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Ausgabe:

1886

Spalte:

146-149

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bacher, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Leben und Werke des Abulwalîd Merwân Ibn Ganâh 1886

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. ' Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 7. 3- April 1886. n. Jahrgang.

Pentateuchus Samaritanus, Fase. IV., rec.

Völlers (Siegfried).
Bacher, Leben und Werke des Abulwaltd

(Kautzfcri).

Baur, Zwingli's Theologie. Ii Bd. (Stähelin). • Reber, Kunftgefchichte des Mittelalters (Pohl).

Maurice, Leben von F. D. Maurice (Wetzel). Abgenothigte Verwahrung wider D. Luthardt

Gretillat, Expose de theologie syst£matique. .. n

T. t (Wendt). IUrnackJ-

Pentateuchus Samaritanus. Ad fidem librorum manuscrip-
torum apud Nablusianos repertorum edidit et varias
lectiones adscripsit H. Petermann. Fascic. IV.
Numeri, exrecensione Caroli Völlers. Berlin, Moefer,
1885. (IV u. S. 349—465- gr. 8.) M. 15. —
Bis vor Kurzem war man für die Benutzung des
famaritanifchen Pentateuchtargums lediglich auf die
Drucke der feltenen Parifer und Londoner Polyglotten
angewiefen, welche auf der vaticanifchen Handfchrift
beruhen. Ein Abdruck aus der Polyglotte, welchen A.
Brüll 1873. 1874 beforgt hatte, war wegen feiner Unzu-
verläffigkeit eine unzureichende Aushülfe. Ein neues
werthvolles handfehriftliches Material brachte H. Petermann
zufammen und bereitete eine neue Ausgabe des
PentatcucJius Samaritanus mit Hülfe desfelben vor, von
welcher 1872 die Genefis, 1873 der Exodus erfchienen
find. Die Grundlage des Textes bildete eine mit Ap.
(Apographon) bezeichnete Abfchrift des Targums, von
einer werthvollen Vorlage leider nur mit einer gewiffen
Flüchtigkeit durch einen Samaritaner entnommen; aufser-
dem waren benutzt vier mit A B C D bezeichnete Colla-
tionen, von denen C nur Genefis und Exodus, D nur
den Anfang der Genefis betrafen. Wo die Originale zu
diefen Collationen geblieben find, hat nicht ermittelt
werden können. Aufserdem hat Petermann noch die
Varianten des Polyglottentextes beigefügt. — Hierauf er-
fchien 1874 das fogen. Oxforder Bruchftück, Lev. 25, 26
— Nu. 36, 9 umfaffend, durch J. W. Nutt veröffentlicht.
Auch diefes hat Petermann noch bei feiner Vorbereitung
der Ausgabe des Leviticus benutzt, vor deren Veröffentlichung
er 1876 durch den Tod hinweggerafft wurde.
Aus dem Nachlafs des Verdorbenen hat dann K. Völlers,
in die Arbeit von Lev. 7, 26 an eintretend, 1883 das
Ganze zum Druck befördert, eigene Zufätze durch eckige
Klammern kenntlich machend. Vgl. zu der Petermann'-
fchen Ausgabe S. Kohn, Zur Sprache, Lit. u. Dogm. der
Samaritaner, 1876, S. 99ff. — Es war nun zunächft fehr
erfreulich, als in diefe Arbeit mit M. Heidenheim ein
Mann eintrat, welcher fchon foviel zur Förderung der
famaritanifchen Studien durch Veröffentlichungen aus
Handfchriften gethan hatte. In feiner bibliotheca Santa-
ritana I brachte er 1884 einen neuen Text der famaritanifchen
Genefis an das Licht. Aber bei näherer Betrachtung
fah fich der Lcfer, welcher eine vollffändige
Collation der bisher nur flückweife bekannten, in Rom
befindlichen Barberini'fchen Triglotte .erwartet hatte,
durchaus getäufcht. Man bekam den Polyglottentext
unter ,Verwerthung' der Barberini'fchen Handfchrift und
das ausgefprochene Ziel des Editors war, den erfteren
durch zahlreiche Emendationen ,geniefsbarer' zu machen.
Nun wufste man gar nicht, woran man war. Auch das
,Geniefsbarfle' kann ja gefundheitsfehädlich fein. Um
ohne Bild zu fprechen: man hatte ein buntfeheckiges
Gewebe von Ueberlieferung und fubjectiven Einfällen
vor fich. Was dabei herauskam, kann man im Literatur-

