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Ausgabe:

1882 Nr. 22

Spalte:

507-508

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lactantii, Lucii Coelii Firmiani

Titel/Untertitel:

Liber de mortibus persecutorum 1882

Rezensent:

Brieger, Theodor

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Seite 1

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507 Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 22. 508

xsg ovöev icQoaavi&tvxo zu erhärten fucht (S. 186 ff.).
Man mag nun das noooavelrevxo erklären wie man will,
jedenfalls erhellt aus diefer Notiz in Verbindung mit der
anderen in V. 10 (itovov xwv nxioytov 'Iva (.xv1nfi0ve.vwf.isv),
dafs überhaupt bei den damaligen Verhandlungen von
Seite der Urapoftel keine Forderung oder Bedingung
irgend welcher Art geftellt wurde, aufser der einen von
Paulus namhaft gemachten; und damit ift eben die Erzählung
der AG. unvereinbar. Für diefen einfachen
Sachverhalt hat fich aber der Verf. gerade durch die
fcheinbare Gründlichkeit, mit welcher er die Sache behandelt
, den Blick verfchloffen.

Wird man demnach die Ausführungen Zimmer's in
den Hauptpunkten nicht für glücklich halten können, fo
foll doch gerne anerkannt werden, dafs im Einzelnen
manches Gute und Richtige gefagt ift; namentlich die
Polemik gegen Baur ift in vielen einzelnen Punkten zutreffend
. Im Wefentlichen richtig fcheint mir auch der
Sinn der vier Beftimmungen des Apofteldecretes gefafst
zu fein: fie wollen nicht etwa den Heidenchriften ein
Minimum des Gefetzes auferlegen, fondern fie haben
lediglich den Zweck, ,eine religiöfe Gemeinfchaft zwi-
fchen Juden- und Heidenchriften zu ermöglichen' (S. 176).
Allerdings verbindet der Verf. damit die, wie mir
fcheint, nicht richtige Idee, dafs die Heidenchriften unter
dem Gefichtspunkt von Profelyten aufgefafst werden.
Die Beftimmungen des Apofteldecretes wollen vielmehr
lediglich die Heidenchriften zur Vermeidung derjenigen
Punkte anhalten, welche den Juden befonders anftöfsig
find, und die ihnen daher einen näheren Verkehr mit
den Heiden unmöglich machen. — So viel Richtiges aber
auch im Einzelnen in der mit vielem Fleifs gearbeiteten
Schrift gefagt ift, fo find eben doch die Hauptrefultate
unhaltbar, und — was bei der Beurtheilung vielleicht
noch fchwerer in's Gewicht fällt — wirklich Neues ift
darin nicht eben viel enthalten; und das Neue ift nur
theilweife richtig. Am unglücklichften ift wohl die Entdeckung
, dafs die von der Apoftelgefchichte erzählte
zweite Reife Pauli nach Jerufalem (AG. 11,30; 12, 25),
von welcher bekanntlich der Galaterbrief nichts weifs,
im Galaterbrief doch erwähnt fei, und zwar 2, 10 in den
Worten u v.ai lonovdaoa aexö xovxn rcoirfiai. Die Begründung
möge man bei Zimmer felbft S. 82—87 nachliefen
.

Giefsen. E. Schür er.

Lactantii, Lucii Coelii Firrniani, Uber de mortibus
persecutorurtl. Edition classique, texte revu sur le
manuscrit unique conserve ä la Bibliotheque Nationale,
avec notice et notes en Fransais par M. Fr. Dübner.
Paris-Lyon 1879, Vict. Lecoffre. (VIII, 80 S. 18.)

Erft kürzlich ift mir vorftehende Ausgabe, welche in
diefen Blättern keine Befprechung gefunden hat, bekannt
geworden. Leider warten wir auf Karl Halm's Ausgabe
des Lactantius, welche er für das Wiener ,Corpus
Scriptorufn Ecclesiasticorum1 vorbereitet, noch immer vergeblich
. Um fo begieriger griff ich nach dem neuen Abdruck
der für den Hiftoriker intereffanteften und wich-
tigften Schrift des Lactanz, zumal da er eine Revifion
des Textes nach der einzigen, in Paris befindlichen Hand-
fchrift fchon auf dem Titel verhiefs, wie der Herausgeber
auch am Schlufs feiner Einleitung fagt: ,Comme la legon
du texte 11011s semblait fort douteuse en plusieurs endroits,
nous nous sommes reporte au manuscrit original et l'avons
recollationne; le texte de cette petite edition a donc pu etre
constitue en tonte connaissance de cause1.

