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Ausgabe:

1887 Nr. 20

Spalte:

623-624

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lias, J. J.

Titel/Untertitel:

The first epistle of St. John. With exposition and homiletical treatment 1887

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Seite 1

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623 Theologifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 20. 624

vollften Urtheile feiner Zeit über diefen Gegenftand darfteilte
. Spätere ,Weife' fügten noch Ergänzungen hinzu,
ohne diefelben wirklich in das fchon Vorhandene einzuarbeiten
. So ift Cap. 28, fo find die Reden des Elihu,
ferner Cap. 38—40, 14. 42, I—6, dann 40, 15—24 und 41
und zuletzt der Epilog hinzugefügt worden. Daher
,when tht disturbing Clements are removed, wc see tliat
the book is siniply an expression of the conflicting thoughts
of an earnest, warm-hearted man on the great question of
suffering. He protests, it is trnc, against the rigour and
uncharitableness of the traditional orthodox belief, but is
far more aspiring to solve theproblem theoretically' (S. JOj.
Gewifs wird diefe Auffaffung viele befremden, die die
Einheitlichkeit eines Kunftwerkes in dem Buche erblicken
möchten. Aber es läfst fich nicht in Abrede ftellen,
dafs nach den Grundfätzen, die fonft für die literar-
kritifchen Unterfuchungen mafsgebend find, die Gründe
Ch.'s wohl Beachtung verdienen. Seine Entfcheidungen
find wohl geeignet, das Verftändnifs des Buches zu
fördern: die Gefpräche enthalten einige Hinweife auf
die typifche Bedeutung des Hiob (Hoekstra und Seinecke),
der Prolog dagegen gar nicht, während der Epilog ein
erträgliches Verftändnifs nur gewinnt durch die Annahme,
dafs Hiob hier das leidende, gläubige und verherrlichte
Ifrael darfteilt (S. 67. 58 f.). Die meiften Bedenken
hege ich noch gegen die von Ch. vorgetragene Auffaffung
von Hiob Cap. 28. Doch ift eine weitere Be-
fprechung derfelben hier nicht möglich. Die deutfehen
Fachgenoffen werden es gewifs an der Prüfung und Benutzung
eines Buches nicht fehlen laffen, das fich fo
eingehend und umfichtig mit ihren eigenen Forfchungen
auseinanderfetzt. Ch. zeigt fich auch hier wieder als
einen guten Kenner unferer theologifchen Literatur. Er
hat mit grofsem Fleifs gefammelt, forgfältig verglichen
und erwogen und durch eigene neue Beobachtungen das
Gefammtbild der ifraelitifchen Weisheit vervollftändigt.
Er hat eine Bewegung des ifraelitifchen Geiftes, von der
man zunächft nur einige erftarrtc Gebilde wahrzunehmen
pflegt, in ihrem häufle zu zeichnen verflicht und dadurch
die Theilnahme der Forfchung für ein nicht feiten ver-
nachläffigtes Gebiet des alten Teftaments aufs neue angeregt
. Ein Anhang fügt dem fchön ausgeftatteten Buche
noch einige Erweiterungen hauptfächlich für Einzelfragen
hinzu.

Leipzig. H. Gut he.

Lias, Rev. J.J., M. A , The first epistle of St. John. With
exposition and homiletical treatment. London, James
Nisbet & Co., 1887. (VIII, 424 S. 8.) 7s. 6d.

Diefer weitläufige, äufserlich prächtig ausgeftattete
Commentar ift nicht in der Abficht gefchrieben und gedruckt
, die wiffenfehaftlichen Verhandlungen felbftändig
zu fördern oder zu vertiefen. Der Verfaffer, der mit
Recht der Anficht ift, dafs in den gelehrten, zumal den
deutfehen Commentaren fich manches Material findet,
mit dem der durch Arbeit überhäufte Paftor wenig anzufangen
weifs, will das, was er für den wefentlichen
Inhalt diefer Commentare hält, gemeinverftändlich wiedergeben
. Der Zweck ift alfo ein vorwiegend praktifcher.
Dennoch ift die Auslegung nicht etwa im erbaulichen
Ton gehalten, fondern trägt wiffenfehaftliches Gewand.
In Deutfchland wird das Buch fchwerlich Lefer finden;
in feinem Vaterlandc mag es den Nutzen ftiften, den ein
ähnlich angelegtes Werk in deutfeher Sprache auch un-
feren Paftoren bringen würde. Freilich müfste ein folches
viel kürzer und knapper gehalten fein: wenn der Verfaffer
feine Wiederholungen mit dem Hinweis darauf zu
entfchuldigen fucht, dafs der Commentar urfprünglich
in einer Zeitfchrift erfchien, wobei fich die Veröffentlichung
durch nahezu 6 Jahr (!) hindurchzog, fo ift das docli kein
triftiger Grund, den Text nicht gründlicli zu revidiren,

wenn man die Arbeit in Buchform erfcheinen läfst.
Einem deutfehen Commentar dürfte auch nicht die
deutfehe Ucbcrfetzung zu Grunde gelegt werden und
wäre es die revidirtefte, wie es hier mit der englifchen
gefchieht, die doch Niemand für muftergültig halten
wird. Nachahmenswcrth für folche, nicht rein wiffenfehaft-
lichc Commentare ift dagegen die Einführung von fortlaufenden
Predigtdispofitionen über die einzelnen Ab-
fchnitte des Briefes unter dem Texte.

