismus: Geulinx
und Malebranche in der Darfteilung der philofophifchen
Zufammenhänge eine relativ gerechte Beurtheilung geworden
fei (durch Pfleiderer, Eucken, Zeller), dafs dagegen
die Leiftungen des eigentlichen Begründers der
occafionaliftifchen Lehre des Louis de la Forge, noch nicht
hinlänglich gewürdigt werden. Er macht den Vernich,
diefes Verfäumnifs nachzuholen. Auf einige einleitende
Betrachtungen (hier ift bemerkenswerth, dafs Verf. das
Hauptwerk des De la Forge, den Traite de besprit hu-
j main, in das Jahr 1665, nicht 1661, wie bisher ange-
! nommen, fetzt) folgt zunächft eine Darftellung der occafionaliftifchen
Theorie des Geulinx, worauf im III. Cap.
; die Lehre unferes Philofophen mit befonderer Berück-
j fichtigung feiner occafionaliftifchen Annahmen vorgeführt
I wird. Nur feiten erhebt fich die Darfteilung über das
Niveau eines blofscn Referats und auch diefes fcheint
an Ungenauigkeit zu leiden. Wenigftens glaube ich nicht,
! dafs ein auffallender Widerfpruch, der fich in diefem Cap.
findet, auf Rechnung des Occafionaliften zu fetzen ift.
S. 34 berichtet der Verf., dafs nach De la Forge ein
Ding mit einem andern nur durch die relativen Attribute
{actio und passio,, nicht durch die abfoluten,
wefentlichen (Ausdehnung, Figürlichkeit und Beweglichkeit
) eine Vereinigung eingehen können. Eine Seite
fpäter aber werden Activität und Paffivität zu den wefentlichen
, fubftantiellen Attributen gerechnet. Die unter
den Cartefianern herrfchende Anficht ift jedenfalls die
erftere und die andere Wendung dürfte auf einen Irrthum
, des Verf.'s zurückzuführen fein.

Die .Schlufsbetrachtungen' bringen als Ergebnifs:
t Geulinx und De la Forge ftimmen gänzlich darin überein,
dafs fie ihre Theorie auf das Fundament des Cartefia-
nifchen Dualismus nützen, Körper und Geift find zwei
! durchaus verfchiedene Subftanzen. Im Menfchen find
i beide Subftanzen vereinigt, der Urheber diefer Vereinigung
kann kein Anderer fein, als Gott, denn er ift der
Schöpfer und Flrhalter alles Exiftirenden. Dagegen gehen
die beiden Occafionaliften auseinander bei Beantwortung
der Frage: wie find die fichtbaren Folgen jener körper-
lich-geiftigen Vereinigung, wie find Denken, Bewegung
und Handeln zu erklären. Die Antwort De la Forge's
lautet: Die einmal von Gott gefchaffenen Dinge wirken
j aus immanenter Kraft, die des Geulinx: Gott wirkt in
' feinen Creaturen. De la Forge giebt alfo den Dingen
I eine gröfsere Selbftändigkeit, Geulinx aber ift der confe-
quentere Occafionalift. Einen Vorzug feines Philofophen
glaubt Verf. darin zu erblicken, dafs De le F"orge, be-
ftimmter als Geulinx, das pfycho-phyfifche Problem nicht
anthropologifch behandelt, fondern es als fpeciellen Fall
I des allgemein kosmologifchen, vom Aufeinanderwirken
der Körper gefafst hat.

Giefsen. Ferd. Aug. Müller.

Zur Geschichte der älteren Exegese.
Brambach, Wilh., Gottfried Wilhelm Leibniz Verfasser der
Histoire de Bileam. Mit vollftändigem Abdruck der
Histoire de Bileam in der von Leibniz gebilligten Form.
Leipzig, Barth, 1887. (38 S. gr. 8.) M. 1.80.
Erfter Artikel.

Die genannte Schrift bildet ein Heft von nur 38 Seiten
j — ünd ift eine Erfcheinung von erheblicher literarifcher
Bedeutung. Der Verf. führt darin den bündigen Beweis,
dafs die im Titel genannte, franzöfifch gefchriebene Abhandlung
, welche fich in einem anonymen kleinen Sammelwerke
(Renards de Samson pp. Helmftedt 1707) ohne alle