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Ausgabe:

1883

Spalte:

385-386

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doedes, J. L.

Titel/Untertitel:

Encyclopedie der christelijke theologie. 2., verm. Aufl 1883

Rezensent:

Paul, ....

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheinr Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 17. 25. Auguft 1883. 8. Jahrgang.

Doedes Encyclopedie der christelijke theologie. Bonnet, Acta Thomae (Hamack).

2. uitgaaf (Paul). 1 B<Tk> fr*«Jf*fg (Ejy-ers). .

„ , , , uz /n_r n j-rr. achmeil, Lutherlieder (Kawerau).

* enton, Early hebrew hfe (Graf Baud.ff.n). Jundtj ^ Centuries deVMagdebourg (Hamack).

Krementz, Die Offenbarung des h. Johannes Hammerftein, von, Erinnerungen eines alten
(Weifs). Lutheraners (Kawerau).

Doulcet, Essai sur les rapports de l'eglise Beck, Vorlefungen über chriftliche Ethik. I. Bd.
chreüienne avec l'etat romain (Hamack). (Lemme).

Wolff, Gemüth und Charakter. Vorträge (Härtung
).

Borgius, Brofamen vom Tifche des Herrn.

Predigten (Achelis).
Schmidt, Meffianifche Pfalmen und Weiffag-

ungen. Predigten (Lindenberg).
Kurzgefafste Mittheilungen.

Doedes, Hoogleeraar Dr. J. I., Encyclopedie der christelijke

theologie. 2. vermeerderde uitgaaf. Utrecht, Kemink &
Zoon, 1883. (XIV, 272 S. gr. 8.)

Darf man, abgefehen von einigen Standard works,
welche in den Specialdisciplinen der Theologie in der
jüngften Zeit erfchienen find, aus der Bearbeitung und
Bebauung der einleitenden Disciplin, der Encyklopädie,
einen Schlufs ziehen auf die lebendige Bewegung in
unferer Wiffenfchaft, fo kann diefelbe mit vollem Recht
fich jeder anderen vergleichen. Erhielten wir ja doch
in den letzten fünf Jahren nicht weniger als vier neue
deutfche Encyklopädien, die von den verfchiedenften
Gefichts- und Standpunkten aus Licht auf unfere Wiffenfchaft
fallen zu laffen fich bemühen. Neben der Neuauflage
des alten Studentenbuches von Hagenbach hat der
Senior der Bonner Eacultät, Lange, uns mit einem Weg-
weifer befchenkt. Aus von Hofmann's Nachlafs ift ein
dem Geift feines Verfaffers entfprechendes Buch an's
Licht getreten. Räbiger hat zwei tüchtige, die Einfcitig-
keiten der Schleiermacher'fchen Auffaffung der Theoaus
feiner Encyklopädie ausfchliefsen zu muffen meinte
(p. 157, A. 3. 159). Weiter ift als neu hinzugekommen
zu betrachten die Unterfuchung der Erage, ob die Dog-
matik ethifch oder die Ethik dogmatifch zu begründen
und je nachdem die eine der anderen in einer Einleitung
in die Wiffenfchaft voranzuftellen fei (p. 178.179, A. 2 u. 3),
fowie die Frage nach einer oder mehreren Dogmatiken
, die nach Zweck und Ziel des Schreibers beantwortet
wird. Auch fonft find da und dort kleine Veränderungen
und Erweiterungen beigefügt, fo dafs die
neue Auflage die alte um 16 Seiten übertrifft.

