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Ausgabe:

1883

Spalte:

457-461

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Birt, Theodor

Titel/Untertitel:

Das antike Buchwesen in seinem Verhältniss zur Literatur 1883

Rezensent:

Heinrici, Carl Friedrich Georg

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Troff, zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 20. 6- October 1883. 8. Jahrgang.

Birt, Das antike Buchwefen in feinem Verhält-

nifs zur Literatur (Heinrici).
Vilmar, Collegium biblicum. Des Alten Tefta-

ments 4. Th. (Holtzmann).
Glock, Grundrifs der Pädagogik Luthers (Ka-

werau) Frantz, Die Patronatsbefugmfse (Kohler).

Scheurl, von, Die bevorftehende Lutherfeier ' Luthardt, Der Weg des Heils. Predigten

Schollmeyer, Hieronymus Tilefius, der Reformator
Mühlhaufens (Enders).

Criegern, von, Comenius als Theolog (Weiz-
fäcker).

(Enders). (Meier).

Monrad, Eeftklänge. Aus dem Dänifchen von

A. Mi che Ifen (Meier).
Schütze, Schulkatechismus (Achelis).
Schäfer, Die weibliche Diakonie. 3. Band

(Schloffer).
Kurzgefafste Mittheilungen.
Erklärung von Prof. Schaff u. Erwiderung.

Birt, Theodor, Das antike Buchwesen in seinem Verhältniss Frage nach der Buchtheilung wird erkannt und hervor-

zur Literatur. Mit Beiträgen zur Textgefchichte des gehoben (S. 479 h); es wird der Nachweis geliefert, dafs

Theokrit, Catull, Properz und anderer Autoren. „er, Uebergang aus der Rollenform in die Form des

t, ,. tt . 00 nm - o c 01 v/t ,„ Codex, die Verdrängung des Papyros durch das Perga-

Berhn, Hertz, 1882. (VII, 518 S. gr. 8.) M. 12. - ment fdne Anläffe fn den Anfpr^hen an die chriftliche

Die neuteftamentliche Textgefchichte, welche hin- Literatur hat.
fichtlich der Feftftellung des Werthes und des Charakters Der Verfuch einer Gefchichte des antiken Buch-

der verfchiedenen Quellen für Herftellung der relativ wefens ruht auf der Combination vereinzelter Angaben
reinften Lefung gerade in den letzten Jahren durch ge- 1 in den Handfchriften und gelegentlicher verftreuter Be-
diegene Arbeiten gefördert worden ift, bewegt fich her- , merkungen von Schriftftellern, welche Birt durch um-
kömmlicher Weife in knappen und vereinzelten Notizen , faffendes Quellenftudium, das höchft vortheilhaft auch
über die äufseren Bedingungen, welche den biblifchen 1 auf die lebendige Behandlung der zum Theil fehr fprö-
Schriften ihre Form und Erfcheinung gegeben haben, j den Stoffe eingewirkt hat, vermehrte. Diefe Sachlage
Einige Lehnfätze aus den paläographifchen Sammelwerken ! fordert für die Unterfuchung das induetive Verfahren,
in Verbindung mit Bemerkungen über die Bedeutung des 1 Das Gefammtbild entwickelt fich demgemäfs allmählich
Euthalius für die Stichometrie, über Capitcl- und Vers- ; aus der Erörterung des einzelnen und den Schlüffen von
abtheilung geben die Einleitung zu den Erwägungen der j dem Geficherten auf das Fragliche. Ueber die litera-
diplomatifchen Kritik. Auch bei den Anfätzen zur rifchen Verhältnifse derKaiferzeit befitzen wir beziehungs-
Literaturgefchichte der Kirchenväter ift die Frage nach j weife reiche und deutliche Nachrichten. Mit ihrer Unter-
der Bedeutung des antiken Buchwefens für Entftehung fuchung beginnt daher Birt, um dann weiter zunächft
und Befchaffenheit der altchriftlichen Literatur in ernfte I über die Zeit, in der das Pergament für den Papyros
Erwägung noch nicht gekommen. Deshalb hat das 1 eintrat, fchliefslich über die älteften Formen des Rollen-
Unternehmen Birt's, die Entwicklung des antiken Buch- i buchs im Unterfchied von den feit der alexandrinifchen
wefens erfchöpfend darzuftellen, indem alles zufammen- J Zeit herrfchenden zu orientiren. Das Hauptgewicht feiner
gefafst wird, was aus gelegentlichen Mittheilungen der [ Arbeit fällt der Sache entfprechend in die Aufhellung

