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Ausgabe:

1886 Nr. 24

Spalte:

569-570

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heidenhain, Arth.

Titel/Untertitel:

Die Unionspolitik Landgraf Philipps des Grossmüthigen von Hessen und die Unterstützung der Hugenotten im ersten Religionskrieg 1886

Rezensent:

Schott, Theodor

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Seite 1

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569 Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 24. 570

lieh berührt uns 184, g) die Veriicherung des Metropoliten
, fich feine Würde nicht erfchlichen zu haben. Ferner
heifst es in der not. episcop.5, 673 (Hieroclis syneedemns
ed. Partlicy p. 127): tw Evydiiwv itqövog iiiov.tliitvoc,
OVK hjti - 184, 5 indtffen fetzt Joh. Bifchöfe als unter ihm
flehend voraus. Diefelbe Wandelung zeigt not. TO,
745—749 p. 222, welche vier dem Euchaiten untergeordnete
Bifchöfe anführt. Die kirchcnrcchtlich intereffante
Stelle 184, 5 ift übrigens noch nicht ganz in Ordnung.
Zunächft ifl wohl tt)v uäoiv iftJiDinavw* cdöiö zu fchrei-
ben; und im Folgenden mufs, wie Prof. R. Zoepffel
mir zu bemerken die Güte hatte, vor Allem die Interpunktion
geändert werden, um die Möglichkeit einer Erklärung
zu gewinnen. Den Bifchöfen (»pig tov ßl^uiog
vgl. auch 185, 16) und den höheren ordines von den
Diakonen aufwärts werden als 01 tgwDtv sc. twv advzwv,
als ohne Zutritt zu dem h. Raum um den Altar die
niederen Kleriker, die Laien und noch tiefer flehende
Leute bezeichnet. Diefe letzte Klaffe ausfindig zu machen
dürfte fchwer fein; das Komma hinter v.utwitqw ift wohl
zu ftreichen und vielmehr eine Verbindung von /mt. mit
dem Folgenden herzuftellen. — Von dogmatifchem Inter-
effe find Predigt 183 und 177. Nr. 183 (Programm dazu
Ged. 27) preift die KoifrrjOlC der h. trtoxo/.oc. Wie die
Geburt der Jungfrau (8. September) in den Anfang des
byzantinifchen Jahres fällt, fo ihre XOl'fiWlQ (iS.Auguft)
in das Jahresende (183, 56). Chriftus felbft (188, 33) erhebt
feine Mutter in den Himmel (183, 6. 28), heute wird
ihre Vergötterung, ihre irtwoif, gefeiert (183, 7). Einem
Worte wie Otwaig gegenüber hatte William Fifcher
S. 48 Anm. 1 fich weniger vorfichtig auszudrücken brauchen
. Nur für eine Weile wird der Leib der ittozoxog,
von den Apofteln getragen, zum Grabe befördert (183, 36),
aber er bleibt nicht auf Erden, in golddurchwirktem
Gewände wird die Mutter Jefu von ihrem Sohne in den
Himmel erhoben (183, 37—44). Für die Chriftologie
kommen $ 21 ff. in Betracht; für die Perfönlichkeit der
Maria ,S 10 ff. Sehr mit Unrecht hat übrigens diefe
Predigt des Joh. in des Jefuiten Ballerini mit Rücklicht
auf das Dogma vom 8. December 1854 veran-
ltalteten sylloge monumetttorutn ad mysterium coneeptionis
immaculatae virginis deiparae illustrandnm II 540 sqq.
einen Platz gefunden. $ IO ifl mit diefem Dogma fogar
geradezu unvereinbar, und Ballerini fieht fich demnach
auch gezwungen, den klaren Sachverhalt durch eine Note
auf S. 545 f. in fein Gegentheil zu verkehren. Kirchen-
gefchichtlich intereffirt uns noch $ 50 der Ausdruck
'nötig y.ai Xuhg, tiovuäiv.ni v.ai ittyäötg, fowie $ 52 die
in einem Zeitalter der Afkefe auffallende gleiche Werth-
fchätzung der Jungfrauen und Mutter, die den Jungfrauen
keinen Vorzug einräumt. Wenn endlich in $ 60 als
Gabe der Maria 1) evvofua tiöv nölewv, y xrtg oixov-
itivrtg siQrtvri, twv IxxXrjOlOJV it nftovoia, twv a/.it;nqi»v
1, dvvuintitt, twv (Vtqaxoniiwv r) tvTvyia gerühmt wird,
fo ift das politifche Ideal des Joh. und kein fchlechtes
Ideal damit gezeichnet. [Schlufs folgt.]

Strafsburg. K. J. Neumann.

