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Ausgabe:

1885 Nr. 18

Spalte:

435-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herold, M.

Titel/Untertitel:

Liturgische Vesper zur Feier des Jahresschlusses. Vollständig liturgisch-musikalisch ausgearbeitet und samt den Melodieen hrsg 1885

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 18.

436

wünfcht, fo kann er diefe neue Sammlung getroft empfehlen
. Bei einem Predigtbuch, das befonders oft
Kranken und Alten zu dienen hat, ift fchon die äufsere
Ausftattung, Druck und Papier, nicht gleichgiltig. Beides
ift hier vortrefflich. Aber auch der Inhalt ift dem ent-
fprechend. Es ift nicht gut möglich, einer folchen Sammlung
gegenüber eine ins einzelne gehende Beurtheilung
zu üben. Wie zu erwarten, herrfcht der württembergi-
fche biblifche Standpunkt vor und dem entfprechend
Themata, die dem biblifch-religiöfen Gebiete entnommen
find. Aber auch für andere Weife ift Raum, wie die
beiden Predigten von Garnifonspfarrer Bilfinger in Ulm
beweifen, und Predigten, welche mehr ethifche Themata
oder Zeitfragen behandeln, fehlen auch nicht.

An die auch aufserhalb Württembergs unter dem
Kirchenvolk wohlbekannte Namen eines K. Gerok, Burk,
Reiff, Blumhardt, Rieger, Lauxmann, Weitbrecht, H. Köft-
lin reihen fich, ihrer nicht unwerth, unbekanntere Namen.
Die Univerfität Tübingen ift durch Predigten von Prof.
Weifs, und vor allem durch ganz treffliche von Profeffor
Kautzfeh vertreten. Gehaltlofes findet fich gar nicht. Bei
diefer grofsen Mannigfaltigkeit werden auch fehr ver-
fchiedene Bedürfnifse derLefer zu ihrem Rechte kommen.

Giefsen. G. Schloffer.

Herold, Pfr. M., Liturgische Vesper zur Feier des Jahresschlusses
. Vollftändig liturgifch-mufikalifch ausgearbeitet
und famt den Melodieen hrsg. Gütersloh, Bertelsmann
, 1884. (36 S. gr. 8.) M. 1. —

Der Verfaffer hat fchon durch fein 1875 erfchienenes
Vesperale auf die grofse Bedeutung der altkirchlichen
Vefpern für unfere liturgifchen Reformbeftrebungen hinge-
wiefen. Sie empfehlen fich dafür vornehmlich durch vier
Gründe. Erfahrungsgemäfs verträgt die Gemeinde litur-
gifche Neuerungen leichter bei den Nebengottesdienffen.
Sodann ift diefe liturgifche Form leichter zu verftehen
und leichter auszuführen, als die complicirtere Liturgie
des Hauptgottesdienftes. Und endlich hebt der Verf.
mit Recht hervor, dafs fie ,für die Beiziehung des mufi-
kalifchen Elementes fo reiche Gelegenheit giebt und
klare Bahnen zeigt'. Es ift dabei des Verf.'s fchon 1874
bei Herausgabe feines ,Paffah' ausgefprochene Meinung,
dafs es nicht gelte, die alten Reichthümer einfach zu
reftauriren, fondern fie ,zeitgemäfs und unter Berückfich-
tigung unferes dermaligen Standpunktes' zu verwenden.
Auf vielfaches Begehren bietet er hier nun ein ausgeführtes
Formular für die Feier des Jahresfchluffes, das
,neben liturgifcher Correctheit insbefondere den Vorzug
der Gemeindemäfsigkeit' beanfprucht. Beide Vorzüge
eignen ihm thatfächlich in hohem Mafse. Hatte der
Verf. aus Zweckmäfsigkeitsrückfichten in jenen früheren
Werken noch auf die Aufnahme der Pfalmodie, der Can-
tica und des Kyrie vor dem Vaterunfer verzichtet, fo
ift hier kein wefentliches Stück der altevangelifchen Vef-
per zu vermiffen. Dabei ift die Anordnung derart getroffen
, dafs der ganze Gottesdienft von einer liturgifch
gefchulten Gemeinde vollftändig ausgeführt werden kann,
ohne Textbuch und Zettel, überhaupt etwas anderes, als
Gefangbuch und Pfalter zur Hand nehmen zu müffen;
während andererfeits auch mit Leichtigkeit alles, was über
die Kräfte einer Gemeinde hinausgeht, weggelaffen werden
kann, und dabei dennoch ,der Gottesdienft in feinem
abwechslungsreichen Gang feine lebendige Wirkung' behält
. Grofs wird allerdings die Zahl der Gemeinden nicht
fein, welche der Ausführung des Ganzen gewachfen ift;
ja felbft der Kirchenchöre möchten es nicht allzuviele
fein, welche fich an Pfalmodie und Cantica wagen. Weislich
geftattet daher der Verf. den Erfatz durch andere
paffende Chorgefänge, feiner Anfchauung nach allerdings
nur in Ermangelung des Befferen. üb es aber jemals
in weiteren Kreifen der evangelifchen Kirche anders

werden wird, ift für Ref. noch eine offene Frage. Der
Verf. meint zwar: ,üer Pfalmengefang ift unfehwer zu
erlernen und wirkt ergreifend'. Aber das Urtheil darüber
ift bekanntlich fehr getheilt. Wer, wie Ref., die Pfalmodie
faft nur im engen Kreife liturgifch Angeregter
oder in Anhalten aus dem Munde von Diakoniffen zu
hören Gelegenheit gehabt hat, wird fich gerne des Ur-

! theils enthalten. Aber ganz abgefehen von der mufika-
lifchen Seite, möchte doch eine uneingefchränkte Verwendung
des Pfalters im chriftlichen Gottesdienft fein
Bedenkliches haben und nicht gerade immer der Anbetung
,in der Wahrheit' förderlich fein. Sehr beher-
zigenswerth erfcheint Ref., was einleitend über die Feier
des Jahresfchluffes im allgemeinen gefagt ift und die ent-
fchiedene Ablehnung, ,den Jahresfchlufsgottesdienft zu

! einem ausnehmend ergreifenden zu geftalten und die um-
gebenden Chriftusfefte dadurch in den Schatten zu ftellen'.
M. E. ift eine Warnung davor fehr berechtigt. Sehr
fein ift in diefem Formulare die Beziehung auf Weihnacht
gewahrt. Eine darnach gehaltene Feier wird jene Klippe

i vermeiden und einer tiefgehenden Wirkung dennoch nicht

i ermangeln.

Giefsen. G. Schloffer.

Bibliographie

von Cuftos Dr. Johannes Müller,

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