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Ausgabe:

1887 Nr. 15

Spalte:

355-356

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Leben des heiligen David von Thessalonike, griechisch nach der einzigen bisher aufgefundenen Hanschrift von Valentin Rose 1887

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 15.

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gewefen; man kann den Einflufs der ,Confeffionen' auf
die Bildung der Literatur der Renaiffance nicht hoch
genug fchätzen. Doch ausdrücklich erinnert der Verf.
daran, dafs er nur ,zur Würdigung Auguftin's' habe
fchreiben wollen.

Mögen diefe ausgezeichneten ,Studien' fleifsig gelefen
werden; fie find unflreitig das Zuverläfügfte, was bisher
überAuguflin gefchrieben ifl—f. befonders den Abfchnitt:
Kirche und Reich Gottes —, und fie rauben dem grofsen
Mann, indem fie ihn in der Verflechtung mit feiner Zeit
und mit der Vergangenheit vorftellen, nichts von feiner
Gröfse. Mögen lieh Gelehrte finden, welche fleh diefe
Studien zum Mufter nehmen und mit derfelben Umficht i
und Sorgfalt die vielen anderen Fragen erörtern, welche I
noch zu erledigen find, bevor eine Biographie Auguftin's
gefchrieben werden kann.

Marburg. A. Harnack.

Leben des heiligen David von Thessalonike, griechifch nach
der einzigen bisher aufgefundenen Handfchrift von
Valentin Rofe. Berlin, Afher & Co., 1887. (XVI,
22 S. gr. 8.) M. 1.—

Diefe Publication erfüllt einen Wunfeh, den Papebroch
(acta sanetorum jtun. V 177/178), nach Zufammen-
ftellung deffen, was ihm über das Leben des heiligen
David von Theffalonich zu Gebote ftand, geäufsert hat:
nec aliud quod dicamus de actis illius superest, deficiente
vita, quae si (ut verisimile) scripta olim fuit, optandum
est, ut alieubi seruata aliquando in lucem veniat. Der
Cod. Berol. graec. fol. 5j perg. XII saec. (im Jahre 1882
aus der Sunderland or Blenheim Library für die Kön.
Bibl. zu Berlin erworben) enthält aufser Predigten des
Ephraem Syrus, einem mit Zahn's Ree. B. (acta Ioannis
p. XXIII ff. 167 ff.) identifchen Texte der nenioöoi 'Jmdv-
vov des Prochorus und einer vita S. Ioannis lileemosy-
narii von Leontius, Bifchof von Neapolis auf Cypern
aus dem 7. Jahrhundert (bisher griechifch noch nicht
gedruckt) die vermifste vita des heiligen David. Die
letztere bringt Rofe zum Abdruck: das Leben des Heiligen
, faft wie eine Predigt, erzählt von einem Unbekannten
, nach mündlicher Ueberlieferung, die ihm aus
dem Davidklofter in Theffalonich zugekommen ift, etwa
in den Jahren 707—715. Was wir bisher von David
wufsten, befchränkte fleh auf das, was im Pratum des
Joannes Mofchus (Rofe p. 15, 16; act. sanet. a. a. C1.), im
Menologium des Kaifers Bafilius (saec. X. Rofe p. 16)
und in einem Elogium auf den Heiligen, welches Papebroch
dem Bifchof Jofeph von Theffalonich (ca. 840,
acta sanet. p. 176) zufchreibt, mitgetheilt ifi. Schon der
Bollandift hatte daraus gefchloffen, dafs David unter
Juftin I. oder Juftinian geftorben fein müfle und dafs
eine Angabe des Elogiums, nach der er, vor dem Kaifer j
flehend, glühende Kohlen in der Hand hielt, ohne
fich zu verbrennen, auf eine Audienz vor einem diefer
Fürften hinweife (utinam ille imperator norninaretur,
ruft er klagend). Mit Heranziehung der vita läfst fich i
nun das Leben des Heiligen mit grofser Wahrfchein- j
lichkeit auf die Jahre 450—535 berechnen. Die Reife
nach Conftantinopel, die er im höchften Greifenalter 1
unternahm und auf der er, faft zurückgekehrt, angefichts j
des Hafens von Theffalonich, wie er felbfl vorausgefagt
hatte, ftarb, ift nach der vita unter Juftinian gefchehen.
David foll als Gefandter des Bifchofs Ariftides von Thef- 1
falonich den Kaifer um Verlegung des Sitzes der Prä-
fectur von Illyricum von dem durch die Avaren (!) be- I
drängten Sirmium nach Theffalonich erfuchen. Die ftark j
ausgefchmückte, legendenhafte Befchreibung diefer Reife I
bildet den Höhepunkt der vita: was daran wahr ift, läfst
fich um fo weniger fagen, als fchon der Anlafs vom
Schreiber falfch angegeben ift. Es handelte fich zu jener
Zeit, wie wir aus zuverläffiger Quelle wiffen, vielmehr um
Rückverlegung der Präfectur von Theffalonich nach dem

Norden. Auch erfcheinen die Avaren ftatt der Slaven
als diejenigen, welche Sirmium bedrängen. Die Befchreibung
der Audienz des Heiligen beim Kaifer und ihres
glänzenden Erfolges beruht natürlich auf fich.