Heidenhain, Dr. Arth., Die Unionspolitik Landgraf Philipps
des Grossmiithigen von Hessen und die Unterftützung
der Hugenotten im erften Religionskrieg. Breslau,
Koebner, 1886. (VIII, 122 S. gr. 8.) M. 3. —
Die vorliegende Studie bildet einen Theil einer um-
faffenden Abhandlung des Verfaffers über Philipp's Unionspolitik
in den J. 1558—63, doch ift fie, abgefehen von
dem abrupten Schluffe, welcher deutlich diefen fragmen-
tarifchen Charakter erkennen läfst, ein in fich gefchlof-
fenes Ganzes. Umfangreiches handfehriftliches Material
aus dem Marburger Archiv ift von dem Verfaffer benutzt
und gut verwerthet, die Darftcllung ift gefchickt und zu-
verläffig, die Charaktcrifirung der bedeutendften Perfön-
lichkeiten und der Zeitverhältnifse im Allgemeinen richtig

und zutreffend. Der Zweck der Schrift ift: nachzuweifen,
wie Philipp, getrieben durch das noch nicht erlofchene
[ Feuer feines religiöfen und politifchen Eifers, gewitzigt
durch, die Erfahrungen des Schmalkaldifchen Bundes
und Krieges, durch theologifche Bedenken nicht gehindert
, immer und immer wieder verfucht habe, die pro-
teftantifchen Fürftcn zu einem Bunde unter einander zu
vereinigen und fefte Bündnifse mit den aufserdeutfehen
Proteftanten herbeizufuhren. Diefe Beftrebungen, welchen
man politifchen Scharfblick und eine grofsartige religiöfe
Anfchauung nicht abfprechen kann, hatten im Grunde
leider fehr wenig Erfolg. Jene Jahre nach dem Augs-
j burgifchen Religionsfrieden, wo die beiden Confeffionen
mifstrauifch einander gegenüberftanden, jede darauf bedacht
, der andern möglichft Abbruch zu thun, wo im
proteftantifchen Lager der Hader der theologifchen Par-
| teien fo heifs entbrannt war, wo fich der Mangel eines
I politifchen oder religiöfen Führers fo verhängnifsvoll
I offenbarte, fie waren fo recht die goldene Zeit für Fürften-
tage, Religionsgefpräche, flattliche Gefandtfchaften und
j ähnliches, ohne dafs es dabei zu energifchem, planvollem
| Handeln gekommen wäre. Darum ift es kein erfreuliches
Zeitgemälde, welches vor unsentrollt wird; das Lebensbild
Philipp's aber wird durch die Darlegung diefer
Thätigkeit nach einer Seite hin beleuchtet und ergänzt,
welche bisher noch weniger gekannt war. Volle Aufklärung
über die einfchlagenden Verhältnifse vermag der
Verfaffer trotz der endlofen vorhandenen Correfponden-
zen nicht zu geben. Im Herbft 1562 beftand, trotzdem
dafs die Bruchfaler Verhandlungen im März des Jahres zu
i keinem eigentlichen Refultate geführt hatten, doch eine
j Schutzeinigung zwifchen den füdweftdeutfehen Fürften;
I wann, wie und unter welchen Bedingungen diefelbe zu
I Stande kam, darüber kann der Verfaffer nur Vermuthungen
anftellen;grofse praktifche Bedeutung hatte übrigens auch
diefe Einigung nicht. — In einem Punkte kann Referent
, mit dem Verfaffer nicht übereinftimmen; Herzog Chriftoph
! von Württemberg wird es in diefer Darfteilung ftets zum
j Vorwurf gemacht, dafs durch ihn der Abfchlufs von
Bündnifsen mit Frankreich, England, den Hugenotten
! vereitelt worden fei. Allerdings kam der Württemberger
Furft über die Bedenklichkeiten nicht hinaus, fein ftarres
j Lutherthum, fein allzublindes Vertrauen auf die Guifen1)
gereichen feiner politifchen Einficht keineswegs zur Ehre;
dafs er aber einem Bündnifse mit Frankreich auswich,
wird kaum zu tadeln fein. Ebenfo ift es nicht wohl
richtig, dafs Chriftoph gerade durch fein ablehnendes
| Verhalten gegen Anton von Navarra viel dazu beigetra-
1 gen habe, diefen auf die katholifche Seite hinüberzutreiben
; der rothe Faden in Anton's Politik bleibt die
Wiedergewinnung des fpanifchen Navarra. Diefe hing
aber nur von dem guten Willen Philipp's von Spanien
ab; fchon Mai 1561 ftand Anton in Verhandlungen
mit ihm (vgl. S. 841, Anm. 9), und mit ihm in ein
gutes Einvernehmen zu kommen und zu bleiben, war
Anton viel wichtiger, als das Zufammengehen mit den
I Proteftanten. Diefes war im Grunde doch nur ein Trumpf,
welchen er gegen Spanien ausfpielen konnte; der religiöfe
P'actor war bei dem fchwachen Manne ohnedies
nicht fehr mächtig. Einige bisher unedirte Briefe von
Landgraf Philipp, Herzog Chriftoph, Hotman fchliefsen
das für die Specialgefchichte nicht unwichtige Buch.

Stuttgart. Theodor Schott.

Gaullieur, Ernest, Histoire de la reformation ä Bordeaux et

dans le ressort du parlement de Guyenne. T. 1. 1523
— 1563. Paris, Champion, 1884. (XI, 568 S. gr. 8.) Fr. 10.

1 Obgleich fchon vor 2 Jahren erfchienen, verdient
dies Werk auch jetzt noch eine Anzeige in diefem Blatte;

! es ift ein rühmliches Zeugnifs von dem Fleifse und der

I) Der Verlader fchreibt merkwüriligerweife immer Guife's.