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Ausgabe:

1885 Nr. 20

Spalte:

472-474

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Langen, Jos.

Titel/Untertitel:

Geschichte der römischen Kirche von Leo I. bis Nicolaus I. Quellenmäßig dargestellt 1885

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 20.

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that the early Christian practice of supplying the needs of
the clergy and the poor by constantly renewed gifts finally
passed in the System of territorial endowments, and that
voluntary offerings were superseded by the payment of a
fixed ienth, which might be enforced by process of law.
It was in them that, as a consequence of this System of
titres, the last traces of the congregational System of early
times vanished away, and that, just as for several centuries
there had been the elements of a territorial Jurisdiction
in the position of a bishop in a city, so the churches of
country parts came to have a defined area, to which the
name ,parish" which once meant a diocese, came to be
narrozved. It was in them that the rules of ecclesiastical
discipline, which had been in many respects vague and
varying, came to be formidated into a recognized system,
which ultimately became what is known as the Canon Law.
It was in them that the ecclesiastical judicature of later
times began, and the system of appeals which, intended to
be a protection against local injustice, ended by crushing
local liberties. It was in them that the Church made firm
its grip upon the law and the ceremonial of marriage. It
was in them that the question of the relation of Church
and State first received its later answer, and that out of
a State of things which Would since have been miscalled
Erastian, there was developed the theory of the Subordination
of the regal to the sacerdotal power. It was in them
that the free, or comparatively free, election of Church offi-
cers by the communities to which they were to minister,
was finally superseded by the practice of nomination by an
extemal authority, the feudal lord or patron of the benef.ee,
or the defender or advocate of the particular Churchs rights.
It was in them that there first began, on a considerable
and recognized scale, the practice of the clergy Utting toge-
ther in a clergy-house, under the supervision of a bishop,
or an archdeacon, or a provost; out of tvhich practice sprang
the greatest internal change which Christianity has known
— the Separation of clergy from laity by the material barrier
of a chancel screen, and still more by the moral barrier
of a dijfcrent code of morals, a separate dress, and a iso-
lated life. It was in them that, possibly as a result of the
canonical life of which I have just spoken, the penitential
system spread, the practice of confessing sins as a condition
of communion, and of assigning to each faidt or sin its
definite penalty. It was in them — that I may close a long
but not exhaustive enumeration — that there arose a change
in doctrine, in practice, and in ceremonial, of which it would
be as difficult to overrate the importance as it would be
to trace the ramifications, the change by which the Eucharistie
ojfering of bread and wine, followed by the partaking
of that which, by virtue of blessing and thanksgiving, was
made to the partaker the Body and Blood of Christ, was
superseded by the ojfering of that Body and that Blood
coneeived as objectively and really present, in the elements
and not in the soul.'

In folcher Kürze, fo überfichtlich und in fich zu-
fammenhängend, find die entfeheidenden Momente m.
W. noch nicht zufammengeftellt worden. Hoffentlich
übergiebt der Verf. feine Vorlefungen über die Kirchen-
gefchichte des 8. und 9. Jahrhunderts dem Drucke und |
begnügt fich nicht damit, uns diefe Einleitung mitgetheilt
zu haben.*)

Giefsen. A. Harnack.

*) Ich erlaube mir, an diefer Stelle auf den Artikel ,Pautus' des
Verfaffers in der Encycl. Brilannica, der vor kurzem erfchienen ift {Part
70 p. 415 ff.), aufmerkfam zu machen. Sowohl das Leben als die Lehre
des Apoftels ift dargeftellt, Sicheres und Unficheres trefflich gefchieden
und Beobachtungen mitgetheilt, die nicht an der Heerftrafse zu finden find.

