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Ausgabe:

1887

Spalte:

537

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lipsius, R. A. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Theologischer Jahresbericht. 6. Bd., 1886 1887

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefeen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

Tvp. 23. 19. November 1887. 12. Jahrgang.

Theologifcher Jahresbericht, hrsg. von Lipfius

(A. Harnack).
Wiekes, A treatise on the accentuation of the

21 so-called prose books of the Old Test.

Brambach, Pfalterium. liibliographifcher Ver-

fuch (Ranke).
Scherer, Handbuch des Kirchenrechts I. Bd.
2. Hälfte (Köhler).

(Kautzfeh). Thomafius, Chrifti Perfon und Werk. 3. Auf!

La Savoureux, Kindes historiques et exeg£-

tiques sur l'Ancien Testament (Horfl).
Zimmer, Römerbrief (Gräfe).

bearb. von Winter (Herrmann).
Theologifche Arbeiten aus dem rheinifchen
wiffenfchaftlichen Predigerverein. 7. Bd. (Fay).

Salter, Die Religion der Moral (Sachfse).

Gerok, Illufionen und Ideale (Derf.).

Wandel, Geiftliche Reden (Derf.).

Erles, Unfterblichkeitsglaube (Derf.l.

Neuenhaus, Das Wort Gottes und die Gemeinden
(Derf.).

Ilegel's Werke, 19. Bd. Briefe, hrsg von Karl
Hegel (F. A. Müller).

Jahresbericht theologischer. Unter Mitwirkung von Ben- in hebr. Handfchriften und Drucken angewiefen. Welcher
rath Böhringen Dreyer etc. hrsg. von R. A. Lipfius. Unzahl von Irrt^mern,die erfteren, die Grammatiker, faft

6. Bd., enthaltend die Literatur des Jahres 1886.

durchweg verfallen find, wie frühe überhaupt die volle
Beherrfchung der Accentuations-Regeln auch in jüdifchen

Leipzig, Reichardt, 1887. (X, 528 S. gr. 8.) M. 10. — Kreifen abhanden gekommen und mannigfaltiger Will-
Diefer fechste Jahrgang des Theologifchen Jahres- i kür gewichen ift, dafür bietet das vorliegende Buch über-
berichts, an welchem fünfzehn Gelehrte betheiligt find, aus zahlreiche Belege. Selbft einem D. Qimchi und
fteht den früheren Bänden in keiner Hinficht nach. In , Jedidja Norzi wird von Wiekes in Fragen der Accentuation
diefer Zeitung ift bereits mehrere Male auf das treffliche nur eine fehr bedingte Auctorität eingeräumt. Noch weniger
Unternehmen und die forgfältige Ausführung und Leitung konnte natürlich der Verfuch Neuerer gelingen, aus den
desfelbcn hingewiefen worden. Daher darf auf eine Be- (bef. feit van der Hooght's Ausgabe) fchrecklich verwahr-
(prechung verzichtet werden, um fo mehr da die Mitar- loften gedruckten Texten eine Accentlehre zu abftrahiren,
beiter diefelben geblieben find. — Mit Prof. Lüde mann die auch nur in allen Hauptpunkten der urfprünglichen
mich über dogmengefchichtlichc Fragen und die Beur- Abficht der Accentuatoren gerecht würde. Durch die
theilung meines Lehrbuches auseinanderzufetzen, ift mir [ kritifchen Ausgaben S. Baer's ift hier allerdings aufser-
unmöglich, da er noch immer fortfährt, feinem Unbehagen 1 ordentlich viel gebeffert worden. Aber auch die beft-
und Unwillen über meine Arbeiten durch Verdächti- überlieferten Texte würden doch nicht hinreichen, alle
gungen meiner Perfon Ausdruck zu geben. Man mufs Seltfamkeiten der Accentuation zu erklären, wenn nicht
wirklich eine unverwüftliche Freude an der Arbeit haben, die Kenntnifs der zu Grunde liegenden Theorien, wie
um nicht zu verzagen. Die Theologie ift die undank- fie gelegentlich in maforetifchen Anmerkungen und frag-
barfte Wiffenfchaft. Wenn Einer Etwas von Belang ge- mentarifch auch in befonderen Schriften überliefert find,
arbeitet hat, .kann er ficher fein, dafs fich auf ihn ein zu Hülfe käme. Mit der Einarbeitung in das gefammte
Strom von Übelwollen und Verleumdung ergiefst. Was bezügliche Material und feine Spitzfindigkeiten hat Wiekes
aber fpeciell Prof. Lüdemann betrifft, fo hoffe ich, dafs abermals eine Opferwilligkeit an den Tag gelegt, die
feine bedauernswerthe Stimmung vorübergehen wird, : fchwerlich viele Nachahmer finden wird; abermals mufs
wenn er fich einmal cntfchliefst, uns die Früchte feiner ihm dabei auch das nachgerühmt werden, dafs er feine
eigenen kirchenhiftorifchen Studien mitzutheilen und fo Ergebnifse in klarer und überfichtlicher Form vorgelegt
das Jabile Gebilde' zu widerlegen — wie er meine Dog- und fo eine faft mühelofe Verwerthung derfelben ermög-
mengefchichte bezeichnen zu müffen glaubt. Ich kann licht hat.

