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Ausgabe:

1886

Spalte:

585-586

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bloch, M.

Titel/Untertitel:

Die Ethik in der Halacha 1886

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von I). Ad. Harnack, Prof. zu Marburg und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Pre's
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 25. 11. December 1886. 11. Jahrgang.

Bloch Die litluk in der Halacha (Siegfried). Auguftinus , Duns Scotus und Descartes '■ Höhle, Die Wiederaufrichtung der franzöfifch-

Link, Chriltt Pcrfao und Werk im Hirten des 1 (Harnack). j reformirten Kirche im 18. Jahrh. (Schott).

, . . «. . ... 1 Schonholzer, Die religtufe Keformliewegung

Hermas (Kruger). lohannisEuchaitoruni metropolitae quaesupersunt, . ^ Schweiz (Kraufs)

Hafenclever, Der altchriftliche Gräberfchmuck , descripsit Bollig, edit. Lagarde [Schlufs] ; Cathreia, Sie* Sittenlehre des Darwinismus

(Ficker). j (Neumann). (Härtung).

Scipio, Des Auguftinus Metaphyfik (Harnack). ' Simfon, Die Entftehung der pfeudo-ilidorifchen Drummond, Das Naturgefetz in der Geiftes-

Kahl, Die Lehre vom Primat des Willens bei ! Fälfchungen in Le Mans (WaH'erfchleben). i weit (Härtung).

Bloch, Rabb. Prof. M., Die Ethik in der Halacha. Buda- flecken' (Jef. t, 16). Zur Charakterifirung der hiftori-
pefl, 1886 ILeipzig, ü. Schulze.] (VII, 96 S. gr. 8.) ' fchen Bildung des Verf.'s diene die Mittheilung (S. 8):
G dafs ,Gott fleh am Sinai als Urquelle alles Seins, aller

' 2' 5°- ethifchen Güter etc. geoffenbart hat und dafs wir diefe

Des Verf.'s Abficht geht dahin, den ethifchen Werth Thora noch heute rein und ungefälfeht befitzen'. —
der in Bibel und Talmud vorkommenden halachifchcn jena q Siegfried

Gefetze nachzuweifen. Ohne Vollfländigkeit erftreben ' ' '

zu wollen, theilt er den halachifchcn Stoff nach dem

Vorgange der Jad hachasaka des Maimuni in 14 Ab- Link, Privatdoc. Repet. Lic. Adf., Christi Person und Werk
fchnitte und bemüht fleh fodann, diefem Vorgängerauch jm Hirten des Hermas. Marburg, Elwert's Verl., 1886.
in der Auffaffung häufig folgend (S. 7. 8. 36.42. 47. 48. (6l s. gr 8) M I 20
55- 57- 95 u- a-J» bei einem jeden Gefetze den in dem- B. ..' .

felben angeblich waltenden ethifchen Grundgedanken Dafs die Chriftologie des Hermas in einer eigenen