Langen, Prof. Dr. Jof., Geschichte der römischen Kirche

von Leo I. bis Nicolaus I. Quellenmäfsig dargeftellt.
Bonn, Cohen & Sohn, 1885. (XI, 858 S. gr. 8.)
M. 15. —

Die Fortfetzung feiner Gefchichte der römifchen
Kirche, deren erfter Band 1881 erfchien, hatte der Ver-
faffer von der Aufnahme abhängig gemacht, die diefer
Band finden würde. Dafs wir nach verhältnifsmäfsig
kurzer Zeit in den Befitz der Fortfetzung gelangt find,
beweift alfo, dafs die Aufnahme des Werkes eine günftige
gewefen ift, und man kann nicht zweifeln, dafs auch der
neue Band die Theilnahme finden wird, welche es dem
Verfaffer ermöglicht, fein fchwieriges Unternehmen fortzuführen
, das gerade jetzt in fein intereffanteftes Stadium
treten wird. Mit Recht hat der Verfaffer im Vorwort
eine zufammenfaffende und doch detaillirte Gefchichte
der Kirche Roms als ein fehr fühlbares Bedürfnifs bezeichnet
. Das ungeheuere Material neu zu bearbeiten,
war daher eine fehr dankbare, wenn auch höchft fchwie-
rige und mühfelige Aufgabe.

Der uns vorliegende Band führt die beim Pontificat
Sixtus' III. abgebrochene Darfteilung bis auf Nicolaus I.
fort. Leo I., obwohl nicht der Schöpfer der römifchen
Primatsidee, war doch der erfte, welcher, darin allerdings
von der allgemeinen Lage der Dinge nachdrücklich unter-
ftützt, diefes Princip fyftematifch und in feinem ganzen
Umfang geltend machte. Was, nachdem die römifche
Kirche im Zeitalter Cyprian's einen grofsen Theil ihres
bereits im zweiten Jahrhundert gewonnenen Einfluffes
wieder eingebüfst hatte (was übrigens in Langen's Dar-
ftellung diefer Epoche nicht deutlich genug hervortritt),
die römifchen Bifchöfe feit Julius und befonders feit
Siricius langfam wieder erobert hatten, tritt bei Leo
kräftig entwickelt hervor, um feitdem, felbft unter den
haltlofeften Inhabern des römifchen Stuhles, nie wieder zu
verfchwinden. So fleht Leo allerdings an der Schwelle einer
neuen Epoche, einer Epoche, welche die Trennung der occi-
dentalifchen und orientalifchen Kirche in einem langen,
durch die verfchiedenften Stadien hindurchgeführten Pro-
ceffefich vorbereiten, und dasPapftthum allmählich von. der
Vormundfchaft des byzantinifchen Kaiferthums, das mehr
und mehr aufhört, einen weltgefchichtlichen Factor zu
bilden, fich losreifsen fieht: und am Schlufs diefer Epoche
hat fich das Papftthum an der jugendfrifchen Macht des
Frankenreiches zu der Stellung emporgerankt, welche
uns die Zeiten Gregor's VII. bereits mehr als ahnen läfst.

Diefe Epoche, nebenbei gefagt eine der unerquick-
lichften von allen, hat Langen ausführlich zu fchildern
unternommen. Für den gröfsten Theil des Bandes liegt
jedem Lefer ein Vergleich mit des leider fo jung verdorbenen
Baxmann Politik der Päpfte von Gregor I. bis
Gregor VII. nahe. Man durfte gefpannt fein, in wie weit
die Langen'fche Darftellung diefes Werk ergänzen würde.
Hat doch auch Langen feinen Stoff kaum unter anderen
Gefichtspunkten wie Baxmann behandeln wollen. Er
nimmt allerdings auf feines Vorgängers Buch nur geringe
Rückficht: in einer Reihe von Einzelheiten ift es ihm
gelungen, Baxmann Verfehen oder Urlgenauigkeiten nach-
zuweifen, wie überhaupt das Langen'fche Buch den Vorzug
der gröfsten Akribie hat. Wie der Verfaffer mit
ganz befonderer Sorgfalt fich um die Rectificirung chro-
nologifcher Angaben bemüht hat und dabei manchmal
zu anderen Refultaten als feine Vorgänger gekommen
ift, fo kann fein Buch überhaupt für alle Einzelfragen,
foweit wir es controlliren konnten, als äufserft zu-
verläffig betrachtet werden. Wir glauben hierin die
Stärke des Buches finden zu follen, meinen aber allerdings
, dafs Langen damit feinen Zweck, eine Gefchichte
der römifchen Kirche zu fchreiben, noch lange nicht gerecht
geworden ift. Nicht als ob man fich irgendwie
im Widerfpruch zu den Anflehten des Verfaffers befinden
könnte: das ift nicht der Fall, weil eben Langen