Obgleich wir im Grofsen und Ganzen uns den
Ausftellungen Schürer's (Jahrg. 1876 Spalte 530 31 diefes
Blattes), auf welche Anzeige wir der Kürze halber ver-
wiefen haben wollen, in Bezug auf die, wie gleichfalls
an Ofterzee's praktifcher Theologie zu rügende, wenig
principielle Fundamcntirung und Ableitung der einzelnen
Disciplinen anfchliefsen müffen, fo können wir doch die
Gründe, die Doedes von einer Berückfichtigung derfelben
abhielten, als genügend betrachten. Freilich follte feit
Schlciermacher die Architektonik des Ganzen diefer Dis-

logie überbrückende Arbeiten gegeben und Rothe's | ciplin fo feflftehen, dafs an eine Abweichung nicht zu
Theologie ift uns in nuce vorgelegt worden. Dazu kom- j denken wäre. Aber Doedes hat auf der einen Seite in
men einige Abhandlungen des Jenenfer Grimm. An diefe j Deutfchland trotz jener Sachlage Vorgänger und glaubt
deutfchen Arbeiten reiht fich die zweite Auflage des fich auf der anderen Seite durch die Uneinigkeit der
Werkes von Doedes in Utrecht an. Da Holland in ' Fachmänner auf diefem Gebiet gefchützt. Wir müffen
feiner ganzen wiffenfchaftlichen Entwicklung ziemlich i zugeftehen, dafs er fein Princip nicht ungefchickt durch-
von Deutfchland abhängig ift, infonderheit auf dem Ge- geführt hat. Will er ja doch nur das Empfehlens-
biete der Theologie, fo hat es überhaupt in diefem Jahr- werthe zur Pfadweifung junger Leute angeben,
hundert wenig derartiger Arbeiten aufzuweiten. Vor | und füllten holländifche Studenten fich der Schleier-
Schleiermacher erfchien die mit Rückficht auf die Ver- ! macher'fchen Forderung anbequemen wollen, die Ency-
hältnifse lateinifch gefchriebene Encyklopädie des Doedes j klopädie zwei Mal, am Anfang und am Schlufs ihrer
nahe verwandten Ciariffe (1832 35). Wie die Groninger | Studien, gleichfam um zuerft den Berg hinauf-, dann den
Schule nur ein Nachklang Schleiermacher'fcher Ideen ift, Berg herabzufehen, zu betreiben, fo wird ihre Einficht
fo auch ihre von Hofftede de Groot 1851 beforgte Ency- in den Organismus der theologifchen Wiffenfchaften

klopädie. Auf ähnlichem Standpunkt reiht fich die Arbeit 1 Unebenheiten des Syftems von felbft ausgleichen. _

von Chantepie de la Sauffaye an, dem deutfchen Neander j Wird auch diefe Arbeit uns Deutfchen wenig zu gute
vergleichbar. Die jüngfte, mit Rückficht darauf, dafs feit j kommen können, höchftens dem Kirchenhiftoriker, der
1850 die Vorlefungen nicht mehr lateinifch, fondern I auf S. 139—143 eine eingehende fchätzenswerthe Angabe
holländifch gehalten werden, in der Landesfprache bearbeitete
Encyklopädie ift die von Doedes, welche, 1876
zum erften Mal erfchienen, in zweiter Auflage 1883 uns
zur Befprechung vorliegt.

Was die Veränderungen angeht, fo befchränken fie
Ach zumeift auf die feit der erften Auflage erfchienene
Literatur, die Doedes, getreu feinem Princip, nur mit
Auswahl angiebt, da er für vollftändigc Aufzählung, die
fein Buch unnöthig anfchwellen liefse, in den bezüglichen
bibliographifchen Arbeiten geforgt glaubt. Dazu kommen
einige Bemerkungen über Religionsphilofophie, die er,
als zu einem anderen wiffenfchaftlichen Gebiet gehörig, I

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der auf Holland bezüglichen inländifchen kirchen-
hiftorifchen Literatur zu feinen Studien findet, fo kann
fie doch jungen Holländern recht nützliche Dienfte er-
weifen, indem fie diefelben anfänglich in die Disciplinen
einführt und auf unfere deutfche Literatur, namentlich
Hagenbach, auf dem fie wefentlich ruht, aufmerkfam
macht. Für die dortige The ologie ift fie ficher ein bedeutender
Fortfehritt und wird, wie wir hoffen und
glauben, dankbar entgegengenommen werden.

Halle a/S. Paul.