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Ausgabe:

1887 Nr. 1

Spalte:

4-6

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zündel, Friedr.

Titel/Untertitel:

Aus der Apostelzeit 1887

Rezensent:

Thoenes, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1S87. Nr. 1.

lieber Erkenntnifs dennoch Menfchen feien, und in zwei
Schlufsabhandlungen wird dann noch befonders dargelegt
, dafs der Naturmenfch weder für eine urzeitliche
Religionslofigkeit, noch auch für eine urzeitliche Gemein-
fchaftsehe Zeugnifs erbringe.

Gewifs wird es an folchen nicht fehlen, welche gegen
die Schneider'fchen Ausführungen Widerfpruch erheben
werden. Auch der Unterzeichnete kann den verfuchten
Nachweis nicht in allen Einzelheiten für gelungen halten,
wie ihm z. B. die Ableitung des Kannibalismus allein aus
wildem Opfertriebe zweifelhaft erfchienen ift. Allein auf
Einzelheiten kommt es auch weniger an; in der Hauptfache
verfährt der Verfaffer fo nüchtern und gründlich,
dafs man feine Darlegungen auch bei den Urgefchichts-
forfchern darwiniftifcher Richtung nicht wohl wird über-
fehen können. Insbefondere ift es auch noch verdienft-
lich, dafs er die Mifshandlungen, welche die Naturvölker
von den civilifirten erfahren haben, in dem Lichte darfteilt
, das ihnen gebührt.

Lennep. Lic. Dr. Thon es.

Stellhorn, Prof. F. W., Kurzgefasstes Wörterbuch zum
griechischen Neuen Testament. Leipzig, Dorff fing &
Franke, 1886. (VI, 153 S. gr. 8.) M. 3. —

Mit fachgemäfser Befcheidenheit erklärt der Verf.
(S. III), er wolle nicht Grimm, Cremer und Trench er-
fetzen, fondern nur für Reifen und Conferenzen oder
auch für curforifche Leetüre ein handliches Wörterbuch
bieten. Da aber doch Mancher fich durch den billigen
Preis verlocken laffen könnte, diefes dem Grimmschen
vorzuziehen (Cremer's biblifch-theologifches und Trench's
fynonymifcb.es Werk kommen nicht direct in Frage), fo
wollen wir hier auf's Nachdrücklichfte erklären, dafs dies
ein grofser Fehler wäre. Möchte alles geleiftet fein, was

auf 153 Seiten geleiftet werden kann — ein fo dürftiger j im weiteren Sinn auch die Helleniften dazu gehören

oder ein Druckfehler ftatt ,anfachen', und kann dies mit
,fchwellen' durch ,oder' verbunden werden, während fonft
zwifchen nicht fynonymen Bedeutungen Semikola oder
Kommata gebraucht find? Bei uüxaiog fehlt die Notiz,
dafs es auch zweier Endungen ift, z. B. Jac. 1, 26; ftatt
iiaaxög findet man nur iiaa&ög, während doch fonft der
t. rec. fogar in einem aus v. Gebhardt's Varianten gänzlich
verfchwundenen Worte {ueXexüv Marc. 13, Ii) berücksichtigt
ift. Von i'darpog mufs man, da es nur in
Klammern bei söacpi'Qo) angeführt ift, annehmen, dafs es
im N. T. nicht vorkomme. Ebenfo von oqiov. Bei
nioiöco war nicht vom Med., fondern vom Paff, zu handeln
. — Befonderer Fleifs ift nach der Vorrede auf die
Etymologie verwendet. Aber die Methode, Wörter
gleichen Stammes nach ihrer alphabetifchen Ordnung in
Einen Artikel zufammenzufaffen, bringt es nicht nur mit
fich, dafs u&yag, ittyetrog und itXytaxog in einem mit
UEyaXacytio beginnenden Artikel flehen, iiEitoxegog aber
einen folchen für fich bildet, fondern fie hat auch, freilich
nur in Verbindung mit einer Nachläffigkeit, dahin
geführt, dafs bei ayveia nebft uyv/gio und äyviaiiog nicht
einmal cyvog als Etymon erwähnt ift, weil diefes mit
äyvdxrjg einen felbftändigen, durch dyvoeoi etc. von den
genannten Derivaten getrennten Artikel ausmacht. Weiter
behauptet der Verf., und z. B. bei fiaaxi^uj mit Recht,
dafs er forgfältiger als Grimm die Perioden des Profangebrauchs
angegeben habe; aber gegenüber den
Grundmängeln feines Buches kann dies gar nicht in Betracht
kommen. Und die fynonymifchen Bemerkungen,
in denen er ebenfalls mehr gethan haben will als Grimm,
laffen zu wünfehen übrig, wenn bei nctQSaig nur fteht, es
fei weniger als drpeaig, und iitXXeiv mit ,follen, müffen'
ohne jeden Zufatz überfetzt wird. Dazu kommen pofi-
tive fachliche Fehler. Bei Eßoäi'g und 'BßQfÜml ift von
.aramäifch' nichts zu lefen, bci%ioalog nichts davon, dafs