Der kirchen- und culturgefchichtliche Ertrag der vita
ift äufserft gering. Sehen wir von dem erwähnten Factum
ab, fo lafferi fich derfelben nur einige geographifche
Notizen und die Thatfache entnehmen, dafs dem Bifchof
Dorotheus von Theffalonich der Presbyter Ariftides that-
fächlich gefolgt ift, gegen deffen Erhebung Hormisdas
von Rom (vgl. Manfi VIII 477) energifch proteftirt hatte,
fowie, dafs um 690 Sergius Bifchof von Theffalonich war.
Sonft enthält diefe Predigt über den fonderbaren Heiligen
, der feine fromme Gerinnung u. A. dadurch bekundete
, dafs er drei Jahre auf einem Mandelbaum zubrachte
, und den Froft und Hitze nur in der Richtung
beeinfluffen konnten, dafs fein Antlitz rofig erfchien und
leuchtende Strahlen entfendete, nur den bekannten Apparat
von Heilungen, Wunderthaten und überfchwäng-
lichen Lobpreifungen.

Rofe hat die Ausgabe mit einer Umficht beforgt,
die zu dem Werth deffen, was uns die vita bietet, im
umgekehrten Verhältnifs fleht. Aufser einer forgfältigen
Einleitung find dem Text noch ein fehr ausführliches
Regifter und eine Ueberficht über einige Befonderheiten
der Handfchrift und Eigenthümlichkeiten des Stiles des
Verfaffers der vita hinzugefügt.

Giefsen. Guftav Krüger.

Langenbeck, Dr. Wilh., Geschichte der Reformation des
Stiftes Halberstadt. Göttingen, Vandenhoeck & Ru-
precht's Verl., 1886. (VII, 129 S. gr. 8.) M. 2.60.

Der Verf. der vorliegenden fleifsigen Monographie,
ein Schüler Stieve's, hatte, wie er felbft angiebt, urfprüng-
lich nur die Abficht, die Einführung der Reformation
durch Herzog Heinrich Julius im Jahre 159t darzuftellen.
Erft bei der Arbeit felbft überzeugte er fich, dafs die Vor-
gefchichte oder die Anfänge reformatorifcher Strebungen
und Bildungen nicht blofs in Form einer Einleitung zu
erledigen feien und entlchlofs fich deshalb, den Verfluch
zu machen, eine zufammenhängende Reformationsge-
fchichte des Stiftes Halberftadt zu geben. Man wird es
ihm ficher Dank wiffen müffen, dafs er angefichts der
fehr mangelhaften bisherigen Bearbeitung der Anfänge
der Reformation in Halberftadt auch diefe in den Bereich
feiner Darfteilung gezogen hat, und L. hat dazu
nicht nur das verhältnifsmäfsig reichhaltige gedruckte
Material, fondern auch ungedrucktes benutzen dürfen,
gleichwohl bedauere ich fagen zu müffen, dafs, auch
wenn man den ganzen erften Abfchnitt nur als eine
gröfsere Einleitung zum zweiten anfleht, derfelbe etwas
dürftig ausgefallen ift. Was man vor Allem vermifst,
ift ein kurzer Ueberblick über die Kirchen und namentlich
über die Klöfter der Stadt Halberftadt, der um fo
wünfehenswerther wäre, als, wie begreiflich, in der Folge
fo oft von ihnen geredet wird, ohne dafs man erführe,
welchen Orden fie angehört. Der allgemeine Verweis auf
die kurze Einleitung zu Nebe's Kirchenvifitationen kann
dafür nicht entfehädigen. Wäre der Verf. darauf eingegangen
, fo hätte es ihm nicht paffiren können, Widen-
fehe und Winnenftedde für Auguftinermönche, d. h., indem
er unter Hinweis auf Ranke II, 48 f. an Luther's
Ordensgenoffen denkt, für Auguftinerercmiten zu halten.
Trotz meiner Gefchichte der deutfehen Auguftinercongre-
gation fcheint die Verwechfelung zwifchen Auguftiner-
chorherren und Auguftinereremiten fortbeftehen zu follen.
Bedauerlicher Weife hat fich L. bei der Darfteilung der
Schickfale Widenfehe's faft ausfchliefslich auf Hamelmann
verlaffen, ohne diefen, wie gerade da fehr nöthig, aus anderen
Quellen, zumal der Darfteilung Widenfehe's felbft
zu berichtigen, wozu F. Hülfse, die Einführung der Re-