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Ausgabe:

1886 Nr. 15

Spalte:

353-354

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaff, Philip

Titel/Untertitel:

Christ and Christianity. Studies on Christology, creeds and confessions, protestantism and romanism, reformation principles, sunday observance, religious freedom and christian union 1886

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 15.

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Scenen aus dem A. T. So find auch die Todtentänze
von Nie. Manuel und Holbein nur Vermächtnifse des
Mittelalters. ,Es ifl übrigens unmöglich', fagt Verf. S. 56,
,den Letzteren zu einem Kämpen der proteftantifchen
Kunft zu machen', feine Dresdener und Darmftädter
Madonnenbilder, die ja auf Beffellung eines ftrenggläu-
bigen Katholiken gemalt wurden, lind nichts anderes, als
was die Florentiner und Raphael vor ihm gemalt hatten,
idealifirte Italienerinnen aus der Bürgerklaffe und dem
Volke. Auch den von den Gegnern feiner Meinung
gepriefenen Individualismus, den die Reformation den
Künftlern gebracht haben foll, will er nicht gelten laffen.
Gerade diefer ifolirte die Künftler, und ohne den Halt
einer gewiffen Schule verflachte fleh die individuelle
Phantafie . . . Man verkenne aber vollftändig die Bedingungen
der Entwicklung der Kunft, wenn man von einer
Schule der proteftantifchen Malerei fpräche . . . Die Unfruchtbarkeit
der deutfehen und englifchen Kunft während
der ganzen zweiten Hälfte des 16. Jahrhs. war die Folge
der Reformation ... u. f. f.

Gewifs wird man dem Verf. in vielen diefer Punkte
beipflichten müffen, ohne feine Argumente für diefe That-
fachen als zutreffend anzuerkennen. Verwundert fragt
man fleh aber am Schlufs, gegen wen denn diefe fcharfe
Dialektik eigentlich gerichtet ift? Uns dünkt, der Verf.
führt hier feinen Degen gegen Windmühlen. Indefs nimmt
man mit dem übrigen Guten diefe Cauferien mit in den
Kauf. Wer fleh in der Gefchichte der chriftlichen Malerei
einen intereffanten Durchblick verfchaffen will, dem können
wir das Buch angelegentlich empfehlen.

Berlin. Otto Pohl.

Schaff, Philip, Christ and Christianity. Studies on Christo-
logy, creeds and confessions, protestantism and roma-
nism, reformation principles, sunday observance, reli-
gious freedom and Christian union. New York, Charles
Scribner's Sons, 1885. (V, 310 p. gr. 8.) geb.

Das vorliegende Buch ift eine Sammlung von Reden,
Vorträgen und Effays des Verfaffers ältern und neuern
Datums. Ihr Inhalt wird durch den zweiten Titel genügend
charakteriflrt.

Dem gelehrten Publicum hat der Verf. Neues nicht
geboten und auch nicht bieten wollen. Die christological
studies z. B., welche ein Drittel des Buches füllen (p.
23—123), geben eine z. Th. auf Dorner ruhende Ueber-
fleht über die ganze Gefchichte der Chriftologie; die
Behandlung des Stoffes mufste eine fummarifche werden.
Andere Stücke der Sammlung wenden fleh geradezu an
ein weiteres, nicht nur theologifches Publicum. — Bücher
derart würde bei uns nur derjenige ausgehen laffen können
der in einem gröfseren Kreife von Verehrern um
feiner Perfönlichkeit willen guter Aufnahme auch des
Bekannteren gewifs fein kann. Dafs der nun wohl bald
flebzigjährige Verfaffer durch feine unermüdlichen Bemühungen
um die Einbürgerung deutfeher Theologie in
Amerika drüben fleh eine folche Stellung erworben hat,
ift begreiflich. Wahrfcheinlich wird aber dort das Buch
auch im Stande fein, durch feinen Inhalt dem Verf. neue
Freunde zu erwerben. . 1 ,

Unter diefen Umftänden liegt für den Ref. keine
Veranlaffung vor, die Stellung des Verf.'s zu einzelnen
hiftorifchen und dogmatifchen Fragen oder feine Ge-
fammtanfehauung von der Aufgabe der Theologie zu
kritiflren. Auch einer Charakteriftik der theologifchen
Stellung des Verf.'s bedarf es nicht. Als deutfeh-ame-
rikanifcher Theologe ift er durch fein Mitarbeiten an
der Herzog'fchen Realencyclopädie, 2. Aufl., und aus
mehreren Anzeigen diefer Zeitung allen Lefern bekannt.
Ein Schweizer von Geburt, hat er (vgl. p. H3 des vorliegenden
Buches) fchon im Jahre 1839 Julius Müller
gehört, ift dann Neander's Schüler geworden und hat

feit 1844 in Amerika eine zweite Heimath gefunden.
Seit 1869 ift er Profeffor an dem presbyterianifchen
Union theological seminary in New York. Wer Hagenbach
und Dorner kennt, — welch letztern der Verfaffer
feinen Freund nennen durfte (p. 15) —, dem wird an
Sch.'s Theologie wenig Fremdes auffallen.

