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Ausgabe:

1883 Nr. 20

Spalte:

472-474

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schäfer, Theodor

Titel/Untertitel:

Die weibliche Diakonie, in ihrem ganzen Umfange dargestellt. Vorträge. 3. Bd.: Die Diakonissin und das Mutterhaus 1883

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. 20.

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Herr1 in der Erklärung ausfchliefslich verwerthet, wie
25, 11 eine falfche Etymologie in ,Gott, gut, Güte'
vorliegt.

Nach 27, 21 ift Gott zu fürchten, weil er, der Gerechte
, jede Sünde (trafen wird; nach 27, 22 ift aber
die Furcht vor Strafe Gotte mifsfällig, knechtifch, und
eben diefe Furcht ift nach 64, 168 von Gott gewollt. Zu
29, 29 würde die Belegftelle 1 C. 13, 7 durch Hebr. 13,
5a u. 6 zu erfetzen fein.

S. 33, 46 wird Faulus in 2 C. 1, 23 als Schwörender
angeführt, aber Er. 47 wird nur der Schwur vor der
Obrigkeit erlaubt.

S. 36, 54 find ,eitle Ehre und fchändlicher Gewinn'
bei der fog. ,Zauberei' völlig unwefentlich.

Nach 38, 66 find Feiertage = Tage heiliger Ruhe,
die der Herr feinem Volke geordnet hat; nach
Luther's Grofsem Katechismus (Erl. Ausg. 21, 48. 49)
ift keiner unferer Feiertage, nicht einmal der Sonntag,
divinae institutionis vgl. Conf. Aug. Art. 28, § 57 ff.

Zu 39, 69 ift zu bemerken, dafs unfere chriftlichen
Hauptfefte Chriftusfefte find und gefchichtlich in keiner
urfprünglichen Beziehung zur heil. Dreieinigkeit ftehen. j

S. 45, 96. Zur Verachtung der Eltern gehört wefent- !
lieh der TJngehorfam.

Die Faffung von 46, 98 fcheint es dem Urtheil des
Kindes anheimzuftellen, ob es den genannten Perfonen
elterliche Ehre zu erweifen habe, da diefe nur denen gebühren
foll, welche thatfächlich ,mit elterlicher Liebe für
uns forgen'.

Nach S. 57, 138 fcheint es erlaubt zu fein, in guter 1
Abficht dem Nächften Unwahrheit zu fagen.

S. 59, 144 wird das Wort Jefu beim Aehrenraufen j
feiner Jünger Mt. 12, I ff. als Belegftelle angeführt, dafs
wir mit Milde den Nächften beurtheilen follen, wo er
fchuldig ift, während dasfelbe Thun der Jünger 42, 80
als ein gottwohlgefälliges Werk dargeftellt wird.

Die Belegftellen Jef. I, 3 zu 62, 158 und I Th. 5, 14
zu 62, 160 find durch andere zu erfetzen.

S. 63, 164 ift ,eifrig' gerade fo erklärt wie 77, 41
,gerecht'.

S. 64, 166 ift falfch erklärt; 64, 169 und 63, 173 wird
diefelbe Frage verfchieden beantwortet (Semper idein
per idcvi!).

Das zweite Hauptftück wird S. 68—138 in 237
Fragen behandelt. Weit weniger als der erfte fordert
diefer Theil die Kritik heraus. Doch find auch hier
manche Anläffe zur Beanftandung.

Es ift nicht gut zu heifsen, dafs 68, 4 als Gegenftand
des Glaubens nach der Schrift das Wort Gottes (alfo
die Bibel nach dem Kat.) angegeben wird, wovor fchon
das: ,ich glaube an Gott, den Vater' hätte bewahren
follen; und dafs 69, 5 ff. vorausgefetzt wird, das fogen. |
apoftolifche Glaubensbekenntnifs fei das allgemeine
chriftliche, ift ein Irrthum, da die griechifche Kirche dasfelbe
nie anerkannt hat (vgl. Gafs: Symbolik der
griech. Kirche 1862, S. 116 ff.). S. 70, 9. 13 hätte als
Werk des Vaters neben Schöpfung auch Erhaltung und
Regierung genannt werden müffen, da 88, 81 ff. und
90, 86 ff. dies vorausfetzt. Ebenfo dürfte gefragt werden,
ob die chriftliche Erkenntnifs vom Wefen Gottes 72, 19
durch das Wort des Herrn: ,Gott ift ein Geift' ausgedrückt
werden folle und könne; auf 1 Joh. 4, 16 (auch 1 Joh.
1, 5 u. Joh. 5, 26) wird keine Rückficht genommen. Dafs
Gott die Liebe fei, kommt erft in der logifch anfechtbaren
Frage 20 zur Sprache als Seite des Wefens Gottes,
und wiederum wird die Liebe unter den Eigen fc haf te n
Gottes Fr. 22 genannt, noch dazu als eine unter vielen.
Unbedacht ift 79, 48 die Erklärung von der Güte Gottes,
die allen Creaturen alles Gute reichlich gewähre, und
Fr. 49 ift die Gnade doch recht unzulänglich definirt.
In 84, 67 ftofsen wir auf den falfchen Gegenfatz, dafs
Gott den Menfchen nicht durch ein blofses Allmachtswort
ins Dafein gerufen habe, fondern dafs er zuerft des <