Schriftfteller und aus der Befchaffenheit der Handfchriften
von Vorgängern und von ihm felbft ermittelt worden
ift, für die theologifche Forfchung ein unmittelbares In-
tereffe. Diefes wird dadurch erhöht, dafs der Verfaffer
nicht nur ,eine Verfinnlichung unferer claffifchen Leetüre

eben diefer mittleren Periode, in welcher Kallimachos in
Verfolg der Maxime ^itya ßttillor füya xorxoV jene die
ganze helleniftifch-römifche Literatur beherrfchende Buchtheilung
durchführt, bis dann Hieronymus den Ueber-
gang aus der Rollenform in die Form des Pergamentoder
eine lebendigere Vergegenwärtigung des alten j codex wefentlich mit veranlafst.
Literaturlebens in feinen originalen Formen' anftrebt, Danach ergeben fich die Grundzüge der Entwick-

fondern zugleich die Probe für die Fruchtbarkeit feiner ; lung des antiken Buchwefens. In den beiden erften
Ergebnifse an der textkritifchen Behandlung einer Reihe Perioden diente ausfchliefslich das Rollenbuch, deffen
claffifcher Autoren zu geben verfucht. Sind feine Er- j Material allein in Aegypten aus der Papyrosltaude ge-
gebnifse auch an wichtigen Punkten von Erwin Rohde | wonnen, fpäter auch inRom inFabriken hergerichtet wurde,
(Göttinger Gelehrte Anzeigen 1882, Nr. 49) wie von ! zu literarifchen Veröffentlichungen. Während jedoch
Hermann Diels (Hermes XVII, S. 377 f.) in Anfpruch j in der älteften Zeit Riefenbuchrollen bis zur Länge von
genommen, fo bleibt ihnen das Verdienft, überall An- 21, ja 43 Metern angefertigt wurden, die zur Aufnahme
regung gegeben, namentlich aber in anfchaulicher und j des ganzen Homer oder des ganzen Thukydides aus-
frifcher Weife ein Gefammtbild des literarifchen Betrie- ; reichten, gewann in Alexandria das Princip der Buch-
bes der antiken Welt entworfen zu haben, das auch dem J theilung die Herrfchaft, mit Rückficht auf welches dann
Einflufs, welchen die befonderen Bedürfnifse der chrift- j die Rollen auf ein beftimmtes Maximal- und Minimal-
lichen Gemeinde für die Entwicklung des Buchwefens | mafs fabrikmäfsig hergeftellt wurden. Dem entfprechend
befitzt, gerecht wird. So erhalten die gelegentlichen ' wurde von den alexandrinifchen Gelehrten die ältere

Notizen des Neuen Teftaments, die fich auf literarifche
Aeufserlichkeiten beziehen, vermehrtes Licht (vgl. S. 18
zu Luc. 4, 20. S. 65. 88 zu 2. Tim. 4, 13. S. 281 zu
1. Kor. 16, 20 u. a. S. 439 zu Apoc. 18, 5; vermifst
wurde die Rückficht auf Hebr. 10, 7, vgl. jedoch die in-
ftruetiven Stellen aus den LXX S. 116); die grundlegende
Wichtigkeit der alexandrinifchen Ueberfetzung für die

Literatur in Bücher, welche diefen Mafsen fich fügten
eingetheilt, woraus fich manche Willkür der Abtheilungen
erklärt. Den fpäteren Schriftftellern aber ward
es zur Aufgabe, ihre Stoffe fo zu disponiren, dafs fie
den durch die Iffibrikanten gegebenen Gröfsenverhält-
nifsen entfprachen. So kam der Buchhandel in geordnete
Bahnen; denn auch die Berechnung des Preifes Hellte
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