Da von den bisherigen Herausgebern nach Baluzius
der Codex der Parifer National-Bibliothek nur noch ein
einziges Mal für die Conftituirung des Textes herangezogen
war (von Lenglet-Du-Fresnoy), mufste Dübner's
Unternehmen verdienftlich erfcheinen.

Indeffen, unfere Erwartungen werden fchmählich
getäufcht. Die angebliche Vergleichung des Codex ift
mit einer Leichtfertigkeit vorgenommen, welche ihres
Gleichen fucht.

Karl Halm hat fich fchon vor Jahren von Andr.
Laubmann eine ,mufterhaft forgfältige Copie' der Parifer
Handfchrift anfertigen laffen und über diefelbe einen
vorläufigen Bericht erftattet (,Zu Lactantius de mortibus
persecutorum', Sitzungsberichte der philof.-hiftor. Claffe der
Akademie der Wiff. zu Wien, Bd. 50, 1865, S. 161 —167).
Durch die Arbeit Laubmann's ,werden nicht blofs manche
Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten in den bisherigen
Relationen berichtigt, fondern fie giebt auch (wie Halm
eingehend zeigt) für die Verbefferung mehrerer fchlimmer,
befonders lückenhafter Stellen einige beachtenswerthe
Fingerzeige'.

Es find gegen 50 Stellen, welche auf diefe Weife
eine mehr oder minder belangreiche Verbefferung erfahren
. Faft in allen diefen Fällen ift der Codex
für D. überhaupt nicht vorhanden gewefen, faft
überall werden die bisherigen falfchen Lesarten wieder
aufgewärmt, mitunter felbft an folchen Stellen, wo
einzelne Herausgeber fchon durch Conjectur das Richtige
boten. Nur an einer Stelle (cap. 21: non decuriones modo)
fcheint er felbftändig dem Codex gefolgt zu fein, denn
an den vier anderen Stellen, wo er mit dem Codex zu-
fammentrifft, bot auch fchon Fritzfche (und vermuth-
lich nicht er allein) die richtige Lesart.

Auch fonft fehlt es nicht an Spuren von Flüchtige
keit. So ift Cap. 13 in der Lactanzifchen Wiedergab-
des erften Diocletianifchen Verfolgungsedictes nach non
de iniuria das non de adultcrio ausgefallen. Vergeblich
aber fucht man nach einer Erklärung, weshalb D., ohne
ein Wort darüber zu verlieren, die 4 Capitel 38—41 fortgelaufen
hat, fo dafs bei ihm die Schrift nicht ihre 52
Capitel, fondern nur 48 zählt.

Kurz, für den wiffenfehaftlichen Gebrauch ift diefe
edition classique werthlos.

Um fo berechtigter erfcheint der Wunfeh, dafs die
Wiener Akademie fpäter von diefer Schrift des Lact,
eine Separatausgabe veranftalten möge. Denn für kir-
chengefchichtliche Uebungen im Seminar bildet fie im
Verein mit den Relationen des Eufebius über die letzte
grofse Verfolgung, wie ich aus Erfahrung bezeugen kann,
eine vorzügliche Unterlage.

Marburg, Auguft 1882. Th. Brieger.

Ebrard, Pfr. Confift.-R. Dr. Aug., Bonifatius, der Zerstörer
des columbanischen Kirchenthums auf dem Festlande. Ein

Nachtrag zu dem Werke: ,Die irofehottifche Miffions-
kirche'. Gütersloh 1882, Bertelsmann. (VIII, 259 S.
gr. 8.) M. 4. -
Seine in der ,Irofchottifchcn Miffionskirche' (Gütersloh
1873) UDer die Wirksamkeit des Apoftels der Deut-
fchen niedergelegten Anflehten vertritt Ebrard von
Neuem in vorliegender Schrift. Diefelbe verfolgt in
erfter Linie eine polemifche Tendenz, richtet fich gegen
O. Fifcher's Biographie des Bonifatius (Leipz. 1881). Die
Sprache, in der Ebrard feinen Gegner angreift, dürfte
wohl an beleidigenden Kraftausdrücken, an verletzendem
Spott in den Annalen der Gefchichtswiffenfchaft vergebens
ihres gleichen fuchen. Dafs Fifcher eine energische
Zurückweifung von Seiten Ebrard's verdient hat,
wird jeder zugeftehen müffen, der fich von dem hochfahrenden
nörgelnden Ton, den jener in ,den Bemerkungen
und Erläuterungen' (S. 250 ff.) diefem gegenüber
anfehlägt, perfönlich überzeugt und um fo peinlicher
berührt gefühlt hat, als hier ein junger, unbekannter
Schriftfteller, von deffen Arbeit fein Kritiker in der
theologifchen Literaturzeitung (1882, Nr. 2), Profeffor
Moeller in Kiel, urtheilt, dafs der Umfang der eigenen