aufzuzeigen. Hierbei ift nur zu bemerken, dafs der Verf. Monographie nochmals behandelt wird, mag zunächfl
in den meinen Fällen nichts weiter erreicht hat, als zu Manchem auffallen, der die Arbeiten über diefen Gegenzeigen
, welche ethifche Auffaffung fleh mit den einzel- ftand verfolgt hat. Und doch zeigen die Refultate der
neu Gefctzen allenfalls verbinden laffe, und auf welche vorliegenden Untcrfuchung, dafs eine zufammenfaffende
Weife diefelbcn als ethifche Impulfe verwerthet werden Darftellung am Platze war. Der Verfaffer hat fleh ganz
können, keineswegs aber, dafs diefe Grundanfchauung ftreng an fein Thema gehalten und dasfelbe in der ein-
in den Gefetzen felbft liege. So ift ja z. B. gevvifs un- gehendften und forgfältigften Weife behandelt. Dafs er
zweifelhaft, dafs Jemand, der die Befchneidung empfan- dabei gelegentlich etwas breit gefchrieben hat, kann man
gen hat, in diefem Zeichen eine Erinnerung daran finden freilich nicht leugnen. Als das wichtigfte Refultat feiner
kann, feiner Luft nicht dem Thiere gleich die Zügel Arbeit erfcheint uns, dafs feine eindringende Beweis-
fchiefstn zu laffen (S. 20), aber der Verf. wird doch : führung von Neuem die Grundlofigkeit und das Vergeb-
nicht ernltlich behaupten wollen, dafs dies die hiftorifche j liehe aller Bemühungen, in das Buch des Hermas die
Bedeutung der Befchneidung und die Tendenz des Ge- i Rechtgläubigkeit fpäterer Jahrhunderte hineinzudeuten
fetzes felbft gewefen fei; 2) dafs die Befchneidung unter (Dorner, Zahn, Brüll u. A.), gezeigt hat. Infofern ift fle
allen Umftänden diefen fittlichen Halt gewähre, wogegen eine Beftätigung der Forfchungen von Lipflus, Harnack,
doch David und Salomo ftarke Gegenbeweife liefern , Nitzfeh u. A. Aber fle bringt neben einer Reihe von
könnten, 3) dafs jenes fittliche Mafshalten ohne Befchnei- ! neuen und einleuchtenden Ergänzungen auch einige
dung nicht zu erreichen fei. Was bleibt alfo als Kern Correcturen der Auffaffung diefer Gelehrten, die zum
der Sache? Ein mehr oder weniger geiftreiches allegori- Theil wenigftens als berechtigt anerkannt werden müffen.
flrendes Spiel mit dem Gefetze, das manchmal zu fehr Das Schriftchen zerfällt, wie im Titel, aber leider

gezwungenen Combinationen führt. So z. B. wenn die durch keinerlei Eintheilung im Text, angedeutet ift, in
ethifche Kraft von Mcsusah Zizitli, Thefillin, der Tempel- zwei Theile. Der gröfsere befchäftigt fleh mit der Lehre
geräthe und üpferritualien, der Fette u. a. m. heraus- ! von Chrifti Perfon. Link weift noch einmal ausführlich
gekünftelt wird oder vom Purimtage (S. 30) behauptet nach, dafs Hermas nur zwei Hypoftafen in der Gottheit
wird, derfelbe follc ,uns in unferm Gottvertrauen ftär- ; anerkennt, Gott und den heiligen Geift: ein von dem
ken,'dafs wir muthig und felfenfeft auf der Tugendbahn - letzteren verfchiedener, vorweltlicher, in Chriftus offenbar
ausharren' etc., während derfelbe doch in Wirklichkeit gewordener Sohn Gottes hat in feinen Speculationen
als eine Jubelfeier zur Erinnerung an eine fcheusliche keinen Platz (p. 24, 33): heiliger Geift und Sohn Gottes
Metzelei <reftiftet worden ift. — Nur bei den eigentlich find ihm vielmehr identifch. Link will zu diefer bereits
ethifchen «Geboten des A. T.'s und des Talmuds läfst ; von früher her feftftehenden Grundanfchauung die Erfleh
ein wirklich ethifcher Werth nachweifen. Das gänzung machen, dafs Hermas, wenn er von dem heiligen
Uebrigc ift culturhiftorifch merkwürdig, hat aber in fleh Geift als dem Sohne Gottes fpricht, nicht eigentlich die
felbft keine ethifche Bedeutung. — Die Ausführungen Identität der zweiten und dritten Perfon der Trinität

des Verf.'s leiden öfter an etwas phrafenhafter Rhetorik
(vgl. S. 22). Als exegetifche Kunftftücke verdienen angemerkt
zu werden: S. 31, ,es ift unmöglich, dafs der
Menfch gut fei, wenn er in der Einfamkeit lebt' (Gen.
2, 18), ,wafchet euren Leib, dafs er rein fei von allem
äufsern Schmutz, reinigt eure Seele von allen Sünden-

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lehre, fondern nur ausfagen wolle, dafs der heilige Geift
zu Gott im Verhältnifs der Sohnfchaft ftehe, den Ausdruck
alfo prädicativ gebrauche (p. 20 ff.). Diefer heilige
Geift oder Sohn Gottes hat in dem Menfchen Jefus
Wohnung genommen und in ihm die Erlöfung vollbracht:
denn nach Link hat die m'of, die er annahm, obwohl