Nur in Einem zeigt fleh der Amerikaner: in der in
dem ganzen Buche ftark hervortretenden Unionsgefinnung
echt amerikanifcher Art, d. h. in einer Unionsgefinnung,
deren praktifche Motive verftändlicher find als ihre dog-

| matifche Entwicklung. Des Verf.'s eigne Anfchauungen
halten fleh mehrfach über den Gegenfätzen nur vermöge

j ihrer Unbeftimmtheit. Diefe Art Union kann uns nie wün-
fchenswerth fein, uns mufs weit mehr daran liegen, dafs
die Befonderheit lutherifchen Chriftenthums bei uns wirklich
zur Ausprägung kommt. Dafs damit nicht dem Con-
feffionalismus das Wort geredet werden foll, der das

! gerade Gegentheil der Unionsgefinnung des Verf.'s ift,
mufs befonders hervorgehoben werden, weil auch Sch.
befangen ift im Bann der alten doctrinären Auffaffung
des Chriftenthums, innerhalb deren die fcharfe Ausprägung
der confeffionellen Individualität eine Unionsge-

I finnung ausfchliefst. Dafs Sch. in der That im Bann der
alten Tradition bleibt, zeigt fleh z. B. darin, dafs ihm
der Glaube im Unterfchied von der Theologie ein einfaches
Hinnehmen ,der in der Schrift geoffenbarten
Wahrheitsfubftanz' ift, während das Dogma als die logifche
Entwicklung ebenderfelben Wahrheitsfubftanz erfcheint
(p. 150). Bei folchem Glaubensbegriff ift jeder Unionsfreund
genöthigt, vor allzu genauen logifchen Entwicklungen
fleh zu hüten. Bei folchem Glaubensbegriff ift
es auch begreiflich, dafs die rechte Freiheit gegenüber
der kritifchen Arbeit der Wiffenfchaft nicht gefunden
wird: Sch. findet, dafs ,der Rationalismus fortlebt unter
dem Namen der biblifchen Kritik' (p. 167). Nur dies
mangelhafte Verftändnifs des evangelifchen Glaubensbegriffs
(vgl. dagegen Apol. Aug. conf. Rechenberg 70, 55)
erklärt auch die wunderbare Behauptung, die .centrale
Lehre' der neuen gläubigen Theologie fei nicht mehr
die Rechtfertigung durch den Glauben, fondern das
grofse Geheimnifs ,Gott ift geoffenbaret im Fleifch' (p.
172). Wer möchte beides in Gegenfatz fetzen, wenn er
Ernft macht mit der religiöfen Beurtheilung der chriftlichen
,Lehre'! — In diefem Zufammenhang mag noch
erwähnt werden, dafs derjenige Theologe, dem wir, d. h.
unter vielen anderen auch der Ref., die Anleitung zu
einem religiöfen Verftändnifs des Glaubens und auch der
Dogmengefchichte zunächft danken, Albrecht Ritfehl,
von Sch. gar nicht erwähnt wird. Auch die christological
studies fchliefsen mit Dorner ab. Wäre es nicht eine
dankenswerthe Aufgabe derjenigen amerikanifchen Theologie
, die es fleh als Aufgabe gefetzt hat, die Arbeit
der .gläubigen deutfehen Theologie' für Amerika fruchtbar
zu machen, wenn fie vernichte, die entfehieden pofi-
tiven Grundgedanken der Ritfchl'fchen Theologie in
Amerika vor der Verkennung zu fchützen, welcher bei
uns das theologifche Parteigetriebe fie ausgefetzt hat?

Leipzig. F. Loofs.

Oswald, Prof. Dr. J. H., Die Schöpfungslehre im allgemeinen
und in befonderer Beziehung auf den Men-
fchen, im Sinne der katholifchen Kirche dargeftellt.
Paderborn, F. Schöningh 1885. (VII, 243 S. gr. 8.)
M. 3.-

Schon den gröfsten Theil der katholifchen Dogma-
tik, wie die Vorrede erklärt, alles mit Ausnahme der
Gotteslehre, hat der Verf., Profeffor zu Braunsberg, in
einer Reihe von Monographien dargeftellt, welche fämmt-
lich eine gute Aufnahme gefunden haben. Vorliegende
Arbeit bildet den Schlufs der Darfteilung der opera dei
I ad extra. Inhaltlich finden wir im wefentlichen dasfelbe,