Menfchen Leib gebildet u. f. w. S. 94, 9 müfste der
Antwort gemäfs die Frage lauten: Worin ift deutlich,
dafs Jefus der ift, den die Propheten geweisfagt haben?
Bei der Erklärung 98, 15, dafs Jefus Chriftus feine göttliche
Herrlichkeit (nur) in grofsen Zeichen und Wundern
geoffenbart habe, ift weder Joh. 1, 14 noch auch Joh.
10, 37 ff., 11, 41 ff. beobachtet; und 99, 16 wird als
das höchfte Zeugnifs von der Gottheit Jefu das Zeugnifs
der Schrift angeführt.

S. 102, 27 finden wir als den Weihnachtsengel fälfch-
lich den Engel Gabriel genannt; 103, 29 fteht als Beweis
, dafs Jefus fein Leben für uns gelaffen habe, nur
Joh. 15, 13 verzeichnet, nicht einmal 1 Joh. 3, 16 u. a.

S. 103, 32 find die Erweifungen des Propheten
Jefu feine Wunder und Weisfagungen (im Sinne von
Vorherfagungen), währendjefus als Prophet nach Fr.33ff.
den ganzen Rath Gottes zu unferer Seligkeit verkündet.
Dafs die letzten Stunden des Leidens Jefu 105, 38 als
Verföhnungsleiden dem ganzen Leiden feines ganzen
Lebens (das nutzlos erfcheint) gegenübergeftellt werden, ift
nicht fehriftgemäfs. Als logifch höchft verfehlt ift
112, 52 zu bezeichnen, und dafs 118, 5 die Schrift lehre,
dafs der heil. Geift die dritte Perfon .der heil. Dreieinigkeit
fei, ift doch wohl zu viel gefagt, nicht weniger die
Behauptung, dafs 119, 7 wir zum heil. Geifte beten follen.
Mifsverftändlich ift 123, 20, dafs der heil. Geift an alle
Menfchen (jetzt fchon?) den Ruf zum Reiche.Gottes
ergehen laffe, und 126, 28 wird dem rechtfertigenden
Glauben zugefchrieben, was 19,1 der Taufe zugefchrieben
war. S. 130, 41 wird die evangelifch-luth. Kirche mit
der wahren apoftolifchen Kirche gleich gefetzt, wie denn
überhaupt auch 131, 42 vgl. 129, 36. 37 der Begriff der
Kirche an Unklarheit zu leiden fcheint. S. 142, 8 finden
wir Mt. 6, 9 falfch citirt, und die mit 32, 42 gleichlautende
Frage 144, 20 hat eine nicht gleichlautende Antwort erhalten
(Semper idem per idem!). Indem wir endlich noch
notiren, dafs 178, 5 die Ohrenbeichte der Sünden, die wir
wiffen und fühlen im Herzen, vor dem Beichtiger zur
Pflicht gemacht wird, meinen wir, unter abiichtlicher
Verfchweigung einiger dogmatifcher Differenzen, die Bemerkungen
zur Sprache gebracht zu haben, zu denen
der Schulkatechismus von Dr. Schütze Anlafs giebt. Ref.
felbft bedauert, dem verdienten Katecheten fo zahlreiche
Verftöfse aufdecken zu müffen; das Schlufsurtheil kann
nur fein, dafs der Katechismus einer durchgreifenden
Rcvifion bedarf, bevor er billigen Anfprüchen genügt.

Marburg. Achelis.

Schäfer, Diakon.-Anft.-Vorft. P. Thdr., Die weibliche

Diakonie, in ihrem ganzen Umfange dargeftellt. Vorträge
. 3. Bd.: Die Diakoniffin und das Mutterhaus.
Hamburg, Oemler, 1883. (VIII, 357 S. gr. 8.) M. 4. 50;
cplt. M. 12. 60.

Diefer dritte abfchliefsende Band des Werkes führt
in den eigentlichen Herzpunkt der Sache ein. Die Arbeit
der weiblichen Diakonie, die im II. Bande befchrieben
war, hat ja, wie die gefchichtliche Darfteilung des I. Bandes
nachweift, in der chriftlichen Kirche nie ganz geruht,
aber fie ift zu verfchiedenen Zeiten in fchr verfchiedener
Weife und von verfchiedenartig gcftalteten Organen geübt
worden. In der befonderen Geftalt, welche die
weibliche Diakonie heutigen Tages gewonnen hat, in
ihrem Verhältnifs zu Kirche und Amt, vor allem aber in
dem Verhältnifs der Diakoniffin zum Mutterhaufe, mit
einem Worte: in der Form der Schwefternfchaft, liegt
ihre wefentliche Eigenart. Das Leben der Schwefternfchaft
bildet aber den Mittelpunkt diefes Bandes. Es
find alfo zum grofsen Theil Interna, ja fogar vielfach In-
tima, des Diakoniffenwefens, welches er behandelt. Man
hat dem Verf. daraus von mancher Seite einen Vorwurf
machen wollen, m. E. mit Unrecht. Die Unbe-