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Ausgabe:

1883

Spalte:

121-122

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seidel, Martin

Titel/Untertitel:

Zur Zeit Jesu. Darstellungen aus der neutestamentlichen Zeitgeschichte 1883

Rezensent:

Schürer, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

N°- 6. 24. März 1883. 8. Jahrgang.

Seidel, Zur Zeit |efu. Darftellungen aus der ! Beiträge zur fächfifchen Kirchengefchichte, hrsg. Dieffenbach, Evangelifche Hausandachten.

Neuteftamentliclien Zeitgefchichte (Schürer), j von Dibelius und Lechler (Brieger). t l ß(j (Achei;s

KÜnä;nack1 OC'aViUS Mi"UCiUS FdiX ^ ! Correfpondenzblatt des Vereins für Gefchichte ] Krommel> Gefammelte Schriften. VIII. Bänd-

narnacKi. ^er evangelifchen Kirche Schlefiens I. Bd. I

Winter, Studien zur Gefchichte der chnfthchen (Koffmane). c (Rade).

IC.Uli. . TC.1 TT!« IC.Uli. .1.... i '1......... tmn I * ' _ - , , ..

Pfleiderer, Amerikanifche Reifebilder (Fay). Kurzgefaßte Mittheilungen.

Kanig, Bekenntnifse zu Chrifto. Predigten Mittheilungen'von Dr. Neftle und Profeffor Dr.

Ethik. 1. Bd.: Die Ethik des Clemens von
Alexandrien (A. Harnack).
Schlottmann, Erasmus redivivus sive de curia
Romana hueusuue insanabili. I. (Stähelin).

(Thönes). Salmon an die Redaction.

Seidel, Pfr. Dr. Martin, Zur Zeit Jesu. Darftellungen aus der 1 wurde. Auf S. 138 ftimmen die Ziffern der Anmerkungen

Neuteftamentlichen Zeitgefchichte. Leipzig, Drefcher,
1882. (IV, 154 S. 8.) M. 2. 40; geb. M. 3. —

Das anfpruchslos auftretende Schriftchen bietet in
populärer Form etwa das, was man eine neuteftament-
liche Zeitgefchichte zu nennen pflegt. Im erften Haupt-
abfehnitt (S. 7—35) wird die Lage des Heidenthums zur
Zeit Jefu charakterifirt (I.: Die Völkervereinigung im
römifchen Reich, IL: Das religiöfe Leben, III.: Das fitt-

76—80 nicht mit den im Texte flehenden; es follte
heifsen 77—81. Die ganze Beurtheilung der religiöfen
Lage des Heidenthums zur Zeit Chrifti gipfelt in dem
Gedanken, dafs die heidnifchen Culte damals in Verfall
waren, und die Welt eben darum zur Aufnahme des
Chriftenthums reif war. Diefe herkömmliche theologifche
Betrachtung der Sache ift doch nur in ihrer erften Hälfte
richtig. Allerdings nämlich war, befonders in Rom, gegen
Ende der Republik und im Anfang der Kaiferzeit ein

liehe Leben); ein zweiter behandelt dann das Judenthum j Verfall des religiöfen Lebens eingetreten; und im Gefühl
(I.: Das Land und das Volk der Juden, IL: Die politifche der dadurch entftandenen Leere fuchte man nach neuen
Herrfchaft, III.: Das Synedrium und die Hohenpricfter, Culten. Aber diefer Zug kam zunächft weit weniger

IV.: Die Schriftgelehrten, V.: Das gottesdienftliche Leben
VI.: Die Parteien im Volke, VII.: Die mefflanifche Hoffnung
, VIII.: Das Judenthum in der Zcrftreuung;. Das
Ganze lieft fich gut, ift mit religiöfer Wärme und mit
Andeutung apologetifcher Gefichtspunkte gefchrieben,

dem Chriftenthume, als vielmehr anderen orientalifchen
Culten zu gute, die infolge deffen zu grofser Blüthe gelangten
. Das Chriftenthum aber hat erft fpäter, als das
religiöfe Leben des Heidenthums in voller Blüthe war,
doch den Sieg errungen und eben dadurch feine innere