145

blatt für orientalifche Philologie 1885, III, S. 93—59
(Völlers) und erfchöpfend in ZDMG. 1885, II, S. 185—
226 (S. Kohn) lefen. Es war darum gewifs nicht über-
flüffig, wenn das Werk der Herausgabe des PentatcucJius
Samaritanus mit den Mitteln einer ftreng philo]ogifchen
Methode und nach den neueren textkritifchen wiffenfehaft-
lichen Grundfätzen fortgefetzt wurde. K. Völlers, der
fchon durch feine Arbeiten über des Dodekapropheton
der Alexandriner feine Befähigung für kritifche Behandlung
der Bibelverfionen erwiefen hatte, tritt nun mit dem
oben angezeigten 4. Heft des P. S., welches das Buch
Numeri enthält, in diefe Aufgabe ein. Allerdings war
er durch die Petermann'fche Behandlung derfelben zunächft
einigermafsen gebunden. Auch jetzt liegt Ap. im
Wefentlichen dem Text zu Grunde, nur bei offenbaren
Fehlern hat der Verf. zu einer andern Handfchrift oder,
wo es nicht anders ging, zur Conjectur feine Zuflucht
genommen. Man wird aber durch den kritifchen Apparat
unterhalb des Textes jederzeit in den Stand gefetzt, die
Sachlage zu beurtheilen. Der Verf. hat hier dem Petermann
fchen Princip gemäfs meift auch die unbedeutenden
Varianten angeführt. Aufser dem Pctermann'fchen
Apparate find auch die Petersburger Fragmente von
Harkavy hrsg. durch Kohn beachtet. Zu einer tiefer eingehenden
Kritik des Verfahrens, welches der Verf. beobachtete
, fehlen dem Unterzeichneten die Materialien und
er mufs fich damit begnügen, durch obige Berichterftat-
tung das theologifche Publicum auf den Stand der Dinge
und auf die werthvolle Leiftung des Verf.'s aufmerkfam
gemacht zu haben. Nur foviel fei gefagt, dafs der Verf.
felbft (im Vorwort p. 2) feiner Arbeit nur einen vorbereitenden
Charakter zufpricht. Zu einer abfchliefsenden
Leiftung fehlt eben zur Zeit 1) die vollftändige Kenntnifs
des Textes der Barberini-Handfchrift und 2) eine genügende
fprachwiffenfehaftliche Darftellung des famaritanifchen
Dialekts. Schliefslich glauben wir uns einen
Dank der Freunde diefer Studien zu verdienen, wenn
wir die vorläufig allerdings nur vermuthungsweife auf-
geftellte Anfchauung des fcharffinnigen Verf.'s über die
Textgefchichte des famaritanifchen Targum hier mittheilen
. Er unterfcheidet: 1) eine ältefte Verfionsfchicht
in aramäifcher Sprache, erkennbar hier und da in Ap. A.
und bei Nutt, 2) eine hebraifirende Handfchriftengruppe
(Nabulus) in B, bisweilen auch in Ap. kenntlich, 3) eine
arabifirende Handfchriftengruppe, die im Polyglottentexte
durchfehimmert (vgl. auch Kohn in ZDMG. /. c.
S. 225.).

Jena. C. Siegfried.

Bacher, Prof. Dr. Wilh., Leben und Werke des Abulwalid
Merwän Ibn Ganäh (R. Jona) und die Quellen feiner
Schrifterklärung. Leipzig, O. Schulze, 1885. (IV,
108 S. gr. 8.) M. 4. —

Da die verdienftvollen Arbeiten Bacher's zur Ge-
fchichte der hebräifchen Sprachkunde in der Theolog.

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