Auszug ift eben in fich ein Unding. Stellen des N. T.'s Und der Verf. will doch alle ftatuirten Bedeutungen aufführt
der Verf. nur bei den dnaS, Xeyoiitra an, alfo da, ! nehmen, wie z. B. fogar .Schwanken, Zweifel' bei öid-
wo fie am wenigften nützen; überall fonft erfährt man [ ygioig. Bei diiaoxla fteht nur, es bedeute ,die Sünde fo-
nur eine Anzahl Bedeutungen, ohne für die Auswahl | wohl abftract wie concret, fowohl als That oder Handunter
ihnen die geringfte Anleitung zu erhalten. Bei I lung wie als Thatfache'. Auch Rom. 7, 7—25? Dafs fie

mehrdeutigen Wörtern — man braucht nur an die Prä
pofitionen zu denken — ift man alfo, wenn nicht der
Zufammenhang entfeheidet, ebenfo verlaffen wie in einem
allgemeingriechifchen Lexikon ohne Belegftellen. Wie

eine Macht ift, erfährt man nicht. Endlich ilt auch der
deutfehe Ausdruck oft mangelhaft. Wenn man bei
Li&iXÖQiov lieft: ,als Grenze dazwifchen liegend; Grenzgebiet
, Grenzmark, Grenzfeheide', fo möchte man fich

An eine Erläuterung eines Wortes wie itXijQioiia, oder
11tXog im übertragenen Sinne, oder vegoaconnv I Petr. 3, 12,
oder xcc uäxaia Act. 14, 15 ift natürlich nicht zu denken;
man erfährt eben nur, wie man zu über fetzen hat.
Ferner ift viel zu wenig Rückficht auf das A. T. genommen
. Welches hebräifche Wort die LXX wiedergeben
, ift oft von der gröfsten Wichtigkeit. Wenn z. B.
ugatlg Matth. 5, 5 aus Pf. 37 ftammt, fo ift es gar nicht
ausgemacht, dafs es ,fanft, freundlich, gnädig, mild' bedeutet
. — Aber auch in Punkten, die keine Erweiterung
des Umfangs bedingen, müffen wir ernfte Vorwürfe erheben
. Wie leicht hätte der Verf. die neuteftamentlichen
und die blofs profangriechifchen Bedeutungen durch ein
Zeichen fcheiden können, ftatt aufser der Mehrzahl jener
auch noch diefe zur Wahl zu ftellen! Man darf höch-
ftens vermuthen, dafs er jene immer an letzte Stelle gerückt
haben werde; aber auch dies trügt z.B. bei öiv.ai-
610, wo er wahrfcheinlich einfach Grimm nachgegangen
ift, der aber ausdrücklich fagt, dafs die zuletzt aufgeführten
Bedeutungen .richten, unterfuchen, verurtheilen'
im N. T. nicht vorkommen. Ferner bewährt fich gar
nicht überall der Eindruck grofser Genauigkeit, den das
Buch auf den erften Blick macht. Was denkt man fich
bei ttnfifiQatt> fchwellen oder anmachen'? Liegt hierin
das claffifche .anbrennen', das fonft gänzlich fehlen würde,

es mit der Erklärung fchwieriger Begriffe fteht, zeige faft ein Stück Land denken, das zu keinem der Länder
ör/.aioaüvrj, wo man nichts findet als: .Gerechtigkeit, Ge- gehört, zwifchen denen es liegt. Für Lidyaioa nvevptaxng
fetzmäfsigkeit, Rechtlichkeit in Gefinnung und Handlung'. Eph. 6, 17 pafst gewifs weder .Schlachtmeffer', noch

.kleines Schwert', noch ,Dolch', noch .kleiner Säbel'. Ein
böfer (Druck-?) Fehler fteht bei diy.aioio: ,durch richterliche
oder Rechtserkenntnifs als gerecht darftellen'. Sagt
man Apok. 16, 10 wirklich gut deutfeh: ,fie biffen ihre
Zungen', und follen wir nach Rom. 7,6 ,in Neuheit desGei-
ftes und nicht in Alter des Buchftabens' dienen? Geradezu
fcherzhaft aber wirkt es auf einen Kenner des wirklichen
Sprachgebrauchs, wenn der Engel Apok. 8, 13 in der
,Mittagslinie' fliegt.

Alle diefe Anftöfse haben wir nicht etwa nach langem
Suchen neben vielem Richtigen gefunden, fondern wir
brauchten an den verfchiedenlten Orten nur wenige Zeilen
zu lefen, um fie zu entdecken. Ziemlich die Hälfte fteht
beifammen auf Einer Seite (88), welche wir zuerlt auf-
fchlugen. Hiernach halten wir uns zu einer erfchöpfen-
den Prüfung des Buches nicht für verpflichtet, zumal da
dasfelbe ein von vorn herein unglücklichesUnternehmen ift.

Jena. Paul Wilh. Schmiedel.

Ziindel, Pfr. Friedr., Aus der Apostelzeit. Zürich, Höhr,
1886. (IV, 534 S. gr. 8.) M. 5.— ; geb. M. 5.90.

Die vorbezeichnete Schrift befteht aus zwei Theilen,
als Erzählung und Lehre bezeichnet. Der 1. Theil um-
fafst die Seiten 7—344, der 2. S. 345— 534- Inhaltlich