Giefsen. Guftav Krüger.

Springer, Ant., Bilder aus der neueren Kunstgeschichte.

2. verm. u. verb. Aufl. mit Hluftrationen. 2 Bde.
Bonn, Marcus, 1886. (VII, 402 u. V, 409 S. gr. 8.)
M. 12. —

Es bedarf nicht erft der Entfchuldigung, wenn ein
Werk Anton Springer's, und trage es auch einen rein
kunftgefchichtlichen Titel, wie das vorliegende, in der
Theologifchen Literaturzeitung zur Anzeige gebracht
wird. Ift doch auch diefen Blättern des Verfaffcrs Name
nicht fremd geblieben, feine grofse allgemeine Bedeutung
bereitwillig anerkannt worden. Fall ein noch
gröfseres, vielfeitigercs Intereffe als die bisher in diefem
Blatte befprochenen Arbeiten, die Pfaltcrilluftrationen
im frühen Mittelalter und das abfchliefsende Werk
über die beiden gröfsten Meifter der Rcnaiffancckunft,
beanfpruchen die jetzt in zweiter Auflage erfchienenen
Bilder aus der neueren Kunftgefchichte. Gegen die
erfte Ausgabe ftark verändert, beinahe um die Hälfte
vermehrt, geben fie jetzt einen Gefammtübcrblick über
die Kunftentwickelung, ftellen die Hauptperioden durch
monographifche Behandlung in fcharfes Licht und be-
fehreiben die charakteriftifchen Eigenheiten in klarer
und umfaffender Weife. Sie befaffen fich mit der neueren
Kunft von den Wurzeln an bis zu ihrem gegenwärtigen
Stande, den Ausfichten für die Zukunft. Dem .Nachleben
der Antike im Mittelalter' ift das erfte Bild gewidmet
, mit der Betrachtung der ,Wege und Ziele der
gegenwärtigen Kunft' und einem die Principicn der
Kunftgefchichte erörternden, mit den Gegnern ihrer
wiffenfehaftlichen .Behandlung und ihren übelwollenden
Freunden abrechnenden Nachworte ,Kunftkenner und
Kunfthiftoriker' fchliefst das Werk. Was in diefem das
theoretifche Rcfume bietenden Schlufskapitel energifch
betont wird, die ftreng hiftorifche Methode gegenüber
dem fubjektiven, in unfern Tagen oft fo feichten Acfthe-
tifiren, gegenüber den mikrologifchen Arbeiten die
grofsen kulturgefchichtlichen Autgaben der Kunftgefchichte
, ift in den vorausgehenden Abhandlungen auf
das entfehiedenfte eingehalten, auf das glänzenclfte bewährt
. So gefafst behauptet die Kunftgefchichte, fo
angefafst behaupten die kunftgefchichtlichen Arbeiten
hohen, unvergänglichen, allgemeinen Werth. Und der
Verf. gibt uns glänzende kulturgefchichtliche Bilder,
mit ihnen eine Fülle der werthvollftcn hiftorifchen
Winke, der feinften pfychologifchen Analyfen. Die
Studie über Dürer's Entwickelungsgang ift das bedeu-
tendfte, was neuerdings über unfern gröfsten Maler
gefchrieben worden iit. Wie glücklich find feine
Charakterzüge erfafst, fein Werden und Wachfen entwickelt
, des deutfehen Mannes, den jeder gebildete
Deutfehe fo genau kennen follte, wie feinen Goethe!
Wie fein find die grofsen Paflionswerke charakterifirt,
die am beften die tiefreligiöfe Gefinnung wie den un-
erfchöpflichen Gedankenreichthum des Meifters erkennen
laffen, die kleine Holzfchnittpaffion, die epifch erzählt,
die grofse Holzfchnittpaffion mit ihrer dramatifchen
Wucht, und das elegifch lyrifche Kupferftichwerk, das
entfprechend dem feineren Materiale die feineren Zig«,
die zarteren Empfindungen zum Ausdrucke bringt. Und
dem gegenüber das Bild des grofsen Holländers,
Rcmbrandts, der mit feinen Genoffen ,fo rafch und