ihm verfichern, dafs felbft die befcheidene Arbeit, die es In den Vorbemerkungen giebt W. zunächft über die
nur zu dabilen Gebilden' bringt, einen guten fröhlichen von ihm collationirten Bibelhandfchriften Auskunft.
Muth giebt. Von befonderem Intereffe ift hier der Nachweis, dafs
Marburg A. Harnack. der berühmte Codex in der Synagoge zu Aleppo, deffen
__y____ Punktation laut einem Epigraph von Aharon ben Afcher

Wiekes, William, D. D., A treatise on the accentuation of

the 21 SO-calIed prose books of the Old Testament. With Proben von dem Schriftcharakter (das auf dem Vorblatt

felbft herrühren foll, höchft wahrfcheinlich viel jünger
ift. W. verfchaffte fich durch J. Lob in Paris ausreichende

an faesimile of a page of the codex assigned to Ben-
Asher in Aleppo. Oxford, at the Clarendon Press,
1887. (XV, 155 S. gr. 8.) Cloth.
Wie durch fein Werkchen über die Accentuation der

mitgetheilte Facfimile umfafst 1 M. 26, 34—27, 30 in
drei Columnen, von 23 Cm. des Originals auf 8'f» redu-
cirt), wie von den Lesarten des Codex. Der erftere
weift nach W. auf eine fpätere Zeit, als die Aharon Ben
Afcher's; für eine folchc fpreche auch das künftliche

drei fogen. poetifchen Bücher (Oxford 1881; vergl. in Arrangement der Mafora in je zwei Zeilen unter und
diefer Litcraturzcitung Jahrg. 1882, Nr. 15), hat fich der j über den Textcolumnen. Die Lesarten aber weichen

Verfaffer auch durch das vorliegende Buch ein nicht
geringes Verdienft um die altteftamentliche Wiffenfchaft
erworben. Während für das Verftändnifs der fogen.
poetifchen Accente längft durch S. Baer ein guter Grund
gelegt war, blieb man für die Profa-Accentuation entmehrfach
direct von den auf Ben Afcher zurückgeführten
Vorfchriften ab und ftimmen vielmehr mit den Lesarten
Ben Naphtali's. Somit fei das Epigraph eine (wahrfcheinlich
karaitifche) Fälfchung, durch die man den Werth
des Codex zu fteigern fuchte. Bei diefer Gelegenheit

weder auf die fecundären (z. Th. höchft fubjectiven) Dar- erklärt W., dafs er auch den Petersburger Codex B 19a
(tellungen moderner Grammatiker oder auf die fchwer I (laut Epigraph von 1009; vergl. Harkavy's und Strack's
zugängliche und fehsver auszubeutende Ueberlieferung j Katalog S. 265 ff.), fowie den Cambridger Codex 12

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