dabei aber doch in hiftorifchen Einzelfragen fich der Ueberlegenheit bekundet. Gerade diefe Thatfache ift ja
Kritik nicht verfchliefsend. Eigentlich wiffenfehaftliche 1 auch apologetifch viel werthvoller, als die Meinung, dafs
Zwecke verfolgt es gar nicht; fondern es will nur an es an die Stelle eines Vacuums getreten fei. Nicht weil
feinem Theile dazu beitragen, eine Kenntnifs jener Dinge j das Heidenthum fleh ausgelebt hatte, hat das Chriftenthum
auch in folche Kreife hinauszutragen, in welche die J den Sieg errungen, fondern weil es die religiöfen und
gröfseren wiffenfehaftlichen Werke ihrer Natur nach nicht I fittlichen Intereffen vollkommener befriedigte als jenes,
dringen können. Die fo begrenzte Aufgabe ift in ganz Giefsen g Schürer.

zweckentfprechenderWeife geloft; und Referent kann nur

wünfehen, dafs das befcheidene Büchlein auch viele Lefer Kühn, Dr. Rieh., Der Octavius des Minucius Felix. Eine
finden möchte. Unter den Kre.fen, für welche der Verf. heidnifch-philofophifche Auffaffung vom Chriftenthum.
fchreibt, nennt er an zweiter Stelle die Lehrer. Ihnen , . . L *A & ,

ift in der That das Buch ganz befonders zu empfehlen, I L<;'Pzig 1882, Rofsberg. (VIII, 71 S. gr. 8.) M. 1.6b.
während Ref. allerdings wünfeht, dafs ,die Brüder im Eine ganz vortreffliche Unterfuchung, die nicht nur

Amte' doch lieber zu den gröfseren Werken greifen von ungewöhnlicher Sachkenntnifs, fondern auch von
möchten. — Die Arbeit ift durchgängig eine forgfältige einer fcharfen Untcrfcheidungsgabe und einem ficheren
und folide. Dafs dabei in Einzelheiten hier und da auch ! hiftorifchen Urtheile ihres Verf.'s Zeugnifs ablegt, fowie
Verfehen mit unterlaufen, ift bei einem fo mannigfaltigen j ein nicht geringes Gefchick in der Kunft der Darfteilung
Stoffe leider faft unvermeidlich. S. 6 wird die talmudifche aufweift. Das Thema, welches der Verf. fich gewählt
Tradition erwähnt, dafs der Tempel am 9. Ab zerftört hat, gehört zu den fchwierigeren, fobald man fich nicht
wurde und dafs damals die erfte Priefterklaffe Jojarib im bei allgemeinen Beobachtungen über Abhängigkeit des
Dienfte ftand; als Belegftelle hiezu wird S. 136 Anm. 18 1 Minucius von Cicero, Seneca oder, noch einfacher, vom
Mifchnah Taanith IV, 6 citirt, wo aber nur die erftere platonifchen Stoicismus beruhigt. Das aber hat der Verf.
Angabe (Zerftörung am 9. Ab) fich findet. Nach S. 33 nicht gewollt; er ift in die Tiefe gegangen und hat es
foll Agrippa in Jerufalem einen Circus erbaut haben, was ■, fich nicht verdriefsen laffen, Satz für Satz des Dialogs
mir wenigftens nicht bekannt ift. S. 69 heifst es, dafs auf feine Herkunft zu prüfen, den Sinn der Begriffe
der letzte Hohepriefter Phanias aus angefehenem Priefter- feftzuftellen, mit welchen Minucius operirt hat, und die
gefchlecht flammte, während Jofephus gerade das Gegen- j Gedankengänge nachzuweifen, aus denen fie entflammen,
theil fagt. Die Bemerkung über « Hanl S. 137 Anm. 23 j Seine Arbeit ift nicht nur keine fruchtlofe gewefen, fon-
ift jetzt zu berichtigen nach Dillmann (Monatsberichte 1 dem hat die bemerkenswertheften Refultate zu Tage ge-
der Berliner Akademie 1881), der überzeugend dargethan 1 fördert, ja, Referent glaubt fagen zu dürfen, dafs der
hat, dafs der weibliche Artikel nur gefetzt ift, um die Verf. fein Thema wirklich erfchöpft und, einige Ueber-
Ausfprache /) alayhii anzudeuten, die zur Vermeidung treibungen abgerechnet, die Unterfuchung des Problemes
des verabfeheuungswürdigen Namens lldul gebraucht fo tadellos geführt hat, dafs ihn nicht fo leicht ein Zweiter

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